Ein St.-Johannis-Nachts-Traum
Уильям Шекспир




William Shakespeare

Ein St.-Johannis-Nachts-Traum





Personen:




Theseus.

Egeus.

Lysander.

Demetrius.

Philostratus.

Hippolita.

Hermia.

Helena.

Squenz.

Schnok.

Zettel.

Flaut.

Schnauz.

Schluker.

Vorredner.

Löwe.

Mondschein.

Pyramus.

Thisbe.

Oberon, König der Feen.

Puk.

Titania, die Königin.

Feen.

Spinneweb.

Senfsaamen.


Die Scene ist in Athen, und einem Wald nicht weit davon.




Erster Aufzug





Erster Auftritt




(Des Herzogs Pallast in Athen.)

(Theseus, Hippolita, Philostratus und Gefolge, treten auf.)


Theseus.

		Nun nähert sich, Hippolita, die Stunde
		Die unser Bündniß knüpft, mit starken Schritten.
		Vier frohe Tage bringen einen andern Mond.
		Doch o! wie langsam, deucht mich, schwindet
		Nicht diese alte Luna! Sie ermüdet
		Mein sehnend Herz, gleich einer allzuzähen
		Stiefmutter oder Wittwe, die zu lang
		An eines jungen Mannes Renten zehrt.

Hippolita.

		Schnell werden sich vier Tag' in Nächte tauchen,
		Vier Nächte schnell die Zeit vorüberträumen;
		Dann wird der Mond gleich einem Silberbogen
		Neu aufgespannt im Himmel, auf die Nacht
		Die unsre Liebe krönt, herunter winken.

Theseus.

		Geh, Philostrat, und ruffe durch Athen
		Die Jugend auf zu Lustbarkeiten! wecke
		Den leichten muntern Geist der Frölichkeit.
		Die blasse Schwermuth sey zu Leichen-Zügen,
		Wozu sie besser taugt, von unserm Fest verbannt!
		Hippolita, ich buhlte mit dem Schwerdt
		Um dich, und unterm Lerm der wilden Waffen
		Gewann ich deine Gunst; doch froher soll
		Mit Pomp, Triumph und mitternächtlichen Spielen
		Der Tag, der uns vermählt, begangen werden.



(Egeus, Hermia,Lysander und Demetrius treten auf.)


Egeus.

		Glüklich sey Theseus, unser grosser Fürst.

Theseus.

		Dank, edler Egeus! was bringst du uns Neues?

Egeus.

		Voll Unmuth komm ich, Fürst, mit Klagen über
		Mein Kind, mit Klagen über Hermia – tritt
		Hervor, Demetrius! – dieser Mann, o Herr,
		Hat meinen Beyfall, sie zur Eh zunehmen —
		Lysander, steh' hervor! Und dieser Mann
		Hat meines Kindes Herz bezaubert. Ja du,
		Lysander, du, du gabst ihr Reime,
		Und wechseltest verstohlne Liebespfänder
		Mit meinem Kinde. Falsche Buhlerlieder
		Sangst du beym Mondschein mit verstellter Stimme
		Vor ihrem Fenster ab, und hast durch Bänder
		Von deinen Haaren, Ringe, Trödelwerke,
		Durch Naschereyen, Puppen, Blumensträusse
		Den Abdruk ihrer Phantasie gestohlen.
		Durch Ränke hast du meiner Tochter Herz
		Entwandt und den Gehorsam, welchen sie
		Mir schuldig ist, in Widerspenstigkeit
		Und schnöden Troz verkehrt. Wofern sie also,
		Mein königlicher Herr, nicht hier
		Vor Eurer Hoheit sich bequemen will,
		Dem Mann, den ich erkohr', die Hand zu geben;
		So sprech ich hier der Bürger von Athen
		Uraltes Vorrecht, und die Freyheit an,
		Mit ihr als meinem Eigenthum zu schalten:
		Und diß wird seyn, sie diesem Edelmanne,
		Wo nicht, dem Tod zu überliefern, wie
		In einem solchen Fall der Buchstab' des Gesezes
		Ausdrüklich lautet —

Theseus.

		Was sagt Hermia
		Hiezu? bedenke dich, mein schönes Kind!
		In deinen Augen soll dein Vater
		Ein Gott, der Schöpfer deiner Schönheit, seyn.
		Mit ihm verglichen, bist du nichts als eine
		Von ihm in Wachs gebildete Figur,
		Die er, nachdem es ihm beliebt, erheben
		Und wieder tilgen kan. Demetrius ist
		Ein würdiger Edelmann.

Hermia.

		Das ist Lysander auch.

Theseus.

		Er ist es an sich selbst,
		Doch da ihm deines Vaters Stimme mangelt,
		So ist der andre würdiger anzusehen.

Hermia.

		O! daß mein Vater nicht mit meinen Augen sieht.

Theseus.

		Weit besser wär' es, deine Augen sähen
		Mit deines Vaters Klugheit.

Hermia.

		– Eure Hoheit
		Vergebe mir. Ich weiß nicht, welche Macht
		Mir diese Kühnheit eingehaucht, noch wie
		Vor so viel Augen, meine Sittsamkeit
		Sich überwinden kan, für meine Neigung
		Das Wort zu nehmen. Aber, meldet mir,
		Mein Herr, das schlimmste, das mich treffen kan,
		Wenn ich mich weig're diesen Mann zu nehmen.

Theseus.

		Den Tod zu sterben, oder Lebenslang
		Die männliche Gesellschaft abzuschwören.
		Befrage also deine Neigung, Hermia!
		Bedenke deine Jugend; Ist dein Blut
		So kühl, und hast du, wenn du deines Vaters
		Beschloßner Wahl dich nicht ergeben willst,
		Auch Muth genug, auf ewig eingeschleyert
		In eines öden Klosters trübe Schatten
		Verschlossen, eine unfruchtbare Schwester
		Dein Leben hinzuleben; traurige Hymnen
		Dem kalten Mond entgegenächzend —
		Dreymal beglükt, die, ihres Blutes Meister,
		Solch' eine keusche Pilgrimschaft bestehen!
		Doch irdischer glüklich ist die abgepflükte Rose,
		Als die am unvermählten Stoke welkend
		In einzelner Glükseligkeit, von niemand
		Gesehen, ungenossen, wächßt und blüht und stirbt.

Hermia.

		So will ich wachsen, so verblüh'n und sterben,
		Mein Königlicher Herr, eh meine Freyheit
		Dem Joch des Manns sich unterwerffen soll,
		Deß unerwünschte Herrschaft meine Seele
		Nicht über sich erkennt.

Theseus.

		Nimm dir Bedenkzeit,
		Und auf den nächsten Neuenmond, den Tag
		Der durch Hippolita mich glüklich macht,
		Bereite dich, nach deines Vaters Willen
		Dich dem Demetrius zu ergeben; oder
		Durch deinen Tod des Ungehorsams Frefel
		Zu büssen; oder an Dianens Altar
		Des Klosterlebens strenge Pflicht zu schwören.

Demetrius.

		Erweiche, Schönste, dich; und du Lysander,
		Tritt deinen schwachen Anspruch meinem stärkern Rechte
		Freywillig ab —

Lysander.

		Du hast, Demetrius, ihres Vaters Liebe,
		Laß du nur Hermias mir; heurathe ihn!

Egeus.

		Ja, hönischer Lysander, es ist wahr,
		Er hat sie, meine Liebe; und was mein ist,
		Soll meine Lieb' ihm geben; sie ist mein,
		Und all mein Recht an sie trett' ich Demetrio ab.

Lysander.

		Ich bin so edel als wie er gebohren;
		Ich bin so reich als er, und liebe mehr
		Als er; mein Glüke blüht an jedem Zweige,
		So schön als seines, um nicht mehr zu sagen;
		Und was diß alles dessen er sich rühmet
		Allein schon überwiegt, mich liebt die schöne Hermia.
		Und sollt ich denn mein Recht nicht durchzusezen suchen?
		Demetrius, ins Gesicht behaupt' ichs ihm,
		Bewarb sich kürzlich noch um Nedars Tochter
		Die schöne Helena, und gewann ihr Herz.
		Izt schmachtet sie, die sanfte Seele! schmachtet
		Bis zur Abgötterey um diesen falschen
		Treulosen Mann —

Theseus.

		Ich muß gestehen
		Daß ich davon gehört, und mit Demetrius
		Davon geredt zu haben, mich beredet;
		Doch eigne Sorgen machten's mir entfallen.
		Kommt ihr indeß, Demetrius und Egeus,
		Ich hab euch beyden etwas aufzutragen,
		Das mich sehr nah' betrift. Du aber, Hermia,
		Sieh' zu, soll anders nicht die ganze Strenge
		Der Sazung von Athen, die ich nicht schwächen kan,
		Dich treffen, daß du deine Schwärmerey
		Dem Willen deines Vaters unterwerffest.
		Wie steht's, Hippolita?[1 - {ed. – * Hippolita hatte diese ganze Zeit über nicht ein einziges Wort gesprochen. Hätte ein neuerer Poet das Amt gehabt, ihr ihre Rolle anzuweisen, so würden wir sie geschäftiger als alle andre gefunden, und zweifelsohne möchten auch die Liebhaber ein gelinderes Urtheil von ihr erwartet haben: Allein Shakespearewußte besser was er zu thun hatte, und beobachtete das Decorum. Warbürton.}] Komm, meine Liebe!
		Demetrius, und Egeus folget mir!



(Sie gehen ab.)





Zweyter Auftritt




(Lysander und Hermia bleiben.)


Lysander.

		Wie? meine Liebe? wie ist deine Wange
		So blaß? warum verwelken ihre Rosen?

Hermia.

		Vielleicht weil sie des Regens mangeln,
		Woraus ich aus den Wolken meiner Augen
		Sie reichlich überthauen könnte.

Lysander.

		Hermia; so viel ich in Geschichten las,
		Und aus Erzählung hörte, floß der Strom
		Der wahren Liebe niemals sanft dahin.
		Entweder hemmte ihn des Standes, oder
		Der Jahre Abstand, oder Widerwille
		Der Anverwandten; und wenn ja die Wahl
		Der Liebenden durch ihre Sympathie
		Beglükt zu seyn versprach, so stellte sich
		Krieg, Krankheit oder Tod dazwischen
		Und macht' ihr Glük vergänglich wie der Schall,
		Flüchtig wie Schatten, kurz als wie ein Traum,
		Vorüberfahrend wie der helle Bliz
		In einer schwarzen Nacht, der Erd und Himmel
		In einem Wink enthüllt, und eh noch einer Zeit hat
		Zu sagen: Sieh! schon von dem offnen Schlunde
		Der Finsterniß verschlungen ist.
		So eitel sind die Dinge, die am schönsten glänzen!

Hermia.

		Wenn denn getreue Liebe jederzeit
		Durch Wiederwärtigkeit geprüfet wurde,
		Und diß der feste Schluß des Schiksals ist;
		So laß uns unsre Prüfung mit Geduld
		Besteh'n, weil Widerwärtigkeit und Leiden
		Ein eben so gewöhnlichs Zugehör
		Der Liebe ist, als Staunen, Träume, Seufzer,
		Wünsche und Thränen, das gewöhnliche
		Gefolg der liebeskranken Phantasie.

Lysander.

		Ein guter Glaube! Höre mich dann, Hermia.
		Nur sieben Stadien von Athen entfernt
		Wohnt eine meiner Basen, reich, verwittwet,
		Und kinderlos. Sie hält und liebet mich
		Wie ihren eignen Sohn. Dort, schönste Hermia,
		Dort kan ein ewig Bündniß uns vereinen,
		Und bis dorthin kan auch Athens Gesez
		Uns nicht verfolgen. Liebest du mich also,
		So schleiche morgen Nachts aus deines Vaters Hause
		Dich weg, in jenen Wald, nah' bey Athen,
		Wo ich dich einst mit Helena gefunden,
		Als ihr des ersten Maytags Ankunft feyrtet.

Hermia.

		Ach! mein Lysander!

Lysander.

		Zaudert Hermia? —

Hermia.

		Nein!
		Bey Amors stärkstem Bogen schwör ich dir,[2 - {ed. – * Der Dr. Warbürton fand, daß Hermia sich zu schnell, und was das schlimmste ist, auf den ersten Antrag, durch eine Reihe von Eyden verbinde, mit dem Lysander davon zu lauffen. Er glaubt, daß Shakespearenicht fähig gewesen einen solchen Fehler zu machen, und schreibt also allen alten und neuen Ausgaben unsers Dichters zuwider, diese schöne Rede: (Bey Amors stärkstem Bogen,) u.s.w. dem Lysander, und nur die zween lezten Verse der Hermia zu. Meine Empfindung widerspricht hier den Vernunftschlüssen des Kunstrichters. Ich finde eine solche Weiblichkeit in dieser Rede, daß sie mit Anständigkeit nur von Hermia gesagt werden kan. Empfindende Leserinnen mögen den Ausspruch thun. Damit aber doch das von Warbürton in dem Text vermißte Decorum gerettet werde, habe ich nach seinem Beyspiel die Freyheit gebraucht, auf die Worte Hermias, (my good Lysander), den Lysander sagen zu lassen: Zaudert Hermia? welches er im Englischen nicht sagt. Worauf dann Hermia, als ob sie sich recolligire, erwiedert: Nein! bey Amors u.s.w.}]
		Beym schärfsten seiner goldgespizten Pfeile,
		Lysander, bey der unschuldvollen Einfalt
		Der Dauben, die der Venus Wagen ziehen,
		Beym Feuer das Carthagos Königin
		Verzehrte, da sie mit geblähten Seegeln
		Den ungetreuen Troyer fliehen sah;
		Bey dem was Seelen an einander küttet,
		Bey jedem Schwur, den je ein Mann gebrochen,
		Bey mehr als Mädchen jemals ausgesprochen;
		An jenem Plaz, im Schatten jener Linden,
		Sollt du mich zur bestimmten Stunde finden.

Lysander.

		Vergiß nicht dein Versprechen, holde Liebe.
		Schau, hier kömmt Helena.




Dritter Auftritt


Hermia.

		Wie eilig, schöne Helena, wohin?

Helena.

		Mich nennst du schön? O! nimm diß Schön zurük.
		Demetrius liebet dich! du bist ihm schön
		Glüksel'ge Schöne! Deine Augen sind
		Die Sterne, die ihn leiten; süsser tönt
		Ihm deine Stimme, als der Lerche Lied
		Dem Ohr des Hirten, wenn die Wiesen grünen,
		Und junge Knospen um den Hagdorn blinken!
		Krankheit ist erblich! O! wär's auch die Kunst
		Die uns gefallen macht: Wie wollt ich, eh ich gehe,
		Die deine haschen! Meine Blike sollten
		Die Zauberkraft von deinem Blik, mein Mund
		Den süssen Wohlklang deiner Lippe haschen.
		Wär' mein die Welt, und blieb Demetrius mir,
		Wie gerne ließ ich alles andre dir!
		O lehre mich, wie blikest du ihn an?
		Mit was für Künsten, schöne Freundin, sprich,
		Beherrschest du die Triebe seines Herzens?

Hermia.

		Die Stirne rümpf ich ihm, doch liebt er mich.

Helena.

		O möchten deiner Stirne Falten
		Mein Lächeln solche Wirkung lehren.

Hermia.

		Verwünschung geb ich ihm, doch giebt er stets mir Liebe.

Helena.

		O! wäre mein Gebett von solcher Kraft!

Hermia.

		Je mehr ich hasse, folgt er mir.

Helena.

		Je mehr ich liebe, haßt er mich.

Hermia.

		Sey guten Muths! er soll mich nicht mehr sehen.
		Lysander und ich selbst verlassen diese Gegend.
		Eh ich Lysandern sah, schien mir Athen
		Elysium. O! welch ein Reiz muß dann
		In meiner Liebe seyn, da sie den Ort
		Der einst ein Himmel war, zur Hölle macht.

Lysander.

		Laß uns, o Freundin, unsre Seelen dir
		Vertraut enthüllen. Morgen Mitternachts,
		Wenn Phöbe in der Wellen feuchtem Spiegel
		Ihr silbern Angesicht beschaut, und dekt
		Den grünen Wasen mit zerfloßnen Perlen,
		Zur Zeit, die oft der Liebe Flucht verheelte,
		Sind wir entschlossen, Helena, uns durch
		Die Thore von Athen hinweg zu stehlen.

Hermia.

		Und in dem Hayn, wo oftmals du und ich
		Auf Frühlings-Blumen hingegossen lagen,
		Und unsre von jungfräulichen Gedanken
		Geschwellte Busen ihrer Last entleerten;
		Dort werden wir, Lysander und ich selbst,
		Uns finden, und dann von Athen die Augen wenden,
		Um neue Freunde unter neuen Himmeln
		Zu suchen. Lebe wohl, anmuthige Gespielin!
		Und wie du für uns betest, gebe dir
		Ein günstig Glük den Jüngling den du liebest!
		Lysander halte Wort! – Nun müssen unsre Augen
		Bis morgen Nachts der Liebe Kost entbehren.

Lysander.

		Ich will, meine Hermia! – Lebe wohl, Helena,
		Demetrius liebe dich, wie du ihn liebest!



(Lysander und Hermia gehen ab.)


Helena (allein.)

		Wie manche doch vor manchen glüklich sind!
		Durch ganz Athen werd ich so schön geachtet
		Als Sie – Was hilft es mir? Demetrius nur
		Denkt anders! Er für den ich es allein
		Zu seyn verlange, kan nicht, will nicht sehen,
		Was Aller Augen ausser ihm gestehen.
		Der gleiche Irrthum, der nach Hermias Bliken
		Ihn schmachten macht, bethört mein Herz für ihn.
		Den unscheinbarsten blödsten Dingen kan
		Die Liebe Glanz, Gestalt und Würde geben.
		Die Liebe siehet durch die Phantasie,
		Nicht durch die Augen, und deßwegen wird
		Der goldbeschwingte Amor blind gemahlt.
		Geflügelt ohne Augen deutet er
		Der Liebe Hastigkeit im Wählen an;
		Und weil sie leicht verläßt was sie erkohr,
		So stellt man ihn als einen Knaben vor;
		Wie Knaben oft beym Spiel meineydig werden,
		So scherzt des Knaben Amors Leichtsinn auch
		Mit seinen Schwüren. Eh Demetrius
		Auf Hermias Augen sahe, hagelt er
		Eydschwüre ewig mein zu seyn, herab;
		Allein es fühlte dieser Hagel kaum
		Die Glut von ihrem Blik, so schmolz er hin.
		Izt will ich geh'n und Hermias Flucht ihm melden.
		Dann wird er morgen Nachts sie in den Hayn
		Verfolgen, und wenn anders die Entdekung
		Mir Dank gewinnt, so wird er theur erkauft.
		Doch wird mir dieses meine Pein versüssen,
		Wenn ich es sehe[3 - {ed. – * Der Übersezer hat sich hier eine Freyheit erlaubt, die er selten zu nehmen gedenkt, nemlich einen etwas dunkeln Vers durch fünf andre zu paraphrasieren. Ob er aber den Sinn des Poeten getroffen, wird dem Ausspruch der Kunstrichter überlassen.}] wie er sie zu finden,
		Der Ungetreue! hie und dort und da
		Umsonst in zitternder Verwirrung läuft;
		Und mein verschmähtes Auge durch den Anblik
		Der eiteln Wuth ergözt, womit er wieder kehrt.



(Geht ab.)





Vierter Auftritt




(Squenz, Schnok, Zettel, Flaut, Schnauz und Schluker treten auf.)


Squenz.

		Ist die Companie beysammen?

Zettel. Es wär' am besten, ihr rieffet sie alle Mann für Mann auf, wie es der Rodel giebt.

Squenz. Hier ist die Liste von jedermanns Namen, der in ganz Athen für tüchtig gehalten wird, in unserm Zwischenspiel vor dem Herzog und der Herzogin zu spielen, an seinem Hochzeittag zu Nacht.

Zettel. Vor allen Dingen, guter Peter Squenz, sagt uns, wovon das Stük handelt; dann leset die Namen von den Agenten, und so eins nach dem andern.

Squenz. Sapperment! es ist die höchstklägliche Comödie, und der jämmerliche Tod von Pyramus und Thisbe.

Zettel.

		Ein recht gutes Stük Arbeit, ich kan's euch sagen; und lustig! Izt,
		wakrer Peter Squenz, ruft euere Agenten nach dem Rodel auf – ihr
		Herren! macht euch fertig!

Squenz.

		Antwortet wie ich euch ruffe. Claus Zettel, der Weber!

Zettel.

		Hier! Nennet meinen Part, und weiter!

Squenz.

		Ihr, Claus Zettel, seyd für den Pyramus hingesezt.

Zettel.

		Was ist Pyramus? Ein Liebhaber oder ein Tyrann?

Squenz.

		Ein Liebhaber, der sich selber nur auf eine recht galante Art aus
		Liebe ersticht.

Zettel. Das wird einige Zähren erfodern, wofern es recht gemacht werden soll. Wenn ich es mache, dann mögen die Zuschauer zu ihren Augen sehen! Ich will Stürme erregen, ich will condolieren, daß es eine Art haben soll! weiter! – Aber meine gröste Declination ist zu einem Tyrannen. Ich wollte einen Herkles spielen, etwas rares! Oder einen Part, wo ich ein Vorgebürg einreissen müßte, daß alles zersplitterte – "Der Felsen Schooß und toller Stoß zerbricht das Schloß der Kerkerthür, und Febbus Karr'n, Kommt angefahr'n, und macht erstarr'n, des stolzen Schiksals Zier!" – Das gieng hoch! – Namset izt die übrigen Agenten – Das war Herklessens Ader! Eine Tyrannen-Ader! Ein Liebhaber geht schon gravitätischer.

Squenz.

		Franz Flaut, der Blasbalg-Fliker.

Flaut.

		Hier, Peter Squenz.

Squenz.

		Ihr müßt Thisbe über euch nehmen.

Flaut.

		Was ist Thisbe? Ein irrender Ritter?

Squenz.

		Es ist die Princessin, in die Pyramus verliebt ist.

Flaut. Nein, mein Six! gebt mir keinen Weiber-Part, ich fange schon an einen Bart zu bekommen.

Squenz. Das ist all eins! Ihr müßt in einer Maske spielen; und ihr könnt so zart reden, als ihr wollt.

Zettel. Wenn ich mein Gesicht verbergen darf, so gebt mir Thisbe auch; ich will mit einer monstrosen zarten Stimme reden – "Thisne, Thisne, ach! Pyrimus, mein Liebster werth, dein' Thisbe zart, dein Liebchen zart" —

Squenz. Nein, nein, ihr müßt beym Pyramus bleiben, und Flaut muß Thisbe seyn.

Zettel.

		Gut! fortgefahren!

Squenz.

		Max Schluker, der Schneider.

Schluker.

		Hier, Peter Squenz.

Squenz.

		Max Schluker, ihr müßt Thisbes Mutter seyn. Hans Schnauz, der
		Keßler!

Schnauz.

		Hier, Peter Squenz.

Squenz.

		Ihr, des Pyramus Vater, ich selbst Thisbes Vater. Schnok, der
		Schreiner, ihr macht des Löwen Part. Ich hoffe, nun ist unsre
		Comödie in der Ordnung.

Schnok. Habt ihr des Löwen Part geschrieben? Wenn es ist, so seyd so gut und gebt ihn mir; denn ich bin nicht gar fix zum Studieren.

Squenz. Ihr könnt ihn ex tempore machen; denn es ist weiter nichts zu thun, als zu brüllen.

Zettel. Gebt ihr mir den Löwen noch dazu; ich will brüllen, daß es den Leuten im Herzen wohl thun soll; ich will brüllen, daß der Herzog sagen soll: Laßt ihn noch einmal brüllen, laßt ihn noch einmal brüllen!

Squenz.

		Wenn ihr es gar zu gut machtet, so könntet ihr die Herzogin und die
		Damen so erschreken, daß sie zu schreyen anfiengen, und das wäre
		genug, uns alle an den Galgen zu bringen.

Alle.

		Ja, das würde uns jeden Mutter-Sohn hängen.

Zettel. Sapperment! Das glaub ich wol, wenn wir sie erst aus ihren fünf Sinnen schrekten, so würden sie nicht mehr Secretion haben, als uns aufzuhängen. Aber ich will meine Stimme schon aggraviren, ich will euch so artig brüllen wie irgend eine junge Daube, ich will euch brüllen, als ob es eine Nachtigall wäre.

Squenz. Ihr könnet keinen andern Part machen als den Pyramus; denn Pyramus ist ein Mann mit einem Weibergesichtchen, ein sauberer Mann als man irgend an einem Sommers-Tag sehen mag, gar ein hübscher Junker- mässiger Mann; und also müßt ihr nothwendig den Pyramus machen.

Zettel. Gut, ich will ihn auf mich nehmen. Mit was für einem Bart wollt ihr, daß ich spielen soll?

Squenz.

		Wie? Was für einen ihr wollt!

Zettel. Mir gilt es auch gleich; ich will ihn entweder in euerm strohfarbnen Bart machen, oder in euerm orangebraunen Bart, oder in euerm carmesin-rothen Bart, oder in euerm französisch-kron-farbnen Bart, in euerm hochgelben!

Squenz. Etliche von unsern französischen Kronen haben gar kein Haar mehr, und das liesse als ob ihr gar mit einem kahlen Gesicht spieltet. Aber, ihr Herren, hier sind eure Pärte, und ich bitte, ermahne und ersuche euch, sie bis morgen Nachts auswendig zu lernen, und in den Schloßwald, eine halbe Stunde von der Stadt, wieder zu mir zu kommen, damit wir dort beym Mondschein probieren; denn wenn wir in der Stadt zusammen kämen, so würden wir Zuhörer kriegen, und die Sache käme aus. Unterdessen will ich einen Aufsaz von den Zurüstungen machen, die wir zu unserm Spiele nöthig haben. Ich bitte, bleibt mir nicht aus.

Zettel. Wir wollen kommen! Der Einfall ist gut; wir können im Wald obscener und herzhafter probieren.

Squenz.

		Bey des Herzogs Eiche wollen wir einander antreffen.

Zettel.

		Genug, die Stränge mögen halten oder brechen! —



(Sie gehen alle ab.)





Zweyter Aufzug





Erster Auftritt




(Ein Wald. Eine Fee tritt von einer, und Puk von der andern Seite auf.)


Puk.

		Wohin, Geist, wohin wanderst du?

Fee.

		Über Berg, über Thal,
		Durch Heken und Ruthen,
		Über Holz, über Pfahl,
		Durch Feuer und Fluthen;
		Schneller als des Mondes Sphär
		Wandr' ich rastlos hin und her.
		Ich dien' der Feen-Königin,
		Zum stillen Tanz,
		Beym Sternen-Glanz,
		Bethaute Kreis' im Grünen ihr zu zieh'n.
		Sie ist der Primuln Pflegerin,
		Die auf den jungen Wiesen glüh'n.
		Auf ihrem göldenen Gewand
		Ist jeder Fleken ein Rubin,
		Worein der milden Feyen Hand
		Die Düfte gießt, die euch entzüken.
		Izt muß ich geh'n, und Thau vom Grase pflüken,
		Und jeder Primul Ohr mit einer Perle schmüken.
		Fahr wol, du tölpelhafter Geist, ich muß entflieh'n;
		Die Königin mit allen ihren Elfen
		Ist im Begriff hieher zu zieh'n.

Puk.

		Der König pflegt die Nacht durch hier zu schlummern.
		Gieb Acht, daß deine Königin
		Ihm ja nicht vor die Augen komme.
		Denn Oberon ist noch von Zorn entbrannt,
		Daß sie am Indus jüngst den schönsten Knaben,
		Zu ihrer Aufwart, einem König raubte.
		Der eifersücht'ge Oberon begehrt
		Den schönen Knaben, daß er auf die Jagd
		Ihn durch den wilden Forst begleiten helfe,
		Von ihr zurük; doch immer unerbittlich
		Behält sie ihren Liebling ganz für sich,
		Bekränzt mit eigner Hand sein lokicht Haar,
		Und macht aus ihm nur alle ihre Lust.
		Seitdem begegnen sie sich niemals mehr
		In Lauben, noch auf grünen Fluren, noch
		An Silber-Quellen, noch beym Sternen-Licht;
		So heftig ist ihr Zwist, daß alle ihre Elfen
		Vor Angst in Ahorn-Becher sich verkriechen.

Feye.

		Entweder irr' ich mich an deiner Bildung
		Und Mine gänzlich, oder du
		Bist jener schelmische leichtfert'ge Geist,
		Den Robin Gutgesell das Landvolk nennt.
		Bist du's nicht, der die Mädchen aus dem Dorfe
		Bey Nacht erschrekt, der Milch die Sahne raubt,
		Die Mühle heimlich dreht, macht daß umsonst die Bäurin
		An fettem Rahm sich aus dem Athem rührt,
		Und daß im Bier sich keine Hefen sezt;
		Der arme Wandrer oft des Nachts verleitet,
		In Sümpfe fährt, und ihres Harms noch lachet;
		Allein für die, die dich Hob-Goblin nennen,
		Und holden Puk, ihr Werk unsichtbar thust,
		Und machst, daß sie gut Glük in allem haben;
		Bist du nicht der?

Puk.

		Du irrst dich nicht, ich bin's.
		Ich bin der muntre Nachtgeist, den du meynest.
		Ich gaukle stets um Oberon, und mach' ihn lächeln,
		Wenn ich ein fettes bohnen-sattes Roß
		Vergeblich wiehern mach'; ihm in Gestalt
		Der schönsten Stutte nahend. Auch verberg ich mich
		Oft in den Becher einer guten alten
		Gevatterin, die gern den Becher leert;
		Gleich einem rothgesottnen Krebs schwimm ich
		Darinn herum, und wenn sie trinken will
		Spring ich an ihre Lippen auf, und schütte
		Den Kofent über ihren schlappen Busen.
		Oft sieht, indem sie durch ein fröstig Mährchen
		Die Nachbarinnen sanft zum Schlaf befödert,
		Ein weises Mütterlein, troz ihrer Weisheit,
		Für einen dreygebeinten Stuhl mich an;
		Dann schlüpf ich unter ihr hinweg, sie wakelt
		Mit Schwur und lächerlichem Zorn zu Boden;
		Die ganze Zeche hält mit beyden Händen
		Den Bauch, und schlägt das hallende Getäfel
		Mit wieherndem Gelächter, klatscht und schwört,
		Noch nie so lustig sich gemacht zu haben.[4 - {ed. – * Ich habe mich genöthiget gesehen, einige ekelhafte Ausdrüke aus diesem Gemählde in Ostadens Geschmak, wegzulassen. Ein Dichter, der nur für Zuhörer arbeitete, hat sich im sechszehnten Jahrhundert Freyheiten erlauben können, die sein Übersezer, der im achtzehnten für Leser arbeitet, nicht nehmen darf.}]
		Doch, Fee, flieh du, hier kömmt Oberon!

Feye.

		Und hier, zum Unglük, meine Königin.




Zweyter Auftritt




(Oberon der König der Feen, tritt auf einer, und Titania die Königin der Feen, auf der andern Seite auf.)


Oberon.

		Du suchst beim Mondschein mich, Titania?

Titania.

		Wie, eifersücht'ger Oberon? du irrest!
		Ihr Feen, schlüpft mit mir hinweg, ich habe
		Sein Bett, und seinen Umgang abgeschworen.

Oberon.

		Halt, Unverschämte, bin ich nicht dein Herr?

Titania.

		So bin ich deine Frau! allein ich weiß
		Die Zeit noch wol, da du vom Feen-Land
		Dich heimlich stahlst, und in Corins Gestalt,
		Den ganzen Tag an einer Linde sizend,
		Auf deinem Haber-Rohr verliebte Seufzer
		Der schönen Phyllida entgegen girrtest!
		Sprich, warum eiltest du vom fernsten Gipfel
		Des Inder-Lands hieher? Weßwegen sonst,
		Als weil die strozende, Dianen-gleich
		Geschürzte Amazonin, deine kriegrische
		Gebieterin, mit Theseus sich vermählt?
		Du kömmst, nicht wahr? ihr Bette zu beglüken?

Oberon.

		Wie? läßt die Schaam diß zu, Titania,
		Die Gunst Hippolitas mir vorzurüken?
		Und weissest doch, ich kenne deine Liebe
		Zu Theseus? Warest du es nicht, die ihn
		Bey deinem eignen Schimmer, durch die Schatten
		Der stillen Nacht, von Perigenias Seite,
		Die er vorher geraubet hatt', entführte!
		Und wer als du verführt' ihn, seine Schwüre
		So viel betrognen Nymphen, Ariadnen,
		Der schönen Ägle, und Antiope
		Zu brechen? —

Titania.

		Falsche, grillenhafte Träume
		Der Eifersucht! Seit diese dich beherrschet,
		Seit jenem Sommer kamen wir nicht mehr
		Auf Hügeln, noch im Thal, im Hayn, auf Wiesen,
		Am Quell' der über kleine Kiesel rauschet,
		Noch raschen Bächen, die aus Felsen sprudeln,
		Noch an des Meeres klippenvollem Strande,
		Zum frohen Tanz zusammen, unsre Loken
		Zum Spiel der flüsternden, scherzhaften Winde
		Zu machen. Alle unsre Spiele hat
		Dein Groll gestört. Drum haben auch die Winde,
		Vergeblich uns zu pfeiffen überdrüssig,
		Als wie zur Rache, seuchenschwangre Nebel
		Tief aus der See gesogen, die hernach,
		Aufs Land ergossen, jeden über uns
		Erzürnten Bach mit solchem Stolze schwellten,
		Daß ihre Fluth die Ebnen überströmte.
		Umsonst hat nun der Stier sein Joch getragen,
		Der Akermann hat seinen Schweiß verlohren,
		Die grüne Ähre fault, eh ihre Jugend
		Das erste Milchhaar kränzt.
		Leer steh'n die Hürden im ertränkten Felde,
		Und Krähen mästet die ersäufte Heerde.
		Mit Schlamme ligt der Kegelplaz erfüllt,
		Unkennbar und verschwemmt der glatte Pfad,
		Der durch des Frühlings grüne Labyrinthe
		Sonst leitete. Die Sterblichen entbehren
		Der winterkürzenden gewohnten Freuden,
		Und keine Nacht wird Hymnen mehr geweyht.
		Nur Luna, die Beherrscherin der Fluthen,
		Vor Unmuth bleich, wascht überall die Luft,
		Und füllet sie mit fieberhaften Flüssen.
		Die Jahreszeiten selbst verwirren sich,
		Beschneyte Fröste sinken in den Schoos
		Der frischen Ros', und auf des alten Winters
		Eys-grauer Scheitel wird, als wie zum Spott,
		Ein Kranz gesezt von holden Sommer-Knospen.
		Der Lenz, der Sommer, der fruchtreiche Herbst,
		Der Winter wechseln ihre Liverey,
		Und die erstaunte Welt erkennt nicht mehr
		An dem gewohnten Schmuk, wer jeder ist.
		Diß ganze Heer von Plagen kömmt allein
		Von unserm Groll, von unsrer Zwiespalt her.
		Wir sind die Eltern dieser schwarzen Brut!

Oberon.

		So helfet dann, es ligt allein an euch!
		Wie kan Titania ihren Oberon
		Noch länger quälen? Alles was ich bitte,
		Ist nur ein kleiner Laff von einem Jungen,
		Aus dem ich einen Pagen machen will.

Titania.

		Gebt euch zufrieden! Niemals kan diß seyn.
		Das ganze Feenland erkaufte nicht
		Diß Kind von mir. Ich liebte seine Mutter,
		Sie war von meinem Orden, und hat oft
		Des Nachts in Indiens süß-gewürzter Luft
		Durch ihre Spiele mir die Nacht verkürzt.
		Sie saß dann auf Neptuni gelbem Sand
		Bey mir, und sah den göldnen Schiffen nach,
		Die durch die Fluth mit Pegus Schäzen eilten;
		Wir lachten, wenn wir sahen, wie die Seegel,
		Vom ausgelaßnen Wind geschwängert, schwollen;
		Diß äffte sie, mir eine Lust zu machen,
		Mit anmuthsvoller schwimmender Bewegung,
		Kurzweilend nach, (ihr Leib war damals reich
		Von meinem jungen Ritter) segelte
		Ans Land, mir Kleinigkeiten abzuholen,
		Und kehrte wieder, wie von einer Reise,
		Mit reichen Waaren, um. Jedoch da sie
		Nur sterblich war, starb sie an diesem Kinde,
		Und ihrentwegen zieh' ich ihren Knaben auf,
		Und ihrentwegen will ich ihn nicht lassen.

Oberon.

		Wie lange denkt ihr noch in diesem Hayn zu bleiben?

Titania.

		Vielleicht bis nach dem Hochzeittag des Theseus.
		Gefällt es euch in unserm Kreis zu tanzen,
		Und unsern Mondlicht-Spielen zuzusehen,
		So folget uns; wo nicht, so weicht mich aus,
		So wie ich eure Jagden meiden will.

Oberon.

		Gieb mir den Knaben, und ich geh' mit dir.

Titania.

		Nicht für dein Königreich. Ihr Elfen, weg!
		Es giebt nur Zank, wenn wir uns länger säumen.



(Die Königin, und ihr Gefolg geht ab.)


Oberon.

		Gut, geh' nur deinen Weg! eh du den Hayn
		Verlassen hast, soll dich dein Troz bestraffen —
		Hieher, mein muntrer Puk! Besinn'st du dich,
		Daß ich auf einem Vorgebürg einst saß,
		Und hörte der Syrenen einer zu,
		Wie sie, auf eines Delphins Rüken sizend,
		So zaubrisch-süsse Töne von sich hauchte,
		Daß selbst die rohe See bey ihrem Liede
		Mild ward, und liebestrunkne Sterne taumelnd
		Aus ihren Sphären sanken, der Musik
		Der Wasser-Nymphe zuzuhören? —

Puk.

		– Ich
		Erinnere mich's ganz wol.

Oberon.

		Zu gleicher Zeit sah' ich, (du konntest nicht)
		Den Liebesgott in hastiger Unruh, zwischen
		Dem Erdball und dem kalten Monde fliegen;
		Er hielt, und richtete den straffen Bogen
		Nach einer göttlichen Vestalin,[5 - {ed. – * Der Umstand, daß dieses Lustspiel noch unter der Regierung der Königin Elisabeth aufgeführt worden, wird es einem jeden merklich machen, daß die Vestalin niemand anders als diese jungfräuliche Heldin bezeichne. Daß aber unter der Syrene die Königin Maria von Schottland abgebildet sey, scheint der scharfsichtige Warbürton zuerst angemerkt zu haben. Er bemerkt überhaupt, dieser allegorische Schleyer, unter welchem ein Gemisch von Lob und Satyre verborgen ist, müsse uns auf den Schluß leiten, daß die Rede von einer Person sey, welche der Poet unverdekt weder loben noch schelten durfte. Dieses passe nun völlig auf Maria von Schottland. Die Königin Elisabeth konnte nicht leiden, wenn Maria gelobt wurde; und ihr Nachfolger, (Jakob der 1ste,) würde eine Satyre auf seine Mutter nicht vergeben haben. Allein, fährt Warbürton fort, der Poet hat jeden unterscheidenden Umstand ihres Lebens und Charakters in dieser schönen Allegorie so deutlich ausgezeichnet, daß über seine geheime Absicht kein Zweifel übrig bleiben kan. Sie wird 1.) eine Syrene genannt aus dem entgegengesezten Grunde, warum Elisabeth eine Vestalin heißt, nemlich einer Untugend wegen, um derentwillen diese unglükliche Princessin eben so berüchtigt ist, als die Syrene bey den alten Dichtern. 2.) Der Rüken des Delphins, worauf sie sizt, deutet auf die Vermählung der Königin Maria mit dem Dauphin von Frankreich, dem Sohn Heinrichs des 2ten. 3.) Der bezaubernde Gesang dieser Syrene ist eine Anspielung auf die ausserordentlichen Reizungen und Talente der gedachten Princessin, wodurch sie bey ihrem Aufenthalt am Französischen Hofe alle Welt in Verwundrung sezte. 4.) Daß ihre Stimme die wilde See selbst zahm gemacht, deutet auf die während ihrer Abwesenheit in Schottland entstandnen Unruhen, die ihre Wiederkunft sogleich wieder gestillet. Warbürton merkt an, die Schönheit dieses Bildes sey desto grösser, weil der gemeinen Sage nach, die Syrenen oder Meerweiber nur in Stürmen singen. 5.) Die verliebten Sterne, die ihr zulieb aus ihren Sphären sanken, bezeichnen verschiedene Herren von dem Englischen hohen Adel, welche von dieser Princessin in ihr unglükliches Schiksal gezogen worden, besonders die Grafen von Northumberland und Westmorland, und den Herzog von Norfolk, den das Project sie zu heurathen das Leben kostete.}] die
		Im Westen thront', und schoß mit solcher Macht
		Den Liebespfeil von seinem Bogen ab,
		Als sollt' er hunderttausend Herzen spalten;
		Allein ich sah' es, wie sein feur'ger Pfeil
		Im keuschen Stral des feuchten Monds sich löschte,
		Und in jungfräulichen Betrachtungen,
		Mit freyem Geist, die königliche Schöne
		Vorübergieng. Da merkt' ich, wo der Pfeil
		Des Amors fiel – Er fiel
		Auf eine kleine Blume, vormals weiß
		Wie Milch, izt röthlicht von der Liebes-Wunde,
		Und Mäd'gens nennen sie die müssige Liebe.
		Brich' diese Blume mir; ich zeigte dir
		Das Kräutchen einst; ihr Saft auf schlummernde
		Auglieder ausgegossen, hat die Kraft,
		Mann oder Mädchen bis zum Aberwiz
		Ins nächste Ding, das ihrem Blik begegnet,
		Verliebt zu machen. Pflüke diese Blume,
		Und sey mir wieder hier,
		Eh Leviathan eine Meile schwimmt.

Puk.

		Ich wollte, wenn du es befählest,
		In viermal zeh'n Minuten einen Gürtel
		Rings um die Erde zieh'n.



(Geht ab.)


Oberon.

		– Hab' ich nun
		Erst diesen Saft, so will ich lauern, bis
		Titania schlafend ligt, und dann die Tropfen
		Auf ihre Augen träufeln.
		Das nächste Ding, worauf sodann erwachend
		Ihr Auge ruht, sey's Löwe oder Bär,
		Wolf oder Stier, Waldteufel oder Affe,
		Wird sie mit Sehnsucht, mit dem Geist der Liebe
		Verfolgen. Nimmer will ich diesen Zauber
		Von ihren Augen nehmen, (wie ich's kan),
		Bis sie den Knaben mir bewilligt hat.
		Wer kömmt hier, ich bin unsichtbar, und will
		Behorchen, was sie sprechen —




Dritter Auftritt




(Demetrius, welchem Helena folget)


Demetrius.

		Was verfolgst
		Du den, der dich nicht liebt? Wo ist Lysander? wo
		Die schöne Hermia? jenen will ich tödten,
		Und diese tödtet mich. Du sagtest mir,
		Sie hätten sich in diesen Wald gestohlen;
		Und hier bin ich, und wild in diesem Walde,[6 - {ed. – * (And here am I, and Wood within this Wood. Wood) heißt Wald, und heißt auch wüthend, wild; dieses dem Shakespeareso gewöhnliche Spiel mit dem Schall der Worte hat im Deutschen hier nur unvollkommen ausgedrükt werden können, und wird künftig oft gar nicht geachtet werden.}]
		Weil ich hier meine Hermia nicht entdeke.
		Weg, pake dich, und folge mir nicht mehr!

Helena.

		Du ziehst mich an, hartherziger Magnet,




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notes



1


{ed. – * Hippolita hatte diese ganze Zeit über nicht ein einziges Wort gesprochen. Hätte ein neuerer Poet das Amt gehabt, ihr ihre Rolle anzuweisen, so würden wir sie geschäftiger als alle andre gefunden, und zweifelsohne möchten auch die Liebhaber ein gelinderes Urtheil von ihr erwartet haben: Allein Shakespearewußte besser was er zu thun hatte, und beobachtete das Decorum. Warbürton.}




2


{ed. – * Der Dr. Warbürton fand, daß Hermia sich zu schnell, und was das schlimmste ist, auf den ersten Antrag, durch eine Reihe von Eyden verbinde, mit dem Lysander davon zu lauffen. Er glaubt, daß Shakespearenicht fähig gewesen einen solchen Fehler zu machen, und schreibt also allen alten und neuen Ausgaben unsers Dichters zuwider, diese schöne Rede: (Bey Amors stärkstem Bogen,) u.s.w. dem Lysander, und nur die zween lezten Verse der Hermia zu. Meine Empfindung widerspricht hier den Vernunftschlüssen des Kunstrichters. Ich finde eine solche Weiblichkeit in dieser Rede, daß sie mit Anständigkeit nur von Hermia gesagt werden kan. Empfindende Leserinnen mögen den Ausspruch thun. Damit aber doch das von Warbürton in dem Text vermißte Decorum gerettet werde, habe ich nach seinem Beyspiel die Freyheit gebraucht, auf die Worte Hermias, (my good Lysander), den Lysander sagen zu lassen: Zaudert Hermia? welches er im Englischen nicht sagt. Worauf dann Hermia, als ob sie sich recolligire, erwiedert: Nein! bey Amors u.s.w.}




3


{ed. – * Der Übersezer hat sich hier eine Freyheit erlaubt, die er selten zu nehmen gedenkt, nemlich einen etwas dunkeln Vers durch fünf andre zu paraphrasieren. Ob er aber den Sinn des Poeten getroffen, wird dem Ausspruch der Kunstrichter überlassen.}




4


{ed. – * Ich habe mich genöthiget gesehen, einige ekelhafte Ausdrüke aus diesem Gemählde in Ostadens Geschmak, wegzulassen. Ein Dichter, der nur für Zuhörer arbeitete, hat sich im sechszehnten Jahrhundert Freyheiten erlauben können, die sein Übersezer, der im achtzehnten für Leser arbeitet, nicht nehmen darf.}




5


{ed. – * Der Umstand, daß dieses Lustspiel noch unter der Regierung der Königin Elisabeth aufgeführt worden, wird es einem jeden merklich machen, daß die Vestalin niemand anders als diese jungfräuliche Heldin bezeichne. Daß aber unter der Syrene die Königin Maria von Schottland abgebildet sey, scheint der scharfsichtige Warbürton zuerst angemerkt zu haben. Er bemerkt überhaupt, dieser allegorische Schleyer, unter welchem ein Gemisch von Lob und Satyre verborgen ist, müsse uns auf den Schluß leiten, daß die Rede von einer Person sey, welche der Poet unverdekt weder loben noch schelten durfte. Dieses passe nun völlig auf Maria von Schottland. Die Königin Elisabeth konnte nicht leiden, wenn Maria gelobt wurde; und ihr Nachfolger, (Jakob der 1ste,) würde eine Satyre auf seine Mutter nicht vergeben haben. Allein, fährt Warbürton fort, der Poet hat jeden unterscheidenden Umstand ihres Lebens und Charakters in dieser schönen Allegorie so deutlich ausgezeichnet, daß über seine geheime Absicht kein Zweifel übrig bleiben kan. Sie wird 1.) eine Syrene genannt aus dem entgegengesezten Grunde, warum Elisabeth eine Vestalin heißt, nemlich einer Untugend wegen, um derentwillen diese unglükliche Princessin eben so berüchtigt ist, als die Syrene bey den alten Dichtern. 2.) Der Rüken des Delphins, worauf sie sizt, deutet auf die Vermählung der Königin Maria mit dem Dauphin von Frankreich, dem Sohn Heinrichs des 2ten. 3.) Der bezaubernde Gesang dieser Syrene ist eine Anspielung auf die ausserordentlichen Reizungen und Talente der gedachten Princessin, wodurch sie bey ihrem Aufenthalt am Französischen Hofe alle Welt in Verwundrung sezte. 4.) Daß ihre Stimme die wilde See selbst zahm gemacht, deutet auf die während ihrer Abwesenheit in Schottland entstandnen Unruhen, die ihre Wiederkunft sogleich wieder gestillet. Warbürton merkt an, die Schönheit dieses Bildes sey desto grösser, weil der gemeinen Sage nach, die Syrenen oder Meerweiber nur in Stürmen singen. 5.) Die verliebten Sterne, die ihr zulieb aus ihren Sphären sanken, bezeichnen verschiedene Herren von dem Englischen hohen Adel, welche von dieser Princessin in ihr unglükliches Schiksal gezogen worden, besonders die Grafen von Northumberland und Westmorland, und den Herzog von Norfolk, den das Project sie zu heurathen das Leben kostete.}




6


{ed. – * (And here am I, and Wood within this Wood. Wood) heißt Wald, und heißt auch wüthend, wild; dieses dem Shakespeareso gewöhnliche Spiel mit dem Schall der Worte hat im Deutschen hier nur unvollkommen ausgedrükt werden können, und wird künftig oft gar nicht geachtet werden.}


