Ein Kuss für Königinnen Morgan Rice Ein Thron für Schwestern #6 ÜBERMITTLUNG ist fesselnd, unerwartet und fest verwurzelt in starken psychologischen Profilen, die mit Thriller- und Science-Fiction-Elementen unterlegt sind: Was kann man sich mehr wünschen? (Außer der schnellen Veröffentlichung von Buch Zwei, Ankunft. ) Von der Nr. 1 Fantasy-Bestseller Autorin Morgan Rice stammt dieses lang erwartete Science-Fiction-Serien Debüt. SETI erhält endlich ein Signal von einer fremden Zivilisation, doch was passiert als Nächstes?Ein 13-jähriger Junge, der an einer seltenen tödlichen Hirnerkrankung leidet, ist der Einzige, der Signale aus dem Weltraum hören und entschlüsseln kann. SETI bestätigt, dass es sich um ein echtes Signal handelt. Was ist die Botschaft? Wie wird die Welt reagieren? Und vor allem: Kommen jetzt die Außerirdischen?Eine tolle Handlung, die Art von Buch, die Sie abends kaum weglegen können. Das Ende war eine spannende Konstellation, so spektakulär, dass Sie sofort das nächste Buch kaufen wollen, um zu erfahren, wie es weitergeht. -The Dallas Examiner (über Love) Eine weitere tolle Reihe lässt uns in eine Fantasie voll von Ehre, Mut, Magie und Glauben an unser Schicksal eintauchen − empfohlen für die Bücherei von allen Lesern, die gut geschriebene Fantasy lieben. -Books and Movie Reviews, Roberto Mattos (über Rise of the Dragons) Schnelles und leichtes Lesen … Sie werden lesen wollen, was als Nächstes passiert und Sie wollen das Buch nicht wieder weglegen. -FantasyOnline. net (über A Quest of Heroes) Aktionsgeladen … Rice schreibt solide und verspricht Faszinierendes. -Publishers Weekly (über A Quest of Heroes) Überragende Fantasy − ein empfehlenswertes Buch für alle, die epische Fantasy-Romane mögen, bei denen es um mächtige, glaubhafte junge, erwachsene Protagonisten geht. Midwest Book Review (über Rise of the Dragons) Eine aktionsgeladene Fantasy, die sicherlich sowohl die Fans von Morgan Rices vorherigen Romanen als auch die Fans von Büchern wie THE INHERITANCE CYCLE von Christopher Paolini faszinieren wird. Begeisterte Leser von Literatur für Junge Erwachsene werden dieses neuste Werk von Rice schätzen und mehr lesen wollen. -The Wanderer, A Literay Journal (über Rise of the Dagons) Buch Zwei der Serie – ANKUNFT – ist bereits als Vorbestellung erhältlich! Ebenfalls erhältlich: Eine große Auswahl an Fantasy-Reihen von Morgan Rice, einschließlich A QUEST OF HEROES (BUCH 1 von THE SORCERER’S RING), der als kostenloser Download zur Verfügung steht und mehr als 1300 Mal mit fünf Sternen bewertet wurde! EIN KUSS FÜR KÖNIGINNEN (EIN THRON FÜR SCHWESTERN-- BUCH 6) MORGAN RICE Morgan Rice Morgan Rice ist #1 Bestseller und der Bestseller Author von USA Today der epischen Fantasy-Reihe DER RING DER ZAUBEREI, die aus siebzehn Büchern besteht; von der #1 Bestseller Reihe DER WEG DER VAMPIRE, die aus zwölf Büchern besteht; der #1 Bestseller Reihe DIE TRILOGIE DES ÜBERLEBENS, ein postapokalyptischer Thriller, der aus drei Büchern besteht, die epische Fantasie Reihe VON KÖNIGEN UND ZAUBERERN, die aus sechs Büchern besteht; der epischen Fantasie Reihe FÜR RUHM UND KRONE, die aus 8 Büchern besteht Fantasie Reihe EIN TRHON FÜR SCHWESTERN, die aus fünf Büchern besteht (andauernd); und die neue Science Fiction Reihe DIE INVASIONSCHRONIKEN. Morgans Bücher sind in Audio und Druckausgabe und in 25 Sprachen übersetzt erhältlich. Morgan hört gerne von Ihnen, schauen Sie also gerne einmal bei www.morganricebooks.com (http://www.morganricebooks.com) vorbei und melden Sie sich für die Mailingliste an. Erhalten Sie ein kostenloses Buch, kostenlose Werbegeschenke, laden Sie sich eine kostenlose App herunter, erhalten Sie die neusten exklusiven Nachrichten, verbinden Sie sich bei Facebook und Twitter und bleiben Sie in Kontakt! Entscheiden Sie sich für Morgan Rice “Wenn Sie glauben, dass es keinen Grund gibt, nach dem Ende der SORCERER’s SERIEN weiterzuleben, dann liegen sie falsch. In AUFSTIEG DES DRACHEN bietet Morgan Rice etwas, was eine weitere brilliante Reihe zu werden verspricht, sie zieht uns in eine Fantasie voll von Trolls und Drachen, mit Mut, Ehre, Werten, Magie und Glauben an das Schicksal. Morgan hat es wieder einmal geschafft eine starke Reihe an Charakteren zu erstellen, die uns auf jeder Seite begeistern … Empfohlen für die dauerhafte Bücherei von allen Lesern, die gut geschriebene Fantasy lieben.” --Bücher und Filme Bewertung Roberto Mattos “Eine aktionsgeladene Fantasy die sicher die Fans von Morgen Rices vorherigen Novellen erfreuen wird, zusammen mit den Fans von Büchern wie THE INHERITANCE CYCLE von Christopher Paolini … Fans von junger Erwachsener Fiktion werden dieses neueste Werk von Rice verehren und noch mehr haben wollen.” --The Wanderer, Ein Literatur Journal (in Bezug auf Rise of the Dragons) “Eine inspirierte Fantasie, die die Elemente von Mystery und Intrigien in seine Hauptgeschichte bringt. A Quest of Heroes geht vor allem um Mut und darüber einen Sinn im Leben zu erkennen, der zu Wachstum, Reife und Exzellenz führt … Für diejenigen die gehaltreiche Fantasie Abenteuer suchen, die Protagonisten, Mittel und Aktionen bieten ein kräftiges Set an Zusammentreffen, die sich gut auf Thors Evolution von einem verträumten Kind in einen jungen Erwachsenen konzentriert, mit unmöglichen Überlebenschancen …Nur der Anfang von dem, was verspricht eine epische, junge Erwachsenereihe zu werden.” --Midwest Book Review (D. Donovan, E-Book Bewerter) “THE SORCERERS RING hat alle Zutaten für einen sofortigen Erfolg: Handlung, Gegenanschläge, Mystery, tapfere Ritter und blühende Beziehungen reichlich versehen mit gebrochenen Herzen, Enttäuschung und Betrug. Das unterhält Sie für Stunden und befriedigt alle Altersstufen. Empfohlen für die Bücherei von allen Fantasy Lesern.” --Bücher und Film Bewertungen, Robert Mattos “In diesem aktionsgeladenen ersten Buch in der epischen Fantasie Sorcerers Ring Reihe (im Moment 14 Bücher), stellt Rice seinen Lesern die 14-jährige Thorgrin “Thor” Mc Leod vor, dessen Traum es ist, die Silver Legion, der Elite Ritter beizutreten, die dem König dienen … Rice’s Schrifstil ist solide und die Voraussetzung faszinierend.” --Publishers Weekly Bücher von Morgan Rice DIE INVASIONSCHRONIKEN ÜBERMITTLUNG (Buch #1) ANKUNFT (Buch #2) EIN THRON FÜR SCHWESTERN EIN THRON FÜR SCHWESTERN (Buch #1) EIN GERICHT FÜR DIEBE (Buch #2) EIN LIED FÜR WAISEN (Buch #3) EIN KLAGELIED FÜR PRINZEN (Buch #4) EIN JUWEL FÜR KÖNIGE (Buch #5) EIN KUSS FÜR KÖNIGINNEN (Buch #6) EINE KRONE FÜR MÖRDER (Buch #7) FÜR RUHM UND KRONE SLAVIN, KRIEGERIN, KÖNIGIN (Buch 1) SCHURKIN, GEFANGENE, PRINZESSIN (Buch 2) RITTER, THRONFOLGER, PRINZ (Buch 3) REBELL, SCHACHFIGUR, KÖNIG (Buch 4) SOLDAT, BRUDER, ZAUBERER (Buch 5) HELD, VERRÄTER, TOCHTER (Buch 6) HERRSCHER, RIVALE, VERBANNTE (Buch 7) SIEGER, BESIEGTER, SOHN (Buch 8) VON KÖNIGEN UND ZAUBERERN DER AUFSTAND DER DRACHEN (Buch 1) DER AUFSTAND DER TAPFEREN (Buch 2) DAS GEWICHT DER EHRE (Buch 3) DIE SCHMIEDE DES MUTS (Buch 4) EIN REICH DER SCHATTEN (Buch 5) DIE NACHT DER VERWEGENEN (Buch 6) DER RING DER ZAUBEREI QUESTE DER HELDEN (Buch 1) MARSCH DER KÖNIGE (Buch 2) FESTMAHL DER DRACHEN (Buch 3) KAMPF DER EHRE (Buch 4) SCHWUR DES RUHMS (Buch 5) ANGRIFF DER TAPFERKEIT (Buch 6) RITUS DER SCHWERTER (Buch 7) GEWÄHR DER WAFFEN (Buch 8) HIMMEL DER ZAUBER (Buch 9) MEER DER SCHILDE (Buch 10) REGENTSCHAFT DES STAHLS (Buch 11) LAND DES FEUERS (Buch 12) DIE HERRSCHAFT DER KÖNIGINNEN (Buch 13) DER EID DER BRÜDER (Buch 14) DER TRAUM DER STERBLICHEN (Buch 15) DAS TOURNIER DER RITTER (Buch 16) DAS GESCHENK DER SCHLACHT (Buch 17) DIE TRILOGIE DES ÜBERLEBENS ARENA EINS: DIE SKLAVENTREIBER (Buch 1) ARENA ZWEI (Buch 2) ARENA DREI (Buch 3) GEFALLENE VAMPIRE VOR DEM MORGENGRAUEN (Buch 1) DER WEG DER VAMPIRE GEWANDELT (Buch 1) VERGÖTTERT (Buch 2) VERRATEN (Buch 3) BESTIMMT (Buch 4) BEGEHRT (Buch 5) VERMÄHLT (Buch 6) GELOBT (Buch 7) GEFUNDEN (Buch 8) ERWECKT (Buch 9) ERSEHNT (Buch 10) BERUFEN (Buch 11) BESESSEN (Buch 12) Wussten Sie, dass ich mehrere Reihen geschrieben habe? Wenn Sie noch nicht alle meine Reihen gelesen haben, klicken Sie auf das Bild darunter, um eine Reihe herunterzuladen! (http://www.morganricebooks.com/read-now/) Copyright © 2017 durch Morgan Rice. Alle Rechte vorbehalten. Außer wie im US-amerikanischen Urheberrechtsgesetz von 1976 erlaubt, darf kein Teil dieser Veröffentlichung in irgendeiner Form oder mit irgendwelchen Mitteln reproduziert, verteilt oder übertragen werden oder in einer Datenbank oder einem Abfragesystem ohne die vorherige Genehmigung des Autors gespeichert werden. Dieses eBook ist nur für Ihren persönlichen Genuss lizenziert. Dieses eBook darf nicht weiterverkauft oder an andere Personen weitergegeben werden. Wenn Sie dieses Buch für eine andere Person freigeben möchten, erwerben Sie bitte für jeden Empfänger eine zusätzliche Kopie. Wenn Sie dieses Buch lesen und es nicht gekauft haben oder es nicht für Ihre Verwendung erworben wurde, geben Sie es bitte zurück und kaufen Sie Ihre eigene Kopie. Danke, dass Sie die harte Arbeit dieses Autors respektieren. Dieses Buch ist reine Fiktion. Namen, Charaktere, Geschäfte, Organisationen, Orte, Ereignisse und Ereignisse sind entweder das Produkt der Fantasie des Autors oder werden fiktiv verwendet. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen lebenden oder toten Personen ist völlig zufällig. INHALTE KAPITEL EINS (#u17b652e0-fcef-549c-afaa-755e159f551f) KAPITEL ZWEI (#u158b812f-619d-5a6b-9c1f-2d6011940903) KAPITEL DREI (#u4fba6b07-43bc-5f1b-b3b0-42aa86827f07) KAPITEL VIER (#udd3701a6-8a29-55bf-9a49-ac7a9df1ef1e) KAPITEL FÜNF (#u744c9a23-ba8c-53e7-bf00-f72036343bf1) KAPITEL SECHS (#u6781a883-a23b-5559-8209-adaecba935fd) KAPITEL SIEBEN (#uf9f1fce7-9c56-5218-864f-9ceab2ab5f2f) KAPITEL ACHT (#litres_trial_promo) KAPITEL NEUN (#litres_trial_promo) KAPITEL ZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL ELF (#litres_trial_promo) KAPITEL ZWÖLF (#litres_trial_promo) KAPITEL DREIZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL FÜNFZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL FÜNFZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL SECHSZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL SIEBZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL ACHTZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL NEUNZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL ZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL EINUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL DREIUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL VIERUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL SECHSUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL ACHTUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL NEUNUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL DREIßIG (#litres_trial_promo) KAPITEL EINS Sebastian schlich durch Ashton, so vorsichtig wie ein Hirsch auf der Jagd und versuchte seinen nächsten Schritt zu planen. Er war frei, aber er traute dem nicht wirklich. Sogar jetzt fühlte es sich noch wie ein Trick an. Die Umstände seiner Flucht sorgten dafür. Sebastian verstand diese immer noch nicht. Jemand hatte seine Zelle aufgeschlossen und alle Wächter in Ruperts Stadthaus getötet, aber hatte dafür keinen Ruhm haben wollen. Er hatte sich nicht einmal zu erkennen gegeben. Sebastian hätte einen Retter bei dieser Flucht erwartet. Stattdessen schlich er alleine durch Ashtons Straßen. Er schlich durch Knotty Hill und lief langsam in Richtung Hafen. Er war vorsichtig und nicht nur wegen all der normalen Gründe, aus denen jemand der durch Ashton lief, vorsichtig sein musste. Irgendwann würde Rupert herausfinden, dass er nicht mehr da war und Männer schicken, die ihn jagen würden. „Ich muss vorher weg sein“, sagte Sebastian sich. Dieser Teil schien offensichtlich. Wenn er noch die Unterstützung seiner Mutter hätte, wäre das etwas anderes, aber er war nach seiner Hochzeit davon gelaufen und er zweifelte, dass sie Lust dazu hätte, ihm zu helfen. Außerdem wollte er Ashton noch aus einem anderen Grund schnell verlassen; je eher er ging, umso schneller würde er Ishjemme sein und Sophia erreichen. “Ich werde zu ihr fahren”, versprach er sich selbst. Er würde zu ihr gehen und er würde mit ihr zusammen sein. Das war das Einzige, was jetzt wichtig war. Er schaffte es zum Hafen, fand einen Gasthof und setzte sich in eine Ecke. Die Kapuze seines Mantels hatte er aufgesetzt, während er nach Männern Ausschau hielt, die für Rupert arbeiteten. Sie hatten ihn immerhin schon einmal dabei erwischt, wie er die Stadt verlassen wollte. „Was kann ich Ihnen bringen?“, fragte eine Kellnerin. Sebastian legte eine kleine Münze auf den Tisch, aus dem Beutel, den ihm jemand zusammen mit dem Mantel und dem zweischneidigen Dolch hinterlassen hatte. „Essen“, sagte er, „und Information. Gibt es ein Schiff nach Ishjemme?“ Die Kellnerin nahm die Münze. „Das Essen kann ich bringen. Das andere; am besten bleiben Sie hier und hören zu. Kapitäne kommen hier oft genug vorbei.“ Sebastian hatte das befürchtet. Er hatte gehofft, schnell aus Ashton rauszukommen, aber er konnte es nicht riskieren, einfach wieder am Hafen entlang zu laufen und nach einem Schiff zu fragen. So hatte Rupert ihn das letzte Mal erwischt. Er brauchte Zeit. Er musste zuhören. Er tat beides, blieb sitzen und versuchte den Gesprächen im Gasthof zuzuhören, während er eine Platte mit Brot, Käse und geräuchertem Schinken aß. Die Männer in der Ecke sprachen über den Krieg hinter dem Knifewater, der jetzt nicht mehr so weit weg schien, wo die neue Armee versucht hatte anzugreifen. Ein Mann und eine Frau sprachen im Flüsterton, aber Sebastian konnte genug von ihnen sehen, dass er annahm, dass sie sich einander versprachen und versuchen wollten, zusammenzuleben. Das ließ ihn an Sophia denken. Andere sprachen über die Werke der neusten Spieler oder die Streits, die sie am Hafen erlebt hatten. Darunter aber hörte Sebastian ein Flüstern. “Die Witwe …” Sebastian stand auf und ging zum Hafenarbeiter, der das gesagt hatte. „Was war das?“, fragte er. „Was haben Sie über die Witwe gesagt?“ Er hielt seinen Kopf gesenkt und hoffte, dass ihn niemand erkennen würde. „Was geht Sie das an?“, fragte der Hafenmitarbeiter. Sebastian dachte schnell nach und verlieh seiner Stimme denselben rauen Ton. „Ich habe ihren Namen den ganzen Tag schön gehört. Ich dachte, vielleicht finde ich jetzt raus, was passiert ist.“ Der Hafenmitarbeiter zuckte die Achseln. „Naja, von mir werden Sie auch nicht viel erfahren. Alles was ich gehört habe, ist das, was alle hören: Etwas ist im Palast passiert. Es gibt Gerüchte über die Witwe und das der ganze Ort gesperrt ist. Mein Bruder hatte eine Lieferung in der Richtung und hat über eine Stunde am Higharch festgesteckt.“ „Danke“, sagte Sebastian und wandte sich von dem Mann ab und ging zur Tür. Eigentlich hätten die Anzeichen von Schwierigkeiten im Palast ihm nichts bedeuten sollen. Er hätte einfach mit seinem Original Plan weitermachen sollen, ein Boot finden und so schnell er konnte, zu Sophia zu fahren. Was immer mit seiner Mutter passiert war, ging ihn nichts mehr an. Sebastian versuchte, sich selbst davon zu überzeugen. Dennoch drehten sich seine Füße unweigerlich in die Richtung des Palastes, trugen ihn über das Kopfsteinpflaster und durch die Stadt. „Sophia wird warten“, sagte er zu sich selbst, aber in Wirklichkeit, wusste er nicht, ob Sophia eine Rolle bei seiner Flucht gespielt hatte. Wenn, hätten seine Retter sich dann nicht zu erkennen gegeben? Sie wusste vielleicht nicht, dass er auf dem Weg war, aber konnte Sebastian wirklich gehen, ohne nicht zumindest zu wissen, was passiert war? Er hatte sich entschieden. Er würde zum Palast gehen, seine Sachen holen und herausfinden, was passiert war. Wenn er es ruhig tat, so nahm Sebastian an, würde er wieder weg sein, ehe ihn jemand sah und in einer weitaus besseren Lage, das Schiff nach Ishjemme zu nehmen und zu Sophia zu kommen. Er nickte sich selbst zu und ging in die Richtung des Palastes, dann hielt er an, um einen vorübergehenden Sänftenträger anzuhalten. Der Träger sah ihn skeptisch an, aber ließ keine Fragen aufkommen, als er ihm ein paar Münzen gab. “Das ist nahe genug”, sagte Sebastian, als sie die Straße nicht weit vom Palast erreicht hatten. Er konnte es nicht riskieren durch die Vordertür zu gehen, falls Ruperts Kumpane dort waren. Stattdessen glitt Sebastian zu einer der Gartentüren. Ein Wachmann stand dort, der überraschend alarmiert aussah, für so eine kleine Tür, die er bewachte. Sebastian sah ihm eine Weile zu, dann winkte er ein Straßenkind in der Nähe zu sich und hielt ihm eine Münze hin. “Wofür ist das?”, fragte das Kind und Argwohn schwang in seinem Ton mit. Sebastian war sich nicht sicher, ob er wissen wollte, was passiert war, dass dieses Kind Fremden gegenüber so argwöhnisch war. „Ich will, dass du da hingehst und dem Wachmann Probleme machst. Bring ihn dazu dich zu jagen, aber lass dich nicht erwischen. Glaubst du, du kriegst das hin?“ Das Kind nickte. „Mache deinen Job gut und du kriegst eine weitere Münze“, versprach Sebastian, dann stellte er sich in einen Türrahmen und wartete. Er musste nicht lange warten. In weniger als einer Minute war das Kind dort und warf Dreck in Richtung des Wachmannes. Ein wenig landete auf seinem Helm und der Rest breitete sich auf seiner Uniform aus. „Ey“, schrie der Wachmann und rannte dem Gassenkind hinterher. Sebastian eilte in die Lücke, die sich ergab und lief zum Tor und auf das Palastgrundstück. Er hoffte, dass das Kind in Ordnung sein würde. Er nahm an, dass es das wäre, denn kein Straßenkind würde lange auf Ashtons Straßen überleben, wenn es nicht schnell laufen konnte. Sebastian ging in den Garten und dachte über die Spaziergänge nach, die er mit Sophia dort gemacht hatte. Er würde schon bald wieder bei ihr sein. Vielleicht würde Ishjemme Gärten haben, die mit der Schönheit der Kletterrosen mithalten konnten. Er hatte die Absicht es so oder so rauszufinden. Das Gelände war ruhiger als normal. An einem normalen Tag hätte es Diener gegeben, die überall herum eilten, im Garten arbeiteten oder Kräuter und Gemüse für die Küche sammelten. Es hätte Adlige geben sollen, die formelle Runden um das Grundstück drehten, als Übung, als Gelegenheit, Politik miteinander zu besprechen, ohne belauscht zu werden oder als Teil der kunstvollen Andeutungen und subtilen Gesten, die Balz im Königreich ausmachten. Stattdessen waren alle Gärten leer und Sebastian glitt durch den Küchengarten und durch eine Nebentür in den Palast. Diener starrten ihn an und Sebastian ging weiter, wollte nicht in die Verwicklungen kommen, die ihn vielleicht erwarteten, wenn jemand seine Anwesenheit bekannt gab. Er wollte nicht darin verwickelt werden, vor dem ganzen Hof zu sprechen, er wollte einfach nur herausfinden, was passiert war und wieder gehen, so unauffällig wie möglich. Sebastian ging durch den Palast und duckte sich jedes Mal, wenn ein Wachmann kommen könnte und lief in die Richtung seiner Zimmer. Er ging hinein, nahm ein Ersatzschwert und wechselte seine Klamotten, er griff nach einer Tasche und füllte sie mit allem, was er konnte. Er ging wieder in den Palast und … … und fand sich fast sofort Angesicht zu Angesicht mit einer Dienerin wieder, die begann sich zurückzuziehen, Angst auf ihrem Gesicht, als wenn sie Angst hätte, dass er sie niederstach. „Keine Sorge“, sagte Sebastian. „Ich werde dir nicht wehtun. Ich bin nur hier, um –“ „Er ist hier“, rief die Dienerin. „Prinz Sebastian ist hier!“ Fast sofort erklang das Geräusch von Stiefeln. Sebastian drehte sich um, um den Flur herunterzurennen, er rannte den Flur entlang, auf dem er die meiste zeit seines Lebens gelaufen war. Er bog nach links ab, dann rechts und versuchte die Männer, die hinter ihm herrannten und ihm zuriefen anzuhalten, abzuschütteln. Es gab noch mehr Männer vorne. Sebastian schaute sich um und rannte in einen Raum in der Nähe, hoffte, dass es zumindest eine benachbarte Tür oder ein Versteck dort drin gab. Es gab nichts. Wachmänner strömten in den Raum. Sebastian wägte seine Möglichkeiten ab, dachte an die Schläge, die er durch die Hände von Ruperts Männern erhalten hatte, und hob schon fast instinktiv sein Schwert. „Nehmen Sie das Schwert runter, Ihre Hoheit“, befahl der Anführer der Wachmänner. Männer waren jetzt an beiden Seiten von Sebastian und zu seiner Überraschung hatten wenigstens einige ihre Waffen auf ihn gerichtet. Welche Art von Mann würde die Wut seiner Mutter riskieren, indem er einen ihrer Söhne mit dem Tod bedrohte? Normalerweise wagten sie nicht einmal eine Zurechtweisung. Das war Teil des Grundes, warum Rupert über die Jahre mit so viel durchgekommen war. Sebastian war nicht Rupert und er war nicht dumm genug zu glauben, gegen eine Gruppe von bewaffneten Männern wie diese hier kämpfen zu können. Er senkte sein Schwert, aber er ließ es nicht los. „Was hat das alles zu bedeuten?“, fragte er. Er konnte eine Karte hier spielen, die ihm nicht gut passte, aber vielleicht seine beste Chance wäre, in Sicherheit zu bleiben. „Ich bin der Thronnachfolger meiner Mutter und Sie bedrohen mich. Senken Sie Ihre Waffen, sofort!“ „Haben Sie es deswegen getan?“, fragte der Anführer der Wachmänner, in einem Ton in dem mehr Hass enthalten war, als Sebastian je in seinem Leben gehört hatte. „Wollten Sie der Thronnachfolger sein?“ „Hab ich deswegen was getan?“, gab Sebastian zurück. „Was ist hier los? Wenn meine Mutter davon hört –“ “Es gibt keinen Grund den Unschuldigen zu spielen”, sagte der Anführer der Wachmänner. „Wir wissen, dass Sie die Witwe getötet haben.“ „Getötet …“. Die Welt schien plötzlich stillzustehen. Sebastian stand mit offenem Mund da, sein Schwert fiel ihm aus seinen nervösen Fingern, als der Schock ihn traf. Jemand hatte die Witwe getötet? Seine Mutter war tot? Trauer überkam ihn, der reine Horror von dem was passiert war, traf ihn. Seine Mutter war tot? Das konnte nicht sein. Sie war immer da gewesen, unbeständig wie ein Felsen und jetzt … war sie weg, weggerissen in nur einem Moment. Sofort griffen die Männer ihn, ihre Arme schlossen sich von beiden Seiten um ihn. Sebastian war viel zu betäubt, um zu kämpfen. Er konnte es nicht glauben. Er hatte gedacht, dass seine Mutter jeden anderen im Königreich überleben würde. Er hatte gedacht, sie wäre stark, so gerissen, dass nichts sie umwerfen würde. Jetzt hatte sie jemand ermordet. Nein, nicht jemand. Es gab nur eine Person, die das vermutlich gewesen war. „Rupert hat das getan“, sagte Sebastian. „Rupert ist derjenige, der –“ „Hören Sie auf zu lügen“, sagte der Anführer der Wachmänner. „Ich soll wohl glauben, dass es Zufall ist, dass wir Sie hier bewaffnet im Palast gefunden haben, so schnell nach dem Ihre Mutter gestorben ist. Prinz Sebastian vom Haus von Flamberg, ich nehme Sie hiermit wegen Mordes an Ihrer Mutter fest. Bringt ihn in den Turm, Männer. Ich nehme an, dass sie ihn vor Gericht stellen wollen, ehe sie ihn hinrichten.“ KAPITEL ZWEI Angelica saß steif im Ankleidezimmer von Ruperts Stadthaus, so perfekt arrangiert, wie die Blumen, die auf dem Kaminsims standen, und hörte dem ältesten Prinzen des Königreiches bei seiner Panik zu, während sie versuchte, nichts von ihrer Verachtung zu zeigen. „Ich habe sie getötet!“, rief er und breitete seine Arme weit aus, während er vor- und zurückschritt. „Ich habe sie wirklich getötet.“ „Schrei es doch noch lauter, mein Prinz“, sagte Angelica und war nicht in der Lage, wenigstens ein wenig von der Verachtung, die sie fühlte, durchsickern zu lassen. „Ich glaube, es gibt Menschen nebenan, die dich noch nicht gehört haben.“ „Mach dich nicht über mich lustig!“, sagte Rupert und zeigte auf sie. „Du … du hast mich dazu gebracht.“ Eine leichte Spur von Angst stieg dabei bei Angelica auf. Sie verspürte keinen Wunsch danach, das Ziel von Ruperts Wut zu sein. “Und dennoch bist du derjenige, der mit dem Blut der Witwe bedeckt ist”, sagte Angelica mit einem schwachen Hinweis auf Ekel. Nicht wegen des Tötens, die alte Fledermaus hatte das verdient. Es war einfach der Ekel, bei der Geschmacklosigkeit des Ganzen und der Dummheit ihres Ehemannes in spe. Ruperts Miene blitzte vor Wut, aber dann schaute er an sich herunter, als wenn er das erste Mal das Blut auf seinem T-Shirt sehen würde, das sich karminrot gefärbt hatte und zu seinem Mantel passte. Sein Ausdruck veränderte sich in etwas Verstörtes, als er das tat. Merkwürdig, dachte Angelica, war es möglich, dass sie eine Person gefunden hatte, bei der Rupert es tatsächlich bereute, ihr wehgetan zu haben? „Sie werden mich dafür töten“, sagte Rupert. „Ich habe meine Mutter getötet. Ich bin mit ihrem Blut an mir durch den Palast gelaufen. Die Menschen haben mich gesehen.“ Wahrscheinlich hatte ihn halb Ashton gesehen, wenn man bedachte, dass er wahrscheinlich auch damit durch die Straßen gelaufen war. Was den Rest anging … naja Angelica würde damit umgehen müssen. „Zieh dein Shirt aus“, befahl sie. „Du hast gar nichts zu befehlen“, erwiderte Rupert und lief um sie herum. Angelica stand straff, aber ließ ihren Ton sanfter klingen und versuchte Rupert zu beruhigen, so wie er es offensichtlich wollte. „Zieh dein Hemd aus, Rupert. Wir müssen dich sauber machen.“ Er tat es und zog auch seinen Mantel aus. Angelica tupfte die übrig gebliebenen Blutflecken mit einem Taschentuch und einer Schüssel Wasser ab und versuchte, alle Spuren der Gewalt zu beseitigen. Sie läutete eine kleine Glocke und eine Dienerin kam mit frischer Kleidung und nahm die alten mit. „Da“, sagte Angelica, als Rupert sich anzog, „fühlt sich das nicht besser an?“ Zu ihrer Überraschung schüttelte Rupert seinen Kopf. „Es macht das Geschehene nicht ungeschehen. Es nimmt nicht, was ich hier sehe, hier drin!“ Er schlug sich mit der flachen Hand gegen den Kopf. Angelica erwischte seine Hand und küsste seine Braue so sanft, wie eine Mutter bei ihrem Kind. „Du musst dir nicht selbst wehtun. Dafür bist du mir viel zu wertvoll.“ Wertvoll war ein Wort dafür. Notwendigkeit ein anderes. Angelica brauchte Rupert lebendig und gesund, zumindest jetzt. Er war der Schlüssel für die Tür der Macht und der musste intakt sein, um das zu tun. Ihn zu kontrollieren war vorher einfach gewesen, aber all das hier war … unerwartet. „Du wirst mich schon bald verlieren“, sagte Rupert. „Wenn sie herausfinden, was ich getan habe …“ „Rupert, ich habe noch nie gesehen, dass dich vorher jemals ein Tod so getroffen hat“, sagte Angelica. „Du hast im Krieg gekämpft. Du hast Armeen geleitet, die Tausende von Menschen getötet haben.“ Er hatte gekämpft und getötet aus weniger offensichtlich notwendigen Fällen. Er hatte mehr als seinen Anteil von Menschen in seinem Leben getötet. Von dem, was Angelica gehört hatte, hatte er Dinge getan, bei denen sich den meisten Menschen der Magen umdrehen würde und sie sich vor der Welt verstecken würden. Warum sollte ein weiterer Tod ein Problem sein? „Das war meine Mutter“, sagte Rupert, als wenn es das offensichtlicher machen würde. „Sie war nicht irgendeine Bürgerin. Sie war meine Mutter und die Königin.“ “Die Mutter, die dir dein Geburtsrecht wegnehmen wollte”, wies Angelica ihn darauf hin. „Die Königin, die dich ins Exil schicken wollte.“ „Trotzdem –“, begann Rupert. Angelica hielt seine Schultern fest und wünschte sich, sie würde damit davonkommen ein wenig Sinn in ihn zu schütteln. „Es gibt kein trotzdem“, sagte sie. „Sie wollte dir alles wegnehmen. Sie wollte dich zerstören, um alles ihrem Sohn zu geben –“ „Ich bin ihr Sohn!“, rief Rupert und schubste Angelica zurück. Angelica wusste, sie hätte in dem Moment Angst vor ihm haben sollen, aber in Wirklichkeit hatte sie keine. Im Moment zumindest war sie diejenige, die die Kontrolle hatte. „Ja, das bist du“, sagte Angelica. „Ihr Sohn und ihr Nachfolger und sie hat versucht, dir all das wegzunehmen. Sie hat versucht, es jemandem zu geben, der dich verletzt hätte. Es war praktisch Notwehr.“ Rupert schüttelte seinen Kopf. „Die Menschen würden … die würden das nicht so sehen. Wenn sie erfahren, was ich getan habe …“ “Warum sollten sie das erfahren?”, fragte Angelica in einem perfekt angemessenen Ton, der vorgab, nicht zu verstehen. Sie ging hinüber zu einem der Sofas, setzte sich hin und nahm einen Becher gekühlten Wein. Sie deutete Rupert an dasselbe zu tun und er trank sein Glas mit einer Geschwindigkeit leer, die annehmen ließ, dass er es kaum schmeckte. „Einige Menschen werden mich gesehen haben“, sagte Rupert erneut. „Sie werden sich denken, wo das Blut herkommt.“ Angelica hatte nicht gedacht, dass Rupert so dumm war. Sie hatte gedacht, er wäre ein Narr, offensichtlich vielleicht sogar ein gefährlicher, aber nicht so ein Idiot. „Die Menschen können gekauft, bedroht oder getötet werden“, sagte sie. „Sie können von Gerüchten abgelenkt oder sogar überzeugt werden, dass sie falsch liegen. Ich kenne Menschen, die sich nach Hinweisen umhören, ob Menschen über dich sprechen und jeder, der das tut, wird entweder still gestellt oder wird wie ein Dummkopf aussehen, sodass sie ignoriert werden.“ „Trotzdem“, begann Rupert erneut. „Siehst du, mein Schatz“, sagte Angelica. “Du bist ein starker Mann, ein selbstsicherer Mann. Warum quälst du dich damit?“ “Weil es so viele Arten gibt, wie das falsch laufen kann”, sagte Rupert. „Ich bin kein Dummkopf. Ich weiß, was Menschen von mir denken. Wenn die Gerüchte beginnen, werden sie sie glauben.“ „Dann sollte ich dafür sorgen, dass sie nicht beginnen“, sagte Angelica, „oder dass man ihnen ein geeigneteres Ziel findet.“ Sie nahm eine seiner Hände in ihre. „Als du irgendeine Adelstochter in der Vergangenheit ins Bett gelockt hast und zu rau zu ihr warst, hast du dich über ihre Wut gesorgt?“ Rupert schüttelte seinen Kopf. „Ich habe nie –“ „Lügen ist dein erstes Werkzeug dabei“, sagte Angelica ruhig. Sie wusste genau, was Rupert in der Vergangenheit getan hatte und mit wem. Sie hatte es zu ihrer Aufgabe gemacht, jedes kleine Detail zu kennen, das sie nutzen könnte, wenn es sein muss. Ursprünglich war der Plan gewesen, den Prinzen zu zerstören, als sie Sebastian geheiratet hatte, aber das konnte jetzt genauso nützlich sein. “Ich weiß nicht, warum du das zum Thema machst”, sagte Rupert. „Es ist nicht relevant. Es ist –“ „Ablenkung ist dein zweites Werkzeug“, erwiderte Angelica. „Wir werden bessere Dinge finden, auf die sich die Menschen konzentrieren können.“ Sie sah Rupert vor Wut rot werden. „Ich werde dein König sein“, keifte er. „Und das ist dein drittes Mittel“, flüsterte Angelica und küsste ihn. „Du bist in Sicherheit. Verstehst du, mein Schatz? Oder du wirst es sein. Der Trick ist jetzt, deine Position zu stützen.” Sie sah, wie Rupert sich sichtbar entspannte, als dieser Gedanke bei ihm ankam. Wie tief auch immer der Tod seiner Mutter ihn berührt hatte, er wusste, wie er mit seiner Tat davonkommen konnte. Er hatte es schließlich oft genug getan. Oder vielleicht war es die Aussicht auf die Macht, die ihn beruhigte und der Gedanke daran, was kommen würde. “Ich habe bereits mit meinen Verbündeten gesprochen”, sagte Rupert. „Und jetzt ist es Zeit zum Handeln“, erwiderte Angelica. „Mache sie von Beginn an ein Teil davon. Der Tod der Witwe kursiert bereits als Gerücht in der Stadt und es wird schon bald formell bekannt gegeben werden. Wir müssen jetzt schnell sein.“ Sie zog ihn auf die Beine. „Mit allem.“ „Mit was?“, fragte Rupert. Angelica führte das auf den Schock zurück. „Unsere Hochzeit, Rupert“, sagte sie. „Es muss passieren, ehe die Menschen die Gelegenheit haben zu streiten. Wir müssen ihnen eine stabile Front präsentieren, eine königliche Dynastie, die folgt.” Rupert bewegte sich überraschend schnell, als er ihr an die Kehle ging, die Wut stieg dort mit gefährlicher Geschwindigkeit an. “Sag mir nicht, was ich tun muss”, antwortete er. „Meine Mutter hat das auch versucht.“ „Ich bin nicht deine Mutter“, antwortete Angelica und versuchte nicht bei der Stärke des Griffes zusammenzuzucken. „Aber ich wäre gerne deine Frau, ehe der Tag vorbei ist. Ich dachte, wir hätten das besprochen, Rupert. Ich dachte, das ist es, was du willst.“ Rupert ließ sie los. “Ich weiß nicht. Ich … ich habe nicht so geplant.” „Nicht?“, fragte Angelica. „Du hast geplant, den Thron zu übernehmen. Sicherlich wusstest du, welches Opfer du bringen musstest? Obwohl ich gerne glauben will, das mich zu heiraten, nicht unbedingt ein Elend ist?“ Sie entfernte sich von ihm. „Wenn du willst, es ist noch nicht zu spät, um die Dinge abzublasen. Sag mir, wenn ich gehen soll und ich werde Ashton in Richtung Anwesen meiner Familie verlassen. Wenn du warten willst, warten wir. Natürlich hast du dann nicht die Rückhand meiner Familie oder ihrer Verbündeten. Und es wäre niemand da, der dir hilft, all diese …. schwierigen Gerüchte unter Kontrolle zu halten.“ “Du drohst mir?”, fragte Rupert. Angelica wusste, wie gefährlich, das Spiel war. Dennoch würde sie es spielen, denn das echte Spiel, das sie spielte, war weitaus gefährlicher. „Ich weise nur auf die Vorteile hin, die du hast, wenn du das durchziehst, mein Schatz“, sagte Angelica. „Heirate mich und ich kann all das hier viel einfach für dich machen. Du tust das besser heute, als in einem Monat. Wenn ich als deine Frau handeln kann, dann habe ich einen Grund, dich vor der Welt zu beschützen.“ Rupert stand mehrere Sekunden da und für einen Moment dachte Angelica, dass sie vielleicht all das falsch eingeschätzt hatte. Das er sich vielleicht doch abwenden würde. Dann gab er ihr ein einzelnes, kurzes Nicken. „Okay“, sagte er. “Wenn es dir was bedeutet, dann werden wir das heute machen. Jetzt werde ich an die frische Luft gehen und alle unsere Verbündeten kontaktieren.“ Er drehte sich um und ging. Angelica nahm an, dass er eher ging, um Wein zu suchen, als ihre Verbündeten, aber das war egal. Es war vielleicht sogar zu ihrem Vorteil. Sie würde sie schon bald dazu bringen, all das zu tun, was sie tun sollten, indem sie Nachrichten im Auftrag ihres Mannes verschickte. Sie klingelte nach einer Dienerin. „Sieh zu, dass die Kleidung die Prinz Rupert getragen hat, als er reinkam, verbrannt wird“, sagte sie zu dem Mädchen, das hereinkam. „Dann suche eine Priesterin der maskierten Göttin und lade die Mitglieder des inneren Rats der Witwe zu einem Treffen im Palast ein. Oh und schicke jemandem zu meinem Kleidermacher. Da sollte ein Hochzeitskleid auf mich warten.“ „Meine Dame?“, sagte das Mädchen. “Spreche ich nicht klar genug”, fragte Angelica. „Mein Kleidermacher. Geh.“ Das Mädchen ging. Es war merkwürdig, wie dumm Menschen manchmal sein konnten. Die Dienerin hatte offensichtlich angenommen, dass Angelica keine Vorbereitungen für ihre eigene Hochzeit treffen würde. Stattdessen hatte sie schon Nachrichten zur Vorbereitung verschickt, sobald sie die Idee gehabt hatte, Rupert zu heiraten. Es war wichtig, dass diese Hochzeit auch sehr nach einer aussah, wenn man den kurzen Zeitraum bedachte. Es war schade, dass es keine Möglichkeit gab, später eine größere Zeremonie zu feiern, aber es gab ein offensichtliches Hindernis dabei: Rupert wäre dann schon tot. Heute hatte es die Notwendigkeit davon klarer gezeigt, als Angelica geglaubt hätte. Sie hatte gedacht, Rupert wäre ein Mann, der sich genauso unter Kontrolle hatte, wie sie sich selbst, dennoch war er so veränderbar wie der Wind. Nein, der Plan, den sie gemacht hatte, war der richtige Weg. Sie würde Rupert heute Abend heiraten, ihn morgens töten und zur Königin gekrönt werden, noch ehe seine Leiche in der Erde war. Ashton würde die Königin bekommen, die es brauchte. Angelica würde regieren und das Königreich würde besser werden. Alles würde gut werden. Sie konnte es spüren. KAPITEL DREI Sophia konnte nur warten, während die Flotte nach Ashton fuhr. Als ihre Flotte vorantrieb. Sogar hier und jetzt, nach all dem, was passiert war, war es schwer sich daran zu erinnern, dass all dies ihrs war. Jedes Leben auf den Schiffen um sie herum, jeder Lord, der Männer geschickt hatte, jedes Stück Land von dem sie kamen, war ihre Verantwortung. „Wir haben viel Verantwortung“, flüsterte Sophia Sienne zu, die Waldkatze schnurrte, als sie sich an Sophias Beinen rieb, sie lief mit ihrer eigenen Ungeduld umher. Es hatte ohnehin Schiffe einer Flotte gegeben, als sie Ishjemme verließen, aber seitdem waren mehr und mehr Boote hinzugekommen, die an Ishjemmes Küste vorbeigekommen waren oder von den kleinen Inseln unterwegs, sogar aus dem Königreich der Witwe, diejenigen, die ihr treu ergeben waren, kamen um bei dem Überfall mit zumachen. Sie hatte jetzt so viele Soldaten bei sich. Genug Soldaten, um vielleicht diesen Krieg zu gewinnen. Genug Soldaten, um Ashton von der Karte zu wischen, wenn sie das wollte. Es wird alles gut, schickte Lucas zu ihr, offensichtlich fühlte er ihre Unruhe. Menschen werden sterben, schickte Sophia zurück. Aber sie sind hier, weil sie hier sein wollen, antwortete Lucas. Er kam zu ihr und legte eine Hand auf ihre Schulter. Ehre sie, indem du diese Leben nicht wegwirfst, aber verringere nicht, was sie bieten, indem du dich zurückhältst. Ich glaube, es ist eines der Dinge, die leichter gesagt, als getan sind“, sagte Sophia laut. Sie griff automatisch nach unten, um Siennes Ohr zu kraulen. „Vielleicht“, gab Lucas zu. Er sah bereit für den Krieg aus, auf eine Art, wie Sophia es nicht war, eine Klinge an seiner Seite und Pistolen an seinem Gürtel. Sophia nahm an, dass sie einfach nur unmöglich rund mit dem Gewicht ihres ungeborenen Kindes aussah, unbewaffnet und ungepanzert, wie sie da so stand. Aber nicht unvorbereitet, schickte Lucas. Er zeigte ihr die Rückseite des Schiffes. „Unsere Kommandanten warten.“ Hauptsächlich hieß das ihre Cousins und ihr Onkel. Sie hielten dies genauso zusammen, wie Sophia, aber es gab noch andere Männer, Clanchefs und kleinere Lords, stramme Männer, die immer noch Verbeugungen boten, wenn Sophia sich näherte, mit ihrem Bruder und der Waldkatze an ihrer Seite. „Sind wir bereit?“, fragte sie und schaute hinüber zu ihrem Onkel und versuchte so auszusehen, wie die Königin, die alle wollten. „Es müssen noch Entscheidungen getroffen werden“, sagte Lars Skyddar. „Wir wissen, was wir erreichen wollen, aber wir müssen uns noch genauer auf die Einzelheiten konzentrieren.“ “Was muss noch entschieden werden?”, wollte ihr Cousin Ulf in seinem gewöhnlich schroffen Ton wissen. „Wir trommeln die Männer zusammen, zerstampfen die Wände mit der Kanone und stürmen rein.” “Das erklärt viel über die Art, wie du jagst”, sagte Ulfs Schwester Frig mit einem wolfsähnlichen Lächeln. „Wir sollten die Stadt wie eine Schlinge einkreisen und einschließen.“ „Wir müssen bereit für eine Belagerung sein“, antwortete Hans, so vorsichtig wie immer. Es schien, dass jeder seine eigene Idee hatte, wie das vonstattengehen sollte und ein Teil von Sophia wünschte sich, dass sie sich zurückhalten und all das hier den klügeren Köpfen überlassen könnte, denjenigen mit mehr Wissen über Krieg. Sie wusste aber, dass sie das nicht konnte und das die Cousins ewig streiten würden, wenn sie sie ließ. Das hieß, der einzige Weg das zu beenden, war sich zu entscheiden. “Wann erreichen wir die Stadt?“, fragte sie und versuchte nachzudenken. „Wahrscheinlich in der Dämmerung“, antwortete ihr Onkel. „Dann ist es zu spät für einen einfachen Überfall“, sagte sie und dachte an die Zeit, die sie abends in der Stadt verbracht hatte. „Ich kenne die Straßen von Ashton. Vertraut mir, wenn wir versuchen da im Dunkeln zuzuschlagen, wird das nicht gut enden.“ „Dann eine Belagerung“, sagte Hans und schien erfreut von der Aussicht oder vielleicht nur darüber, dass es sein Plan war, der gewählt wurde. Sophia schüttelte ihren Kopf. „Eine Belagerung wird die falschen Leute verletzen und hilft nicht den richtigen. Die alten Stadtmauern schützen nur den inneren Teil der Stadt und du kannst wetten, dass die Witwe die Ärmsten eher verhungern lassen wird, nur um sich selbst zu retten. In der Zwischenzeit je länger wir warten, umso länger ist Sebastian in Gefahr.“ „Was dann?“, fragte ihr Onkel. „Hast du einen Plan, Sophia?“ “Wir werden vor Ashton ankern, wenn wir dort ankommen”, sagte sie. „Wir werden Botschaften schicken, dass sie sich ergeben sollen.“ „Das werden sie nicht tun“, erwiderte Hans. „Selbst dann nicht, wenn wir ihnen Viertel anbieten.“ Sophia schüttelte ihren Kopf. Sie wusste immerhin so viel. “Die Witwe wird nicht glauben, dass jemand anderes noch mehr Gnade hat, als sie. Aber die Illusion, dass wir ihnen Zeit geben, sich zu ergeben, wird uns Zeit geben, dass die Hälfte unserer Männer sich auf dem Landweg der Stadt nähert. Sie werden die Außenbezirke ruhig einnehmen. Die Menschen dort mögen die Witwe nicht.“ “Mögen sie andere Eindringlinge etwa mehr?”, fragte Lucas. Das war eine gute Frage, aber dann wiederum hatte ihr Bruder irgendwie ein Geschick dafür gute Fragen zu stellen. „Ich hoffe doch“, sagte Sophia. „Ich hoffe, sie werden sich daran erinnern, wer wir sind und wie die Dinge vor der Witwe waren.“ Sie sah zu Hans herüber. „Du wirst die Kräfte dort hinführen. Ich brauche jemanden, der die Männer diszipliniert hält und nicht irgendwelche Menschen abschlachtet.” “Ich werde aufpassen”, versicherte Hans ihr und Sophia wusste, dass er das tun würde. Sie drehte sich zu Ulf und Frig. „Ihr beide werdet eine kleine Armee in die Nähe der Flusstore führen. Wenn die Männer die ich geschickt habe, es hineingeschafft haben, werden sich diese öffnen. Euer Auftrag wird es sein, ihnen zu helfen, bis der Rest von uns angreifen kann. Die Hauptflotte wird landen und wir werden unter der Deckung der Schiffskanonen angreifen.“ Es hörte sich nach einem guten Plan an. Sie hoffte zumindest, dass es das war. Die Alternative war, dass sie einfach Männer bestrafte und sie zum Tode verurteilte. Es ist ein guter Plan, schickte Lucas. Ich hoffe, er funktioniert, antwortete Sophia. Eine dritte Stimme kam hinzu, die über das Wasser kam. Das wird es. Ich werde sichergehen, dass es das tut. Sophia drehte sich um und sah eine kleinere Ansammlung von Schiffen sich nähern. Sie sahen ein wenig schäbig aus und schienen wie die Art von Dinge, die Händler oder Banditen gewählt hätten. Es war dennoch die Stimme ihrer Schwester, die von dort erklang. Kate? Bist du hier? Bin ich, schickte sie zurück. Und ich habe die verrufenste freie Kompanie mitgebracht. Lord Cranston sagt, er ist geehrt, uns zu dienen. Dieser Gedanke erheiterte Sophia schon fast so sehr wie die Anwesenheit ihrer Schwester. Es waren nicht nur mehr kämpfende Männer, obwohl Sophia im Moment alles, was sie kriegen konnte nehmen würde. Es war die Tatsache, dass ihre Schwester wieder da war mit der Armee, bei der sie so gerne ein Teil davon gewesen war und … Ist Will da? Fragte Sophia. Ist er, antwortete Kate. Sophia konnte ihr Glück dort spüren. Ich sehe dich bald, meine Schwester. Heb mir ein paar Feinde auf. Ich glaube, davon gibt es genug. „Kate kommt“, sagte Sophia zu Lucas. „Ich weiß“, antwortete ihr Bruder. „Ich habe ihre Gedanken gefühlt. Ich dachte, ich müsste warten, bis wir zurückkommen, um sie endlich zu treffen. “Und danach finden wir unsere Eltern”, sagte Sophia. Sie wusste, sie sollte nicht so weit denken. Sie sollte sich auf den kommenden Krieg konzentrieren, aber es war fast unmöglich ihre Gedanken dort zu halten. Sie war zu sehr damit beschäftigt an alles zu denken, was das mit sich brachte. Sie würde Sebastian zurückbekommen. Sie würde das Volk der Witwe von dem schweren Gewicht ihrer Herrschaft befreien. Sie würde ihre Eltern finden. „Kate wird genauso aufgeregt sein, wie wir unsere Eltern zu finden“, sagte Sophia. „Mehr. Ich bin mir nicht sicher, ob sie noch Erinnerungen an sie hat.“ “Wir werden schon bald mehr als all das haben”, sagte Lucas. “Ich hoffe doch”, antwortete Sophia. Sie machte sich trotzdem Sorgen. „Hast du es?“ Lucas nickte, offensichtlich verstand er, was sie meinte. Er holte die flache Scheibe hervor, die aus ineinandergreifenden Metallbändern bestand und in leuchtenden, durcheinandergeworfenen Linien glühte, als er sie berührte. Als Sophia ihre Hand ebenfalls auf das Metall legte, arrangierten sich die Teile des Geräts und legten eine Fläche Land aus dem Königreich der Witwe frei, entfernte Schatten, welches die Weiten Kolonien und die Silk Länder sein mussten. Es war verlockend nah zu sagen, wo ihre Eltern jetzt sein könnten. Sophia nahm an, dass das kommen würde, wenn Kate zu ihnen kam. Sie hoffte, es würde so sein. „Bewahre das Gerät sicher auf“, sagte Sophia. “Wenn wir es verlieren …” Lucas nickte. “Ich habe es bis jetzt beschützt. Ich bin mehr darüber besorgt, dich und Kate in Sicherheit zu wissen.“ Sophia hatte noch nicht darüber nachgedacht. Sie drei waren auf dem Weg in die Mitte eines Kampfes. Wenn einer von ihnen im Krieg fiel, würden sie vielleicht nie ihre Eltern finden. Es wäre ein Doppelschlag, die Aussicht ihre Mutter und ihren Vater zu verlieren, selbst wenn sie einen Bruder oder eine Schwester betrauern mussten. „Du musst auch in Sicherheit sein“, sagte Sophia. „Und ich sage das nicht nur, weil ich unsere Eltern finden will.“ „Ich weiß“, sagte Lucas. „Und ich werde alles tun, was ich kann. Beamte Ko hat mich gut trainiert.“ „Und Kate hat viel von der Hexe gelernt, die versucht hat, Besitz von ihr zu ergreifen“, sagte Sophia. „Wenn sie nur halb so tödlich ist wie sie, als sie mich in der Burg herumgeworfen hat, dann wird sie in Ordnung sein“, sagte Lucas. „Die Frage bist du, Sophia. Ich weiß, du hast Sienne, aber wirst du inmitten eines Krieges sicher sein?“ “Ich werde nicht mittendrin sein”, versprach Sophia. Sie legte eine schützende Hand über ihren Bauch. „Aber ich werde tun, was immer nötig ist, um sicherzugehen, dass mein Kind einen Vater hat.“ „Das wird sie“, sagte Lucas und etwas an der Sicherheit davon, ließ Sophia ihn ansehen. Sie wusste, dass sie Auszüge von Dingen in ihren Träumen gesehen hatte. Sie fragte sich, ob Lucas das auch gesehen hatte. „Hast du etwas gesehen?“, fragte Sophia. Lucas schüttelte seinen Kopf. „Ich habe wenig Talent dafür, aber ich glaube, du hast mehr davon. Was ich hauptsächlich für morgen sehe, ist Blut.“ Das war leicht zu sehen, sogar ohne die Magie, welche ihnen beiden die Träume brachte. Sophia sah wieder nach draußen und jetzt konnte sie die Küste am Horizont sehen, ein Fleck der Stadt, war darin zu sehen. „Ashton“, sagte Sophia. Es schien ihr, als wenn sie eine Ewigkeit nicht mehr hier gewesen wäre. Die Stadt breitete sich wie ein Fleck in der Landschaft aus, mit seinen alten Gebäuden, breitete es seine Fläche hinter seinen Mauern aus. Ein Teil ihrer Flotte war bereits aufgebrochen. Hans fuhr zum Ankern weiter an der Küste entlang, um die Außenbezirke zu übernehmen. Der Rest von ihnen kam näher, Signalflaggen wehten, um ihre Bewegungen zu koordinieren. Sie ankerten außerhalb der Kanonenreichweite und kleine Boote wurden herabgelassen, besetzt mit Boten und dem Befehl, sich zu ergeben. Sophia wusste, dass Ulf und Frig ihre eigenen kleinen Boote vorbereiten würden, um sich nah an die Stadt zu schleichen, ehe der Kampf begann und sie bereit waren, die Flusstore für sie zu öffnen. Sophia konnte die Schiffe dort warten sehen, bereit für den Krieg, als Antworten auf was für welche Nachrichten sie auch immer erreicht hatten. Nicht genug, um eine Flotte ihrer Größe anzuhalten, die nicht so an das Festland gebunden war. Als sie näherkamen, konnte Sophia die Trompeten hören und Signalfeuer sehen, die angezündet worden waren. Sie sah daran vorbei zum Palast und dem edlen Viertel. Sebastian war dort irgendwo, in einer Zelle gefangen und wartete auf ihre Rettung. „Wir können immer noch angreifen, wie Cousin Ulf will“, sagte Lucas. Sophia schaute in den Himmel. Die Sonne begann bereits unterzugehen und schickte rote Strahlen über den Horizont. Sie musste sich dazu zwingen, ihren Kopf zu schütteln. Es war einer der schwersten Dinge, die sie je getan hatte. „Wir können keinen Angriff bei Nacht riskieren“, sagte sie. „Wir müssen beim Plan bleiben.“ „Dann greifen wir im Morgengrauen an“, sagte Lucas. Sophia nickte. Im Morgengrauen würde alles entschieden werden. Sie würden sehen, ob sie ihr Familien Königreich zurückbekam, zusammen mit dem Mann, den sie liebte oder ob sie alle zum Tode verurteilt werden würden. „Wir greifen im Morgengrauen an“, sagte sie. KAPITEL VIER Kate spürte die Seebrise, die über ihr Gesicht blies, sie fühlte sich zum ersten Mal, seit sie sich erinnern konnte, frei. Ashton in der Entfernung zu sehen, brachte Erinnerungen an ein Leben, dass sie als eine der Herrenlosen verbracht hatte, aber diese Erinnerungen beherrschten sie nicht mehr und die Wut, die damit kam, fühlte sich mehr wie ein dumpfer Schmerz, als irgendwas Frisches an. Sie fühlte Lord Cranston sich nähern, ehe er bei ihr ankam. So viele von ihren Kräften waren zurückgekommen. Das war ihrs, nicht irgendwas, dass Siobhan oder der Brunnen ihr verliehen hatte. „Wir greifen im Morgengrauen an, mein Lord“, sagte sie und drehte sich um. Lord Cranston lächelte darüber. “Eine traditionelle Zeit dafür, obwohl es keinen Grund mehr gibt, mich so zu nennen, Kate. Wir sind diejenigen, die geschworen haben, Ihnen zu dienen, Ihre Hoheit.“ Ihre Hoheit. Kate nahm an, dass sie sich nie daran gewöhnen würde, so genannt zu werden. Besonders nicht von dem Mann, der ihr als einer der Ersten einen Platz in einer Welt gegeben hatte, wo sie hineinpasste. „Und es gibt wirklich keinen Grund mich so zu nennen“, entgegnete Kate. Lord Cranston bot eine überraschend elegante Verbeugung. „Das bist du jetzt, aber okay, Kate. Sollen wir so tun, als wären wir wieder im Camp und du lernst Taktiken von mir?” „Ich denke, ich habe noch viel zu lernen“, sagte Kate. Sie zweifelte, dass sie die Hälfte davon gelernt hatte, was Lord Cranston in der Zeit, in der sie Teil seiner Kompanie gewesen war, ihr hatte beibringen wollen. “Oh, zweifellos”, sagte Lord Cranston, “also eine Lehre. Erzähl mir mal die Geschichte von Ashton, wie oft wurde es eingenommen?“ Kate dachte nach. Es war nichts, was ihre Lehren bis jetzt abgedeckt hatte. „Ich weiß es nicht“, gab sie zu. “Es wurde durch Verrat gemacht”, sagte Lord Cranston und zählte die Möglichkeiten an seinen Fingern ab. „Das wurde getan, in dem der Rest des Königreiches gewonnen wurde, es gab also keinen Sinn es zu halten. Es wurde in der Vergangenheit durch Magie gemacht.“ „Und mit Macht?“, fragte Kate. Lord Cranston schüttelte seinen Kopf. „Obwohl Kanonen das natürlich verändern könnten.“ „Meine Schwester hat einen Plan“, sagte Kate. „Und der scheint gut“, erwiderte Lord Cranston, „aber was passiert mit den Plänen im Krieg?“ Das wusste Kate zumindest. „Sie zerfallen.” Sie zuckte zusammen. “Dann ist es gut, dass wir die Beste der freien Kompanien für uns arbeiten haben, um die Lücken zu füllen.” „Und es ist gut, dass ich das Mädchen habe, die Nebel rufen kann und sich schneller bewegen kann, als irgendein Mann“, antwortete Lord Cranston. Kate musste eine Sekunde oder zwei gezögert haben, ehe sie antwortete. „Was ist los?“, fragte Lord Cranston. „Ich habe mit der Hexe gebrochen, die mir die Macht verliehen hat“, sagte sie. „Ich … weiß nicht, wie viel noch übrig ist. Ich habe immer noch Fähigkeiten Gedanken zu lesen, aber die Geschwindigkeit, die Stärke ist weg. Ich glaube, die Art von Magie auch.“ Sie kannte immer noch die Theorie davon, sie hatte immer noch das Gefühl in sich, aber die Wege dahin fühlten sich mit dem Verlust der Verbindung von Siobhans Brunnen verbrannt an. Es schien, dass alle Dinge ihren Preis hatten und dieser war einer, den sie gerne zahlte. Zumindest, wenn es sie nicht alle ihrer Leben kostete. Lord Cranston nickte. „Ich verstehe. Kannst du noch ein Schwert benutzten?” “Ich bin mir nicht sicher”, gab Kate zu. Das war etwas, was sie unter Siobhan gelernt hatte, immerhin waren die Erinnerungen an ihr Training noch da, immer noch frisch. Sie hatte ihr Wissen durch die Tage des immer wieder „Sterbens“ durch die Hände der Geister gewonnen. „Dann glaube ich, dass wir das herausfinden sollten, ehe wir in den Krieg ziehen, oder?“, fragte Lord Cranston. Er trat zurück, machte eine formelle Duellanten Verbeugung, während seine Augen dabei sorgfältig auf Kate ruhten und dann zog er sein Schwert mit einem Zischen des Metalls. „Mit echten Schwertern?“, fragte Kate. „Was, wenn ich die Kontrolle nicht habe? Was wenn –“ „Das Leben ist voll mit Was wenns“, sagte Lord Cranston. “Kämpfe umso mehr. Ich werde dich nicht mit einem Trainingsschwert testen, nur um herauszufinden, dass deine Fähigkeit nicht vorhanden ist, wenn es ein echtes Risiko gibt.“ Es schien immer noch eine gefährliche Art ihre Fähigkeiten zu testen. Sie wollte Lord Cranston nicht aus Versehen wehtun. “Zieh dein Schwert, Kate”, sagte er. Zögernd tat sie es, das Säbel passte gut in ihre Hand. Es gab Reste von Runen, die in das Schwert geätzt worden waren, als Siobhan daran gearbeitet hatte, aber das waren jetzt wertlose Dinge, die kaum auffielen, außer wenn das Licht darauf fiel. Kate nahm ihre Stellung ein. Lord Cranston stieß zu, mit all der Fähigkeit und Gewalt eines jüngeren Mannes. Kate schaffte es kaum, rechtzeitig zu parieren. „Ich habe es doch gesagt“, sagte sie. „Ich habe nicht mehr die Stärke oder die Geschwindigkeit, die ich früher hatte.“ „Dann musst du einen Weg finden, das auszugleichen“, sagte Lord Cranston und sofort schickte er einen weiteren Stoß an ihren Kopf. „Der Krieg ist nicht fair. Der Krieg kümmert sich nicht, ob du schwach bist. Alles, worum er sich kümmert, ist, ob du gewinnst.“ Kate zog sich zurück und schnitt einen Winkel, um zu vermeiden an die Reling des Schiffs gepresst zu werden. Sie parierte und parierte wieder und versuchte sich selbst von dem Angriff zu schützen. „Warum zögerst du?“, fragte Lord Cranston. „Du kannst immer noch jeden Gedanken des Angriffs sehen, oder? Du kennst immer noch jeden Schritt, denn man mit einem Schwert machen kann, oder? Wenn ich die Rensburg Täuschung mache, dann weißt du das die Antwort …“ Er machte eine schwierige Doppeltäuschung und automatisch bewegte Kate sich, um sein Schwert auf halbem Wege abzuwehren. „Siehst du, du weißt das!“, sagte Lord Cranston. „Jetzt kämpfe, verdammt noch mal!“ Er griff mit so viel Wildheit an, dass Kates einzige Option war, mit all ihren Fähigkeiten zurückzukämpfen. Sie beobachtete seine Gedanken, so gut, wie sie konnte, sah das Aufflackern jeder kommenden Bewegung, die Muster des Angriffs. Ihr Körper hatte nicht die Geschwindigkeit, die er einmal gehabt hatte, aber er wusste immer noch, was er tun musste, wo das Schwert hinmusste, wo es schlagen und parieren, auskuppeln und Druck ausüben musste. Kate nahm Lord Cranstons Schwert und fühlte leichte Schwäche im Druck, als er es ihr zeigte. Sie kreiste mit der Bindung, wandte mehr Druck an und sein Schwert flog auf das Schiffsdeck. Ihr eigenes Schwert ging zu seiner Kehle und sie schaffte es, gerade eine Haaresbreite vor seiner Haut haltzumachen. Er lächelte sie an. “Gut Kate. Ausgezeichnet. Siehst du, du brauchst gar keine Tricks von irgendwelchen Hexen. Du bist diejenige, die das gelernt hat und du wirst diejenige sein, welche die Feinde in Stücke schneidet.“ Er griff nach Kates Hand, Handgelenk an Handgelenk und Kate war überrascht, plötzlich Applaus vom Schiff zu hören. Sie drehte sich um und sah die anderen Mitglieder der Kompanie dort, die zugeschaut hatten, als wenn sie und Lord Cranston Spieler wären, die sie unterhalten sollten. Will war unter ihnen und sah sowohl erleichtert, als auch glücklich aus. Kate rannte die Stufen vom Kommandantendeck hinunter und küsste ihn, als sie ihn erreichte. Das gab natürlich eine Art anderen Jubel von den anderen und Kate wandte sich mit rotem Gesicht ab. „Das reicht ihr faulen Hunde“, rief Lord Cranston nach unten. „Wenn ihr Zeit zum Gaffen habt, dann habt ihr auch Zeit zum Arbeiten!“ Die Männer um sie herum ächzten und machten mit ihren Vorbereitungen für den Krieg weiter. Dennoch war der Moment vorbei und Kate wollte es nicht riskieren, Will noch einmal zu küssen, falls irgendjemand zusah. „Ich hab mir solche Sorgen um dich gemacht“, sagte Will mit einem Nicken nach oben, wo Lord Cranston stand. „Als ihr beide gekämpft habt, hat es wirklich so ausgesehen, als wenn er dich töten wollte.“ „Ich habe das gebraucht“, sagte Kate mit einem Achselzucken. Sie war sich nicht sicher, ob sie Will das erklären konnte. Er war Lord Cranstons Kompanie beigetreten, aber es schien immer ein Teil von ihm zu geben, der zurück und wieder in der Schmiede seines Vaters arbeiten wollte. Er hatte die Chance genutzt die Welt zu sehen, die Chance wo anders hinzugehen. Für Kate war das anders. Sie musste in die Räume drängen, in denen sich die Dinge nicht sicher anfühlten, oder sie war sich nicht sicher, ob sie sich am Leben fühlte. Lord Cranston hatte das verstanden und hatte sie an einen Ort gebracht, wo sie sich wirklich selbst testen konnte. „Dennoch“, sagte Will, „ich dachte, es würde Blut an Deck geben, ehe es zu Ende war.“ „Da war aber keins“, sagte Kate. Sie umarmte ihn, einfach weil sie das wollte. Sie wünschte sich, dass es genug Privatsphäre an Bord geben würde, für mehr. „Das ist das Wichtigste.“ „Und du warst toll da oben“, gab Will zu. „Vielleicht sollten wir gar nicht angreifen morgen, sondern einfach dich schicken, sie alle zu bekämpfen.“ Kate lächelte bei dem Gedanken. „Ich glaube, das wird ein wenig ermüdend nach den Ersten. Außerdem willst du etwa die ganze Action verpassen?“ Sie sah, wie Will sich abwandte. „Was ist los?“, fragte sie und widerstand dem Drang seine Gedanken zu lesen und es herauszufinden. „Ehrlich? Ich habe Angst“, sagte er. “Egal, wie viele Kämpfe wir bestreiten, es scheint nie einfacher zu werden. Ich habe Angst um mich, um meine Freunde, um meine Eltern, die vielleicht darin verwickelt werden und … ich habe Angst um dich.“ „Ich glaube, wir haben gerade herausgefunden, dass du dir um mich keine Sorgen machen musst“, sagte Kate. „Du bist besser mit dem Schwert, als jeder den ich kenne“, stimmte Will zu, „aber ich mache mir dennoch Sorgen. Was, wenn da ein Schwert ist, das du nicht siehst? Was, wenn es einen zufälligen Musketenschuss gibt? Krieg ist Chaos.” Das war es aber, das war der Teil, der Kate daran gefiel. Es gab etwas darin, im Mittelpunkt eines Kampfes zu stehen, der auf eine Weise Sinn ergab, wie es der Rest der Welt manchmal nicht tat. Sie sagte das aber natürlich nicht. „Es wird alles gut gehen“, sagte sie stattdessen. “Ich werde okay sein. Du wirst mit der Artillerie arbeiten, nicht inmitten aller Kämpfe. Sophia würde ihren Leuten niemals erlauben zu plündern oder normale Menschen anzugreifen, also werden deine Eltern in Sicherheit sein. Es wird alles gut werden.“ “Bleib einfach … in Sicherheit”, sagte Will. „Es gibt so viele Dinge, die ich dir noch sagen will und mit dir machen will und –“ „Dafür werden wir noch Zeit haben“, versprach Kate. „Jetzt gehst du besser. Du weißt, Lord Cranston wird wütend, wenn ich dich zu lange von deinen Aufgaben abhalte.“ Will nickte und sah aus, als wenn er sie wieder küssen wollte, er tat es dann aber doch nicht. Eine weitere Sache, die bis nach dem Kampf würde warten müssen. Kate sah ihm beim Gehen zu und nutzte ihr Talent, um die Gedanken und Gefühle der Soldaten hier aufzunehmen. Sie konnte ihre Ängste und ihre Sorgen spüren. Jeder Mann wusste, dass die Welt in der Morgendämmerung in Gewalt ausbrechen würde und die meisten fragten sich, ob sie heil aus dem Chaos herauskommen würden. Einige dachten an Freunde andere an Familien. Ein paar gingen eine Möglichkeit nach der anderen durch, als wenn der Gedanke an die Gefahr es verhindern würde. Kate freute sich darauf. Beim Kampf machte die Welt irgendwie Sinn. „Morgen werde ich die Menschen töten, die meiner Familie wehgetan haben“, versprach sie. „Ich schneide sie in Stücke und ich werde den Thron für Sophia zurückerobern.“ Morgen würden sie nach Ashton gehen und sie würden sich alles zurückholen, was ihrs sein sollte. KAPITEL FÜNF Auf den Stufen vom Tempel der maskierten Göttin bereitstehend und auf den Beginn der Beerdigung seiner Mutter wartend, beobachtete Rupert den Sonnenuntergang. Es strahlte in Tönen von Rot, Farben, die ihn zu sehr an das Blut erinnerten, dass er vergossen hatte. Es hätte ihn nicht stören sollen. Er war stärker als das, besser als das. Dennoch, jeder Blick auf seine Hände brachte Erinnerung daran, wie das Blut seiner Mutter daran geklebt hatte, jeder Moment der Stille brachte die Erinnerung an ihr Keuchen wieder, als er sie erstochen hatte. „Du!“, sagte Rupert und zeigte auf einen der Bohrer und unbedeutenderen Priester, die sich um den Eingang versammelt hatten. „Worauf deutet dieser Sonnenuntergang hin?” “Blut, Ihre Hoheit. Ein Sonnenuntergang wie dieser heißt Blut.” Rupert machte einen halben Schritt vorwärts und wollte den Mann für seine Frechheit schlagen, aber Angelica hielt ihn zurück, ihre Hand streifte über seine Haut, in einem Versprechen, das ihn wünschen ließ, es gäbe mehr Zeit, um es wieder gut zu machen. “Ignoriere ihn”, sagte sie. “Er weiß nichts. Niemand weiß irgendetwas, außer du sagst es ihnen.” „Er hat Blut gesagt“, beschwerte sich Rupert. Das Blut seiner Mutter. Der Schmerz davon durchfuhr ihn. Er hatte seine Mutter verloren, die Trauer davon überraschte ihn. Er hatte erwartet nichts als Erleichterung, bei ihrem Tod zu verspüren oder vielleicht Freude, dass der Thron endlich ihm gehörte. Stattdessen … fühlte Rupert sich gebrochen im Inneren, leer und schuldig auf eine Art, wie er sich noch nie gefühlt hatte. „Natürlich hat er Blut gesagt“, antwortete Angelica. „Es gibt einen Krieg morgen. Jeder Idiot kann Blut in einem Sonnenuntergang sehen, mit feindlichen Schiffen, die an der Küste ankern.“ „Viele haben das“, sagte Rupert. Er zeigte auf einen anderen Mann, ein Bohrer, der ein kompliziertes Uhrwerk Gerät benutzte, um Berechnungen auf einem Stück Pergament zu kritzeln. „Sie, sagen Sie mir, wie der Krieg morgen wird!“ Der Mann schaute ihn mit wildem Blick an. „Die Zeichen stehen nicht gut für das Königreich, Ihre Majestät. Die Ausrüstung –“ Dieses Mal schlug Rupert zu und schubste den Mann mit gestiefeltem Fuß zu Boden. Wenn Angelica nicht da gewesen und ihn zurückgezogen hätte, hätte er vielleicht so lange zugetreten, bis nichts weiter außer einem Haufen gebrochener Knochen zurückgeblieben wäre. „Denke mal daran, wie das bei einer Beerdigung aussieht“, sagte Angelica. Das war zumindest ausreichend, um Rupert zurückzuhalten. „Ich weiß nicht, warum die Priester solche Leute überhaupt auf die Stufen ihres Tempels lassen. Ich dachte, sie hätten die Hexen getötet.“ „Vielleicht ist es ein Zeichen, das diese keine Gabe haben“, schlug Angelica vor, „und dass du nicht auf sie hören solltest.“ “Vielleicht”, sagte Rupert, aber es hatte auch andere gegeben. Es schien, dass jeder eine Meinung zum kommenden Krieg hatte. Es gab genügend Wahrsager im Palast, sowohl echte, als auch nur Adlige, die gerne Sonnenuntergänge oder den Flug der Vögel errieten. Aber im Moment war die Beerdigung, die Beerdigung seiner Mutter, das Einzige, was zählte. Anscheinend gab es welche, die das nicht verstanden. „Ihre Hoheit, Ihre Hoheit!“ Rupert drehte sich in Richtung des Mannes, der angerannt kam. Er trug eine Soldaten Uniform und verbeugte sich tief. „Die korrekte Anrede für einen König ist Ihre Majestät“, sagte Rupert. „Ihre Majestät, vergeben Sie mir“, sagte der Mann. Er kam aus seiner Verbeugung. „Aber ich habe eine dringende Nachricht!“ „Was ist los?“, fragte Rupert. „Können Sie nicht sehen, dass ich gerade meine Mutter beerdige?“ „Verzeihen Sie, Ihre Majestät“, sagte der Mann, sich offensichtlich gerade noch rechtzeitig fangend. „Aber unser General fordert ihre Anwesenheit.“ Natürlich würden sie das. Narren, die den Weg zum Sieg über die Neue Armee nicht gesehen hatten, wollten jetzt seine Gunst gewinnen, indem sie zeigten, wie viele Ideen sie hatten, um mit der Bedrohung umzugehen, der sie sich gegenübersahen. „Ich werde nach der Beerdigung kommen oder auch nicht“, sagte Rupert. „Sie sagten mir, ich soll die Wichtigkeit der Bedrohung hervorheben“, sagte der Mann, als wenn diese Wörter Rupert irgendwie in Bewegung setzen würden. Aus einer Art Folgsamkeit. „Ich werde die Wichtigkeit entscheiden“, sagte Rupert. Im Moment fühlte sich nichts wichtiger an, im Vergleich zu der Beerdigung, die stattfinden würde. Sollte Ashton doch verbrennen, er würde seine Mutter beerdigen. „Ja, Ihre Majestät, aber –“ Rupert hielt den Mann mit einem Blick auf. „Die Generäle wollen so tun, als wenn alles jetzt passieren muss“, sagte er. „Das es keinen Plan ohne mich gibt. Das ich gebraucht werde, wenn wir die Stadt verteidigen. Ich habe eine Antwort für sie: Sie sollen ihre Arbeit machen.“ „Ihre Majestät?“, sagte der Bote in einem Ton, bei dem Rupert ihn am liebsten schlagen würde. „Macht eure Arbeit, Soldaten“, sagte er. „Diese Männer wollen unsere besten Generäle sein, aber sie können nicht die Abwehr einer Stadt organisieren? Sagen sie Ihnen, dass ich kommen werde, wenn ich bereit bin. In der Zwischenzeit werden sie das schon machen. Also gehen Sie, ehe ich die Geduld verliere.“ Der Mann zögerte einen Moment und verbeugte sich dann erneut. „Ja, Ihre Majestät.“ Er eilte davon. Rupert sah ihm beim Gehen zu und drehte sich dann wieder zu Angelica. „Du warst so ruhig“, sagte er. Sein Ausdruck war perfekt neutral. „Du stimmt mir auch nicht zu, meine Mutter zu beerdigen?“ Angelica legte eine Hand auf seinen Arm. „Ich glaube, wenn du das machen musst, solltest du das tun, wir können die Gefahr nicht leugnen.“ „Welche Gefahr?“, fragt Rupert. „Wir haben Generäle oder?“ “Generäle aus einem Dutzend verschiedener Kräfte, die sich als eine Armee zusammengefunden haben”, wies Angelica ihn darauf hin. Keiner von ihnen wird sich darauf einigen können, wer die Leitung übernimmt, wenn niemand da ist, der eine allgemeine Strategie entwickelt. Unsere Flotte sitzt zu nah an der Stadt, unsere Mauer ist eher ein Relikt anstatt einer Schutzmauer und unser Feind ist gefährlich.“ „Sei vorsichtig“, warnte Rupert sie. Seine Trauer umschloss ihn wie eine Faust und die einzige Art, die Rupert kannte darauf zu reagieren, war mit Wut. Angelica lehnte sich zu ihm herüber, um ihn zu küssen. „Ich bin vorsichtig mein Schatz, mein König. Wir werden uns Zeit dafür nehmen, aber du musst ihnen schon bald Richtungen geben, sodass du ein Königreich zum Regieren hast.“ „Lass es doch verbrennen“, sagte Rupert reflexartig. „Lass es einfach verbrennen.“ „Das meinst du vielleicht jetzt“, sagte Angelica, „aber schon bald, wirst du es wollen. Und dann, naja gibt es die Gefahr, dass sie es dir nicht geben werden.“ „Meine Krone nicht geben?“, sagte Rupert. „Ich bin König!“ „Du bist der Nachfolger“, sagte Angelica, „und wir haben dir Unterstützung in der adligen Versammlung aufgebaut, aber diese Unterstützung könnte verschwinden, wenn du nicht aufpasst. Die Generäle, die du ignorierst, werden sich fragen, ob einer von ihnen regieren sollte. Die Adligen werden Fragen stellen, über einen König, der seine Trauer über ihre Sicherheit stellt.“ „Und du Angelica?“, fragte Rupert. „Was glaubst du? Bist du loyal?“ Seine Finger fuhren fast automatisch zum Messergriff und fühlten die beruhigende Anwesenheit. Angelicas deckten sie. “Ich glaube, ich habe meinen Platz hierbei gewählt“, sagte sie, „und der ist neben dir. Ich habe jemanden geschickt, der mit der Bedrohung der Flotte umgehen wird. Wenn uns ein Tod aufhalten kann, dann kann es sie auch aufhalten. Anschließend können wir alles, was getan werden muss zusammen machen.“ „Zusammen?“, sagte Rupert und nahm Angelicas Hand. „Bist du bereit?“, fragte Angelica ihn. Rupert nickte, wenn auch der Schmerz in ihm im Moment zu groß war, um besänftigt zu werden. Er wäre nie bereit für den Moment, seine Mutter gehen zu lassen. Sie traten zusammen in den Tempel. Er war für ein Staatsbegräbnis geschmückt worden, mit einer Hast, die schon fast unschicklich war, reiche Vorhänge in dunklen Tönen füllten den Raum darin, hier und da durch das königliche Wappen durchbrochen. Die Bänke des Tempels waren voll von Trauernden, jeder Adlige in Ashton und meilenweit um Ashton herum war gekommen, zusammen mit Händlern und Soldaten, Geistlichen und mehr. Rupert hatte dafür gesorgt. “Sie sind alle hier”, sagte er und schaute sich um. „Alle, die kommen konnten“, pflichtete Angelica ihm bei. „Diejenigen, die nicht gekommen sind, sind Verräter“, keifte Rupert zurück. „Ich werde sie töten lassen.“ „Natürlich“, sagte Angelica. „Nach der Invasion.“ Es war merkwürdig, dass er jemanden gefunden hatte, der bereit war allem zuzustimmen, was getan werden musste. Sie war auf eine Art so rücksichtslos wie er, wunderschön und intelligent. Sie war auch hier bei ihm, stand neben ihm und schaffte es, dass sogar das schwarz der Beerdigung exquisit aussah. Sie war da, um Rupert zu unterstützen, während er durch den Tempel ging und in Richtung der Stelle, wo der Sarg seiner Mutter auf die Beisetzung wartete, ihre Krone lag darauf. Ein Chor begann ein Requiem zu singen, während sie nach vorne gingen und die Höhepriesterin ihre Gebete zur Göttin leierte. Nichts davon war originell. Es war keine Zeit dazu gewesen. Dennoch würde Rupert einen Verfasser anstellen, sobald das hier zu Ende war. Er würde Statuen für seine Mutter errichten. Er würde – “Wir sind da, Rupert”, sagte Angelica und führte ihn zu seinem Sitz in der ersten Reihe. Es gab mehr als genug Platz hier trotz des überfüllten Gebäudes. Vielleicht hatten die Wachmänner, die dort standen, um das zu verstärken, etwas damit zu tun. „Wir sind versammelt, um den Tod einer großen Persönlichkeit unter uns zu bezeugen“, leierte die Hohepriesterin, als Rupert Platz nahm. „Witwe Queen Mary vom Haus von Flamberg ist von uns gegangen, ist hinter der Maske des Todes in die Arme der Göttin gegangen. Wir trauern um ihre Ableben.“ Rupert trauerte, die Trauer stieg in ihm hoch, als die Priesterin darüber sprach, was für eine tolle Herrscherin seine Mutter gewesen war, wie wichtig ihre Rolle dabei gewesen war, das Königreich wieder zu vereinigen. Die alte Priesterin hielt eine lange Predigt über die in den heiligen Schriften gefundenen Tugenden, die seine Mutter verkörpert hatte und dann begannen Männer und Frauen über ihre Großartigkeit, ihre Freundlichkeit und ihre Menschlichkeit zu sprechen. „Es ist, als wenn sie von jemand anderem sprechen“, flüsterte Rupert Angelica zu. „Das ist das, was sie auf Beerdigungen sagen müssen“, antwortete sie. Rupert schüttelte seinen Kopf. „Nein, das ist nicht richtig. Es ist nicht richtig.” Er stand auf und ging durch den Tempel nach vorne und kümmerte sich nicht darum, dass ein Lord immer noch damit beschäftigt war, von der Zeit zu erzählen, als er die Witwe einmal getroffen hatte. Der Mann wich zurück, als Rupert sich näherte, und wurde ruhig. “Sie reden alle Blödsinn”, sagte Rupert und seine Stimme überschlug sich. „Sie reden über meine Mutter und ignorieren ihr echtes Wesen! Sie sagen, sie war gut und freundlich und großzügig? Sie war keines dieser Dinge! Sie war hart. Sie war rücksichtslos. Sie konnte grausam sein. “Seine Hand fuhr herum. “Gibt es hier jemanden, dem sie nicht wehgetan hat? Sie hat mir oft genug wehgetan. Sie hat mich wie jemanden behandelt, der es kaum wert war, ihr Sohn zu sein.“ Er konnte das Flüstern in der Menge hören. Lass sie flüstern. Er war jetzt ihr König. Was sie dachten, war ihm egal. “Aber sie war dennoch stark”, sagte Rupert. „Dank ihr, haben Sie alle überhaupt ein Land. Dank ihr wurden Betrüger des Landes verwiesen und die Magie wurde unterdrückt. Ein Gedanke kam ihm. “Ich werde genauso stark sein. Ich werde tun, was nötig ist.“ Er ging zum Sarg und nahm die Krone. Er dachte darüber nach, was Angelica über die Vereinigung der Adligen gesagt hatte, als wenn Rupert ihre Erlaubnis bräuchte. Er nahm sie und setzte sie auf seinen eigenen Kopf und ignorierte das Keuchen der anderen dort. „Wir werden meine Mutter als die Person beerdigen, die sie war“, sagte Rupert, „nicht mit ihren Lügen! Ich befehle das als ihr König!“ Angelica stand auf, eilte zu ihm und nahm seine Hand. „Rupert, geht’s dir gut?“ „Mir geht’s gut“, erwiderte er. Ein weiterer Einfall kam ihm und er schaute in die Menge. „Ihr alle kennt Milady d’Angelica“, sagte Rupert. „Ich habe eine Ankündigung für sie. Heute Abend werde ich sie zur Frau nehmen. Ihr müsst alle kommen. Jeder, der das nicht tut, wird dafür gehängt.” Dieses Mal gab es kein Keuchen. Vielleicht konnten sie nicht länger schockiert sein. Vielleicht hatten sie es überwunden. Rupert ging hinüber zum Sarg. „Da Mutter“, sagte er. “Ich habe deine Krone. Ich werde heiraten und morgen werde ich dein Königreich retten. Ist das ausreichend für dich? Ja?“ Ein Teil von Rupert erwartete eine Antwort, ein Zeichen. Es kam nichts. Nichts außer der Stille der ihn ansehenden Menge und die tiefe Schuld, die sich immer noch durch ihn wand. KAPITEL SECHS Vom Balkon eines Hauses in Carrick schaute der Krähenmeister den sich sammelnden Armeen zu, in dem er durch die Augen einer seiner Kreaturen schaute. Er lächelte dabei, ein Gefühl von Zufriedenheit kam über ihn. „Die Teile sind an Ort und Stelle“, sagte er, während seine Krähen ihm die Ansammlung der Schiffe zeigten und die Verteidiger, die sich beeilten, Barrikaden zu errichten. „Jetzt schaut zu, wie sie fallen.“ Der blutrote Sonnenuntergang passte zu seiner Stimmung, so wie die Schreie, die von dem Hof unter seinem Balkon kamen. Die täglichen Hinrichtungen schritten zügig voran: zwei Männer waren beim Fliehen erwischt worden, ein Möchtegern Dieb, eine Frau, die ihren Mann erstochen hatte. Sie standen angebunden am Pfosten, während die Hinrichter mit Schwertern und Garrottenseilen arbeiten. Die Krähen fielen auf sie herab. Es gab wahrscheinlich welche, die dachten, dass er die Gewalt in solchen Momenten genoss. Die Wahrheit war, dass es ihm egal war; nur die Macht, welche solche Tötungen seinen Haustieren brachte, zählte. Der Krähenmeister schaute sich die Kommandanten an, die auf seine Anweisungen warteten und schauten, ob jemand zuckte oder bei den Szenen unten wegschaute. Die meisten taten das nicht, denn sie hatten gelernt, was von ihnen erwartet wurde. Ein junger Beamter schluckte dennoch, als er zuschaute. Er würde wahrscheinlich beobachtet werden müssen. Für einen Moment oder zwei, glitt die Aufmerksamkeit des Krähenmeisters zurück zu den Kreaturen, die über Ashton kreisten. Als sie herumwirbelten und Kreise zogen, zeigten sie ihm die Ausbreitung der voranschreitenden Flotte an und die Verzweigungskraft, die weiter oben an der Küste landen wollte. Ein Turm auf einer Stadtmauer zeigte ihm eine Gruppe von Ishjemme-Männern in Handelsklamotten, die am Fluss eine verborgene Waffentruhe öffneten. Ein Rabe in der Nähe des Stadtfriedhofs hörte Männer davon sprechen, wie sie sich zurückziehen sollten, wenn der Angriff kam und die Adligen sich selbst der Verteidigung überlassen sollten. Es schien, wie eine Kombination, die seine Haustiere hungrig hinterlassen würde. Das konnte er nicht gebrauchen. „Wir haben eine Aufgabe auszuführen“, sagte er zu den wartenden Männern, als er seine Aufmerksamkeit wieder zu sich selbst gebracht hatte. „Folgt mir.“ Er führte sie durch das Haus und nahm es als selbstverständlich an, dass die anderen folgen würden. Diener wichen eilig aus, eifrig nicht im Weg von so vielen mächtigen Männern zu stehen, während sie hinunterstiegen. Der Krähenmeister konnte ihre Feindseligkeit und ihre Angst fühlen, aber das machte nichts. Es war nur die unverweigerliche Konsequenz des Herrschens. Im Hof waren die Schreie still geworden, auf eine Art, die nur der Tod bringen konnte. Sogar die ruhigsten der lebenden Kreaturen hatten das weiche Geräusch des Atems, das flatternde Schlagen eines Herzens. Jetzt war nur noch das Krächzen der Krähen zu hören, das durch die Stille schnitt, während die Körper schwach an den Pfosten hingen. „Ordnung muss gehalten werden“, sagte der Krähenmeister und schaute zu einem Beamten, der ein Flackern an Abneigung gezeigt hatte. „Wir sind eine Maschine, die aus vielen Teilen besteht und jeder muss seine Rolle spielen. Jetzt, da sie ihre Grenzen überschritten haben, besteht die Aufgabe dieser Drei darin, die Aasvögel zu füttern.“ Diese flogen jetzt in größerer Anzahl hinunter, setzten sich auf die kürzlich still gewordenen Leichen und begannen zu fressen. Der Krähenmeister konnte bereits die Macht spüren, die von den Toten in seine Herde floss, zusammen mit den Hundert weiteren, die sich im Reich der neuen Armee ausgebreitet hatten. Es gab sogar ein paar seiner Vögel, die im Königreich der Witwe fraßen. “Es ist Zeit einen Daumen auf die Waage zu legen”, sagte er und zog an der Macht und fuhr gedanklich silberne Linien der Konsequenzen in seinem Gedächtnis nach. Jede stellte eine Möglichkeit dar, eine Wahl. Der Krähenmeister konnte nicht wissen, welche davon eintreten würde; er war nicht die Frau vom Brunnen oder einer der Hellseher. Er konnte jedoch genug sehen, um zu wissen, wo er Einfluss ausüben musste. Wo er auf die Wirkungen, die er wollte, drängen konnte. Er griff nach den herumfliegenden Vögeln um Ashton. Seine Gedanken gingen zur Stelle zurück, wo ein paar gut platzierte Wörter vielleicht am meisten helfen konnten und Krähen aller Arten vom Himmel kamen, um sie zu krächzen. Ein Rabe landete auf seinen Befehl hin in der Nähe des Kommandanten von Ashtons Stadtwache und schwarze Augen starrten zu ihm hoch. “Nordländer auf dem Fluss”, krächzte es, als der Krähenmeister die Wörter aussprach. “Nordländer auf dem Fluss verkleidet als Händler.” Er wollte nicht warten, um den Schock des Mannes zu sehen, der versuchte zu verstehen, was passierte. Stattdessen wandte der Krähenmeister seine Aufmerksamkeit einem Turm auf dem Friedhof zu, er ließ eine Krähe auf einem Grabstein in der Nähe der Möchtegernverschwörer landen, der plante zu fliehen. „Sei mutig“, krächzte die Krähe. „Du wirst beobachtet.“ Um das auszugleichen, schickte er einen weiteren Vogel zu einem Mann an einem der Hauptwände und ließ ihn Vorboten des Todes krächzen. Er säte Mut und Feigheit, gab Wahrheiten bekannt und erzählte Lügen, verwebte alles in einem Fluch von bekannten und halb unbekannten Dingen. Nicht alle der Vögel waren erfolgreich. Er schickte einen schwarzen Vogel zu Prinz Ruperts Fenster, nur um es versperrt zu finden. Er schickte eine Krähe in Richtung der Schiffe, die am Hafen warteten, ließ ihn niedrig über Ishjemmes Flagge kreisen, nur um seine Aufmerksamkeit dem Anblick eines jungen Mannes zu widmen, der hochschaute. Der Krähenmeister kannte den jungen Mann. Er war derjenigen, der in Ishjemme ein Schwert in ihn gestoßen hatte. Er starrte jetzt hoch zum Vogel und seine Hand glitt zu seinem Gürtel und zog schon fast unmenschlich schnell eine Pistole… “Verdammt”, knurrte der Krähenmeister, als er seine Aufmerksamkeit gerade noch rechtzeitig vom Vogel abwandte. Er ließ die Flotte der Eindringlinge in Ruhe. Stattdessen lenkte er seine Aufmerksamkeit wieder auf die Stadt, fand kleine Dinge, die Männern vielleicht Mut machen oder nehmen konnten, die ihre Wut anfachen konnte oder sie sorglos werden ließ. Er ließ eine Elster den Ehering einer Frau stehlen, als sie Gläser wusch, dann ließ er ihn am Fuße des Soldaten fallen, mit dem sie verheiratet war. Kein Zweifel würde der Mann den Krieg damit verbringen, sich zu fragen, warum der Ring nicht an ihrem Finger stecke und ob er vielleicht jetzt besser zu Hause wäre. Er ließ einen Raben eine angezündete Kerze aufnehmen und sie in eine Reihe von verlassenen Gebäuden fallen, wo die Flammen sich ausbreiten konnten. “Lasst sie wählen, ob sie ihre Häuser vor den Eindringlingen oder dem Feuer retten wollen”, sagte er. Es gab Hunderte anderer Vögel, über ein Hundert weitere Erledigungen, jede davon nahm ein Flackern der Macht, aber jedes davon war eine Investition in das Chaos, das daraus entstehen würde. Einige sprachen mit Soldaten, andere mit Männern und Frauen, die er für diesen Moment geschickt hatte, um Schreckensgeschichten von Ishjemme zu erzählen, für diejenigen die zuhörten oder eine blutige Rebellion gegen die Linie der Witwe vorschlugen oder beides. Der Krähenmeister nahm einen Kampf, der ein einfacher Sieg für die Eindringlinge sein sollte, und webte es in etwas Komplexeres, mehr Gefährliches und mehr Tödliches. Die Menschen dachten an die großartige Funktionsweise der Magie, und sie dachten an Symbole oder an alte Wälzer, doch er hatte gerade an etwas weit aus Größerem mit viel weniger gearbeitet. Er sah sich nach seinen Offizieren um und beobachtete immer noch, wie die Krähen mit pflichtbewusstem Gesichtsausdruck nach dem Toten pickten. “Der Feind wird seinen Kampf für Ashton morgen kämpfen“, sagte er. „Es wird ein blutiger Kampf werden, mit vielen Toten auf allen Seiten.“ Er konnte nicht anders, als ein wenig Zufriedenheit dabei zu fühlen. Immerhin war er der Hauptgrund, dass so viele sterben würden. „Wann greifen wir an, mein Lord?“, fragte einer der Kommandanten seiner Flotte. „Haben Sie Anweisungen für uns?“ „Sind Sie bereit anzugreifen?“, fragte der Krähenmeister. „Bin ich, mein Lord“, sagte der Mann. Er schlug mit der Faust auf seine Handfläche. „Ich will sie für die Erniedrigung beim letzten Mal zerquetschen.“ “Ich auch”, sagte der General. „Ich will sie wissen lassen, dass die neue Armee stärker ist.“ Ein Chor von Zustimmung folgte dem, jeder Mann schien bemüht zu sein, härter als der Letzte zu sein, um zu zeigen wie engagiert er war, die Fehler beim Überfall auf das Königreich der Witwe wieder auszugleichen. Vielleicht war das der Punkt. Vielleicht wollte jeder zeigen, dass er es besser machen konnte. Vielleicht dachten sie, dass ihr Leben auf dem Spiel stand, wenn sie erneut scheiterten. Sie lagen nicht ganz falsch bei dem Gedanken. Dennoch hielt der Krähenmeister eine Hand hoch, um Ruhe zu gebieten. „Seid geduldig. Geht zu euren Männern zurück und zu euren Schiffen. Vergewissert euch, dass alles bereit für den Angriff ist. Ich werde den Moment dafür mitteilen.“ Sie gingen als Gruppe, eilten davon, um alles vorzubereiten. Der Krähenmeister ließ sie gehen. Im Moment lag seine Aufmerksamkeit auf dem blutigen Rot des Sonnenuntergangs und was es bedeuten würde. Es würde viel Blut morgen geben, da hatte er keine Zweifel. Dank der Bemühungen seiner Kreaturen würde es Fleisch auf einer Skala geben, die Ashtons Fluss rot färben würde. Seine Kreaturen würden schmausen. „Und wenn sie alle weg sind“, sagte er, „werden wir das, was noch fehlt, unserem Königreich hinzufügen.“ KAPITEL SIEBEN Die Mörderin namens Rose wartete auf die komplette Dunkelheit, ehe sie zu einem der Schiffe ruderte, die am Hafen ankerten, ihre Paddel eingehüllt in Dolle. Es half, dass der Mond hell schien und dass sie schon immer gut im Dunkeln sehen konnte, wenn es sein musste. Es hieß, dass sie nicht riskieren musste, eine Laterne zu tragen. Dennoch hatte sie bei jedem Schlag Angst, den sie nur mit Mühe machen konnte. „Das wird schon gut“, sagte sie sich. „Du hast das schon Hunderte Male vorher gemacht.“ Vielleicht nicht hundert Mal. Sogar die Besten in ihrem Beruf, die je gelebt hatten, hatten nie so viele getötet. Sie war nicht nur ein Metzgermesser, das so viele wie möglich im Krieg töten sollte. Sie war ein Gärtnermesser, das nur das schärfte, was vom Stiel notwendig war. “Die Hälfte der Soldaten dort, haben mehr Menschen als ich getötet”, flüsterte sie, als wenn es das rechtfertigen würde. Es gab immer Angst, wenn sie tötete. Angst davor entdeckt zu werden. Angst, dass etwas schieflaufen würde. Angst, dass sie vielleicht die Art von Bewusstsein erwerben würde, das sie davon abhalten würde, das zu tun, was sie am besten konnte. „Nicht so weit“, flüsterte Rose. Vorsichtig lenkte sie ihr Boot durch die wartenden Boote. Sie war nicht überrascht, eine Stimme zu hören, die in die Nacht rief. „Hey wer ist da? Was wollen Sie?“ Rose sah einen Soldaten, der sich über die Reling eines Schiffes lehnte, mit einem Bogen in seinen Händen. Vielleicht hätte jemand Dummes versucht sich in Sicherheit zu bringen und hätte dafür sicherlich einen Pfeil in den Rücken bekommen. Stattdessen dachte sie einen Moment nach. Akzente waren eine Fähigkeit, an der sie gearbeitet hatte, also konnte Rose jetzt einen geeigneten auswählen, nicht aus Ishjemme selbst, sondern eher einen härteren, undeutlicheren von einer der Inseln zwischen hier und dem Königreich der Küste. Das war besser. Die Soldaten aus Ishjemme kannten sich vielleicht untereinander. Sie könnten nicht erwarten, alle ihre Verbündeten zu kennen. “Ich mache mich bereit für den Krieg, Sie Idiot. Was machen Sie? Versuchen Sie ganz Ashton aufzuwecken?“ “Naja, gut Sie könnten jeder sein!”, rief der Soldat. „Es könnte ein Boot voll mit Feinden sein, soweit ich weiß.“ „Sehe ich aus, wie ein Boot voll mit Feinden?“, gab Rose zurück. „Kann ich also jetzt weiter damit machen, die Berichte zu liefern, die ich liefern soll? Ich fahre jetzt seit einer Stunde mit dieser Entschuldigung für eine Stadt herum. Ich kann nicht mal das Flaggenschiff finden.“ Sie sah den Mann in eine Richtung zeigen. „Da drüben“, sagte er. „Danke.“ Rose war gut darin jemand zu sein, der sie gar nicht war. Einige dachten, dass Mörder Menschen waren, die in einer Armee kämpften oder einen Pfeil von ganz weit weg abschossen. Ihr gefielen solche Geschichten. Es hieß, dass sie nicht auf die unschuldige Person neben ihnen sahen, die ihnen gerade etwas in den Wein gekippt hatte. “Keine Chance dafür dieses Mal”, sagte sie zu sich selbst. Sie war sich nicht sicher, ob Milady d’Angelica verstanden hatte, worum sie bat, als sie sie für diese Aufgabe losgeschickt hatte. Ehrlich, sie zweifelte daran, dass die Adlige sich darum Sorgen machte. Dennoch gab es einen großen Unterschied darin, einen Rivalen in Ashton zu vergiften und sich auf ein Schiff inmitten einer Kriegsflotte zu schleichen. Besonders eins, dessen Besitzer, diejenigen waren, die angeblich Magie besaßen. Das war der Teil, der ihr am meisten Angst machte. Wie sollte jemand an Bord eines Schiffes kommen, wenn Menschen die mörderischen Absichten in ihrem Herz lesen konnten? Wenn sie spüren konnten, dass sie kam und vielleicht Phantasmen senden würden, die nach ihrer Seele suchten? Das hieß, dass ihre übliche Strategie mit Verkleiden und Lügen nicht funktionieren würde. „Ich sollte den ganzen Weg zum Kontinent rudern“, murmelte Rose. Welcher Idiot warf sich freiwillig inmitten eines Kampfes? Sie ruderte dennoch weiter in die Richtung des Flaggschiffs aus drei Gründen. Einer war, dass sie hierfür gut bezahlt worden war. Zu gut, um es zu ignorieren. Ein anderer war, dass, weil sie abgesehen von ihren Fähigkeiten mit dem Messer und vergifteten Pfeilen, annahm, dass Milady d’Angelica ein gefährlicher Feind wäre. Der Dritte …naja der Dritte war einfach: Sie war einfach gut hier drin. Rose hielt das kleine Boot kurz vor dem Flaggschiff an, an einer Stelle, wo es nur ein weiterer Schatten im Dunkeln war. Sie nahm ihre Kleidung in Ishjemmes Farben ab, darunter trug sie schwarze Kleidung und glitt in das Wasser der Bucht. Die Kühle zog die Hitze aus ihrem Körper, während sie versuchte, nicht an all den Dreck zu denken, der von Ashtons Rinnstein in den Fluss gespült und dann ins Meer gelangt war. Sie ignorierte den Gedanken an die anderen Dinge, die vielleicht im Wasser sein konnten, wie Haie und andere Raubtiere, die sich sammeln würden, um im Anschluss des Kampfes zu jagen. Vielleicht wäre ihre Anwesenheit sogar eine gute Sache, da sie ihre mörderische Absicht mit ihrer eigenen für jeden neugierigen Verstand tarnen würde. Rose schwamm mit stillen Schlägen durch das Wasser, duckte ihren Kopf, wann immer sie dachte, dass jemand vielleicht in ihre Richtung schaute, und ignorierte den faulen Geschmack des Meereswassers. Es schien ewig zu dauern, um sich dem Flaggschiff zu nähern, das Kielwasser davon drückte ein wenig heraus, als sie sich näherte. Endlich fanden ihre Finger das Holz des Rumpfes und suchten nach den Haltegriffen, wie jemand anderes vielleicht seinen Weg an einer steinigen Oberfläche hochgeklettert wäre. Rose bewegte sich langsam, entschlossen kein Geräusch zu machen, sie versuchte sogar ihre Gedanken abzustellen, sodass sie sie nicht denen mit Magie gegenüber verriet. Sie hob ihren Kopf hoch genug, um einen Wachmann zu sehen, der sich auf dem Deck bewegte. Sie duckte sich und hörte dem Rhythmus seiner Schritte zu und ließ ihn vorbeiziehen. Dennoch bewegte sie sich nicht. Stattdessen wartete sie, bis er zwei Mal vorbeigegangen war, und merkte sich das Muster. Jemand Dummes wäre vielleicht gleich beim ersten Mal an Deck gerannt und wäre dafür erwischt worden. Rose hatte gelernt, wann sie geduldig sein musste. Als der Wachmann das dritte Mal vorbeiging, schlich sie sich in seinen Schatten, ein langer Draht glitt aus ihrem Ärmel. Der Mann war größer als sie, aber Rose war daran gewöhnt. Sie hatte den Draht in Sekunden um seinen Hals gelegt, zog zu und stieß ihr Knie in seinen Rücken, um ihn umzustoßen. Es gab keine Zeit zum Schreien, als der Draht sich zuzog, nur eine kleine Lücke zum Keuchen. Rose ließ den Körper des Wachmanns ins Wasser fallen, so still wie möglich. Es war schade, jemanden töten zu müssen, der nicht ihr Ziel war, aber die Wache des Mannes hatte nur wenig Raum, zwei kurze Lücken, in die sie vielleicht gleiten könnte, wenn die Zeit kam, um zu fliehen. Sie legte ihre Garrote weg. Sie würde sie nicht dafür brauchen, was sie als Nächstes tun würde. „Ruhe jetzt“, flüsterte sie sich selbst zu, während sie unter das Deck schlich. Sie hatte vielleicht nicht die Magie, wie die anderen hier sie hatten, um die Gedanken der anderen zu lesen, aber sie hatte Augen, um die Schatten der gewickelten Seile und gestapelten Waffen im Dunkeln zu sehen, Ohren, um die Atmung der schlafenden Männer zu hören, sie machte sorgfältig einen Unterschied zwischen denen die tief schliefen und denjenigen, die vielleicht aufwachen würden, wenn sie zu nahe kam. Sie bewegte sich nur auf den Zehenspitzen, blieb im Schatten, als sie sich an den Stellen vorbeischlich, wo die gewöhnlichen Soldaten schliefen, um zu ihrem Ziel zu kommen. Rose öffnete still die Tür im Dunkeln und sah auf die schlafenden Personen dort und suchte nach demjenigen, für den man sie geschickt hatte. Sie fand ihr Ziel im Zimmer, das mit den Farben von Ishjemme geschmückt war; das Zimmer des Anführers, das Zimmer des Herrschers. Still öffnete sie die Tür. Vor ihr wurde eine Kerze angezündet und sie sah Lars Skyddar, der auf einem Stuhl saß und ein Schwert auf seinem Schoss balancierte. „Sie sind wegen mir gekommen“, sagte er. Rose wägte ihre Möglichkeiten ab. Konnte sie weglaufen? Konnte sie von dem Schiff kommen, ehe dieser Mann eine ganze Crew nach ihr schickte? “Woher wussten Sie, das ich komme?“, fragte sie. „Ich weiß, dass ich keine Geräusche mache.“ „Vor langer Zeit wurde mir gesagt, dass ich in der Nacht vor meinem größten Kampf dem Tod gegenüberstehen würde und dass ich dem alleine gegenübertreten muss. Ich habe gewusst, dass dieser Moment kommen würde, seit meine Nichten angekommen sind.“ „Werden Sie sie rufen?“, fragte Rose und ihre Hände glitten schon fast unmerklich zu ihrem Gürtel und sie überlegte, welche der Giftfeile am besten passen würde. Ihr Tod war nicht für heute Nacht geplant, aber Milady d’Angelica würde sie wahrscheinlich gut belohnen, wenn sie das hier schaffte. “Ich werde nicht ihre Leben riskieren”, sagte Lars Skyddar. „Ihrs dagegen …“ Er sprang nach vorne, fast schon schnell genug, sodass Rose nichts mehr dagegen tun konnte. Wenn er zwanzig Jahre jünger gewesen wäre, hätte sie vielleicht nichts tun können und das Schwert hätte sich tief in sie gehackt. Aber im Moment erwischte es nur ein wenig von ihrem Fleisch, als sie auswich, und eine Blutspur hinterließ, als sie sich wieder auf die Beine rollte. Конец ознакомительного фрагмента. Текст предоставлен ООО «ЛитРес». Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию (https://www.litres.ru/pages/biblio_book/?art=43695239) на ЛитРес. 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