Polly!
Stephen Goldin






POLLY!

Ein Roman von

Stephen Goldin



Herausgegeben von Parsina Press (http://www.parsina.com/)

Ãbersetzung herausgegeben von Tektime


Polly! Copyright 2008 by Stephen Goldin. Alle Rechte vorbehalten.

Umschlaggestaltung Copyright korhan hasim isik.



Titel original: Polly!

Ãbersetzerin: Martina Hillbrand


Gewidmet allen GÃ¶ttinnen

âvergangen, gegenwÃ¤rtig und zukÃ¼nftigâ

die durch mein Leben spaziert sind




1. Szene (#uc5922b60-47f6-5fe6-a2cf-4ddf4ba47564)


Sein eigenes Husten weckte ihn auf.

Er wusste anfangs nicht einmal, wieso er hustete, aber dann drang der Geruch in sein Bewusstsein. Rauch. Die Luft war schwer mit all dem Rauch. HeiÃer, schwarzer Rauch. Der in schweren, unheilvollen Wellen auf ihn zu rollte.

Dann gab es da ein GerÃ¤usch. Es war ein Rauschen, wie ein Zug, der nÃ¤her kommt, nur anders. Vielleicht ein Hurrikan oder ein Tornado, ein Sturm so laut, dass er beinahe ohrenbetÃ¤ubend war. Gleichzeitig schmerzten seine Ohren. Vielleicht eine VerÃ¤nderung im Luftdruck.

Dann wurde er sich bewusst, woran ihn das GerÃ¤usch erinnerte: ein drÃ¶hnender Ofen, industrieller GrÃ¶Ãe.

Feuer!

Seine Augen Ã¶ffneten sich ruckartig, was ein groÃer Fehler war. Sofort begannen sie zu brennen und TrÃ¤nen strÃ¶mten heraus. Der Rauch und RuÃ machten es fast unmÃ¶glich, zu sehen, und der Husten machte es fast unmÃ¶glich, zu Atem zu kommen.

Feuer, der grÃ¶Ãte Albtraum eines Buchladenbesitzers, und noch mehr, wenn er auf der oberen Etage Ã¼ber dem Laden wohnte. Er sah keine Flammen um sich, also musste das Feuer im Moment unten sein. Und seinen Lagerbestand auffressen.

Barbara! Barbara aufwecken.

Dann erinnerte er sich wieder. Da war keine Barbara, die er aufwecken kÃ¶nnte. Sie hatte ihn vor ein paar Tagen verlassen. Er war alleine.

Eine Stimme in ihm fragte sich, wieso er Ã¼berhaupt weiterleben sollte. Einfach liegen bleiben und sterben und fertig. Aber die Stimme in seinem Kopf, die den Lebensinstinkt vertrat, gewann.

Welchen Rat bekam man immer fÃ¼r Feuer? Rauch steigt auf. Am Boden krabbeln um den Rauch nicht einatmen zu mÃ¼ssen. Aber galt das auch noch, wenn der Rauch aus dem unteren Stockwerk kam?

Er rollte sich aus seinem Bett auf seine Knie auf den Boden und begann zu krabbeln. Dann hielt er an. Wo war das Fenster? Er konnte nichts sehen. Er wusste, wie sein Bett zu dem Fenster stand, aber seine Gehirnwindungen waren blockiert. Er konnte sich plÃ¶tzlich nicht mehr erinnern, aus welcher Seite des Bettes er gerollt war. Links oder rechts? Bewegte er sich auf das Fenster zu oder davon weg?

Vor ihm hÃ¶rte er Glas zersplittern. Gut, er war in der richtigen Richtung unterwegs. Eine Stimme rief: âIst hier drinnen jemand?â

Er versuchte, eine Antwort zu schreien, aber ein neuerliches Husten erstickte seine Worte, er konnte nur husten.

Aber das war genug fÃ¼r seinen Retter. âIch hÃ¶re Sie, ich komme.â

Gleich danach ergriff ein Feuerwehrmann seinen Arm, zog ihn vorsichtig hoch auf die Beine und ging mit ihm zum Fenster. Eine Leiter stand drauÃen. âDenken Sie, Sie kÃ¶nnen hinunterklettern?â, fragte der Retter. Er nickte.

âIst sonst noch jemand hier drinnen?â, war die nÃ¤chste Frage.

Er schÃ¼ttelte den Kopf. âNur ichâ, sagte er sehr heiser.

Ein weiterer Feuerwehrmann stand auf der Leiter. Die beiden MÃ¤nner halfen ihm, auf wackeligen Beinen nach unten zu klettern. PlÃ¶tzlich war ihm kalt. Obwohl es Juli war, war die Nacht kÃ¼hl â auÃerdem kam er aus einem Ã¼berhitzten GebÃ¤ude, so war der Kontrast noch stÃ¤rker.

AuÃerdem hatte er nur Unterhosen an. Das war alles, was er trug, wenn er schlief, und so war es alles, was er jetzt an hatte. Einer der Feuerwehrleute aber, sah, dass er zitterte und wickelte ihn sofort in eine Decke. Ein anderer holte ein groÃes, weites Sweatshirt und Trainingshosen und er zog diese an. Ein weiterer gab ihm eine Wasserflasche.

Er drehte sich um und beobachtete das Feuer. Er sah teilnahmslos zu, als es brannte. Die Flammen waren eigentlich ziemlich schÃ¶n anzusehen, gegen die Dunkelheit der Nacht. Ab und zu nahm er einen Schluck aus der Wasserflasche, mehr aus Reflex als aus Durst.

Sein ganzes Leben lÃ¶ste sich in Rauch auf â zumindest alles, was sich nicht schon vorige Woche metaphorisch in Rauch aufgelÃ¶st hatte.

Er stand da, wÃ¤hrend Menschen um ihn herum eifrig alle Arten hektischer Dinge taten â mit Ãxten rannten, Wasser in die Glut gossen, die Menschenmenge zurÃ¼ckhielten. Nichts davon schien wirklich wichtig zu sein; seine Gedanken waren weit weg. Die Bilder, die GerÃ¤usche, die GerÃ¼che formten ein Kaleidoskop von GefÃ¼hlen, die durch die falsche Seite eines Teleskops passierten. Nichts davon war real. Nichts davon betraf ihn.

Eine Frau blieb neben ihm stehen und sprach kurz mit ihm. Sie sagte, dass sie vom Roten Kreuz war und fragte, ob er eine ÃbernachtungsmÃ¶glichkeit hatte. Sie gab ihm eine Visitenkarte einer Herberge, wo er fÃ¼r ein oder zwei NÃ¤chte bleiben konnte, wÃ¤hrend er sich wieder organisierte.

Die Flammen erstarben langsam. Jemand sagte ihm, dass die erste Etage vÃ¶llig zerstÃ¶rt war, aber einige Dinge aus der zweiten geborgen worden waren: seine Geldtasche, ein kleiner Schrank mit etwas Kleidung, sein Handy. Ein anderer sagte ihm, dass die erste EinschÃ¤tzung war, dass das Feuer durch irgendein defektes Stromkabel verursacht worden war. Nichts sah verdÃ¤chtig aus.

Irgendwann musste er zu der Herberge gegangen sein, obwohl er sich daran nicht erinnern konnte. Er erwachte dort und ging benommen hinaus auf die StraÃe, zu einem Geldautomaten, wo er ein wenig Geld von seinem mageren Guthaben abhob, sodass er frÃ¼hstÃ¼cken konnte. Das Essen hÃ¤tte ebenso gut Karton sein kÃ¶nnen; er kaute und schluckte mechanisch ohne Ã¼berhaupt etwas zu schmecken.

Der Rest des Tages verging in einem Ã¤hnlichen Dunst. Er sammelte ein paar Kleider, die er retten konnte, und steckte sie in ein paar PlastiktÃ¼ten. Er unterhielt sich mit seinem Versicherungsberater, der ihm sein professionelles Beileid aussprach und ihn darauf hinwies, dass der GroÃteil seines FirmenvermÃ¶gens zwar versichert gewesen war, aber er keine Haushaltsversicherung hatte, die seine persÃ¶nlichen Verluste decken kÃ¶nnte. Er verlieÃ das VersicherungsbÃ¼ro mit einem Stapel Papier, das er ausfÃ¼llen und so bald wie mÃ¶glich zurÃ¼ckbringen sollte.

Er verbrachte diese Nacht in einem billigen Motel und erinnerte sich Ã¼berhaupt nicht an die Erfahrung. Als der Tag anbrach, sickerte die Wirklichkeit langsam zurÃ¼ck in die Winkel seines Gehirns. Er wÃ¼rde sich um eine Unterkunft sorgen mÃ¼ssen; er hatte nicht genug Geld um in einem Motel leben zu kÃ¶nnen. Er musste seine Dinge versammeln, ein Inventar von dem machen, was er noch hatte. Nun, das wÃ¼rde nicht lange dauern. Es war nicht viel Ã¼brig, um zu inventarisieren.

Wo konnte er hingehen? Nun, sein Bruder hatte eine Farm in Nevada und lud ihn immer ein, ihn besuchen zu kommen. Das wÃ¼rde wohl genÃ¼gen, nahm er an.

Er begann ein paar Anrufe um seinen Bruder vorzuwarnen, dass er kommen wÃ¼rde, und jedes Mal legte er auf, bevor er fertig gewÃ¤hlt hatte. Er konnte diese Geschichte nicht am Telefon erzÃ¤hlen; er wÃ¼rde vielleicht vÃ¶llig zusammenbrechen und sich nie wieder bewegen. Besser er machte sich einfach auf den Weg und Ã¼berraschte seinen Bruder. Wer weiÃ? Bis er dort ankam hatte er sich vielleicht mit all dem abfinden kÃ¶nnen.

Er warf seine wenigen BesitztÃ¼mer in seinen Toyota und begann seine Fahrt ostwÃ¤rts.




2. Szene (#u1db17b07-a9d0-5b11-b496-13bae1adb8d2)


Die Fahrt begann ganz gut. Durch die Stadt und hinaus auf die Autobahn fahren â einfach genug, um zu schaffen. Der Tag war warm und die Klimaanlage des Corolla war kaputt, aber die 400-Klimaanlage â vier Fenster offen, bei 100 km/h â half, um es ertrÃ¤glich zu machen. Das Auto hatte keinen CD-Player, aber es gab gute Musik, Rockklassiker, im Radio. Das war zumindest gut. Solange er versuchte, sich an die Texte zu erinnern, um mitsingen zu kÃ¶nnen, brauchte er nicht an Dinge zu denken, Ã¼ber die er nicht nachdenken wollte.

Es war recht frÃ¼h am Morgen, StoÃzeit. Es gab viel Verkehr auf der anderen Seite der StraÃe, aber fast keinen auf seiner. Er fuhr entgegen der Pendler-Richtung, weg von der Stadt. Nichts, was ihn bremsen wÃ¼rde.

Er bog auf eine andere Autobahn ab, statt vierspurig war diese nun zweispurig. Der Verkehr, der hier noch war, war immer noch in die andere Richtung und er konnte ungehindert fahren. Er trat ein wenig fester auf das Gaspedal. Der Wind rauschte vorbei und Ã¼bertÃ¶nte beinahe das Radio. Er drehte lauter.

Die StraÃe fÃ¼hrte nach Osten Ã¼ber die HÃ¼gel, hinunter in das heiÃe zentrale Tal Kaliforniens. Dies war der Ort, wo nur die VerrÃ¼ckten sich im Sommer ohne Klimaanlage hin wagten. Nun, die VerrÃ¼ckten und die Verzweifelten. In eine der beiden Kategorien wÃ¼rde er wohl passen.

Als die HÃ¼gel zwischen ihm und der Stadt lagen, begann der Radiosender zu rauschen. Auch wenn er noch lauter drehte, funktionierte es nicht â es gab mehr Rauschen als Musik. Er drÃ¼ckte auf den Suchmodus um einen anderen Sender zu suchen. Er verwarf ein paar Nachrichtensender â einer Sport, der andere ein berÃ¼hmter Kommentator, der den Ãrger der HÃ¶rer aufbauschen wollte â und einen Sender in Spanischer Sprache. Er versuchte, auf FM umzuschalten, aber da war beinahe gar kein Empfang, also schaltete er zurÃ¼ck auf AM und fand schlieÃlich einen Musiksender, der eine Bandbreite von Oldies und Rockklassikern spielte. Man konnte es hÃ¶ren, wenn es auch etwas sanft war, fÃ¼r seine Stimmung.

Die Temperatur stieg nun sehr schnell. Der Wind, der zum Fenster hereinkam, war genauso heiÃ wie die Luft im Auto, und er begann zu schwitzen. Er hielt an einer Tankstelle, tankte voll und kaufte ein paar Wasserflaschen. Die wÃ¼rden ihn eine Weile versorgen.

Er trank die erste Flasche in einer halben Stunde aus und schwitzte das Wasser beinahe so schnell heraus wie er es nachfÃ¼llen konnte. Er Ã¶ffnete die zweite Flasche und schÃ¼ttete ein wenig davon Ã¼ber seinen Kopf. Das schien die Hitze wieder ertrÃ¤glich zu machen.

Nach 60 Kilometern auf diese Art, zweigte er auf eine zweispurige Autobahn ab. Hier war wirklich praktisch kein Verkehr und er hatte die StraÃe fÃ¼r sich alleine. Er sah auf die Uhr: halb elf. Er lag gut in der Zeit. Wenn er so weiter fuhr, wÃ¼rde er die Farm sogar noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen â aber sicher bevor es zu spÃ¤t wurde.

Das Land um ihn herum ging langsam von bebautem Ackerland in Buschland Ã¼ber. In seinem RÃ¼ckspiegel schrumpften die Berge als er weiter in das Tal hinein fuhr.

Auch dieser Radiosender begann zu rauschen, und ein lokaler Sender funkte dazwischen. Dieser neue Sender behauptete stolz, dass er beide Arten von Musik spielte: Country und Western. FÃ¼r seinen Geschmack war das nur eine Stufe Ã¼ber Rap, der nur eine Stufe Ã¼ber statischem Rauschen war.

Also hÃ¶rte er wenig interessiert den scharfen TÃ¶nen der Verzweiflung zu. Nachdem der dritte mÃ¤nnliche SÃ¤nger eine elende Geschichte Ã¼ber seine Frau, die ihn verlieÃ sang, drehte er verÃ¤rgert die Lautsprecher ab und fuhr weiter.

GroÃer Fehler. Die nÃ¤chsten zwanzig Kilometer oder so stÃ¼rmten seine Gedanken ihm weit voraus Ã¼ber die meist vÃ¶llig gerade StraÃe. Das Finanzamt. Barbara. Das Feuer. Der Laden. Barbara. Steuern. Feuer. Selbst Countrymusik war besser als Stille.

Die Temperatur stieg weiter. Er trank den Rest der zweiten Wasserflasche und schÃ¼ttete einen Teil der dritten Ã¼ber seinen Kopf. Es hatte weniger Wirkung als beim ersten Mal. Wenigstens war er froh, dass er Stoff-SitzbezÃ¼ge hatte, statt der billigen kunstledernen. Wenn seine Haut an diesem glÃ¼henden Textil kleben wÃ¼rde, wÃ¼rde seine Fahrt noch dreimal unbequemer werden als sie ohnehin schon war.

Er sah hinÃ¼ber auf den Beifahrersitz. Der Stapel Versicherungsformulare saÃ dort, beschwert von einem Stapel Kleidern, damit sie im Wind nicht wegfliegen konnten. Er hatte sie kurz angesehen, als der Versicherungsberater sie ihm gegeben hatte. Sie wollten jede Menge Information von ihm, wohl auch den ledigen Namen seines Vaters und das Sternzeichen seines GroÃvaters. Er hatte ein Feuer gehabt, verdammt! Die meisten seiner Aufzeichnungen waren weg. Wie sollte er ihnen die Information Ã¼ber die Finanzen seiner Firma geben, wenn alle Daten verbrannt waren?

Nein. Jetzt war nicht die Zeit, um diese Gedanken zu denken. Jetzt war die Zeit um schlechte Country- und Westernmusik zu hÃ¶ren und zu meditieren, wÃ¤hrend er durch die WÃ¼ste fuhr.

Seine Geschwindigkeit stieg auf Ã¼ber Hundertzwanzig. Da es keinen Verkehr gab, war da nichts, was ihn zurÃ¼ckhielt. Wenigstens war auf einer verlassenen Autobahn in der WÃ¼ste die Chance klein, dass er die Aufmerksamkeit einer Polizeistreife erregte.

Genau in diesem Moment sah er Blinklichter in seinem RÃ¼ckspiegel. Fluchend fuhr er an den StraÃenrand und hielt an. Er kannte die Vorgehensweise: er holte seinen FÃ¼hrerschein und Zulassungsschein heraus und gab sie dem Polizisten. Der Beamte gab sie ihm zurÃ¼ck, gemeinsam mit einem Strafzettel fÃ¼r Schnellfahren. Alles sehr hÃ¶flich und geschÃ¤ftlich. Beide waren sie in weniger als fÃ¼nfzehn Minuten wieder auf der StraÃe.

Die Temperatur nahm nun wirklich zu. Er goss den Rest der dritten Wasserflasche Ã¼ber seinen Kopf und konnte praktisch fÃ¼hlen, wie es in dem Moment, als es ihn berÃ¼hrte, verdampfte. Er trank die vierte Flasche in einem Zug leer und es half wenig.

Er hielt und fÃ¼llte seinen Tank an einer kleinen Tankstelle, die behauptete, die letzte fÃ¼r die nÃ¤chsten hundert Kilometer zu sein. Das Benzin war fÃ¼rchterlich teuer und seine Geldmittel schrumpften stark, aber es war besser als eine Ãberraschung der Ã¼blen Alternative, so wie das GlÃ¼ck in diesen Tagen mit ihm spielte.

Einige Minuten spÃ¤ter begann er, auch den Country-Sender zu verlieren. Verzweifelt suchte er nach einem anderen. Alles, was er hier, inmitten der WÃ¼ste, finden konnte, war ein religiÃ¶ses Programm. Was machte das hier mitten am Tag? Es war nicht Sonntag. Sollten diese Dinge nicht nur spÃ¤t in der Nacht gesendet werden, wenn sie anstÃ¤ndige Menschen nicht nerven wÃ¼rden?

âDiese Heiden von Ee-volutionÃ¤ren wollen uns weismachen, dass das alles ein Unfall istâ, sagte der Geistliche. âWenn Sie eine Uhr mitten in einem Feld liegen sehen wÃ¼rden, wÃ¼rden sie sagen: 'Wie komisch, dass alle diese Metallteile zufÃ¤llig mitten in dem Feld zusammenkamen und sich auf eine Weise zusammenfÃ¼gten, dass sie uns die Zeit sagen'? Was fÃ¼r eine dumme, lÃ¤cherliche, widersinnige, tÃ¶richte, schwachsinnige, alberne, dÃ¤mliche Annahme wÃ¤re das! Oder wÃ¼rden Sie davon ausgehen, dass eine Person die komplizierte Uhr absichtlich fÃ¼r seine eigenen Zwecke gemacht hat? Eine Uhr impliziert einen Uhrmacher so sicher wie die Nacht auf den Tag folgt.â

âJaâ, antwortete er dem Radio verÃ¤rgert. âEin idiotischer Uhrmacher, der entweder nicht weiÃ, dass seine Uhr mitten in irgendeinem doofen Feld liegt, oder dem es egal ist. Vielleicht hat der Besitzer sie verloren, oder er warf sie weg, weil sie nicht richtig funktionierte. Was, wenn du eine Eisenstange in dem Feld liegen lÃ¤sst und ein paar Monate spÃ¤ter zurÃ¼ckkommst und sie mit rotem Staub Ã¼berzogen vorfindest? WÃ¼rdest du annehmen, dass jemand kam und sie angemalt hat? Oder wÃ¼rdest du denken, sie ist einfach verrostet, Vollidiot!â

Der Radiopriester ignorierte ihn. âWas diese Leute nicht sehen ist, dass alles Teil eines groÃen Planes ist, ein Plan, so groÃ, dass wir die Details Ã¼berhaupt nicht sehen kÃ¶nnen. Gottes Plan ist so groÃ, dass er sich ganz um uns schlieÃt, wie eine groÃe, schÃ¼tzende Decke. Gottes Plan ist riesig und er ist fÃ¼r uns alle, und wir alle spielen darin eine Rolle.â

âWar es auch Gottes Plan, dass mein Laden verbrannt ist?â Er schrie das Radio nun an. âWill Gott, dass ich obdachlos und pleite bin? Ist das Finanzamt auch ein Teil von Gottes Plan? Braucht Gott meine achttausend Dollar so dringend? Ist es Gottes Plan, dass ich einen Strafzettel bekomme? Oder dass Barbara mich verlÃ¤sst? Was macht Gottes Plan fÃ¼r mich? Wo ist diese Decke der Liebe Ã¼berhaupt? Sie hat einige verdammt groÃe MottenlÃ¶cher!â

Er schlug wÃ¼tend auf den Knopf um das Radio abzudrehen. Die Feuchtigkeit auf seinem Gesicht war gleich viel SchweiÃ wie TrÃ¤nen, stach in seinen Augen und machte es schwieriger zu sehen, wo er hinfuhr. Wenn es etwas mehr Verkehr gegeben hÃ¤tte, hÃ¤tte er vielleicht Probleme bekommen, aber es war niemand in der NÃ¤he, mit dem er zusammenstoÃen hÃ¤tte kÃ¶nnen. Wenigstens gelang es ihm, das Auto auf der StraÃe zu halten.

Sogar die Stille war besser als solchem Mist zuzuhÃ¶ren. Selbst seinen eigenen Gedanken zuzuhÃ¶ren war besser. Obwohl die Gedanken verÃ¤rgert waren, obwohl sie verwirrt waren, obwohl auch sie bedrÃ¼ckend und voller Verzweiflung waren. Wenigstens waren es seine Gedanken, nicht die eines heuchlerischen BetrÃ¼gers.

Der Rest seiner WasservorrÃ¤te war schnell aufgebraucht, die HÃ¤lfte wanderte in seinen Mund, die andere HÃ¤lfte Ã¼ber seinen Kopf. Nichts davon schien zu helfen. Es war immer noch unertrÃ¤glich heiÃ.




3. Szene (#u7390ca87-339b-5008-93cc-9e6497e9b1d7)


Zuerst dachte er, dass das Objekt vor ihm eine Fata Morgana sei. Aber es flimmerte nicht, und es wurde grÃ¶Ãer, als sich sein Auto nÃ¤herte, also war es definitiv echt.

Es war eine zweistÃ¶ckige Villa aus glÃ¤nzend weiÃem Stein mit Fensterreihen in jeder Etage, die die frÃ¼hnachmittÃ¤gliche Sonne reflektierten. Der Haupteingang wurde von einem Ãberbau beschattet, der von einer Reihe strahlend weiÃer MarmorsÃ¤ulen getragen wurde, und vor dem Haus war ein rechteckiger Fleck grÃ¼nen Rasens, der sich stark von der Ã¶den WÃ¼ste rundherum abhob.

Er war schon frÃ¼her einmal auf dieser StraÃe gefahren und konnte sich nicht erinnern, dass er etwas wie das hier gesehen hatte. Das war allerdings vor ein paar Jahren gewesen, und alles MÃ¶gliche hatte in der Zwischenzeit passieren kÃ¶nnen.

Die Autobahn fÃ¼hrte vor dem Haus entlang, aber etwa dreiÃig Meter entfernt. Das Land rundherum war vÃ¶llig flach und entbehrte jeglicher interessanter Dinge abgesehen von ein wenig GestrÃ¼pp und ein paar einsamen Kakteen hier und da. Selbst die Berge, die in Kalifornien immer gegenwÃ¤rtig waren, waren nur ein blauer Schmutzfleck am entfernten Horizont.

Er war zu sehr von seinem eigenen Leid eingenommen, als dass er der Villa mehr als nur eine kurze neugierige Aufmerksamkeit widmen hÃ¤tte kÃ¶nnen. Seine Depression war eine schwarze Wolke, die alle anderen Anliegen Ã¼berschattete, also ignorierte er die Villa und fuhr weiter.

Oder zumindest wollte er das. Ohne Vorwarnung begann sein Motor plÃ¶tzlich zu spucken und starb ab, und der alte Corolla rollte langsam aus und hielt beinahe direkt vor der Einfahrt zu der Villa. Wenigstens schaffte er es noch, den Wagen von der StraÃe zu lenken, sodass er keinen Unfall verursachen konnte, sollte hier noch ein anderes Auto vorbeifahren. Nicht, dass die Wahrscheinlichkeit dafÃ¼r sehr groÃ gewesen wÃ¤re.

Die Tankanzeige zeigte, dass der Tank halb voll war. Er versuchte ein paar Mal wieder zu starten, aber erhielt nur ein trostloses, surrendes GerÃ¤usch als Antwort. âVerdammt!â, schrie er die unbeugsame Maschine an und schlug mit beiden FÃ¤usten auf das Lenkrad. âVerdammt, verdammt, verdammt, verdammt! Wieso ich? Wieso jetzt? Ich wusste, ich hÃ¤tte dieser Schrottkiste eine solche Reise nicht zumuten sollen.â

Er sah angewidert auf den Stapel Papiere von der Versicherungsfirma auf dem Beifahrersitz unter der TÃ¼te mit den Kleidern, dann stieg er aus und warf wÃ¼tend die TÃ¼r hinter sich zu. Er Ã¶ffnete die Motorhaube um den Motor anzustarren. Es war ein zweckloses Unternehmen â er hatte keine Ahnung, wonach er suchen sollte, und schon gar nicht, wie er es reparieren kÃ¶nnte.

Ungeduldig sah er auf seine Uhr. ZwÃ¶lf Uhr fÃ¼nfunddreiÃig. Die Temperatur war bestimmt schon Ã¼ber fÃ¼nfunddreiÃig Grad und wÃ¼rde am Nachmittag noch auf die vierzig zugehen. Es regte sich kein LÃ¼ftchen. Er wÃ¼rde etwas unternehmen mÃ¼ssen, wenn er die Farm vor Einbruch der Nacht erreichen wollte.

Er griff in seine Hosentasche und zog sein Handy heraus. Das half ihm allerdings auch nichts â das Display zeigte keinen Empfang. Wer wÃ¼rde schlieÃlich schon einen Sendeturm hier drauÃen fÃ¼r Hasen und PrÃ¤riewÃ¶lfe aufstellen? Er warf das Handy so weit er konnte in die WÃ¼ste. âBin ich dich los!â, rief er ihm nach. âWas bringst du mir schon? Was bringt Ã¼berhaupt irgendwas?â Er trat das Auto frustriert und zitterte von einem schwer unterdrÃ¼ckten Schluchzen. âWas bringt denn alles noch?â

Was er tun wollte war, zurÃ¼ck ins Auto zu steigen. Auf den RÃ¼cksitz. Und sich dort heulend in kleines HÃ¤ufchen Elend zusammenrollen. Vielleicht sogar Daumen lutschen. Das ganze Universum sollte ihn einfach nur in Ruhe lassen. Das wÃ¤re wahrscheinlich noch besser als das, was es in letzter Zeit mit ihm getan hatte.

Er hob seinen Blick und sah das Haus wieder. Nun, zumindest konnte er fragen, ob er von dort aus telefonieren konnte, um die Pannenhilfe zu rufen. NatÃ¼rlich, so wie ihm das GlÃ¼ck gewogen war, wÃ¼rde niemand zu Hause sein.

Er sah an sich selbst herunter. Obwohl er Wasser Ã¼ber sich gegossen hatte, waren seine Kleider schon wieder staubtrocken in der WÃ¼stenhitze. Er fuhr mit den Fingern ein paar Mal durch sein Haar, als Ersatz fÃ¼r einen Kamm. Dann begann er, die Einfahrt hinauf zu marschieren und war froh, dass es nicht eine dunkle, stÃ¼rmische Nacht war; dann hÃ¤tte er vielleicht erwarten kÃ¶nnen, in das Versteck von Dracula oder Frank N. Furter oder sonst eines BÃ¶sewichts zu gehen.

Er war so sehr in die schwarze Wolke seiner Gedanken versunken, dass er schon mehr als die HÃ¤lfte der Einfahrt hinter sich gelassen hatte, ehe er den Schneemann sah, der auf dem Rasen neben dem Hauseingang stand. Es musste eine dieser Plastik-Weihnachtsdekorationen sein, Ã¼berlegte er. Jemand hatte einen komischen Sinn fÃ¼r Humor, dass er ihn im Juli drauÃen stehen lieÃ. Entweder das, oder er war einfach zu faul ihn wegzurÃ¤umen.

Als er sich allerdings nÃ¤herte, sah er immer wirklicher aus. Es war ein Standard-Schneemann aus drei Schneekugeln, wobei die unterste einen Meter Durchmesser hatte, die mittlere siebzig Zentimeter und die oberste vierzig Zentimeter. Seine Augen waren schwarze Pflaumen, seine Nase war eine sÃ¼Ãe GewÃ¼rzgurke und sein Mund war ein gepunkteter Strich aus Kirschen, der sich zu einem LÃ¤cheln bog. Er trug einen frÃ¶hlichen gelb-roten Schal dort, wo sein Hals wÃ¤re. Auf seinem Kopf, statt dem traditionellen Hut, hatte er eine Baseballkappe der Oakland As. Seine Arme waren unterproportional dÃ¼nn, einfach ein paar blattlose Zweige, die in seinen Schultern steckten.

Er ging darauf zu und berÃ¼hrte ihn vorsichtig. Er war kalt. Er war aus Schnee. Und er stand drauÃen auf dem Rasen bei siebenunddreiÃig Grad Hitze unter der gleiÃenden WÃ¼stensonne im Juli.

Langsam entfernte er sich von ihm, ohne ihn dabei aus den Augen zu lassen. Der Schneemann stand einfach nur da und zeigte keinerlei Absichten zu schmelzen.

SchlieÃlich, mit einem schnellen KopfschÃ¼tteln, versuchte er, ihn zu vergessen. Es gab zu viele andere Probleme, die wichtiger waren. Er stieg die vier Stufen zu der groÃen EingangstÃ¼r hinauf und drÃ¼ckte den Klingelknopf.

Ein paar Sekunden spÃ¤ter Ã¶ffnete sich die TÃ¼r und gewÃ¤hrte ihm einen Blick auf die hÃ¼bscheste junge Frau, die er je getroffen hatte. Sie war klein â er war nur eins dreiundsiebzig und sie reichte kaum bis zu seiner Nase â aber das war dann auch schon das einzige Merkmal, das er an ihr als unterdurchschnittlich bezeichnet hÃ¤tte. Ihr KÃ¶rper war perfekt proportioniert, weder zu vollbusig, noch zu jungenhaft. Ihr dunkelbraunes Haar, im Kurzhaarschnitt, umrahmte ein perfektes Gesicht mit groÃen, leuchtend braunen Augen, einer kecken Nase und einem kleinen aber ausdrucksstarken Mund.

Sie trug einen schwarzen Satin-Hosenanzug. Die untere HÃ¤lfte waren Hosen mit leicht ausgestellten Beinen, das Oberteil war weit offen, wie zwei breite HosentrÃ¤ger, die sich nach oben zogen und sich in ihrem Nacken trafen. Sie hatte gewÃ¶hnliche, flache, schwarze Turnschuhe an und ihr RÃ¼cken war nackt. Sie war nicht ungesund dÃ¼nn, aber da war sicher nirgendwo Fett. Um ihren Hals trug sie eine dÃ¼nne Goldkette mit einem groÃen Medaillon, sicher zehn Zentimeter breit mit mindestens zehn Lichtern, die da blinkten. Sie sah nicht viel Ã¤lter aus als zwanzig.

âJa?â, sagte sie.

Er war so beschÃ¤ftigt damit, den Anblick zu bewundern, dass er beinahe vergessen hatte, wieso er hier war. âÃhm, tut mir leid, dass ich Sie stÃ¶ren muss, aber mein Auto ist kaputt gegangen, dort an der StraÃe. Ich wollte fragen ââ

âAlso, stehen Sie doch nicht da in der Hitze 'rumâ, sagte sie mit einer einladenden Handbewegung. âKommen Sie rein, hier ist es klimatisiert, und machen Sie sich's bequem. Willkommen im GrÃ¼nen Haus.â

âDankeâ, sagte er und trat ein. Sie schloss die TÃ¼r hinter ihm und er badete in dem GefÃ¼hl. Seit Stunden war ihm nur heiÃ gewesen. Sie standen in einer Eingangshalle mit schwarz-weiÃen MarmorflieÃen und einem riesigen Kristallleuchter, der von der hohen Decke hing. Es gab einen langen Gang, der zum hinteren Teil des Hauses fÃ¼hrte, und von dem in verschiedenen AbstÃ¤nden TÃ¼ren zu verschiedenen Zimmern fÃ¼hrten. Eine breite Treppe mit dunkelgrÃ¼nem Teppich fÃ¼hrte hinauf in das nÃ¤chste Stockwerk.

âEs tut mir leid, dass ich Sie so belÃ¤stigen muss ââ, begann er, aber sie unterbrach ihn wieder.

âAch was. Es ist keine BelÃ¤stigung. Sie kÃ¶nnen doch nichts dafÃ¼r, wenn Ihr Auto kaputt geht, oder?â

âNeinâ, sagte er mit einem tiefen Seufzen. âIch hatte nur gehofft, Sie kÃ¶nnten mir kurz ihr Telefon leihen.â

âWÃ¼rde ich, wenn ich eines hÃ¤tte.â

âSie leben hier mitten im Nirgendwo ohne Telefon?â

âWenn ich ein Telefon hÃ¤tte, wÃ¼rden mich die Leute stÃ¤ndig anrufenâ, sagte sie. âZu viele Leute wollen mit mir reden. Ich ziehe es vor, schwer erreichbar zu sein.â

âAber was ist, wenn Sie ein Problem haben?â, fragte er weiter. âWas, wenn Sie mit jemandem sprechen mÃ¼ssen?â

âIch kann problemlos mit jedem sprechen, den ich willâ, sagte sie. âUnd es gibt keine Probleme, die ich und meine Angestellten nicht bewÃ¤ltigen kÃ¶nnten.â

âOh, Sie haben Angestellte. Ich nehme an, das macht es etwas besser.â

âJa. Genau genommen, wollte ich gerade vorschlagen, dass sich mein Fahrer ihr Auto ansieht. Er weiÃ wahrscheinlich, wie wir es wieder hinkriegen.â

âIch mÃ¶chte Ihnen keine MÃ¼he machen ââ

âEs ist keine MÃ¼he fÃ¼r mich. Fritz wird es machen. DafÃ¼r ist er da.â Sie griff nach ihrem Medaillon und sprach hinein. âFritz, da drauÃen steht ein Auto und funktioniert scheinbar nicht mehr. Kannst du es dir ansehen und versuchen es wieder zu starten?â

âJa, mein FrÃ¤uleinâ, kam eine Stimme aus dem Medaillon. Der Akzent war so Hollywood-Deutsch, dass man beinahe die Hacken klacken hÃ¶ren konnte.

âVielen, vielen Dankâ, sagte er.

Sie drehte sich noch einmal zu ihm um. âIch bin Ã¼brigens Polly.â

âOh, Ã¤hm, hallo. Ich bin Rod.â

Sie legte den Kopf schief. âDu siehst nicht wie ein Rod ausâ, sagte sie kritisch.

âWie sieht ein Rod aus?â

âNun, lang, zylindrisch und unbiegsam.â Sie warf ihm ein verschmitztes Grinsen zu. âNatÃ¼rlich kann ich es verstehen, wenn es ein Spitzname ist.â

Er merkte, dass er knallrot wurde. âEs, Ã¤hm, ist die AbkÃ¼rzung fÃ¼r, Ã¤h, Herodotusâ, sagte er leise. Gleichzeitig fragte er sich, wieso er das gesagt hatte. Er erzÃ¤hlte das beinahe nie jemandem â und schon gar nicht einer vÃ¶llig Fremden.

âAh, der griechische Geschichtsschreiberâ, kreischte Polly. âWie hÃ¼bsch.â

âSie haben von ihm gehÃ¶rt?â

âNatÃ¼rlich. Ich liebte die alten Griechen.â

âJa, mein Vater auch. Er war ein Professor der klassischen ArchÃ¤ologie.â

âEr muss sie sehr gerne gehabt haben, dass er Ihnen einen so ehrenvollen Namen gab.â

Herodotus schnaubte spÃ¶ttisch. âHerodotus Shapiro ist der schrecklichste Name, den man einem jÃ¼dischen Jungen geben kann.â

âMir gefÃ¤llt er. Darf ich dich Heros nennen?â

âMir ist Rod wirklich lieber.â

âDu kannst mein Heros seinâ, sagte sie wobei sie seine Beschwerde vÃ¶llig ignorierte. âDas ist besser als Heer, nicht wahr?â

âWie auch immerâ, sagte er resignierend. Er hatte jetzt wirklich wichtigere Probleme in seinem Leben als wie ein dummes, reiches MÃ¤dchen ihn nannte. Und in diesem Moment war eines dieser Probleme, wie er seinen Blick von dem hinreiÃenden KÃ¶rper des dummen, reichen MÃ¤dchens losreiÃen und verhindern konnte, dass er zu sabbern begann.

Sie hakte sich bei ihm ein und zog ihn auf das Zimmer rechts neben ihm zu. âKomm in die Stube und geselle dich zur Party.â

âParty?â Er fÃ¼hlte wie sich seine Brust plÃ¶tzlich zusammenzog. Partys bedeuteten Menschen, normalerweise frÃ¶hliche Menschen. FrÃ¶hliche Menschen waren so ziemlich das Letzte, was er in seinem Leben in diesem Moment brauchte. âAh, ich wollte nicht ungeladen ââ

âKÃ¶nntest du nicht einmal, wenn du wolltestâ, erklÃ¤rte Polly nachdrÃ¼cklich.

Er war sich nur zu sehr dessen bewusst, dass er verschwitzt und ungekÃ¤mmt war. âIch weiÃ nicht, ob ich da hineinpassen wÃ¼rde. Ich kenne da wohl niemanden ââ

âMach dir keine Sorgen. Du wirst dich groÃartig amÃ¼sieren. Sie sind alle gute Leute. Andere lade ich nicht ein.â

âAber. Ãhm. Ich bin nicht wirklich passend gekleidet.â

âMach dir keine Sorgen. Meine Partys haben keine Dress Codes. Sehr wenig formell. Ich finde, dass Menschen wichtiger sind als ihre Kleider. Komm schon.â

Sie Ã¶ffnete die SchiebetÃ¼r und fÃ¼hrte ihn in eine sehr groÃe Stube. Das Zimmer war voll mit Menschen. Im Hintergrund spielte eine frÃ¶hliche Instrumentalmusik, ohne zu stÃ¶ren, und die Leute unterhielten sich mit leisen, freundlichen Stimmen. Ab und zu konnte man ein Lachen hÃ¶ren.

Der Teppichboden war hellblau, bedeckt mit zwei Persischen Teppichen mit marineblauen offenen Teilen. Die Tapete war ein dazu passendes Pastellblau mit horizontalen, kÃ¶nigsblauen Streifen oben an der Decke und unten. Es gab ein langes, blaues Brokat-Sofa und fÃ¼nf StÃ¼hle Ã¼berzogen mit lindengrÃ¼nem Jacquard mit ein paar Glockenblumen in Diamanten-Muster und einen babyblauen FlÃ¼gel in der hinteren Ecke. Kleine Mahagoni-Tische umringten die Kommode an der Fassade unter dem groÃen Platinspiegel mit schrÃ¤gen Kanten. Alle Leute standen und unterhielten sich; niemand saÃ auf der luxuriÃ¶sen Einrichtung.

Er lieÃ seinen Blick Ã¼ber die groÃe Menschenmenge schweifen aber konnte keine Gesichter finden, die er kannte. âWie hast du all diese Leute hier heraus in die WÃ¼ste bekommen?â

âIch habe sie eingeladenâ, sagte Polly einfach. âMenschen kommen gern zu meinen Partys.â

Sie drÃ¼ckte einen Knopf in ihrem Medaillon und ein leises aber hartnÃ¤ckiges Klingeln hallte durch den Raum. Die Leute unterbrachen ihre Unterhaltungen und sahen hinÃ¼ber zur TÃ¼r.

âHallo alle zusammenâ, rief sie. âIch hoffe, ihr unterhaltet euch gut.â

Die meisten nickten, andere gaben zustimmende GerÃ¤usche von sich. âGutâ, sagte Polly. âWenn es irgendwelche Probleme gibt, sagt mir einfach Bescheid. Ich mÃ¶chte euch meinen Heros vorstellen. Eigentlich ist sein Name Herodotus Shapiro, aber ich finde, Heros passt zu ihm. HeiÃt ihn willkommen.â Entsprechende Rufe kamen aus der Menge, sodass Herodotus sich nur noch unwohler fÃ¼hlte.

Polly drehte sich wieder zu ihm um. âDu siehst aus, als kÃ¶nntest du was zu trinken gebrauchen.â

âIch bin nicht wirklich ein groÃer Trinker ââ

âNur ein GlÃ¤schen Wein. Oh, Fifiâ, rief sie.

Eine schÃ¶ne, kecke, junge Blondine in einer schwarz-weiÃen HausmÃ¤dchen-Uniform kam zu ihnen herÃ¼ber, in der Hand ein Tablett mit einigen gefÃ¼llten WeinglÃ¤sern. Ihr KostÃ¼m war sehr kurz und lieÃ wenig der Vorstellung Ã¼ber, besonders den ausgestellten Beweis ihres SÃ¤ugetier-Stammbaums. âOui, Mademoiselle?â, fragte sie.

Polly nahm mit einem geÃ¼bten Handgriff zwei GlÃ¤ser von dem Tablett und gab eines Herodotus wÃ¤hrend sie das andere fÃ¼r sich selbst behielt. âFifi, ich mÃ¶chte, dass du dich darum kÃ¼mmerst, dass Heros alles bekommt, was er wÃ¼nscht.â

Das HausmÃ¤dchen sah zu Herodotus' Gesicht hoch und lÃ¤chelte. âIch werde mich bemÃ¼henâ, versprach sie, mit plÃ¶tzlich heiserer Stimme. Ihre Schultern und HÃ¼ften waren komplett gegeneinander verdreht, als wÃ¼rden sie zu unterschiedlichen TrÃ¤gern gehÃ¶ren.

Polly hob ihr Glas in Herodotus' Richtung. âAuf neue Freundschaftenâ, sagte sie und sie stieÃen an.

Herodotus sah die goldene FlÃ¼ssigkeit in dem Glas an und kostete sie vorsichtig. Es war kÃ¶stlich â sÃ¼Ã aber nicht zu sehr, glatt auf der Zunge, kÃ¼hlend in der Kehle und im Abgang knackig und fruchtig. Er nahm noch einen zweiten, grÃ¶Ãeren Schluck.

Sie sah ihm mit einem LÃ¤cheln auf dem Gesicht zu. âSchmeckt's?â, fragte sie.

âEr ist sehr gut, ja.â

âEr ist von meinem eigenen Weingutâ, prahlte sie. âEr heiÃt Zufriedenheit, der Wein von zufriedenen Trauben. Sie wachsen gleich neben einem anderen meiner WeingÃ¤rten, wo die Trauben der Wut aufbewahrt werden. Den behalte ich fÃ¼r spezielle Ereignisse auf.â

âSieh her, Polly, ich ââ

âEs tut mir leid, dass ich dich vorÃ¼bergehend alleinlassen muss, aber ich muss mich unter die GÃ¤ste mischen. Gastgeberinnenpflichten und so. Rede mit den Leuten, mach es dir gemÃ¼tlich. Wenn du etwas brauchst, werden Fifi oder James dir gerne helfen.â

âWer ist James?â

âMein Diener. Ich komme sofort zurÃ¼ck und dann kÃ¶nnen wir uns unterhalten.â Sie nahm einen Schluck aus ihrem Glas und stÃ¼rzte sich in das GetÃ¼mmel. Sie wurde von allen angelÃ¤chelt, bis sie in der Menge verschwand.

Herodotus fÃ¼hlte sich sehr alleine und unwohl. Die Menschen sahen alle freundlich aus, aber er war nicht gerade in der Stimmung fÃ¼r Gesellschaft â nicht heute. Er bahnte sich den Weg zum Sofa und setzte sich vorsichtig auf ein Ende davon, ehrfÃ¼rchtig vor dem offensichtlichen Alter des MÃ¶belstÃ¼cks, und versuchte, sich selbst so unauffÃ¤llig wie mÃ¶glich zu machen.

Ein paar Minuten spÃ¤ter kam ein Mann und setzte sich neben ihn. Er sah aus, als wÃ¤re er in seinen spÃ¤ten Sechzigern, mit einem verwitterten, ledrigen Gesicht und einem weit zurÃ¼ck gehenden Ansatz reinweiÃen Haares. Er hatte einen dÃ¼nnen KÃ¶rper mit einem wachsenden Bierbauch und sein Gesicht war runzelig, aber auf eine nette Art. Es gab dort viele Lachfalten.

âWie lange kennen Sie sie schon?â, fragte der Mann um eine Unterhaltung zu beginnen.

âSie? Sie meinen Polly?â

âNennt sie sich heutzutage so? Ja, Polly.â

âIch habe sie erst vor ein paar Minuten kennen gelernt.â

Der alte Mann nickte. âBei mir sind es jetzt fÃ¼nf Jahre. Meine Frau und ich waren dreiundvierzig Jahre lang verheiratet, und sie war in ihrem ganzen Leben nie krank gewesen, abgesehen von einem Husten oder zwei. Dann kam Alice ins Krankenhaus und drei Wochen spÃ¤ter starb sie an Krebs. Meine ganze Welt brach zusammen. Ich dachte, ich kÃ¶nnte genauso gut sterben und zu ihr gehen. Dann kam diese Krankenschwester zu mir ins Besucherzimmer und hielt meine Hand. Ich bin nicht jemand, der Ã¶ffentlich seine GefÃ¼hle zeigt, aber ich heulte wie ein Baby an ihrer Schulter, ich machte ihren Kittel ganz nass. Es schien sie nicht zu stÃ¶ren. Ich erzÃ¤hlte ihr alles Ã¼ber Alice. Mensch, wir mussten wohl Stunden da gesessen und uns unterhalten haben. Wissen Sie, ich hatte einige Freunde, die versuchten, mich aufzumuntern, indem sie sagten, dass Alice an einen schÃ¶neren Ort ging. Polly erzÃ¤hlte mir keinen solchen Unsinn. Sie war einfach nur da, und das war genug, und bald war auch der Rest der Welt da â ein wenig leerer ohne Alice, aber bei weitem nicht so trostlos wie ich gedacht hatte.â

Er hielt inne. âWas ist Ihre Geschichte?â, fragte er.

Herodotus errÃ¶tete. Nach der Geschichte des alten Mannes, was konnte er da schon sagen? âMein Auto steht vor der TÃ¼r und startet nicht mehrâ, sagte er fast entschuldigend.

Der alte Mann sah ihn eine Weile lang an, die leiseste Andeutung eines LÃ¤chelns umspielte seine Mundwinkel. SchlieÃlich stand er auf. âKlarâ, sagte er, streckte die Hand aus, und klopfte Herodotus auf die Schulter. âVergessen Sie nicht, wie Polly sagt: die Dinge sind nie hoffnungslos, auÃer man verliert alle Hoffnung.â Und er ging weg.

Herodotus trank noch einen Schluck Wein und beobachtete die anderen PartygÃ¤ste. Nach noch ein paar Minuten kam ein kleiner Mann mit einem Gesicht, das an eine Maus erinnerte, in grauem Anzug und gestÃ¤rktem weiÃen Hemd und roter Krawatte herÃ¼ber zur Couch. Anstatt sich hinzusetzen, ging er herum, bis er hinter Herodotus stand, beugte sich hinunter und flÃ¼sterte in dessen Ohr: âVerschwinden Sie hier, solange sie noch kÃ¶nnenâ, sagte er Unheil verkÃ¼ndend.

âWas?â

âSie haben mich verstanden. Verschwinden Sie, bevor es zu spÃ¤t ist.â Dann ging er ohne weitere ErklÃ¤rung weg.

Herodotus fragte sich, in welcher Art BÃ¤renhÃ¶hle er da gelandet war, als er den Mann weggehen sah. Aber er hatte keine andere Wahl als zu bleiben, es sei denn, er wollte achtzig oder noch mehr Kilometer durch die sommerliche WÃ¼stenhitze wandern.

Sich leichtfÃ¼Ãig einen Weg durch die Menschenmenge bahnend, kam eine langhaarige schwarze Katze mit goldenen Augen auf ihn zu. Sie steuerte direkt auf das Sofa zu, sah Herodotus forschend an und sprang dann auf seinen SchoÃ. Vorsichtig streichelte Herodotus ihr Fell. Die Katze lieÃ es sich gefallen und begann zu schnurren, wÃ¤hrend sie seine Oberschenkel mit ihren Samtpfoten massierte.

Und dann war Polly wieder zurÃ¼ck, sie trug nun einen schmucken Gymnastikanzug â vertikal rot-weiÃ gestreift, mit blauen RÃ¤ndern mit weiÃen Sternen oben und unten. Ihre Schultern, Arme und Beine waren bloÃ und ihre FÃ¼Ãe steckten in Ballerinas.

âAh, du hast Midnight gefundenâ, sagte Polly lÃ¤chelnd.

âEigentlich hat eher er mich gefundenâ, entgegnete Herodotus.

âIch sehe, du bist daran gewÃ¶hnt, Dinge aus der Katzenperspektive zu sehen.â

âIch habe mit einigen zusammen gelebtâ, gab er zu.

âDas freut mich zu hÃ¶ren. Katzen sind der lebende Beweis dafÃ¼r, dass Gott nur einen SpaÃ machte, als er sagte, wir sollten vor ihm keine anderen GÃ¶tter haben.â Sie bÃ¼ckte sich um die Katze auch zu streicheln. Diese schnurrte noch lauter.

Polly lieÃ sich neben ihm auf das Sofa fallen und lieÃ sich ein paar Mal mit all dem Anstand einer ungestÃ¼men ZehnjÃ¤hrigen zurÃ¼ckfedern und endete schlieÃlich seitlich sitzend im Schneidersitz, ihm zugewandt. Die Katze zuckte nicht einmal. âNun, worÃ¼ber sollen wir reden?â, fragte sie.

Herodotus schÃ¼ttelte den Kopf. âIch bin nicht wirklich in der Stimmung zum Reden. Ich mÃ¶chte einfach, dass mein Auto wieder funktioniert, und dann verschwinde ich hier und geh dir nicht weiter auf die Nerven.â

Pollys Stimme klang mitfÃ¼hlend. âHast einige Probleme, hÃ¤?â

âIch sagte, ich mÃ¶chte nicht darÃ¼ber reden.â Sein Tonfall war schÃ¤rfer als beabsichtigt.

âIn Ordnungâ, sagte sie, wobei sie immer noch die Katze streichelte. âDann reden wir Ã¼ber mein Lieblingsthema â mich. Stell mir deine Fragen. Ich weiÃ, du hast welche, ich sehe es in deinen Augen. Frag mich, was du willst. Ich bin ziemlich gut drauf, also hast du eine einmalige Chance, fÃ¼r die manche MÃ¤nner morden wÃ¼rden.â

Sie hatte offensichtlich nicht die Absicht, ihn in Ruhe zu lassen, also konnte er sie auch unterhalten. âPflanzt du hier viele Blumen?â

Sie war tatsÃ¤chlich mehrere Sekunden lang sprachlos und belustigt. âIch muss zugeben, diese bekomme ich nicht oft. Meistens ist es sowas wie 'Was ist der Sinn des Leben' oder 'Wieso ist mir das passiert?'. Ja, ich habe ein kleines Blumenbeet drauÃen im Hinterhof, aber nicht grÃ¶Ãer als Versailles. Wieso fragst du?â

âNun, als ich ankam, sagtest du 'Willkommen im GrÃ¼nen Haus.'â

Polly lachte. Es war ein Klang wie ein Glockenspiel, ein Klang, der den ganzen Raum erstrahlen lieÃ, ein Klang, der Freude, destilliert auf ihre reinste Essenz, war. âDamit ist nicht das GrÃ¼n drauÃen gemeint, sondern die Farbe des Hauses.â

âDein Haus ist weiÃ.â

âJa, aber das 'WeiÃe Haus' ist schon vergeben, nicht wahr?â

Herodotus schloss die Augen. Sein Gehirn fÃ¼hlte sich, als wÃ¤re es plÃ¶tzlich in einen dichten Nebel geraten. âIch weiÃ nicht, ob das irgendeinen Sinn ergibt.â

âSinn? Im Vertrag steht nirgendwo etwas von 'Sinn'. Oder 'fair', wenn wir schon darÃ¼ber sprechen. Nicht einmal im Kleingedruckten. Ich habe es alles gelesen.â

Herodotus bekam das unbehagliche GefÃ¼hl, dass Polly ein wenig zu lange allein gelebt hatte. Er wollte gerade aufstehen und sagen, dass er doch drauÃen warten wÃ¼rde, als der Diener auf das Sofa zukam. Er war ein groÃer Mann im Smoking, sein Haar schÃ¼tter und an den Seiten grau werdend. Er trug sich selbst mit einer Ã¼berlegenen Haltung und er trug ein silbernes Tablett mit HÃ¤ppchen in seiner rechten Hand. Er senkte das Tablett elegant und sagte mit einem Oxford-Akzent: âErfrischungen?â

âDanke, Jamesâ, sagte Polly und nahm ein ungewÃ¶hnlich aussehendes Hors d'Oeuvre vom Tablett wobei sie Herodotus ansah. âLust auf etwas?â

Er besah sich die Auswahl. Die meisten Partys, zu denen er ging, hatten ein Angebot von Chips mit Saucen, KÃ¤sebÃ¤llchen oder NÃ¼ssen oder Keksen. Auf dem Tablett vor ihm befand sich nichts, das bekannt aussah. âÃh, was empfiehlst du?â

âOh, sie sind alle groÃartigâ, sagte Polly. âIch habe sie selbst gemacht.â

Herodotus schaute noch ein wenig weiter und entschied sich dann fÃ¼r etwas, das wie eine kleine, rot-braune Blume auf einem Cracker aussah. Er biss vorsichtig hinein; es war eine Spur salzig und eine Spur sÃ¼Ã. âDas ist leckerâ, sagte er und aÃ auch den Rest davon.

âNun, du brauchst nicht so Ã¼berrascht zu klingenâ, sagte Polly.

âWas ist es?â

âNach dieser wenig Ã¼berzeugenden Reaktion, glaube ich nicht, dass ich dir das sagen werde. Das genÃ¼gt erst mal, James.â

âWie Sie wÃ¼nschen, Madam.â Der Diener richtete sich auf und ging im Raum herum um die anderen GÃ¤ste zu bedienen.

Polly sah zu, wie Herodotus den letzten Bissen des CanapÃ©s hinunterschluckte, und sagte dann: âAlso, wo waren wir?â

âIch glaube, wir waren nicht wirklich irgendwo.â

âOh ja, du warst dabei, mich mit deinen geistreichen Bemerkungen auszufragen. Mach weiter, ich kann die nÃ¤chste kaum erwarten.â

Herodotus trank seinen Wein aus, um sich einen Moment zu verschaffen, wo er seine Gedanken sammeln konnte. Mit einem Seufzen entschied er, zu sagen, was ihn so verwirrte. Nun, eines der Dinge, die ihn verwirrten. Polly schien ihm seine UnverblÃ¼mtheit nicht Ã¼bel zu nehmen.

âWusstest duâ, fragte er nachdrÃ¼cklich, âdass da ein Schneemann vor dem Haus in deinem Garten steht?â

âOh, McCool? Ich dachte, er war im Hinterhof. Er muss nach vorne gegangen sein, denn er sieht gerne den Autos zu, die vorbeifahren.â

Das war zu viel fÃ¼r ihn. âDu machst Scherze.â

Sie schenkte ihm ein breites LÃ¤cheln, das den Raum erhellte wie eine Lichterkette. âJa klar, Dummkopfâ, sagte sie und streckte ihre Hand aus, um sie beruhigend auf sein Knie zu legen. âMcCool kann nirgendwo hingehen â er hat keine Beine. Das habe ich mich bei Frosty immer gefragt. Wie konnte er herum tanzen, wenn SchneemÃ¤nner doch gar keine FÃ¼Ãe und Beine haben? Aber es ist ein sÃ¼Ães Lied.â

Mit der BerÃ¼hrung ihrer Hand auf seinem Knie durchzuckte ihn ein GefÃ¼hl von... etwas. Es war nicht WÃ¤rme, obwohl ihm auch trotz der Klimaanlage immer noch sehr warm war. Es war auch keine ElektrizitÃ¤t, obwohl sein ganzer KÃ¶rper kribbelte. Es war nicht sexuell, obwohl ihr Gymnastikanzug die Weiblichkeit ihrer PrÃ¤senz betonte. Es war einfach etwas, und es war jedenfalls gut.

Er begann zu stammeln: âAber wie ââ, als sie ihm ins Wort fiel.

âDie Fragestunde ist erst einmal vorbei. Vielleicht spÃ¤ter mehr, wenn du brav bist. Jetzt gerade ist meine Trainingszeit. Ich wollte eigentlich gerade anfangen, als du auftauchtest. Daher bin ich so angezogen. Komm mit hinauf in den Fitnessraum und leiste mir Gesellschaft.â

âUnd die GÃ¤ste?â

âOh, die werden es eine Weile ohne mich aushalten. James und Fifi kÃ¶nnen sich um sie kÃ¼mmern.â

âIch mache nicht viel Sportâ, sagte Herodotus, und behielt seine Meinung fÃ¼r sich, dass das einzige, was schlimmer war, als Sport zu treiben, war zuschauen, wenn jemand anders es tat. âGeh du nur. Ich bleibe inzwischen hier sitzen und streichle deine Katze und warte darauf, dass dein Chauffeur mein Auto wieder repariert.â

âOh nein, das wirst du nichtâ, sagte sie, sprang vom Sofa auf und ergriff seinen Arm. Midnight befand das fÃ¼r ein Zeichen, dass er von Herodotus' SchoÃ springen sollte, was er tat bevor er gemÃ¼tlich weiter wanderte. âIch liebe es, anzugebenâ, fuhr Polly fort, âund das kann ich nicht, wenn du hier unten sitzt.â Sie zog ihn hoch und hinter sich her. âSieh es als deine Chance, meine Gastfreundschaft zurÃ¼ck zu bezahlen.â

Nachdem er erkannte, dass sie etwas war, was der Unwiderstehlichen Kraft so sehr entsprach, wie nichts Anderes, was er je treffen wÃ¼rde, folgte er ihr wieder hinaus in den Flur und den Korridor entlang zum hinteren Teil des Hauses. Es gab schlimmere Arten, seine Zeit zu verbringen, als einem schÃ¶nen MÃ¤dchen zuzusehen, wie sie schwitzte.

Sie erreichten das Ende des langen Korridors, wo sich eine Liftkabine befand, die auf sie wartete. Polly drÃ¼ckte auf Nummer drei. Herodotus bemerkte, dass die KnÃ¶pfe bis Nummer dreizehn gingen, dazu einer, worauf âRâ stand.

âIch hÃ¤tte schwÃ¶ren kÃ¶nnen, dass dein Haus nur zwei Stockwerke hatâ, sagte er, als sich die LifttÃ¼ren schlossen. Die Kabine schoss viel schneller aufwÃ¤rts, als irgendein gesunder Lift sich das getraut hÃ¤tte. Herodotus hatte das GefÃ¼hl, als wÃ¼rden seine Knie gleich an seinem Kinn vorbei schieÃen und aus seiner SchÃ¤deldecke kommen, wÃ¤hrend sein Magen sich anfÃ¼hlte, als wÃ¤re er im Parterre zurÃ¼ckgeblieben.

âAh, du hast es wohl nur von vorne gesehenâ, sagte Polly spontan. âHinten ist es viel grÃ¶Ãer. Hier wÃ¤ren wir.â

Der Lift blieb abrupt stehen und Herodotus fÃ¼hlte sich wie ein Turm Wackelpudding auf einer zitternden Feder. Die TÃ¼ren Ã¶ffneten sich und offenbarten etwas, das wie der Korridor eines Luxushotels aussah, mit TÃ¼ren an beiden Seiten. Es standen keine Nummern an den TÃ¼ren, und auch keine anderen Hinweise darauf, was sich dahinter befinden kÃ¶nnte, auÃer, dass eine der TÃ¼ren weiter den Flur hinunter leuchtend grÃ¼n gestrichen war.

Mit federnden Schritten marschierte Polly den Gang entlang. Sie musste Herodotus nun nicht mehr an der Hand hinter sich her ziehen. Seine Nerven klirrten noch von der Fahrt mit dem Lift und er hatte Angst, zurÃ¼ck zu bleiben und sich in der immer verwirrenderen Villa zu verlaufen.

Sie blieb neben der grÃ¼nen TÃ¼r stehen. âDu kannst hier nicht hinein gehenâ, sagte sie.

âWieso sollte ich das wollen?â

âWeil es verboten istâ, sagte sie finster. âSie wollen immer hinein gehen, wenn ich sage, dass es verboten ist.â Sie ging weiter und blieb an einer TÃ¼r zu ihrer Linken stehen, etwa in der Mitte des Korridors. âHier ist der Fitnessraumâ, sagte sie. âKomm herein.â

Es war ein groÃer Saal, so groÃ wie der Turnsaal eines Gymnasiums. Es war nicht gerade das, was Herodotus erwartet hatte. Kein Laufband, keine Hometrainer, keine Rudermaschinen, keine Treppen â keine der modernen Apparaturen. Stattdessen gab es ein Turnpferd, einen Stufenbarren, ein Trapez und ein mehrere Meter langes Seil horizontal gespannt in der Luft. Viele graue Matten lagen am Boden.

âAlso bist du eine Akrobatin?â riet Herodotus.

âOnry Phirosophicarryâ, sagte sie mit gespieltem chinesischem Akzent.

Herodotus war verwirrt und sein Gesicht musste das gezeigt haben.

âDu hast doch Tony Randall in Die 7 Gesichter des Dr. Lao gesehenâ, meinte Polly halb fragend. Als Herodotus den Kopf schÃ¼ttelte, fuhr sie fort: âOh, das musst du sehen! Regisseur George Pal, Drehbuch Charles Beaumont. Es ist ein Film der eine Heiligsprechung verdient.â

Dann kam sie wieder auf das ursprÃ¼ngliche Thema zurÃ¼ck. âAkrobatik bietet mir ein gutes Training und hilft mir, die mÃ¤dchenhafte Figur zu behalten, die du bewundert hast, als du meintest, dass ich es nicht bemerkte.â

Herodotus errÃ¶tete, aber da war nur Stolz in Pollys Gesicht, als sie sagte: âSieh her.â

Neben dem Trapez hing ein Seil und Polly kletterte daran zwei Meter hoch, bis sie die Stange erreichen konnte und kletterte dann hinÃ¼ber. Sie begann, vor- und rÃ¼ckwÃ¤rts zu schwingen, wobei sie immer hÃ¶her wurde, bis sie mit einer geschmeidigen Bewegung einen Salto rÃ¼ckwÃ¤rts machte, sodass sie danach mit den Knien an der Trapezstange hing. Sie zog sich hoch in eine sitzende Position, dann noch hÃ¶her, bis sie stand, die FÃ¼Ãe breit auf der Stange stehend. Herodotus begann zu klatschen, aber sie brachte ihn zum Schweigen. âAch, das war gar nichtsâ, sagte sie mit einem ganz leichten Hauch Gereiztheit in ihrer Stimme. âBehalte dir deinen Applaus bis zum Ende der Vorstellung.â

Sie lehnte sich nach vorne und begann zu fallen, wÃ¤hrend sie gleichzeitig ihre HÃ¼fte beugte und die Trapezstange mit beiden HÃ¤nden ergriff. Mit dem Schwung, den sie mitnahm, machte sie eine volle Umdrehung um die Stange, wonach sie ihre Beine spreizte und schlieÃlich im Handstand auf der Stange stand. Sie blieb dort bewegungslos wie ein Stein gut fÃ¼nfzehn Sekunden stehen, dann plÃ¶tzlich lieÃ sie los und fiel gerade nach unten, bis, im allerletzten Moment, ihre KnÃ¶chel sich an den Seile an den Enden der Trapezstange festhielten und ihren Fall stoppten. Dann bewegte sie ihr linkes Bein langsam zur Seite, sodass ihr ganzer KÃ¶rper einfach nur mehr an ihrem rechten KnÃ¶chel hing.

Sie hielt diese Stellung noch ein paar Sekunden, nur um zu zeigen, dass es kein GlÃ¼ckstreffer war und beugte sich dann ohne jegliche Anstrengung nach oben und ergriff die Stange wieder mit ihren HÃ¤nden. Sie lehnte sich rÃ¼ckwÃ¤rts und vorwÃ¤rts und verwendete ihren KÃ¶rper als Gegengewicht um das Trapez zum Schaukeln zu bringen. Pendelnd schwang sie rÃ¼ckwÃ¤rts und vorwÃ¤rts, hÃ¶her und hÃ¶her mit jeder Wiederholung. Dann, am hÃ¶chsten Punkt eines Schwungs lieÃ sie los und flog durch die Luft. Ihr KÃ¶rper rollte sich schnell ein und sie machte zwei volle Saltos bevor sie sich wieder aufrichtete, und ohne jegliches Zittern in der Mitte des gespannten Seils landete.

âKein Applausâ, erinnerte sie, âaber ein leises, Ã¼berraschtes Luftholen wÃ¤re vielleicht angebracht.â

Sie wartete aber nicht darauf, sondern begann, vorwÃ¤rts und rÃ¼ckwÃ¤rts Ã¼ber das Seil zu spazieren, mit einer solchen Sicherheit, als hÃ¤tte sie festen Boden unter den FÃ¼Ãen. Sie ging zur Mitte des Seils, beugte ihre Knie und machte einen Salto rÃ¼ckwÃ¤rts, dann noch einen, und noch einen â jedes Mal landete sie selbstsicher auf ihren FÃ¼Ãen.

âJetzt kommt der Moment wo das Publikum involviert wirdâ, sagte sie. âDort drÃ¼ben ist ein Einrad, kannst du es holen und mir geben, bitte?â

Herodotus ging und holte das Einrad und gab es ihr hoch. Sie machte sich nicht die MÃ¼he, ihm zu danken, sie balancierte einfach das Rad auf dem Seil und stieg vorsichtig auf, dann fuhr sie damit zweimal Ã¼ber die ganze LÃ¤nge des Seils hin und her. Nachdem sie wieder zur Mitte des Seils geradelt war, blieb sie dort auf dem Rad ruhig stehen und sagte: âJetzt bring mir die Stange und den Teller dort drÃ¼ben.â Herodotus tat es.

Die Stange war etwa einen Meter lang und einen Zentimeter im Durchmesser. Sie ergriff sie ungefÃ¤hr in der Mitte und setzte den Teller auf die Spitze und begann, ihn zu drehen. Sie drehte den Rand des Tellers mit ihrer Hand an, so dass er sich schneller und schneller drehte. Als sie meinte, dass er schnell genug war, ergriff sie die Stange mit beiden HÃ¤nden, lehnte ihren Kopf zurÃ¼ck und platzierte den Stab vorsichtig auf ihrer Stirn. Sie lieÃ los und streckte ihre HÃ¤nde zu beiden Seiten aus. Dann begann sie, hin und her Ã¼ber das Seil zu radeln.

âDies ist der Moment, wo ich dich in das groÃe Geheimnis des Universums einweiheâ, sagte sie, wobei sie ihre Augen nicht von dem Teller lieÃ. âAll die Weisheit aus dem Altertum geht letztendlich zurÃ¼ck auf ein Wort: Gleichgewicht. Bleibe im Gleichgewicht und die Welt ist deine Auster. Also, wenn du Austern magst, sonst ist die ganze Metapher sinnlos.â

Eine ganze Minute lang fuhr sie mit dem Stab auf ihrer Stirn weiter. Dann ergriff sie die Stange mit ihrer rechten Hand, nahm sie von ihrer Stirn und lieÃ sie zu Boden fallen. Den Teller fing sie mit ihrer linken, sah hinunter zu Herodotus und rief: âHier, fangâ, als sie ihn ihm zuwarf. Sie selbst blieb inzwischen auf ihrem Einrad auf dem Seil und fuhr dort ohne sichtliche Anstrengung noch eine Minute hin und her.

SchlieÃlich stieg sie von dem Einrad, so einfach, wie sie aufgestiegen war und gab es Herodotus wieder zurÃ¼ck. Dann beugte sie sich hinunter und umfasste das Seil, drehte sich herum und lieÃ ihre FÃ¼Ãe hinunter, bis sie an ihren ausgestreckten Armen hing, dann fiel sie leichtfÃ¼Ãig auf die Matte darunter, die Arme triumphierend Ã¼ber ihrem Kopf.

âOkay, jetzt darfst du applaudierenâ, sagte sie.

Herodotus war viel weiter als Applaus. Trotz seiner persÃ¶nlichen Depression sagte er enthusiastisch: âDas war fantastisch! Bist du ein Profi?â

Polly lieÃ ihre HÃ¤nde wieder sinken und verbeugte sich. âIch wurde nie dafÃ¼r bezahlt, also ich schÃ¤tze, das bedeutet, ich bin nur eine talentierte Amateurin. Aber es macht mir SpaÃ. Hast du Hunger? Ich verhungere jedes Mal nach einem spaÃistischen Training.â

Das FrÃ¼hstÃ¼ck war schon lange her und das eine HÃ¤ppchen hatte seinen Magen nicht wirklich befriedigt, aber Herodotus wollte ihre Gastfreundschaft nicht noch weiter ausnutzen. âIch will dir wirklich keine UmstÃ¤nde machen. Du hast schon so viel getan â â

âAch Quatsch. Ich werde Mario sagen, er soll uns einen Snack rauf bringen.â

âÃh, wÃ¼rde es dich stÃ¶ren, wenn ich erst noch deine Toilette benutze und mich frisch mache?â

âNatÃ¼rlich nicht. Das ist besser als auf den Boden zu pinkeln. Komm.â Sie fÃ¼hrte ihn wieder hinaus aus dem Turnsaal und auf den Gang. âEs ist die zweite TÃ¼r links, da drÃ¼ben. Geh nur nicht durch die grÃ¼ne TÃ¼r. Wenn du fertig bist, nimm den Lift zurÃ¼ck in den ersten Stock. Ich warte dort auf dich.â

Er ging in das Badezimmer und schloss die TÃ¼r hinter sich, lehnte sich an sie und schloss seine Augen. Es war angenehm, zumindest ein paar Minuten Ruhe zu haben. Polly war sehr hÃ¼bsch und sehr freundlich, aber sie war auch sehr... intensiv. Ja, das war das richtige Wort fÃ¼r sie. Intensiv.

Er seufzte tief und Ã¶ffnete seine Augen. Dann schloss er sie wieder. Er hÃ¤tte sich denken kÃ¶nnen, dass Polly nicht einfach ein normales Badezimmer haben wÃ¼rde, aber dies ging weit Ã¼ber seine wildesten Vorstellungen hinaus.

Er Ã¶ffnete die Augen wieder, um den Anblick auf sich wirken zu lassen. Die Tapeten an den WÃ¤nden und der Decke waren eine Illusionsmalerei, sodass es wie eine groÃe Kathedrale aussah, vielleicht Westminster Abbey, oder was wusste er. Der Raum war ohnehin schon sehr groÃ fÃ¼r ein Badezimmer, was den Effekt noch verstÃ¤rkte.

Die Toilette war buchstÃ¤blich ein Thron â eine aufwÃ¤ndig geschnitzte Konstruktion aus dunkler Eiche mit Einlegearbeiten aus Elfenbein und Juwelen. Die massiven Armlehnen hatten LÃ¶wenkÃ¶pfe an den Enden und die vier FÃ¼Ãe waren Tatzen mit Klauen. Die RÃ¼ckenlehne des Throns war aus weinrotem Samt und ein gleichmÃ¤Ãiges Licht schien auf den Sitz als kÃ¤me es durch ein farbiges Glasfenster von oben. Eine Rolle Klopapier hing diskret an einer Seite.

Er ging zu dem Thron und hob den Sitz vorsichtig auf. Zu seiner groÃen Erleichterung sah es innen wie eine normale Toilette aus. Er erleichterte sich, dann, wie seine Frau â bald Ex-Frau, erinnerte er sich â ihn erzogen hatte, klappte er den Sitz wieder nach unten. Als er nach unten gebeugt war, bemerkte er, dass das Toilettenpapier merkwÃ¼rdig aussah. Er streckte die Hand aus, um es anzufassen.

Es war kein Papier. Es war Seide.

Er ging zum Waschbecken, das ihn an ein achteckiges Taufbecken, das er in einer Tour alter Kirchen gesehen hatte, erinnerte. Der Wasserhahn war aus massivem Gold und als er ihn aufdrehte, hatte das Wasser, das herausfloss einen leichten Rosenduft. Die Seifen waren wie kleine SchwÃ¤ne geformt und die HandtÃ¼cher waren in Origami-Schwanfiguren gefaltet.

Er starrte auf sein Spiegelbild als er seine HÃ¤nde wusch. âWo bin ich da nur hineingeraten?â fragte er sich leise. âIst dies eine noch surrealere Version von Hotel California? Wer ist diese Frau und was ist das fÃ¼r ein Ort?â

Sein Spiegelbild konnte ihm keine Antwort geben, also trocknete er sich die HÃ¤nde und verlieÃ das Zimmer.

Der Lift wartete offen auf ihn, als er den Korridor hinunter ging. Er drÃ¼ckte mit einiger Unbehaglichkeit â1â und der Lift schoss so schnell durch den Schacht hinunter, als wÃ¤re das Kabel gerissen, nur um dann plÃ¶tzlich aber sanft stehen zu bleiben. âDieser Lift kÃ¶nnte eine Fahrt in jedem VergnÃ¼gungspark seinâ, murmelte er.

Er trat auf das Parterre hinaus. Keine Spur von Polly, also wartete er einfach.

Ein groÃer, mÃ¤nnlicher LÃ¶we mit einer imposanten MÃ¤hne kam gemÃ¼tlich aus einer TÃ¼r spaziert. Herodotus erstarrte instinktiv und bewegte sich langsam rÃ¼ckwÃ¤rts von ihm weg. Die LifttÃ¼ren hatten sich hinter ihm geschlossen, aber er drÃ¼ckte sich so fest an sie, wie er konnte.

Der LÃ¶we sah ihn kurz an und Herodotus bemerkte, dass er etwas schielte. Das Tier sah wieder weg und ignorierte ihn, als er einfach den Gang entlang ging und in einem anderen Zimmer verschwand.

Nach ein paar Sekunden fiel Herodotus auf, dass er nicht atmete. Er begann, tief einzuatmen, um seine Nerven zu beruhigen.

Polly kam aus einer anderen TÃ¼r. Sie hatte sich wieder umgezogen, diesmal erschien sie in engen Jeans, Turnschuhen und einem weiÃen T-Shirt, auf dem in blauen Buchstaben auf der Brust stand: âIch glaube an mich!â. Selbst so ein einfaches Outfit sah an ihr unsagbar sexy aus.

âÃhâ, sagte er zÃ¶gernd, âda spaziert ein LÃ¶we durch dein Haus.â

âOh, das ist nur Bert. Ignoriere ihn einfach. Er hat wahrscheinlich mehr Angst vor dir, als du vor ihm.â

Herodotus entschied, dass er genug hatte von subtilen Bemerkungen. Er sah ihr geradewegs in die Augen und sagte: âWer bist du jetzt eigentlich?â

Sie schenkte ihm einen fragenden Blick. âDas habe ich dir doch schon gesagt. Ich bin Polly.â

âPolly Wie?â

âPolly Wie Wie?â

âWie heiÃt du mit Nachnamen?â

âNein, wie heiÃt der Typ der als zweites kommt.â

âIch kenne den Witz schonâ, sagte er genervt. âSag mit deinen Nachnamen.â

âBrauche ich einen?â

âJeder hat einen Nachnamen.â

âCher. Madonna. Prince.â

âDas sind KÃ¼nstlernamen. Sie wurden mit Nachnamen geboren.â

âVielleicht ist Polly mein KÃ¼nstlername.â

âSpielst du denn gerade ein Theater?â

âImmerâ, sagte sie, wobei ihre Stimme einen leicht verÃ¤rgerten Ton annahm.

âAlles was ich meinte war ââ

âKann sein, Junge.â Ihre Augen glÃ¼hten mit plÃ¶tzlicher Wut. âWie kannst du es wagen, hier herein zu spazieren, als wÃ¼rde dir die Welt gehÃ¶ren und mich ins KreuzverhÃ¶r nehmen? Ist das ein Gummischlauch in deiner Hosentasche, oder freust du dich nur, mich zu sehen? Was macht es schon aus, wie mein Nachname ist, oder ob ich einen habe? Du bist hier nicht mehr erwÃ¼nscht. Bitte verlass sofort mein Haus.â

Herodotus war verblÃ¼fft von dieser plÃ¶tzlichen Sinneswandlung. âAber â â

âKein 'aber'. Raus. Jetzt!â Sie deutete wÃ¼tend auf die TÃ¼r an der Vorderseite des Hauses.

Sie stampfte mit ihrem FuÃ auf.

Der Boden zitterte.

Es gibt ein Spiel, das alle Kalifornier spielen: die StÃ¤rke des Erdbebens raten, das man gerade gefÃ¼hlt hat. Ohne bewusst darÃ¼ber nachzudenken, schÃ¤tzte er dieses auf ein schwaches Erdbeben, wohl irgendwo zwischen 3 und 4 auf der Richter-Skala.

Herodotus hatte aber keine Zeit um genauer nachzudenken, denn Polly kam auf ihn zu, Mordlust in ihren Augen. Er drehte sich um und floh den Gang entlang hinunter, Ã¶ffnete die TÃ¼r und ging hinaus. Polly folgte ihm bis zur TÃ¼r und warf diese hinter ihm krachend ins Schloss.

âNun, das hÃ¤tte besser gehen kÃ¶nnenâ, murmelte er.

Er stand in der gleiÃenden Hitze und sah hinunter auf die Einfahrt, wo sein Auto auf der Autobahn stehen geblieben war. Er hatte halb erwartet, Pollys Chauffeur daran arbeiten zu sehen, den Motor in StÃ¼cken am Boden um ihn herum verteilt. Aber da war nichts. Das Auto war weg.

Herodotus starrte unglÃ¤ubig auf die StraÃe. Dann schaute er Ã¼ber seine Schulter zurÃ¼ck auf die plÃ¶tzlich Unheil verkÃ¼ndende TÃ¼r. KopfschÃ¼ttelnd ging er langsam die Treppen hinunter und ging zu dem Schneemann hinÃ¼ber. Er zeigte immer noch keinerlei Absichten zu schmelzen.

âHallo McCoolâ, sagte er. âMein Name ist Rod, kurz fÃ¼r Herodotus. Was ist eigentlich los mit Polly? Sie erschien so freundlich, und dann wendet sie sich gegen mich und wirft mich aus dem Haus. Und sie ist so schÃ¶n, dass ich kaum meinen Blick von ihr nehmen kann. Aber sie benimmt sich richtig komisch. Sie ist offensichtlich reich und talentiert, aber sie erscheint Ã¼berhaupt nicht Ã¼berheblich. Also, abgesehen von ihrem Namen, nehme ich an. Was ist damit, frage ich mich?




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