Gaunerinnen Jana Denole ßíà Äåíîëü W?rden Frauen f?r Geld alles tun? Die Autorin schreibt ?ber das Privatleben von Russischen und Ukrainischen Frauen im Ausland. Geschichten von M?dchen, deren Schicksal Sie bis ins Mark verbl?ffen wird. Aus der Provinz zum Million?r der Schweiz! In diesem Buch werden Begriffe verwendet, die auf manche Leser beleidigend wirken k?nnen oder die als rassistisch gelten. Diese Redewendungen geben keineswegs die Meinung oder Einstellung der Autorin wieder, sondern dienen zur Charakterisierung der Hauptfigur, da der Roman auf wahren Begebenheiten und realen Personen basiert. Ñîäåðæèò íåöåíçóðíóþ áðàíü. Vorwort der Autorin Liebe Leserinnen und Leser! Ich hei?e Jana Denole und lebe in der Schweiz, in Z?rich. Hier spielen sich auch die Ereignisse ab, die in meinem Buch beschrieben sind. Vielleicht wundern Sie sich, wenn ich sage: Ich bin der einzige Mensch auf der Welt, der stolz darauf ist, dass er im Gef?ngnis sa?. In den drei Monaten, die ich in schrecklichen Strafanstalten verbrachte, traf ich unglaubliche Menschen, die mich so beeindruckten, dass mir keine andere Wahl blieb, als dar?ber zu schreiben. Ich bin sicher, dass mein Text Sie nicht gleichg?ltig lassen wird. „Gaunerinnen“ ist keine frei erfundene Geschichte, sondern es handelt sich um Bekenntnisse eines M?dchens, dessen Schicksal Sie zum Lachen und zum Weinen bringen wird. Von einem Extrem ins andere. Was ist Geld wirklich wert, und wohin f?hren die Wege, die man geht, um es zu erwerben? Was wird im Leben bestraft, und was bedeutet es, begnadigt oder verurteilt zu werden? Viel Vergn?gen beim Lesen!     Ihre frischgebackene Autorin Jana Denole Rendezvous eines Schmetterlings In einer Stadt in der N?he von Kiew, der Hauptstadt der Ukraine, wurde ein M?dchen geboren. Es erhielt den Namen Natalja. Es schien, als h?tten in jener Nacht alle Einwohner der Stadt das herzzerrei?ende St?hnen der Mutter und das erste schwache Wimmern des blau?ugigen, blonden Kindes geh?rt. In solchen Orten wissen gew?hnlich alle, wer wann auf die Welt kommt und diese verl?sst. Man kann nicht sagen, dass die Stadt Belaja Zerkow klein war. Sie war sogar ziemlich weitl?ufig. Ber?hmt ist dieser Ort nicht unbedingt f?r die sch?ne wei?e Kirche, die am Flussufer neben hohen Weiden steht, die sich malerisch ins Wasser neigen. Vielmehr kennen die Ukrainer diesen Ort als furchterregende Hochsicherheitsstrafkolonie, um die sich verschiedenste Geschichten aus dem Leben der Str?flinge ranken. Das Gef?ngnis gab den Menschen Arbeitspl?tze, kettete aber die freien B?rger dadurch ebenso an diesen grauenvollen Ort wie Verbrecher, die dort hinter Gittern sa?en. In Wirklichkeit unterscheiden sich die Menschen, die jahrelang im Gef?ngnis arbeiten, durch nichts von Insassen. Das blonde M?dchen Natalja wuchs in einem Haus mit gro?em Hof und Landwirtschaft auf, mit H?hnern, Schweinen und Schafen. Es waren drei Kinder: Natalja, der ?ltere Bruder Iwan und die j?ngere Schwester Oletschka. In der Familie herrschten Ordnung, kirchliche Erziehung und Liebe. Die Eltern waren eifrige Diener der Kirche, die ihren Kindern das gleiche Familiengl?ck w?nschten, wie sie es selbst unter Schwierigkeiten und nach vielen Lebenswirren erreicht hatten. Der Vater liebte seinen Sohn Iwan ?ber alles und wollte, dass dieser die Familientradition im Dienst Gottes fortsetzen w?rde. Aber Iwan str?ubte sich gegen den Willen des Vaters und tr?umte davon, Polizist zu werden. Die j?ngere Tochter Oletschka, ein liebes Kind mit gro?en braunen Augen, hatte den Traum, ihren Platz in einem Kloster zu finden, wo sie Menschen helfen k?nnte, den rechten Weg zu finden. Die Mutter indessen wollte gar nicht, dass die Kinder sich um ihr weltliches Vergn?gen brachten, indem sie den Traditionen der Familie folgen. Als Natalja dreizehn Jahre alt wurde, entdeckte sie in sich einen unwiderstehlichen Hang zu ?lteren M?nnern. In der Schule war sie bei ihren Klassenkameradinnen nicht beliebt, diese hielten sich sogar fern von ihr. Die Blonde meinte, das sei einfach der Neid. Sie hielt ihr Doppelleben vor allen geheim, denn sie wollte ihrer Musterfamilie mit ihren merkw?rdigen Neigungen ganz sicher keine Schmach antun. Deshalb wurde ihr erstes Opfer der Sportlehrer der Schule, ein attraktiver verheirateter Mann, dessen ahnungslose Frau ruhig ihr erstes Kind austrug und darauf wartete, dass ihr geliebter Mann von der Arbeit nach Hause kam. Er war sch?n wie ein Gott! Ein hochgewachsener, durchtrainierter, blonder Macho mit einem strahlenden L?cheln, der f?r kurze Zeit das Herz der Bestie gewann. Sie kannte alle Schliche, wie sie das Gew?nschte erreichen konnte, in diesem Fall ihn… Er hatte panische Angst davor, dass ihre Beziehungen bekannt werden k?nnten, und verfluchte sich selbst wegen seiner Unvorsichtigkeit, aber nur solange, bis sein Engel auf Erden ihn umarmte. Sie duftete nach frischer Milch, die Linien ihres K?rpers machten ihn verr?ckt. Er wusste nicht, dass er einer Betr?gerin in die Falle gegangen war, denn sie sagte ihm, dass sie in die neunte Klasse gehe und schon sechzehn Jahre alt sei. Als er die Wahrheit erfuhr, war es zu sp?t, sich darum Sorgen zu machen: Getan ist eben getan. Es hatte ihn ersch?ttert, aber kaum ein Mann ist in der Lage, so einer Verlockung standzuhalten. F?r das M?dchen war er der Erste, deswegen glaubte sie, dass er sie anbeten und auf alle ihre Launen eingehen sollte. Sonst drohte sie ihm, seiner lieben Frau einen unerwarteten Besuch abzustatten. Mit der Zeit bekam der Sportlehrer Angst vor Natalja und versuchte, seine Frau zu ?berreden, in die Hauptstadt zu ziehen. Den Umzug begr?ndete er mit dem h?heren Gehalt in Kiew. Nach einigen Monaten wurden die Einwohner des Viertels vom merkw?rdigen Verschwinden des Sportlehrers mit seinem vor kurzem geborenen Baby ?berrascht. Diese Nachricht schien Natalja nicht weiter aufzuregen, sondern im Gegenteil sogar zu erheitern. „Feigling!“, dachte sie. „Macht nichts, ich habe noch alles vor mir! Auf der Welt gibt es jede Menge M?nner, die f?r Gr??eres bereit sind! Mein mit frischer Milch ern?hrter K?rper wird mir Millionen bringen! Da bin ich mir sicher!“ Die Zeit verging, allm?hlich entwickelte das M?dchen pr?chtige Br?ste, ihr Haar wuchs ?ppig. Gl?nzende Str?hnen flossen ?ber ihren R?cken bis zur schmalen Taille. Ihre breiten H?ften betonten eben jene Gitarrensilhouette, von der sie wusste, dass sie M?nner lockt und anzieht. Das kindliche L?cheln auf den vollen roten Lippen und ihre Augen, blau wie Wellen der Ostsee, machten es schwer, den Blick von ihr abzuwenden. Nach dem Schulabschluss musste sie ihre Heimatstadt verlassen, denn sie stand in einem eindeutigen, so gut wie jedermann bekannten Ruf. Vermutlich hatten nur ihre Eltern keine Ahnung davon, und zwar aus einem einfachen Grund: Niemand traute sich, beim Hochw?rdigen Herrn Priester ?ber sein T?chterchen zu tratschen. Ihr Bruder, der tats?chlich Polizist wurde, schenkte den Ger?chten keinen Glauben. Er verhaftete die Klatschm?uler schlichtweg und verabreichte manchen von ihnen im Untersuchungsgef?ngnis eine Tracht Pr?gel. Seine Schwester hatte mit fast allen wohlhabenden verheirateten M?nner der Stadt geschlafen. Sie interessierte sich nicht f?r ihre Altersgenossen, mochten diese auch echte Hengste sein. Nur reife und verm?gende M?nner weckten ihre Aufmerksamkeit. Sie schaffte es, von jedem etwas Geld zu erpressen. Natalja hatte gute Kleidung, fuhr nach Kiew auf der Suche nach neuen Sponsoren und fasste den ernsthaften Plan, sp?ter in die Hauptstadt zu ziehen. Das Publikum hier war viel zu klein f?r einen Star wie sie! Auch die M?nner entsprachen nicht mehr ihrem Ma?stab! Sie bekam ihr Abschlusszeugnis und machte sich auf, um neue Gipfel zu bezwingen… Kiew empfing sie mit grellen Lichtern. „Wie riesig!“ Sie genoss die Aussicht aus dem Autofenster, als sie zur Universit?t fuhr, um sich immatrikulieren zu lassen. Nach einem Treffen mit dem Dekan wurde sie nicht nur an der Fakult?t f?r Wirtschaftswissenschaften eingeschrieben, sondern bekam auch ein Zimmer im Studentenwohnheim. Der alte Narr war begeistert von Nataljas zarter Stimme. Der Frechling starrte ununterbrochen auf den Ausschnitt ihres Kleides. Sie strich seine Haare akkurat zurecht, die sich, mit einer Gelschicht bedeckt und seitlich gek?mmt, kaum auf der Glatze hielten, streichelte leicht seinen Hals und l?chelte nett. Saweli Rodionowitsch wurde auf der Stelle schwach und blickte verlegen auf die atmende Brust dieses Engels. Zwei sch?n geformte kleine H?gel hoben sich unwillk?rlich bei jedem Atemzug. Wie ein Vulkan brach rosige Haut hervor. F?r einen Augenblick f?hlte er sich wieder jung. Er wollte ihr in den Wahnsinn der Leidenschaft und Schl?pfrigkeit eintauchen. Natalja nutzte den Augenblick. Pl?tzlich fiel ihr wie zuf?llig die Dokumentenmappe auf den Boden. Mit geschmeidigen K?rperbewegungen beugte sie sich nieder, biss sich unschuldig auf die Unterlippe und begann, ihre Papiere einzusammeln. Es schien ihm, als ob ein kalter Schwei?tropfen ?ber seinen R?cken liefe. Er war so unschl?ssig hinsichtlich der Situation, in der er sich befand, dass er entschied, sich nicht von der Stelle zu r?hren, bis seine bew?hrte, von kalter Logik geh?rtete Vernunft ihm sagte, was er tun soll. Mehrere Minuten stand er wie versteinert und starrte auf die prallen, schwankenden Br?ste des M?dchens, das die wei?en, wie ihm schien, leeren Bl?tter auflas. Er sch?ttelte ruckhaft den Kopf, beugte sich ?ber sie und machte sich gleich daran, ihr zu helfen. Es war der entscheidende Moment, auf den sie gewartet hatte! „Jetzt habe ich dich erwischt!“, schoss es Natalja durch den Kopf. Sie bedankte sich f?r die Hilfe und k?sste ihn kindlich auf die Wange. Er err?tete vor Gl?ck und h?rte nicht, was diese sch?ne Nixe sagte. Gleich, was sie ihn fragte, seine Antwort klang eindeutig: „Ja!“ Dieser Tag erwies sich nicht nur als wahrer Festtag im Nataljas Leben. Sie war jetzt Studentin an einer prestigetr?chtigen hauptst?dtischen Universit?t! Sie rief zu Hause an und erfreute ihre Familie mit dieser ?berraschenden Nachricht. Damit beseitigte sie alle Zweifel und widerw?rtigen Ger?chte. So ein kluges K?pfchen konnte unm?glich eine billige Hure sein, wie b?se Zungen gel?stert hatten. „Nein, so was muss man erfinden!“, zeterte ihr Bruder. „Wie k?nnen Leute blo? so falsch sein! Ins Gef?ngnis sollte man sie alle stecken!“ Das M?dchen lachte und verteidigte die Intriganten. „Ach, mach dir keinen Kopf! Lass die Leute reden, was sie wollen. Das Leben wird schon sein Urteil f?llen und zeigen, wer was wert ist.“ „Du bist viel zu gut f?r diese Welt“, antwortete der geliebte Bruder. Natalja freute sich in der Seele ?ber ihren Sieg. Gott sei dank hatte sie dieses Kaff zur rechten Zeit verlassen. Nach den Abendvorlesungen flatterte Saweli Rodionowitsch Rudkow wie eine Lerche in der Innenstadt umher und hatte keine Lust, nach Hause zu gehen. Er ging in ein Cafå, um eine Tasse Tee zu trinken. Kaffee war ihm schon l?ngst wegen seines Gesundheitszustands verboten. „Ach! Ich pfeife auf die Vorschriften der ?rzte und trinke ein Kogn?kchen!“, murmelte er verbittert in seinen Schnurrbart. „Ihr seid selber krank! Ich bin gesund! Und f?hlen tue ich mich wie ein Drei?igj?hriger!“, rief er und bestellte, ohne weiter zu ?berlegen, einen Kaffee mit Kognak. Am gleichen Tag erhielt Nata die Schl?ssel zum besten Zimmer im Wohnheim. Ihr Zimmer lag ganz am Ende eines Korridors. Der alte Perversling sorgte sich wohl darum, dass niemand sah, wie er sich aus dem Dekanat zu ihr schlich, bemerkte das M?dchen. In ihrer Studentenbude gab es zwei Fenster, was sehr erfreulich war. Sie ging auf den Markt, um Vorh?nge und eine grellgr?ne Tischlampe zu besorgen, und fing eifrig an, sich in ihrer neuen Behausung einzurichten. Abends hatte sie vor, ein paar Stripclubs zu besuchen, die inserierten: „Job mit Tanzausbildung“. Damit wollte sie ihrem Traum – reichen Bonzen – m?glichst nahekommen. Sie wusste, dass alle M?nner unz?chtig sind und in ihrer Freizeit gerne Bordelle besuchen. Verdammte Routine! Die schwammigen Frauen zu Hause langweilten sie! Wer von denen konnte sich schon mit einem jungen, frischen K?rper vergleichen? Bei diesen Gedanken bekam sie Lust, mit sich selbst Sex zu haben. Sie liebte ihren prallen K?rper, ihre zarte, rosige Haut. W?hrend der „Paarung“, wie sie es oft nannte, schaute sie meistens auf sich selbst, auf ihren K?rper, der sich in Kr?mpfen wand. Manchmal dachte sie, was f?r ein Gl?ck er mit seiner „Besitzerin“ habe, die es so gut verstand, ihn seinem Zweck entsprechend zu nutzen und dabei in vollem Ma?e zu genie?en. Liebe wollte sie immer und ?berall! Je mehr, desto besser. Sie stellte sich selbst eine richtige Diagnose – Nymphomanie. Ein eng anliegendes r?ckenfreies Kleid betonte alle ihre Reize. Ohne besondere Anstrengung ihrerseits wurde sie als T?nzerin in einem Nachtklub mit einem j?mmerlichen Lohn angestellt, aber so richtig froh war sie dar?ber nicht. Sie ?berblickte die G?ste der Location und stellte fest, dass diese bei weitem nicht die Gesellschaftsschicht repr?sentieren, die sie erreichen wollte. Sie lechzte nach Parlamentsabgeordneten, Botschaftern oder Scheichs. Das Publikum hier war dagegen nur ein ver?chtliches Schulterzucken wert. In den String hatte man ihr blo? je 20, h?chstens 30 Dollar gesteckt. Aber sie lie? sich Zeit und k?ndigte nicht sofort. Schlie?lich brachte man ihr v?llig kostenlos Poledance bei, oder genauer gesagt, man zog den Unterricht von ihrem virtuellen Lohn ab. Eines Tages nach der Arbeit bekam sie Lust, ein St?ck des Weges zu Fu? zu gehen. Sie genoss den Sonnenaufgang, sah mit Vergn?gen auf das morgendliche Get?mmel, Menschen, die zur Arbeit eilten und ihre Kinder im Genick gepackt in die Kinderg?rten schleppten. Pl?tzlich schoss ihr der Gedanke an ein normales Leben, an Kinder durch den Kopf. Sie stellte sich ihren Ehemann vor, einen Million?r, wie er auf der Terrasse eines riesigen Hauses irgendwo in der Schweiz beim Kaffee sitzt und die Morgenzeitung liest. Sie r?ttelte sich aus diesen Tr?umereien auf und ging zu einem Kiosk, der gerade ?ffnete und wo eine b?se, unausgeschlafene Oma herumwurstelte und ihre Waren auslegte. Das M?dchen blickte auf die druckfrische Presse und eine Anzeige fiel ihr auf: „Elite-Escort-Service“. Sie sp?rte ein Kribbeln im Bauch, ihre Brustwarzen schwollen an, ein warmes, feuchtes Gef?hl pulsierte so stark in der weichen H?hle des Paradieses, als ob ihr Herz in diese intime Zone ihres wunderbaren K?rpers gerutscht w?re. Sie bekam einen Orgasmus davon, dass sie genau das fand, wonach sie sich so sehnte. Sex und Geld! Wie hatte sie nur fr?her nicht verstehen k?nnen, dass sie genau f?r dieses eine Ziel auf diese Welt gekommen war – Priesterin der Liebe zu werden. Diese Kombination hatte sich das M?dchen selbst so lange nicht entr?tseln k?nnen. Sie begab sich eilig in Richtung Wohnheim. Sie musste alles gut ?berlegen, denn sie hatte nicht viel Zeit f?r dieses unerwartete Hobby. Das Studium und die Arbeit im Nachtklub dreimal in der Woche nahmen jede Menge Zeit in Anspruch. Auch Ger?chte verbreiteten sich schnell an der Uni. Sie war fast nie in den Vorlesungen zu sehen, und wenn doch, schlief sie einfach in der Bank. Im Studienbuch hatte sie nat?rlich immer „bestanden“ stehen, dank ihrem ergebenen Diener Rudkow. Natalja machte sich darum keine besonderen Sorgen, sie verkehrte mit so gut wie keinem ihrer Kommilitonen, sie lebte still und zur?ckgezogen. Sie hatte kein Interesse an Studentengelagen der Art: „Eine Flasche Wodka f?r den ganzen Haufen“, bevor man in die Disko geht. Sie strebte nach den echten gesellschaftlichen H?hen und den Millionen. Sie hatte eine Vorahnung, dass sie eine reiche Dame werden k?nnte! Wenn Natalja das Wort „Schicksal“ in den Mund nahm, stellte sie sich darunter immer etwas Gro?artiges vor. Diese Gedanken bereiteten ihr ebensolche Befriedigung wie das intime Zusammensein mit M?nnern. Ihr Gang wurde geschmeidiger, ihr R?cken gerader, die H?ften ?ffneten sich, die rosigen Brustwarzen wurden prall und rau. Saweli, verliebt oder verhext, machte sich keine Gedanken dar?ber, dass ihre Beziehungen bekannt werden k?nnten. Er f?hlte sich wie verj?ngt und f?rbte sich die Haare. W?hrend der romantischen Abende mit seiner Geliebten g?nnte er sich ein Glas Sekt und erz?hlte von seiner st?rmischen Jugend. Ihm gefiel, wie sie, die Oberlippe fast kindlich aufgesch?rzt, seinen Geschichten mit wachem Interesse zuh?rte und am Ende vergn?gt kr?hte. Sie mochte Erdbeeren. Bei ihren langen Gespr?chen a? sie immer wieder eine nach der anderen. Es schien, als ob die R?te auf ihren vollen Wangen von diesen paradiesischen Fr?chten k?me. Er war bereit, zu jeder Jahreszeit auf der Suche nach Erdbeeren durch die ganze Stadt zu rennen und jeden Preis f?r das Kilo zu zahlen. Er stellte sich vor, wie sie statt einer Erdbeere sein Glied in den Mund nahm und den ganzen Saft seiner Atomladung einsaugte. Es brachte ihn auf den Gipfel der Gl?ckseligkeit. In diesem Fall war ihm die Meinung seiner Mitmenschen merkw?rdigerweise gleichg?ltig, so unwiderstehlich zog Natalja ihn an. Saweli hatte eine heimliche Aff?re mit einer Studentin an der Universit?t in Winniza gehabt, an die er sich nicht gerne erinnerte. Der arme Kerl wurde damals vor die Wahl gestellt: Entweder sollte er die Universit?t verlassen, oder die Aff?re w?rde an die ?ffentlichkeit gebracht. Saweli teilte seiner Ehefrau mit, er sei nach Kiew versetzt worden, und verlie? seine Heimatstadt f?r immer. Aber Natalja war mit jener ungeschliffenen dummen Gans gar nicht zu vergleichen, die in der ganzen Stadt verbreitete, wie cool sie doch war, weil sie mit dem Lehrer schlief. Natalja war etwas ganz Besonderes! Die Heldin der derbsten und s??esten Romanze seines Lebens, die Muse seiner unz?chtigen Fantasie. Er bekam von ihr alles in voller H?he, seine W?nsche wurden vollkommen befriedigt. Saweli war kein gro?z?giger Mensch, eher ein geiziger, narzisstischer Egoist und Fetischist. Er war es nicht gew?hnt, zu geben. Er hielt nichts von Menschen, die er nicht f?r seine Zwecke ausnutzen konnte, und verachtete sie. Er liebte es, an Frauenschl?pfern zu riechen, er nahm die Unterw?sche von Prostituierten, die er sich einmal in der Woche, gew?hnlich freitags, nach den schweren Arbeitstagen holte. Er feilschte mit dem M?dchen um jede Hrywnja, dann einigten sie sich meistens darauf, dass er die Unterw?sche als Geschenk behielt. Viele Stra?ennutten kannten den Dekan pers?nlich und hatten billige, fertig vorbereitete stinkende Schl?pfer dabei. An einem solchen au?ergew?hnlichen Abend, als Saweli auf dem Weg nach Hause zu seiner Frau und Kindern war, roch er so heftig an einem Schl?pfer, dass er Nasenbluten bekam. Dann schmiss er den Fetzen in die M?lltonne, die am Hauseingang stand. Am folgenden Morgen rannte er wie ein ge?lter Blitz aus dem Haus, spielte den musterhaften Familienvater und trug als erster den M?lleimer raus, um wenigstens fl?chtig ein Auge auf den Boden der M?lltonne zu werfen. Er atmete die frische Morgenluft ein und erinnerte sich erregt an seine Umtriebe von gestern. Seine Frau begr??te ihn immer mit einem L?cheln und plagte ihn nicht mit Fragen. Maria war ihrem Aussehen nach um die f?nfzig Jahre alt. Anders als ihr Mann f?rbte sie sich die Haare nicht, sondern frisierte ihre klassischen grauen Haare zu einer stolzen, mit Haarlack bedeckten Haube. Ihr Gesicht strahlte Ruhe und Zuversicht aus, sie war ?berzeugt, dass ihr Ehemann der Beste auf der Welt war, der ihr ein angenehmes Dasein als Hausfrau und Mutter dreier Kinder geschenkt hatte. Vor dem Schlafengehen schickte Saweli ein paar witzige SMS mit Bildern von tanzenden Waschb?ren an Natalja und stellte sich vor, wie sie herzlich und laut lacht, dass es im halben Wohnheim zu h?ren ist. Mit diesen Gedanken schlief er vergn?gt ein. Sie aber hatte zu dieser Zeit gar nicht die Absicht, schlafen zu gehen. Sie hatte ihren Zeitplan endlich erstellt und beschloss, die Rufnummer des Escort-Service zu w?hlen. Der H?rer wurde von einer Frau abgehoben. Das M?dchen war etwas erstaunt. Nach einer kurzen Pause sagte sie: „Guten Abend! Ich hei?e Natalja. Ich rufe wegen der Arbeit an.“ „Ja, ja“, erwiderte die freundliche Stimme am anderen Ende der Leitung. Das entspannte sie ein bisschen. Sie erfuhr, dass die Auswahl der Kandidatinnen auf Basis eines Wettbewerbs stattfinde und die Firma reiche Kunden habe. Ihre Finger dr?ckten den H?rer immer fester, aufmerksam h?rte sie jedes Wort. Es gebe vielf?ltige Kunden und mehrere von ihnen seien Ausl?nder. Englischkenntnisse seien erforderlich. „Englischkenntnisse sind vorhanden“, antwortete Nata sicher. Das Basisniveau hatte sie ja schon. „Sehr gut. Warten Sie auf unseren R?ckruf.“ In Kiew herrschte Frost, trotzdem war das Wetter mehr widerlich als kalt. Kein Schnee, aber viel Eis auf dem trockenen, schmutzigen Asphalt. Bei solchem Wetter wollte man nur warme Socken anziehen und die Serie „Santa Barbara“ bis zum Ende anschauen, ohne einen Fu? vor die T?r zu setzen. Natalja hatte keine Lust, das Wohnheim zu verlassen, dazu noch in ihrer kurzen Daunenjacke, in der sie bis in die Knochen fror. Deshalb kniete sie sich ins ihr Studium. Es gab viel zu lernen und das M?dchen schaffte es nicht, alles rechtzeitig zu erledigen. Sie fragte einen Kommilitonen, der abends in der Bar arbeitete, warum bei ihm alles so rechtzeitig klappte, und fand heraus, dass viele Studenten Amphetamin nahmen. Das half ihnen, sich tagelang aufs Lernen zu konzentrieren, und vor allem beim schnellen Lesen. Erfreut beschloss sie, dieses Wundermittel auszuprobieren. Natalja hatte noch nie zuvor Drogen konsumiert, das war ihr erstes Mal. Es gefiel ihr sehr gut! In diesem Zustand verschwindet der Appetit, der Mensch denkt, liest und l?uft viel schneller. Sie entwickelte ein neues Lebenstempo. Parallel zum Studium schrieb sie jeden Tag hundert neue englische W?rter aus dem W?rterbuch heraus und bem?hte sich, sie alle im Ged?chtnis zu behalten. Endlich erhielt sie den lang ersehnten Anruf. Ein Mann rief sie an, sie vereinbarten ein Treffen. Natalja zog ein grellgr?nes Kleid aus feinem Stoff an, ?hnlich dem, aus welchem Leggins hergestellt. Das Kleid hatte einen R?ckenausschnitt bis zur Taille und war f?r kleines Geld in einer Marktschneiderei gen?ht worden. Einige Minuten zweifelte sie: „Das Kleid passt eindeutig nicht zu dieser Jahreszeit, daf?r ist es sehr sexy und grell. Nein, es ist genau das, was ich brauche!“ Sie zog ?ber das Kleid eine Bluse und die Daunenjacke an und ging hinaus. Sofort wurde sie vom bei?enden Frost gepackt. „Brrr! Oh, du Frost! Lass mich los!“ Ihr rosiger K?rper wurde bl?ulich, die Knie dunkel weinrot. Sie stieg in die warme U-Bahn, alle ihre Gedanken drehten sich um den „Traumjob“. Im Innersten war Natalja ruhig. Sie wusste, dass sie den Job ohne besondere Anstrengung und ohne Wettbewerb bekommen w?rde. Es war ja genau das, was sie konnte und mit Leib und Seele wollte. Sie glaubte immer daran, dass sich gutes Geld ausschlie?lich mit einer Arbeit verdienen lie?, die einem den richtigen Spa? machte. Sie verstand die Menschen nicht, die morgens g?hnend jammerten und sich aus dem warmen Bett zwangen, um zu einer Arbeit zu gehen, die sie hassten und verfluchten. Das war nicht richtig! Sie war sich dessen ganz sicher. Als sie zum Gespr?chstermin kam, sah sie einen kleinw?chsigen Mann mit einer Goldkette um den Hals und in einer Lederjacke. Sie hatte den Eindruck, dass seine Halsmuskeln gerade durch das Gewicht der Kette so gut entwickelt waren. Sein Blick war wie der eines Hundes. Es schien, als wollte er sie gleich beschnuppern. Aber nein. Sein Blick fiel auf den Nataljas Busen, der bl?ulich und mit G?nsehaut ?berzogen war, weil sie sich entschlossen hatte, ihn sogar bei Frost f?r den vollen Effekt zu entbl??en. Er betrachtete das vor K?lte blau angelaufene M?dchen wie eine Puppe im Schaufenster einer Boutique und presste beif?llig l?chelnd die schmalen bl?ulichen Lippen zusammen. F?r sich bemerkte er, dass die Kleine dem Aussehen nach wohl einen ?berschuss an Originalit?t mitbrachte. Natalja fiel ein Stein Herzen, sie f?hlte sich rundum wohl. „Artschik“, stellte sich der Mann vor und reichte ihr die Hand. „Natalja. Sehr erfreut“, erwiderte sie kokett und z?hneklappernd vor K?lte. „Ist Ihnen nicht kalt in diesem Outfit?“ „Es gibt niemanden, der mich w?rmen k?nnte!“ Der Mann lachte. „Ich sage kurz was zu den Arbeitsbedingungen. Sie k?nnen zu jeder Tageszeit angerufen werden, zwei Stunden vor Abfahrt. Dabei sind Sie immer frisch gewaschen und sch?n frisiert. Benutzen Sie bitte regelm??ig Parf?m. Vorerst werden Sie als Callgirl besch?ftigt. Sie haben zwei Monate, um sich zu profilieren und von der besten Seite zu zeigen. P?nktlichkeit ist sehr wichtig in unserer Arbeit. Die Kunden sind launisch und anspruchsvoll. Um Geld zu bitten ist verboten. Alkoholgenuss in begrenzten Mengen. M?nner wollen keine Frauen, die eine Fahne haben.“ „Mich wollen alle! Egal mit oder ohne Fahne!“ Er l?chelte ?bers ganze Gesicht. „Ich will die reichsten Kunden!“ Artschik war nicht erstaunt ?ber die Forderungen und Bestrebungen des M?dchens vom Land. Gerade solche Frauen brachten es meisten zu Erfolg. Sie gingen durch dick und d?nn in ihrem Streben nach Gl?ck. Und brachten dabei den Zuh?ltern gute Gewinne. „K?nnen wir uns vielleicht duzen? Ich bin doch nicht in einem Vorstellungsgespr?ch f?r eine Position als Bibliothekarin.“ „Hm, nat?rlich, einverstanden! Ab jetzt per du, Schnucki! Die n?chsten zwei Monate wirst du meistens Anrufe von Touristen und Bestellungen aus Saunas und Privath?usern bekommen. Danach sehen wir weiter. Alles h?ngt nat?rlich von dir ab. Eine Frage noch, Natalja: Was h?ltst du von Oralsex?“ „Finde ich toll!“ „Gruppensex?“ Nataljas Augen leuchteten auf. Es fiel ihr schwer, ?ber diese Themen ohne Erregung zu sprechen. „Nichts dagegen“, antwortete sie schwer atmend. Der Mann erkannte ihre Begeisterung und fuhr fort: „Mit Frauen?“ „Nur Frauen nicht so gern. Aber wenn wenigstens ein Schwanz mit im Spiel ist, auf den sich man ein paar Mal niedersetzen kann, passt das schon“, erkl?rte sie. „Mit Hunden?“ „Das habe ich noch nie probiert, denke aber, dass es eine interessante Erfahrung sein k?nnte. Wei?t du, welche Hunderasse den l?ngsten Penis hat?“ „Ich glaube, sie haben alle einen kurzen“, schmunzelte Artschik. „Dann besser mit Pferden. Wie Katharina die Gro?e“, scherzte Natalja, zwinkerte ihm zu und brach in Gel?chter aus. Es war nicht leicht, Artschik zum Lachen zu bringen, aber sie hat es geschafft. „Sie wird mein Brillant“, dachte er. Sein Glied begann anzuschwellen bei seinen lasterhaften Gedanken. „Dann will ich keine Zeit verlieren und das neue Pferdchen heute noch einreiten! Ich ficke diese nasse Fotze so, dass sie alle Pferde vergisst.“ Nat?rlich wusste Artschik, dass er seine M?glichkeiten leicht ?bertrieb, aber er war daran gew?hnt, dass die Frauen ihn mit Komplimenten ?bersch?tten. Mit ihm ins Bett gingen nur die Frauen, die Arbeit brauchten. Diese Lebenslage kam ihm sehr zupass und steigerte sein Selbstvertrauen. Pl?tzlich vibrierte das Handy in seiner Hand. „Ja, gut“, antwortete er. „Ich komme in 10 Minuten.“ „Entschuldige, Natalja, ich muss gehen. Ich habe noch einen Termin hier in der N?he. Wollen wir heute vielleicht zusammen zu Abend essen? Wir k?nnen die Fragen bez?glich Ihrer Honorars in einem der besten Restaurants der Stadt besprechen. Welche K?che bevorzugen Sie? Mediterran? Traditionell? „Bist du wieder per Sie mit mir?“ „Berufliche Gewohnheit. Entschuldigung.“ „Ich bin nicht w?hlerisch. Meistens esse ich W?rstchen. Ich brate sie selber!“ Er brach in Gel?chter aus… Er senkte den Kopf und bemerkte, dass sein eigenes W?rstchen aus der Hose ausbrach und gar nichts dagegen hatte, von einer geschickten K?chin gebraten zu werden. Sie teilten einander ihre Rufnummern mit und Natalja verschwand unauff?llig aus dem Geb?ude. Sie wusste, dass Prostitution in der Ukraine illegal war, und wollte nicht, dass man sie einmal zu oft in Gesellschaft verd?chtiger Personen sah. Zumal sah Artschik wie ein echter Zuh?lter aus. Natalja ging einige H?userblocks weit zu Fu? und ?berlegte sich, wie der heutige Abend zu gestalten sei. Sie hatte den heutigen Abend schon fr?her geplant, eigentlich hatte sie Saweli ein „Erdbeerabend“ versprochen und sollte sich auf langweilige Geschichten aus seiner Jugend einstellen, die sie ohnehin an sich vorbeiziehen lassen w?rde. Sie musste nur am Ende jeder Geschichte laut lachen und so tun, als ob er ein echter Eroberer von Frauenherzen gewesen w?re. Sie nahm die Rolle des sterbenden Schwans an, rief Saweli an und sagte mit heiserer Engelsstimme ihr Treffen ab. Als Grund gab sie an, sie habe die Grippe. Sie wusste, dass er Angst vor Mikroben hatte. Daf?r bereitete sie sich mit umso gr??erem Enthusiasmus auf das Treffen mit dem Helden ihres eigenen Erotikromans vor. Sie w?hlte ein rotes Kleid aus und beschloss, keine Unterw?sche anzuziehen. Den Schl?pfer w?rde sie heute doch kaum brauchen. Sie nahm ein duftendes Schaumbad. Entspannt im warmen Wasser liegend, rasierte sie sich vorsichtig die Beine. Sie f?hrte den Rasierer bis ganz oben und ber?hrte sanft die zarteste Stelle. Wei?e Schaumblasen liebkosten weich ihren Busen. Sie streichelte sich am Unterleib und versp?rte den unwiderstehlichen Wunsch, ihren K?rper abzulecken. Ihr Finger glitt nach unten und begann ?ber ihre seidige Muschi zu streichen. Sie drehte die Dusche auf und richtete den lauwarmen Wasserstrahl auf ihre rosigen Schamlippen. Sie schloss die Augen und stellte sich vor, wie ein dickes pralles Glied in ihre hei?e, hungrige Liebesh?hle eindrang. Ihr K?rper bebte, aber sie geriet nicht in Ekstase. Sie war allzu sehr mit der Vorbereitung auf den Abend besch?ftigt. Lebhafte Tr?ume von Geld lie?en ihr keine Ruhe. Sie hatte noch gar keine Ahnung, um welche Summe es gehen w?rde. Ein edles Restaurant direkt in der Mitte der Stadt empfing sie freundlich. Die Innenausstattung des pr?chtigen Lokals war im Stil von Picasso gestaltet. Ein angenehmer, ruhiger Ort. Ihre besondere Aufmerksamkeit erregte die Decke, an der eine vergr??erte Nachbildung des Gem?ldes „Schlafende Bauern“ angebracht war. Die Wahl des Restaurants erfreute sie. Sie interessierte sich schon lange f?r Kunst und die „verr?ckten“ Maler hatten es ihr meisten angetan. Sie kannte viele Bilder und deren Titel. Unbeirrt, grazi?s, mit einem milden L?cheln trat sie in den Saal und suchte nach dem Zuh?lter. Der Mann erwartete sie an einem Tisch ganz in der Ecke des Raums. Es schien, als ob er sich absichtlich vor den Menschen versteckte. Sie setzte sich mit einer herausfordernden Drehbewegung der H?fte. Ihre Augenlider waren halb geschlossen, die Lippen leicht gespitzt. Sie schaute ihm direkt in die Augen. „So eine Gaunerin! Das kannst du aber gut! W?rstchen f?r Mademoiselle?“, fragte Artschik scherzhaft mit einem Funkeln in den gl?henden ?ugelein. „Sp?ter… Es ist nicht eilig.“ W?hrend des Abends war Nata ganz auf der H?he. Sie erz?hlte dem beschr?nkten Zuh?lter von Kunst und bewunderte seinen feinen Geschmack bei der Auswahl des Restaurants. Er h?rte mit Vergn?gen die Komplimente. Besonders aus ihrem Mund klangen sie aufrichtig und irgendwie unschuldig. In Wirklichkeit mochte er in diesem Restaurant einzig und allein die Bratkartoffeln. Von der Schmiererei an der Decke h?rte er zum ersten Mal. Er h?tte nie gedacht, dass dieses Zeug so ber?hmt war. Aber er war ganz zufrieden mit der Reaktion seiner knusprigen Gespr?chspartnerin. „Ich kann ihr ewig zuh?ren“, dachte er, aber der Sinn ihrer Rede entging ihm. Er wandte kein Auge von ihren vollen Lippen. Das Luder a? mit Absicht langsam. Natalja verf?hrte ihn, aber mit jeder Minute wurde auch ihre eigene Erregung st?rker. Sie hielt es kaum noch aus und schlug impulsiv vor, sich gemeinsam zur?ckzuziehen. Ohne lange zu ?berlegen, verlangte er die Rechnung. Das hei?e P?rchen verlie? das Lokal und ging zum Taxistand. „Frei?“, fragte Artschik und ?ffnete die T?r. „F?r Sie immer frei!“, erwiderte der Taxifahrer und blickte mit Interesse auf Natalja. Der Zuh?lter war ihm anscheinend bekannt. „Zu den Zarenb?dern, bitte!“ Im Taxi war es warm und gem?tlich. Das M?dchen entspannte sich, legte den Kopf auf Artschiks Schulter und begann, sein angeschwollenes Glied mit den Fingern zu streicheln. Dabei steckte sie liebkosend ihre zarte Zunge in sein Ohr. Das Taxi hielt vor einem sch?nen Geb?ude. Natalja war so erregt, dass ihr Unterleib brannte. „Komm rein, S??e!“ Als sie das Zimmer betrat, wurde sie ?berrascht. Dort sa?en noch zwei M?nner. Etwas erstaunt begriff sie, dass dies eine Art Pr?fung ihres verschlagenen Zuh?lters war, und beschloss, hier und jetzt die Geldfrage zu besprechen. Artschik las die Frage in ihren Augen und erwiderte sofort, noch bevor sie es schaffte, den Mund aufzutun: „F?r Gruppensex zahlen wir gew?hnlich 300 Dollar, aber weil du neu und keine Professionelle bist, kriegst du 200.“ „Selbst schuld, wenn du immer noch meinst, dass es auf der Welt jemanden gibt, der professioneller ist als ich!“ „Du traust dir ganz sch?n viel zu! Du bist doch blo? eine einfache Hure! Nimmst du 200, dann zieh dich aus! Wenn nicht, hau ab!“ „Erst zeige ich euch, was guter Sex ist!“, sagte sie mit sicherer, sogar erhobener Stimme und zog sich aus. Die drei M?nner wechselten fliegend die Kondome und st?rzten sich auf Natalja, die wie in Agonie verfiel. Sie lutschte ihre Schw?nze und steckte sie sich in alle L?cher. So wohl wie jetzt hatte sie sich noch nie gef?hlt. Die M?nner sp?rten das und verdrehten die Augen vor Lust. Artschik hatte so was schon lange nicht mehr erlebt, schon gar nicht mit einer k?uflichen Frau, einer Nutte. Die Kurtisanen machten ihre Arbeit gew?hnlich halbherzig, nur f?r Geld. Aber sie! Der liebe Gott selbst hatte sie zu ihm geschickt! Die M?nner schrien in Ekstase: „Oh, Gott, Baby! Du bist megageil!“ Und Natascha ?berlegte sich w?hrenddessen, bei welcher Bank sie ihre erste Beute einzahlen sollte. Es war doch ein guter Batzen Geld! Zur damaligen Zeit war es ein ordentlicher Monatslohn f?r einen Arbeiter, vielleicht sogar zwei. Sie war sehr zufrieden mit ihrem Triumph und lutschte die Geschlechtsteile der M?nner, als ob es Gummib?rchen w?ren. Nach diesem Abend hatte die Sexbombe keine Geldprobleme mehr. Artschik schleppte seinen Brillanten ?berall mit wie eine Visitenkarte und ging auf alle Bedingungen ein, die sie bez?glich ihrer unregelm??igen Arbeitszeiten stellte. Irgendwo im Inneren war er sogar eifers?chtig auf sie wegen die Kunden, aber beruhigte sich damit, dass sie blo? eine einfache, billige Schnalle war wie alle Frauen auf der Welt. In seiner Welt gab es keine anderen Frauen. Nat?rlich verdarben diese Gedanken die Laune des Zuh?lters. Ihm wurde klar, dass dieses M?dchen einem Mann nie ganz geh?ren konnte. „Nimmersatte Bestie, getarnt als Kuscheltier! Ich hasse diese Schlampe!“ Natalja ihrerseits wurde verstimmt, wenn sie die P?rchen sah, die eng umschlungen in der Stadt herumspazierten, Eis a?en, die Eisreste mit den Zungen von den Gesichtern schleckten und ansteckend lachten. Sie konnte die Ursache dieser Verstimmung nicht in sich finden. Es war doch alles bestens und problemlos. Sie begriff dieses gemischte Gef?hl nicht, das sie nie vorher hatte. Scheinbar hatte sie doch den Weg zum Gl?ck gefunden! Was brauchte der Mensch ?berhaupt im Leben? Geld, Sex, Essen und Schlaf! Das alles hatte sie. Trotzdem machte sie etwas traurig, und zwar, dass sie weder Theater noch Kino oder Zirkus besuchte. Sie wollte einfach zu einem Date gehen. Kein bizarres, ausgekl?geltes, sondern ein gew?hnliches, echtes, menschlich fr?hliches. Aber nat?rlich nicht mit einem armen Studenten! Es fehlte ihr an Zeit f?r ein herzerw?rmendes Vergn?gen, und dazu kam noch Saweli, der sie mit seiner aufdringlichen Romantik nervte. Sie mochte keine Spinner, die glaubten, dass eine junge Frau sich tats?chlich in einen alten Mann verlieben konnte. Sie sah ihre Zukunft irgendwo auf den Kanarischen Inseln im warmen Atlantischen Ozean mit einem k?hlen Cocktail in der Hand und frischem Obst neben der Liege, mit einem millionenschweren Ehemann an ihrer Seite. Mit bezaubernden, vielversprechenden Pl?nen lie? sich der Anblick gl?cklich aussehender, sich k?ssender P?rchen leichter ertragen. Sie war sich sicher, dass ihr schlichtes Frauengl?ck noch vor ihr lag, und dieser Gedanke w?rmte ihre Seele. Schon im zweiten Studienjahr lag ein h?bsches S?mmchen Geld auf ihrem Bankkonto. Sie ging nicht ins Restaurant, kaufte ihre Kleidung in billigen L?den oder auf dem Markt. Sie a? sehr einfach und sparte an allem. Selbst eine Tasse Kaffee in ihrem Lieblingscafå g?nnte sie sich sehr selten. Ihre merkw?rdige Neigung, Vorr?te jeder Art anzulegen, wurde zur Gewohnheit. Im Schrank unter ihren Kleidern, die auf B?geln hingen, lagerten Graupen, Gries, Gr?tze und allerlei Konserven. Es schien, als ob sie sich auf den Ausbruch eines Krieges vorbereitete. Eines Tages, bei einem Auftrag, traf Natalja ihre erste Liebe, soweit sie zu diesem Gef?hl ?berhaupt f?hig war. Er war hochgewachsen und gemischter Herkunft, wobei der georgische Anteil ?berwog, was die Form seiner Nase vermuten lie?. Ansonsten war er ein ganz gew?hnlicher Mensch, fast wie ein Russe, aber mit kaukasischem Pfiff. Ihm geh?rten drei Privatbanken. Sein stolzes georgisches Profil, ein Anzug von Armani und Schuhe von Dolce & Gabbana verliehen ihm einen edlen Look. Ein paar Schl?ger begleiteten ihn ?berall hin und f?hrten alle seine Befehle aus. Das Herz der hei?en Braut schmolz beim Anblick dieses Prachtkerls mit einem Haufen Kohle. Dabei war er trotz aller obengenannten Vorteilen ein starker Mann. Er eroberte sie durch seine besondere ?berlegenheit und sein wildes, tierisches Wesen. Zum ersten Mal sp?rte sie eine fremde Macht ?ber sich und f?hlte sich wie eine zarte Blume in den starken Pranken eines Tieres. Er bat sie, sich nicht zu bewegen, die Arbeit zu vergessen und abzuschalten. Sie sollte das Ritual der Liebe genie?en. Er mochte es nicht, wenn die Frau wie eine Ziege sprang und versuchte, den Mann, der wie ein Klotz liegenblieb, zu befriedigen. Er wollte selbst der Frau Vergn?gen bereiten. Er rieb ihren K?rper mit unparf?miertem ?l ein, streichelte die prallen Br?ste mit den H?nden, f?hrte seine Finger in ihre Vagina ein, die voll von s??em Ausfluss war, und lie? sie dann sie seine H?nde ablecken. Sie wartete, z?hlte jede Sekunde, bis zu dem Moment, in dem der schwarze Teufel sein Glied in sie stie?. Aber er bevorzugte lange Vorspiele, besonders mit so einer hei?en Frau. Er sah, wie sie die Augen verdrehte und h?rte die Schreie, die ihren Orgasmus begleiteten, als er endlich in sie eindrang. Natalja bebte vor Lust, als er die angenehm riechende, ein wenig salzige Fl?ssigkeit ausstr?mte. Es war ihr etwas peinlich, aber gleichzeitig sehr wohl zumute. Fr?her hatte sie nie ein solches Vergn?gen erlebt. Neue Gef?hle ?berw?ltigten sie, trafen sie mitten ins Herz. Und es waren genau jene, auf die sie so sehnlich wartete – warme und echte. „Was ist das? Hab ich eingepisst?“, fragte sie sich mit Schrecken. Aber Schakro drang st?rmisch in sie ein, wieder und wieder. Wassertropfen flogen in alle Richtungen und so hoch, dass sie dann wie ein Platzregen nach unten fielen. Pl?tzlich fiel ihr auf, dass er ohne Kondom fickte. „Oh Gott!“ Das war gegen ihre Regeln und gegen die der Firma. Sie hatte keinen Sex ohne Kondom, nur mit Saweli. Erstens, weil sich kein Gummi auf seinen schlaffen Schwanz ziehen lie?, und zweitens, weil sie wusste, dass er noch eine Liebschaft kaum stemmen konnte. Seine Gesundheit h?tte es nicht erlaubt, das Herz war zu schwach. Schakro drehte sie in verschiedene Stellungen, packte kr?ftig ihren Po, wie eine s??e Wassermelone, und machte mit dem Schwanz schmatzende Ger?usche, als er ihn ihr nach warmem Sex riechendes Loch schob. Endlich scho? er sein Sperma direkt in ihr Gesicht und schrie: „Du geh?rst mir! Du h?rst auf zu arbeiten und ziehst in eine bewachte Mietwohnung ein!“ Natalja l?chelte m?de und gehorchte. Sie wollte mit ihm leben, wollte genau solch einen Traummann haben! Aber in diesem Moment konnte sie sich nicht vorstellen, auf was sie sich eingelassen hatte. Ein paar Tage sp?ter mietete er eine Wohnung in der Stadtmitte f?r sie und versorgte sie mit allem, was notwendig war. Und dieses Notwendige ?bertraf ihre k?hnsten Erwartungen um ein Vielfaches. Mit Tr?nen in den Augen und einer tragischen Note in der Stimme erz?hlte sie Saweli, dass sie sich entschieden hat, zu heiraten und Kinder zu bekommen. Das sei ein Gesetz Gottes und Ehen w?rden im Himmel geschlossen, betonte sie. Z?hneknirschend, aber mit edlem Gesichtsausdruck w?nschte er ihr viel Gl?ck. Das M?dchen zog aus dem Studentenwohnheim aus. Ihr neues, k?nigliches Leben begann. Die Freude ?berw?ltigte sie. Mit kindlicher Neugier erkundete sie jede Ecke der riesigen Wohnung. „Oh je! So eine schicke Bude!“, kr?hte das V?gelchen im goldenen K?fig. „Das reibe ich euch jetzt allen unter die Nase! Ihr neidischen Schlampen!“ Sie erstellte im Kopf eine Liste ihrer Feinde, die sie einladen w?rde. Eine riesengro?e Terrasse mit einem Sofa und lilafarbenen Sitzkissen, die K?che mit Bartresen, erst recht die Weingl?ser, die ?ber der Bar h?ngen, laden gleich dazu an, sich sinnlos zu betrinken. „Baby, mach eine Einzugsparty!“ Und an diesem sch?nen Abend tat sie das. Nach dem Anruf von Schakro, der sagte, dass sein M?dchen heute nicht auf ihn warten sollte, war sie sogar erfreut. „Geh du ruhig auf Gesch?ftsreise! Ich werde die Zeit ganz gut allein verbringen. Ich skype mit der Verwandtschaft, gebe mit meinen triumphalen Erfolgen an und trinke jede Menge Wein!“ Die Ver?nderungen in ihrem Leben heiterten sie auf. Sie stellte sich ein gl?ckliches Familienleben mit dem reichen Banker vor. „Mein Gott! Unfassbar, so ein Gl?ck! Endlich kann ich sagen, dass ich die Gl?cklichste von allen bin!“, schrie das M?dchen, h?pfte vor dem Spiegel auf und ab und schnitt Grimassen. Sie wusste noch nicht, dass es dem Hinterw?ldler v?llig fernlag, mit ihr zu leben. Sie passte ihm im Bett, es war bequem, diesen Vogel im geschlossenen K?fig zu haben. Er wollte st?ndig jede Menge Sex mit ihr, und darum sperrte er sie in ein paradiesisches Nest, das keinen Ausgang hatte. Er war nicht verr?ckt oder krank, er war einfach ein wildes Tier, das nur an sich selbst denkt. Diese Puppe war nichts als ein sch?nes Extra in seinem Terminkalender – dreimal in der Woche. Natalja wachte am Morgen mit schrecklichen Kopfschmerzen auf. Im K?hlschrank fand sie eine Dose Bier. Okay, das zuerst, der Kaffee konnte warten. Sie ?ffnete die kalte Dose, z?ndete sich eine Zigarette an und w?hlte die Nummer ihres Liebsten. „Hall?chen“, sagte sie und zog an der Zigarette. „Was, du rauchst schon so fr?h?“, erwiderte er irgendwie rau. „Na ja, wieso nicht? Bist du schlecht gelaunt, Schatz? Komm einfach schnell nach Hause, ich beruhige deine Nerven.“ „Ich bin ruhig. Schmei? die Zigaretten weg und mach was Vern?nftiges.“ „Wann kommst du?“ „Morgen oder ?bermorgen, kann's nicht genau sagen. Viel zu tun in der Stadt.“ „In welcher Stadt bist du?“ „In Kiew. Wo denn sonst?“ „Wie in Kiew? Ich habe gedacht, du bist auf Gesch?ftsreise, verdammt noch mal!“ „Schatzi, denk bitte nicht so viel. So wird es f?r alle einfacher.“ „Was?“ Komm sofort nach Hause! Ich muss mit dir reden!“ Biep… biep… biep… „Hallo? Hallo? So ein Schwein! Legt einfach auf! L?uft in aller Ruhe durch die Stadt! Ohne mich! Wo wohnt er ?berhaupt? Gute Frage! Warum bin ich nicht fr?her draufgekommen? Vielleicht ist er verheiratet? Hat einen Stall voll Kinder? Jede Menge Geliebte? Sitzen genauso weggesperrt wie ich, die Doofen. Was bin ich f?r eine Idiotin! Was habe ich mir alles eingebildet! Was soll ich denn jetzt Mama sagen? Und Saweli, Schei?e… Gut, ich rede mit ihm, wenn er kommt. Dann sehe ich weiter. Also, ich gehe jetzt zur Uni und gucke, was dort Interessantes los ist.“ Als sie abends nach Hause kam, sah sie Schakro auf dem Sofa liegen. Erfreut st?rzte sich Natalja auf ihn. Sie verga? f?r einen Moment ihre Unterhaltung am Morgen und machte Liebe. Ein Gef?hl der Gl?ckseligkeit durchstr?mte sie. Danach lagen sie m?de im Bett, tranken Sekt mit Erdbeeren und plauderten friedlich. Bei diesem Gespr?ch erfuhr sie, dass er gar nicht vorhatte, mit ihr zusammen zu leben. Er habe viel zu tun, seine Gewohnheiten seien solcher Art, dass er sie mit niemanden teilen k?nne. Und es sei nicht sein Stil, voreilige Entscheidungen zu treffen, die sein Leben beeinflussen k?nnen. Er bat das M?dchen, etwas abzuwarten, um einander besser kennenzulernen und sich aneinander zu gew?hnen. Er lie? sie hoffen, dass eine Familiengr?ndung in Zukunft m?glich w?re. Seine Worte ?ber die gro?e und reine Liebe klangen s??. Natalja war nicht begeistert von dieser L?sung der Familienfragen. Sie wollte ihren Geliebten ?berreden, so schnell wie m?glich in ein gemeinsames Nestchen umzuziehen. Aber er blieb unbeirrbar und fest in seinen ?berzeugungen. Die Sch?ne musste aufgeben und sich dem starken Geschlecht beugen. Er war schlie?lich der Mann ihrer Tr?ume! „Liebst du mich wirklich?“ „Wenn ich dich nicht lieben w?rde, w?re ich nicht hier.“ „Ich bin sehr gl?cklich mit dir und will von dir eine Tochter haben!“ In den n?chsten Monaten besuchte er sie dreimal in der Woche, brachte ihr Blumen und teure Geschenke mit. Aber ?ber Nacht blieb er selten, und das machte die junge Dame sehr traurig. Sie langweilte sich allein. Sie war doch eine junge Frau und wollte ihr Vergn?gen haben. Das ewige Warten machte das Leben unertr?glich. Er sagte nie, wann er kommen w?rde. Wenn sie nicht da war, wartete er einfach in der Wohnung auf sie und ermahnte sie, dass sie zu jeder Tageszeit zu Hause sein sollte, alleine nat?rlich. So konnte sie selbst nichts in ihrem Leben planen. Sogar eine gew?hnliche Party mit Freunden schien ihr unm?glich. Natalja beschloss, Artschik anzurufen. Sie wollte ein bisschen plaudern, erfahren, wie es in der „Welt der Unzucht“ so lief, sich ein wenig mit Geschichten ?ber die Huren, ihre perversen Kunden oder einfach Arschl?cher vergn?gen. Sie w?hlte. Ihr Anruf erfreute den Zuh?lter so sehr, dass er dem M?dchen vorschlug, nach der letzten Vorlesung vorbeizukommen. Gerne stimmte sie zu. „Ein bisschen Entspannung k?nnte ich gebrauchen“, dachte sie, befreite wei?e Locken von einem Gummiband, legte Haarb?schel auf die H?ften, legte eine Schulter frei und senkte ihren Blusen?rmel. Bei ihrem alten Bekannten angekommen, erz?hlte sie ihm von ihrem unertr?glich langweiligen Leben. Anfangs war es ihr erschienen, als ob alle Tr?ume in Erf?llung gegangen w?ren, aber aus irgendeinem unverst?ndlichen Grund war alles trotzdem nicht sch?n. In ihren Tr?umen sah alles ganz anders aus. Dabei konnte sie doch selbst gutes Geld selbst verdienen. Aber sie bildete sich ein, verliebt zu sein, und das nicht in irgendeinen Heini, sondern in einen Banker. Artschik h?rte ihr aufmerksam zu und strich ihr zart mit einer Hand ?bers Haar. Die andere steckte er ihr zwischen die Beine und sp?rte, wie ihr Slip feucht wurde. Das M?dchen atmete schnell und sprach immer langsamer. „Immer mit der Ruhe, Schatzi“, fl?sterte er z?rtlich. Er kannte alle Punkte an ihrem K?rper, bei denen sie die Beherrschung verlieren w?rde. Der Verf?hrer kannte diesen traumhaften K?rper wie seinen eigenen. Viele berauschende Stunden hatte er beim Studium seines Ideals verbracht und hielt den Launen der Sch?nen nicht stand. Er saugte sein Genusselixier aus ihr. Sie verschwand, nachdem sie endlich ihre Befriedigung gefunden hatte. Die Liebe ist das eine, der Sex zum Spa?, wie ihn jede Frau braucht, ist das andere. Man kann nicht jeden Tag sein Lieblingsgericht essen und es dann noch lecker finden. Das M?dchen gab seinem ehemaligen Zuh?lter einen Abschiedskuss und ging nach Hause. Artschik war begeistert von ihrem Treffen. Endlich kam sein Brillant zur?ck. Zur Feier seines Sieges schenkte er sich einen Whiskey ein und w?hlte Schakros Nummer. Er erz?hlte von dem unerwarteten Besuch seiner Geliebten, berief sich auf die m?nnliche Solidarit?t, enth?llte das wahre Gesicht der unverbesserlichen, hinterh?ltigen Huren, und fast unter Tr?nen schloss er seine Rede: „Keine Sorge, mein Freund, ich finde einen angemessenen Ersatz. Tausende Frauen tr?umen davon, ein Leben zu f?hren, wie du es f?r diese Nutte geschaffen hast!“ Schakro schwieg, schlicht und kalt, und sp?rte eine brennende Wut in sich wachsen. Noch niemand hat ihn je so erniedrigt! Seine m?nnliche W?rde war so stark getroffen, dass er dachte, er w?re in diesem Augenblick bereit zu t?ten. Als Artschik das Freizeichen h?rte, schrie er erschrocken: „Hallo? Hallo? Drecksack, bl?der! K?nnte wenigstens danke sagen f?r so eine wertvolle Info! Ich h?tte sie ihm verkaufen sollen! Aber gut! F?r die n?chste Nutte zahlt er mir das Dreifache! Arschloch!“ Eine Sekunde dachte er an Natalja. Dann straffte er seine Schultern und grinste wie ein fetter Kater. Er vermisste sie, au?erdem arbeitete sie besser als alle anderen. Sie verstand es, auch die schmutzigsten W?nsche der Kunden zu befriedigen. Die Hoffnung auf ihre R?cker erregte ihn. Er trat vor den Spiegel und holte sein halb angeschwolles Glied heraus. Er verzog das Gesicht, als wollte er Natalja nachahmen, wie sie noch vor zehn Minuten seine violette Eichel geschluckt hatte. Natalja ?ffnete die T?r ihres goldenen K?figs in bester Laune. Auf einem Bein h?pfend, zog sie ihre Schuhe aus. Sie h?rte ein Ger?usch. Ihr Liebster war zu Hause. Das freute sie sehr. Sie lief schnell in die K?che und erstarrte. Am Tisch sa? ihr Schatz mit blutunterlaufenen Augen. Im Nu sprang er vom Stuhl auf, war mit einem Satz neben Natalja und lie? seine Faust auf ihr Gesicht donnern. Sie st?rzte zu Boden und schluchzte krampfhaft. Schakro lie? nicht von ihr ab, sondern traktierte er sie mit Fu?tritten. Sie versuchte, ihr Gesicht mit den H?nden zu sch?tzen, und rief entsetzt um Hilfe. Die Fu?tritte hagelten wahllos, es gab keinen Schutz. Seine Schuhspitzen rissen ihr die Haut an den H?nden auf und drohten, ihr sch?nes Gesicht zu entstellen. Als er die offene Wunde an ihrer Schl?fe bemerkte, verlie? er hastig die Wohnung, befahl aber zuvor seiner Leibwache, einen Arzt zu holen, der sie untersuchen sollte, ohne Fragen zu stellen. Bald kam ein Arzt. Er war offensichtlich weder russischer noch ukrainischer Herkunft. Er untersuchte das Opfer und sagte verbittert: „Lieber Himmel! Warum tun die so was? So eine sch?ne junge Frau! Sie muss ins Krankenhaus“, wandte sich der g?tige alte Mann an die Leibwache. „Behandle sie hier!“ „Das w?rde ich ja gerne tun, aber es wird nicht klappen. Das M?dchen hat eine Blutung!“ „Wird sie sterben?“ „Im Falle eines starken Blutverlustes ist ein letaler Ausgang nicht ausgeschlossen.“ „Tu, was du kannst. Jetzt. Sorg daf?r, dass sie bis heute Abend ?berlebt, dann kommt sie in eine Privatklinik zu einem Doktor, der mit dem Boss gut bekannt ist.“ „Halt durch, Liebes. Ich gebe dir eine Spritze. Versuch zu schlafen.“ „Lassen Sie mich nicht allein! Ich bitte Sie!“, fl?sterte das M?dchen und packte den g?tigen Mann am Arm. „Das kann ich nicht. Entschuldigen Sie. Halten Sie durch. Bald bringt man Sie ins Krankenhaus.“ Er gab ihr die Spritze und verlie? die Wohnung, voll Bedauern und Mitleid. Sie lag in einer Blutlache am Boden und bewegte sich nicht. Ihr ganzes Leben lief vor ihren Augen ab. Sie schloss die Augen vor diesen bitteren Gedanken und aus Angst. Sie wollte das Blut nicht sehen, in dem sie, wie ihr schien, versank, w?hrend sie langsam auf der Treppe zum Himmel oder zur H?lle schritt. Nach einiger Zeit sp?rte sie, wie starke H?nde sie auf eine Trage legten. Alles war wie im Delirium. Infusionen, Spritzen. Das M?dchen wachte am Morgen mit heftigsten Schmerzen in den Schl?fen auf und ihr wurde ?bel. Es war h?llisch, nur dieser Vergleich passte zu der Realit?t, in der sie sich befand. Ihr K?rper war bedeckt mit blauen Flecken und offenen Wunden. Ihr Gesicht schien ein einziger blauer Fleck zu sein. Sie versuchte, sich aufzurichten. Mit M?he gelang es ihr. Wegen der Kan?len, die in ihren Armen steckten, konnte nicht aus dem Bett steigen. Sie riss sie heraus und stand auf. Ihr wurde schwindlig und sie sank auf den Fu?boden. Dann kroch sie zur T?r. Natalja wollte nur eins: nach Hause zu ihrer Mutter und den Verwandten und ein Glas frische Mich trinken. Den Milchgeruch sp?rte sie so deutlich, als ob die graue Aluminiumkanne mit Milch irgendwo hier in der N?he st?nde. Kniend zerrte sie an den T?rgriff. Vergebens, die T?r war von au?en abgeschlossen. Sie f?hlte sich wie ein H?ftling. Vor lauter Verzweiflung und Hilflosigkeit brach sie in Tr?nen aus. Vor der T?r h?rte sie Schritte. ?ngstlich wich sie von der T?r zur?ck, als ob ihr nichts weh t?te, und starrte panisch den sich bewegenden T?rgriff an. „Oh Gott!“ Das ist er!“ In einer Sekunde liefen die Ereignisse des gestrigen Abends vor ihren Augen ab. Die T?r ging auf. Ein Mann im wei?en Kittel kam mit l?chelndem Gesicht herein. „Sind Sie schon wach, Prinzessin?“ „Wer sind Sie?“ „Ich bin Ihr behandelnder Arzt. Mein Name ist Dmitri Iwanowitsch. Haben Sie keine Angst. Ich tue ihnen nichts B?ses.“ „Dann lassen Sie mich hier raus!“, schrie das M?dchen auf. Sie hatte die Wachen im Korridor bereits bemerkt. „Lassen Sie sich Zeit. Ich w?rde Ihnen empfehlen, in Ihrer Verfassung nirgendwo hinzugehen. Und stehen Sie bitte vom Fu?boden auf“, sagte der Arzt in beruhigendem Ton, als ob er ihr helfen wollte. „Nach der Operation d?rfen Sie dort nicht sitzen.“ „Nach was f?r einer Operation?“ „Leider haben Sie das Kind verloren. Es tut mir sehr leid.“ Ihre Augen wurden rund wie M?nzen. „Was? Haben Sie mir eine Abtreibung gemacht?“ „Ja, es tut mir sehr leid“, wiederholte der Arzt. „Sie wurden gestern in einem ?u?erst kritischen Zustand zu uns gebracht, nach dem Angriff einer Stra?enbande. Leider konnten wir das Kind nicht retten.“ „Wer hat mich angegriffen?“ „Rowdys. Sie haben Sie auch ausgeraubt.“ „Ah! Alles klar!“ Bastard!“, kam es aus dem Nataljas Mund. „Was haben Sie gesagt?“, fragte der Doktor verwirrt und beugte sich zu ihr, als ob er sie besser h?ren wollte. „Nicht wichtig! Alles in Ordnung!“ Das M?dchen verdeckte ihr Gesicht mit den H?nden und schluchzte. F?r einen Augenblick dachte sie, es w?re ein Traum. „Genau! Ich schlafe!“ Sie sch?ttelte den Kopf, um aufzuwachen. Aber nein, es war kein Traum… Vier Tage verbrachte Natalja hinter Schloss und Riegel. Erst dann kam sie langsam zu sich und begann, das Geschehe zu begreifen. Die Schuld an dieser verfluchten Liebe gab sie sich selbst. Wie hatte sie sich nur auf diese Schei?e einlassen k?nnen? Warum hatte sie sich in diesen sadistischen Kanaken verliebt? Aber w?hrend sie so mit sich ins Gericht ging, empfand sie doch etwas Mitleid mit ihm. Ganz sicher war es ihm sehr unangenehm zu erfahren, dass seine zuk?nftige Frau es mit einem Zuh?lter trieb, w?hrend er Geld verdiente, um ihre gemeinsame Zukunft zu sichern. Sehr unangenehm, beleidigend und erniedrigend. „Artschik, du Arschloch!“ Wie konnte er so etwas tun? Sie hatte ihm doch ein ganzes Verm?gen eingebracht! Was f?r eine Grausamkeit! Solche Typen hatten nicht Menschliches an sich! Weder Herz, noch Prinzipien! Was die Prinzipien anging, hatte sie selbst allerdings auch nichts vorzuweisen. Die Manieren des Schmetterlings waren alles andere als edel. Einige Tage vergingen. Man legte ihr Dokumente zum Unterschreiben vor. Es war das Protokoll ihrer angeblichen Aussagen ?ber den Raub?berfall einer Stra?engang, deren Mitglieder sie nicht hatte sehen k?nne, da alles nachts passiert und sie zu Tode erschrocken gewesen sei. Sie unterzeichnete die Unterlagen schweigend. Ihr war klar, dass sie sonst so lange weggesperrt bleiben w?rde, bis sie sich dem Willen ihres ehemaligen Lebensgef?hrten beugte. Der Untersuchungsrichter ging. Die T?r blieb offen. Natalja schaute in den Korridor und sah, dass die Schl?ger verschwunden waren. Das Gef?hl der Freiheit und die emotionale Spannung ?berw?ltigten sie. „Endlich! Ich bin frei! Hurra! Sie zog sich an und ging hinaus, schlich die ihr v?llig unbekannten Stra?e entlang. Sie wusste nicht, wo sie sich befand, hatte weder Geld noch ein Handy dabei. „Wo soll ich ?berhaupt hin? Zu Saweli darf ich nicht, er ist ja verheiratet! Was jetzt? Natalja begann vor Wut zu kochen. Unterwegs schimpfte sie laut schimpfte: „Hat mich ausgesetzt wie einen Hund, ohne meine Sachen und ohne U-Bahnticket! Mistkerl! Stinkiger Armenier-Arsch!“ Sie erreichte eine Bushaltestelle und sah ein Taxi. Sie setzte sich auf den R?cksitz und nannte die Adresse von Artschik. Gott sei Dank, er war zu Hause. Er bezahlte das Taxi und fragte erstaunt: „Mein Gott! Schatz, was ist passiert?“ „Halt die Fresse, du Schwuchtel! Du wei?t genau, was passiert ist!“, erwiderte Natalja mit gefletschten Z?hnen wie eine W?lfin. Sie konnte sich kaum davon zur?ckhalten, diesen Mistkerl zu bei?en. Er versicherte ihr, er h?tte bis gestern Abend nichts gewusst, dann h?tte Schakro ihn besucht, ihm gedroht und versucht, ihn zu verpr?geln. „Seine Schl?ger haben dich aufgesp?rt, Schatzi! Hast du etwa nicht gemerkt, dass sie dich beschatten? Sie haben jeden deiner Schritte verfolgt vom ersten Tag an, als du aus dem Wohnheim in den K?fig gezogen bist. Hast du nicht kapiert, dass jeder Atemzug von dir aufgezeichnet wird? Ich h?tte dir nie etwas B?ses getan“, sagte der Schuft liebevoll, „h?tte nie deinen kleinen zarten K?rper verraten.“ Er zog sie nah zu sich heran und k?sste auf die Stirn. Sie brach in Tr?nen aus und schmiegte sich an ihn, als ob er ihr n?chster Verwandter w?re. Durch die Tr?nen fragte sie: „Artschik, kann ich wieder bei dir anfangen?“ Diese Worte klangen f?r ihn wie himmlische Musik. Wie lange hat er darauf gewartet! Dem Himmel sei Dank! Er schob das M?dchen abrupt von sich und sagte: „Entschuldige, aber du kannst nicht mehr f?r mich arbeiten, schon gar nicht so, wie du jetzt aussiehst! Du hast ja zwei Schrammen im Gesicht. Ich habe einen Elite-Escort-Service, keinen Schlupfwinkel f?r verschrammte Idiotinnen, die Kaukasus-Affen gehen!“ „Wie kannst du so etwas sagen? Die sieht man doch kaum! Und ?berhaupt, wenn erst die F?den gezogen sind, merkt man gar nichts mehr davon.“ „Okay. Aber nur, weil du es bist. Eine Andere h?tte ich l?ngst rausgeschmissen. Ich wei? noch, wie du gearbeitet hast, und wenn du dich wieder ganz erholt hast, brichst du die alten Rekorde bestimmt noch. Aber bis dahin ziehe ich dir zehn Prozent vom Lohn ab. Die Kunden brauchen frisches Fleisch, kein aufgeschlitztes, halbtotes mit blauen Flecken!“ „Abgemacht! Einverstanden! Danke f?r alles, mein Schatz! Was h?tte ich blo? ohne dich gemacht? Mit meinem ramponierten K?rper! Bitte entschuldige, dass ich so schlecht von dir gedacht habe. Nat?rlich w?rdest du mich nie verraten! Ich wei?… Wer h?tte auch gedacht, dass Schakro alles so gr?ndlich geplant hatte! Lie? mich sogar beschatten! Paranoider Irrer!“ „Kein Problem, P?ppchen. Schon gut.“ „Artschik, ich kann nirgendwo hin. Kann ich bitte bei dir wohnen, bis ich das Problem mit der Wohnung gel?st habe?“ „Hmm.“ Es entstand eine Pause. Die Idee gefiel ihm offensichtlich nicht sehr. Ihn besuchten schlie?lich oft verschiedene Frauen. Die neuen M?dchen probierte er gleich zu Hause aus. Er betrachtete sie, tastete sie ab, um den richtigen Preis festzusetzen. Bei dieser Arbeit spielte das Aussehen nicht immer die wichtigste Rolle. Unter den M?dchen waren Models, die verschiedenste Sch?nheitswettbewerbe gewonnen, an Modenschauen teilgenommen und sogar das eine oder andere Magazin-Cover geschm?ckt hatten, und die doch keiner mehr als ein Mal v?geln wollte. Niemand brauchte diese steifen Holzkl?tze im Endeffekt, die Kunden klagten ?ber sie und verlangten Ersatz. Deswegen k?mmerte sich Artschik h?chstpers?nlich darum, f?r seine Ware den richtigen Preis festzulegen. Er suchte Brillanten wie die sch?ne Natalja. Aber leider gab es davon nicht viele auf dieser Erde. „Gut, du hast eine Woche, um eine neue Wohnung zu finden. Und ich ziehe von deinem Lohn 100 Dollar ab.“ „Du bist doch ein Arschloch“, sagte Natalja leise. „K?tzchen, bleib locker!“ „Fick mich, Artschik!“ „Du hast lange keinen Sex gehabt, oder?“ „Das letzte Mal mit dir.“ „Tanzt du, kleine Schlange?“ „Ich habe Angst, dass ich in diesem Zustand von der Stange in deinem Schlafzimmer falle. Ich bin noch nicht zu Kr?ften gekommen.“ „Machen wir ein Verkleidungsspiel?“ „Willst du mein Doktor sein? Oder der Sanit?ter?“ „Der Krankenpfleger, der dir die Wunden leckt? Ich leck dich ganz ab, Kleine!“ Der Sex heilte alle Wunden Nataljas. Artschik hatte ein besonderes Talent f?r den Cunnilingus. Man h?tte ihn mit einer Bulldogge oder einem anderen sabbernden Hund vergleichen k?nnen. Sie versank in seinen Liebkosungen und blieb. Die Zeit verging, das M?dchen erholte sich und verga? das Geschehene fast ganz. Sie studierte und arbeitete. Sie hatte mit verschiedenen Kunden zu tun, manche waren kompliziert und launisch: alte Perverslinge oder junge Sadomasochisten, die Vergn?gen an Peitschenhieben, an Hoden- und Peniseinschn?rungen oder am Erw?rgen hatten. Es schien, als ob Artschick Natalja absichtlich zu den Kunden dieser Art schickte, weil sie Narben im Gesicht hatte. Eines Tages kam sie zu einem Mann namens Slawik. Er arbeitete bei der Pr?sidialverwaltung. Natalja atmete erleichtert auf. Er sah zwar nicht sch?n aus, hatte aber ein ganz nettes Gesicht, nicht wie ein Perversling. Der dicke Familienvater fragte die Sch?ne nach ihrem Leben aus, warum sie sich gerade f?r diese Arbeit entschieden hatte, und erz?hlte ihr von vornehmeren M?glichkeiten, Geld zu verdienen. „Ein redseliger Kauz“, dachte sie, „aber ein sehr netter!“ Sie plauderte gerne mit ihm ?ber die verschiedensten Ideen und Unternehmungen. Irgendwann fragte er sie, ob sie nicht Lust h?tte, eine seiner Bekannten mit dem Namen Stella kennenzulernen. Sie sei ein au?ergew?hnliches M?dchen, eine zielbewusste Pers?nlichkeit, besitze eine Heiratsvermittlungsagentur in Kiew und studiere au?erdem an der Fakult?t f?r Fremdsprachen der Nationalen Linguistischen Universit?t Kiew. „So jung, und hat schon eine eigene Agentur?“ „Ja, sie ist ein ungew?hnliches M?dchen. Ich k?nnte euch zusammenbringen. Damit du dich nicht langweilst, ohne Freundinnen. Vielleicht macht ihr gemeinsam ein Gesch?ft auf und du kannst aufh?ren, als Callgirl zu arbeiten.“ Natalja mochte eigentlich keine weiblichen Wesen, schon gar nicht solche, die ihr irgendetwas voraushatten. Aber diese Frau erweckte ihr Interesse, weil sie Zugang zu ausl?ndischen M?nnern hatte. Also genau das, was Natalja sich so sehr w?nschte. Au?erdem organisierte Stella Eins?tze im Ausland, in verschiedenen Schweizer Klubs. Natalja schrieb sich die Telefonnummer auf. Sie wusste nicht, dass diese Nummer der einzigen Freundin geh?rte, die sie in ihrem ganzen Leben haben w?rde. Ohne lange zu ?berlegen, rief sie Stella am n?chsten Morgen an. Aber anscheinend war diese Dame st?ndig besch?ftigt. Sie verwies auf ihre hohe Arbeitsbelastung und machte einen Termin in einer Woche. An Stellas Stimme h?rte Natalja gleich, dass diese ein ganz gerissenes Luder war und dieser Termin nicht zuf?llig zustande kam. Einige Tage sp?ter, als sie gerade mit Saweli in einem Restaurant war, h?rte sie ihr Handy klingeln. Stella rief an. Natalja dachte zuerst, Stella rede Unsinn, als sie ihr eine Arbeit vorschlug, die mit ihrem derzeitigen Gewerbe nicht zu tun hatte. Es handelte sich um eine Arbeit, bei der es eher um Schauspielerei ging und f?r die ein ziemlich hohes Honorar vorgesehen war. Natalja stimmte dem Treffen am gleichen Abend gerne zu. Sie entschuldigte sich bei Saweli, der an Streiche seiner Geliebten schon gew?hnt war, und verabschiedete sich mit einem Winken. Stella war erf?llt von Lebenskraft und Emotionen. Sie strahlte eine unglaubliche Energie aus, war Flut, Sturm und Hagel gleichzeitig. Ihre Augen funkelten wie Sterne. Sie erz?hlte Natalja die ?beraus verlockende Geschichte, wie sie in der Heiratsvermittlungsagentur die Ausl?nder ausnahm. Der Kern der Sache bestand darin, dass ein Ausl?nder, der potenzielle Br?utigam, auf der Suche nach einer Frau auf die Webseite von Stellas Agentur ging. Anschlie?end schrieb er Briefe zu verschiedenen Themen: Kennenlernen, Treffen, gemeinsame Freizeit, Hochzeit usw. Ein Brief an das von ihm ausgew?hlte M?dchen kostete zwanzig Dollar. Die Agentur erhielt die Briefe, ?bersetzte sie ins Russische oder Ukrainische und leitete sie weiter an die Auserw?hlte. Das M?dchen konnte in ihrer Muttersprache antworten. Diese Antwort wurde dann ?bersetzt und an den Auftraggeber, den Br?utigam geschickt. Die meisten Einwohner der Ukraine beherrschten keine Fremdsprache. Dieser Umstand erm?glichte es der Agentur, im Gesch?ft zu bleiben und Steuern zu zahlen. So konnte schon allein der Briefwechsel mehrere Tausend Dollar Gewinn bringen, bis der Mann die Entscheidung traf, das M?dchen pers?nlich kennenzulernen und zu diesem Zweck in die ukrainische Hauptstadt kam. „Was f?r ein Bl?dsinn! Du hast ein B?ro im Stadtzentrum, am Chreschtschatyk. Kann man mit den Briefen denn so viel Kohle verdienen?“ „H?r nur weiter zu! Fragen kannst du hinterher stellen.“ „Okay.“ Der Kern des Gesch?fts beruhte keineswegs auf den Briefen. Mit diesen kamen Blumen und Geschenke f?r die M?dchen – verschiedene Kosmetiksets und Accessoires aller Art. Diese sch?nen, teuren Sachen wurden in Gesch?ften gemietet, nur zu dem Zweck, das M?dchen mit dem Geschenk in der Hand bei einem Luftkuss zu fotografieren, um dem Mann zu best?tigen, was sie sich von seinem Geld gekauft hat. Danach nahm der Verk?ufer s?mtliche Fotorequisiten zur?ck und erhielt seine Belohnung. Die Ausl?nder ?berwiesen das Geld auf das Konto der Firma und bekamen gl?nzende Fotos der gl?cklichen Sch?nheiten mit Blumen und Geschenken. Nat?rlich bedankten sie sich beim jeweiligen Br?utigam mit einem Brief, der auf seine Kosten verschickt wurde. So bekam der Mann seine Portion Komplimente im Stil von: „Oh Gott! Was f?r ein Mann!“ Aber Natalja ?berraschten die Storys, die diesen Ausl?ndern in der Ukraine passierten. Bei ihrem Aufenthalt in Kiew erwarteten sie die unglaublichsten Abenteuer und zahlreiche unvorhergesehene Situationen, die Natalja den Atem verschlugen. Zum Beispiel erfuhr der Ausl?nder gleich am Flughafen, dass das M?dchen, dem er das ganze Jahr ?ber Briefe geschrieben hatte und das er nun heiraten wollte, aus einer ehrbaren, kirchentreuen Familie stammte, womit er nat?rlich nicht gerechnet hatte. Natalja schmunzelte. „Da m?sste ich nichts vort?uschen, ich komme tats?chlich aus so einer Familie.“ „Und gehst anschaffen“, stichelte Stella, die eine scharfe Zunge hatte. „Und du siehst aus wie eine, die sich ganz ehrbar flachlegen l?sst, oder?“ „Mein Rollenfach ist die gew?hnliche Gaunerin, keine Nutte.“ „Ich habe jetzt von dir geredet, nicht von deiner Show.“ „Ich rede ausschlie?lich von der Arbeit. Ich habe nicht vor, ?ber mein Privatleben sprechen, schon gar nicht mit dir.“ W?hrend Stella die Stirn runzelte, zeigte ihr Natalja ihr rosiges Z?ngchen. Sie brachen in Gel?chter aus. In diesem Augenblick schlossen sie Frieden. Man k?nnte sogar sagen, dass hier die Beziehung der beiden frischgebackenen Freundinnen entstand. „Und jetzt erz?hl weiter. Was passiert dann? Raus damit!“ „Also, der Ausl?nder wird von der ganzen Familie empfangen. Der Vater in Popenkutte, Mutter mit Kopftuch und die Tochter als potentielle Braut.“ Manchmal spielte Stella selbst die Rolle der Tochter und der Braut. Wenn nun der Br?utigam einem anderen Glauben angeh?rte und zum Beispiel Katholik, Protestant oder Jude war, forderten die Eltern der Braut nachdr?cklich, dass der Br?utigam seinen Glauben ablegte und ein orthodoxer Christ w?rde. Die potenziellen Ehegatten erwarteten diese Wendung nat?rlich nicht. Sie reagierten geschockt und ratlos. Aber wenn man schon da war, was wollte man da machen, es musste eben sein. Besonders, wenn die Braut h?bsch und jung war. Was tat man nicht alles f?r so ein nettes Kind. Die Br?utigame selbst waren meistens 50 oder ?lter. Mit ihnen gab es wenig Probleme. Die Alten stimmten allem zu, glaubten an M?rchen und die wahre Liebe. Aufgedunsene Kindersch?nder, Geschiedene oder einfach in ihrer Heimat ausrangierte, gewissenlose alte Arschl?cher. Sie nutzten die schwierige Situation im Land aus und kamen, um sch?ne zwanzigj?hrige M?dchen zu heiraten. Nach dem Empfang im Flughafen lief eine ganze Theaterauff?hrung ab. Stella mietete ein Haus, das das Haus der Eltern darstellen sollte und f?r die Unterbringung des Br?utigams w?hrend seines Aufenthalts vorgesehen war. Es lag weit au?erhalb der Stadt, neben einem vergessenen, verfallenen Kirchlein, in dem die armen Ausl?nder den Glauben wechseln mussten, weil die Eltern auf einer kirchlichen Trauung vor der standesamtlichen bestanden. Um diesen Wunsch der Familie nach religi?ser Einigkeit wurde nicht gestritten. Schlie?lich waren Forderungen dieser Art im Lauf der Kirchengeschichte keine Ausnahme. Die Firma besorgte dem Br?utigam einen Dolmetscher und, wenn er wollte, einen Leibw?chter – gegen angemessene Bezahlung. Auch sie waren Schauspieler und Betr?ger. Alle Teilnehmer der Auff?hrung begaben sich ins Dorf, um die Hochzeit zu feiern. Zuerst ?berreichte der Vater seinem angehenden Schwiegersohn ein Gebetbuch auf Englisch oder gegebenenfalls in einer anderen Sprache. Der musste es durchlesen und mit aller Ernsthaftigkeit zum Kern der Sache vorsto?en. Das Beten dauerte ein paar Tagen und alle kirchlichen Regeln wurden eingehalten. Bald verging dem Br?utigam alle Freude. Schlafen musste er ja auch allein und zuvor noch im Gebet versinken. Es war au?erdem streng verboten, die Braut vor der Hochzeit zu ber?hren. Dabei tr?umte von nichts anderem als davon, die prallen Titten anzufassen. Der Teufel sollte sie holen, diese verdammten Fr?mmler! H?tte er das vorher gewusst, h?tte er eine andere ausgew?hlt. „So ein Reinfall!“, fluchte der Ausl?nder beim Abendgebet und sein Doppelkinn wabbelte wie S?lze. Dabei wusste der arme Kerl noch gar nicht, dass die ?berraschungen in der Ukraine f?r ihn gerade erst begonnen hatten. Nach der erfolgreichen Konversion fingen die Hochzeitvorbereitungen an. Einladungen wurden an arme Verwandten der Braut geschickt, von denen viele keine M?glichkeit hatten, Flugtickets zu kaufen, um bei der langersehnten Feier dabei zu sein. Das Geld f?r die Tickets musste nat?rlich das junge Paar schicken. Das Kleid und das Festessen f?r hundert Personen, dazu eine Limousine, waren ebenfalls zu bezahlen, achtzig Prozent des Preises sofort als Vorschuss. Die Geldangelegenheiten erledigte die Agentur. Sie hob die erforderlichen Summen vom Bankkonto des Ausl?nders gegen Unterschrift ab. In puncto Geld vertrauten die Ausl?nder der Agentur mehr als den zuk?nftigen Verwandten. Sie dachten, diese seien als Gottesdiener zu weit von weltlichen Sorgen entfernt. Und so kam der Tag der Hochzeit. Der Brillantring am Finger. Der Br?utigam mit dem Spitznamen „S?lze“ hat sich Viagra besorgt, um die ganze Nacht fit zu sein und der jungen Frau zu beweisen, dass er noch ein ganzer Kerl war. Ein altes Sprichwort lautet: „Mit einem alten Hund hat man sicherste Jagd!“ Wenn er seine Tabletten bekommt, wird er schon wenigstens ein Mal im Monat seine Gattenpflicht erf?llen k?nnen. Natalja sa? da wie versteinert, auch wenn sie nicht wusste, warum, und h?rte der lebhaften Stella zu. Ihr fiel auf, wie diese das Wort „Gattenpflicht“ aussprach und dabei das Gesicht verzogt und die Nase r?mpfte! Es war ihr klar, dass Stella die alten Idioten ohne weiteres bestrafte, und das von ganzem Herzen und mit Eifer. „Warum sprichst du ?ber dich in der dritten Person?“ „Ich versuche, dir ein Bild der Situation zu vermitteln, und so geht es einfacher.“ „Bisher gef?llt mir das alles schon sehr!“ „Also. Die Hochzeit ist jetzt f?r morgen angesetzt“, setzte Stella ihre unglaubliche Erz?hlung fort. „Aber es kommt anders! Es stirbt die Mutter der Braut, oder der Vater, die Schwester, der Bruder. Egal wer. Kommt bei einem Autounfall um oder ertrinkt, stirbt bei einem Brand, es spielt keine Rolle. Trauer! Hochzeit wird abgesagt! Welch ein Kummer! Und zu so einem Zeitpunkt kann doch kein Br?utigam seine Braut im Stich lassen. Da muss man sich um die Beerdigung k?mmern, was denn sonst! Die Beerdigung geht auch auf Kosten des Br?utigams, dieses Mal mit Tr?nen in den Augen aller Verwandten, mit der Bitte, ihnen Geld zu borgen, und Versprechungen wie: ‚Wir schw?ren, ein P?ckchen mit B?ndeln voller Geld aus Wladiwostok an Ihre Adresse zu schicken. Ganz bestimmt, irgendwann‘. Der Ausl?nder stellt gew?hnlich die Bedingung an die Agentur, dass die Hochzeit unbedingt gleich nach dem Begr?bnis stattzufinden hat, weil er wieder zur Arbeit muss. Die Firma stellt ihm ein Dokument aus, in dem seine Forderung vereinbart und niedergeschrieben wird. Er beruhigt sich und besch?ftigt sich mit dem Begr?bnis. ‚Was habe ich mir da nur eingebrockt!‘, denkt S?lze und wei? nicht, dass er noch nicht alle Geschenke im Rahmen dieses ukrainischen Spektakels bekommen hat. W?hrenddessen werden im Theater die Leidenschaften angefacht. Stella bestellt einen Sarg. Gew?hnlich ist er geschlossen. Das wird damit erkl?rt, dass die Leiche verst?mmelt und die zerfetzten Fleischst?cke nicht sch?n anzuschauen w?ren. Bei diesen Worten gefriert S?lze das Blut in den Adern. Er ist ?beraus froh, dass der Sarg geschlossen ist.“ So war es m?glich, eine Kiste mit oder noch besser ohne Ziegelsteine zu begraben, denn die Dorfalkis, die die Verwandten der Braut aus Nowosibirsk oder Wladiwostok spielten, die auf Kosten des Br?utigams zur Hochzeit gekommen waren, hatten in der Regel nicht genug Kraft, um einen Sarg mit Ziegelsteinen hochzuheben. Das h?tte die tadellos durchdachte Auff?hrung der talentierten Regisseurin vollkommen ruinieren k?nnen! Wowan, der Friedhofsw?chter, hielt immer ein Erdloch f?r das Begr?bnis parat. Daf?r bekam er ein Honorar, das aus drei Kisten Schnaps f?r ihn und ein paar T?ten S??igkeiten f?r seine Kinder bestand. Und Blumen f?r seine Frau konnte er, sobald die Zeremonie vorbei war, ganz nach Geschmack ausw?hlen, bitte sehr! Frische Blumen! Er hatte ?berhaupt nichts dagegen, eines guten Menschen zu gedenken. Nur die angeheuerten Klageweiber nervten ihn. Sie brachten den sensiblen, besoffenen Wowan jedes Mal fast zum Herzinfarkt. „Ja, ich wei? doch, dass ihr Betr?gerinnen seid! Abzockerinnen! Und dass der Sarg leer ist! Die Weiber heulen aber so bitterlich zur Musik, dass mir selber ohne Ende die Tr?nen kommen! Ich versteh gar nicht, warum. Ich bin wohl zu empfindlich geworden auf meine alten Tage. „Du solltest nicht so viel trinken, Onkel Wowa!“, lachte Stella. „Wie nicht so viel trinken? Ihr macht doch hier die ?ppigen Gelage! Die Tische sind ?bervoll. T?chterchen, bitte! Lad diese unertr?glichen alten Weiber nicht mehr ein“, flehte Wowan sie an. „F?r eine Kiste Wodka heule ich dir selber wie ein Wolf, zwei Stunden am St?ck, wenn es sein muss! Schau, euer Amerikaner, der vorige Br?utigam, hat lauthals geweint. Ihr habt sogar diesen zwei Meter hohen Kampfstier fertiggemacht!“ „Hahaha! Geh nach Hause, du bist schon ganz blau! Laberst Unsinn! Deck morgen das Erdloch ab, dass es niemand sieht.“ „Wer soll das sehen? Das ganze Dorf feiert morgen bei eurem Begr?bnis! Sie wachen erst n?chste Woche wieder auf.“ „Hahaha!“, lachte Natalja. Sie h?rte Stella gespannt zu. Sie sah in ihr einen starken Menschen, der vor nichts Angst hatte und k?mpferisch durchs Leben ging. Sie verdiente ihr Geld als Gaunerin und nicht als Nutte. Sie hatte keine ausgepr?gte Sexualit?t. Die spitze Habichtsnase bezeugte ihren unersch?tterlichen Charakter. Helles Haar, direkter Blick, sch?ne gro?e, braune Augen und ein schlanker K?rper. Unwillk?rlich dachte Natalja: „Was findet er an ihr, dieser Slawik aus der Pr?sidentenadministration? Er sprach von ihr mit so viel Begeisterung und Respekt.“ Die beiden M?dchen sa?en sich gegen?ber und begriffen, dass sie sich gegenseitig erg?nzen k?nnten. In ihrem Inneren erkannten sie, dass dies eine schicksalhafte Begegnung f?r sie beide war. Sie waren absolut unterschiedliche und doch vollkommen gleich eiskalte Luder. „Und was passiert dem Ausl?nder als n?chstes?“, fragte Natalja. Sie brannte darauf, auch den Rest zu h?ren. „Nach der Beerdigung gehen alle zum Br?utigam schlafen. Nachts kommt eine Prostituierte, angeblich um mit ihm zu reden, und verf?hrt ihn im Schlafzimmer. Die Nutte spielt, sagen wir mal, die Rolle einer unverheirateten Cousine der Braut. Laut Textbuch versucht sie bereits beim Begr?bnis, mit S?lze zu flirten. Bei ihren ?ppigen Kurven schmilzt er dahin. Sp?ter am Abend kommt die Braut pl?tzlich herein, um ihrem Geliebten gute Nacht zu sagen und ertappt ihn mit der nackten Cousine. Der treulose M?chtegern-Ehemann bekommt seine wohlverdiente Ohrfeige. Allerdings darf man sie nicht zu fest schlagen. Die Armen haben schon genug Angst vor den unsrigen. Der Br?utigam darf uns nicht ins Gras bei?en. Gott bewahre, dann m?ssten wir doch noch einen echten Toten begraben! Im Endeffekt ist die Braut geschockt, hat einen Nervenzusammenbruch. In diesem Fall braucht sie dann von ihm unbedingt noch eine Kurreise nach Truskawez, f?r mindestens drei Wochen. Um die Nerven ein wenig zu regenerieren.“ Natalja hielt sich den Bauch vor Lachen. „Du, Stella, nicht einmal die vom Bolschoi-Theater machen dir Konkurrenz!“ „Ich bin keine talentierte Schauspielerin, ich bin Dramaturgin… In solchen F?llen ist die Agentur nicht verpflichtet, dem Br?utigam sein Geld zu erstatten. Der Typ wird zum Flughafen begleitet und muss ledig nach Hause fliegen. Nat?rlich ist er emp?rt und droht der Agenturdirektorin, sie zu verklagen. ‚Verfluchte Deppen! Warum habt ihr mir nicht gesagt, dass sie aus einer Idiotenfamilie stammt?‘ ‚Sie wollten ein M?dchen aus einer anst?ndigen Nichttrinkerfamilie kennenlernen! Entsprachen die Gottesdiener etwa nicht Ihren Anforderungen?‘ ‚Mal haben sie Feier, mal ein Begr?bnis! Wof?r habe ich eigentlich bezahlt? Und was jetzt?‘ ‚Laut Aussage der Verwandten, haben Sie Ihre Auswahl zugunsten der Cousine der Braut ge?ndert. Die Braut musste einen Psychiater aufsuchen. Sie haben ihr ein schweres seelisches Trauma zugef?gt. Die Genesung wird lange dauern. Seien Sie froh, dass sie mit Ihnen nichts zu tun haben will und sie nicht vor Gericht verklagt hat, wie es die Verwandten der vor dem Altar verlassenen M?rtyrerin ohne Zweifel w?nschen.‘ ‚Was sagen Sie? M?rtyrerin? Ich habe dieser frommen Schlampe und ihren bettelarmen Verwandten Kleidung und Schuhe gekauft! Einige von ihnen betteln mich jeden Morgen um Geld an!‘ ‚Diese verdammten hirnlosen Dorfalkis! Die kriegen auch nie genug!‘, dachte die Agenturdirektorin, sagte aber kein Wort. ‚Es tut mir sehr leid, aber Ihre Schuld ist offensichtlich, deshalb steht Ihnen keine R?ckzahlung zu. Apropos: Sie k?nnen den Kontakt zu der nackten Person, die in Ihrem Zimmer angetroffen wurde, weiter pflegen. Wir bieten Ihnen die Dienstleistungen unserer Agentur auch zu diesem Zweck an.‘ ‚Oh no! Thanks! Ich habe die Nase voll von Ihren anst?ndigen Prostituierten! Sie ist schnurstracks nackt in mein Schlafzimmer gekommen! Gottesl?sterin!‘ ‚Augenzeugen berichten, Sie w?ren gar nicht abgeneigt gewesen, diese Gottesl?sterin in Ihrem Schlafzimmer zu sehen, eher im Gegenteil… hm. Sie h?tten sie ja aus Ihrem Schlafzimmer werfen und sich bei Hochw?rden ?ber das verirrte Schaf beschweren k?nnen. Der h?tte sie ordentlich verpr?gelt.‘ ‚Solche Sch?fchen wirft man nicht aus dem Schlafzimmer!‘, l?chelt S?lze ?ber das ganze Gesicht voll k?nstlicher Z?hne, als in seinem Ged?chtnis jene verh?ngnisvolle Nacht aufscheint, die seine einzige angenehme Erinnerung an diese Reise auf der Suche nach reiner Liebe darstellt. ‚Da Sie selbst zugeben, dass Sie der Unzucht und der Untreue schuldig sind, k?nnen Sie keinerlei Anspr?che gegen?ber unserer Agentur erheben. Au?erdem wurden alle diese Punkte vertraglich vereinbart und von Ihnen pers?nlich unterzeichnet. Nicht wahr?‘ ‚Ich wei? nicht mehr, was da stand. Sobald ich in den USA lande, zeige ich Ihre Dokumente meinem Rechtsanwalt!‘ ‚Gut, Mister Cloud. Ich w?nsche ihnen einen angenehmen Flug. ‘Auf Wiederh?ren.‘“ „Ihr seid wirklich unglaublich!“, schrie Natalja. „Es war echt super! Als ob ich mit dir einen Krimi geschaut h?tte! Einfach toll!“ „Und das war nur einer von mehreren F?llen. Die Auff?hrungen sind immer unterschiedlich, werden f?r jedes einzelne Opfer extra entwickelt. Wir untersuchen Gewohnheiten, Horoskop, Hobbys und Charakter im Laufe seines Briefwechsels mit der Braut.“ „Du bist eine wahre Psychologin, verdammt! Bravo!“ „Danke.“ Stella l?chelte nett. Aufmerksam betrachtete sie die ideale Kandidatin f?r ihren n?chsten genialen Plan, die ihr gerade gegen?bersa?. Stella war eine gute Menschenkennerin, deswegen weihte sie Natalja in ihre hinterh?ltigen Spiele ein. Es fehlte ihr eine kluge professionelle Nutte an ihrer Seite. Lange hatte sie eine berechnende Nymphomanin gesucht, denn diese sind sehr selten anzutreffen. M?dchen, die der Prostitution nachgehen, zeichen sich oft nicht durch Intelligenz aus. Mit einer wie Natalja dagegen lie? sich jede Sache flott und raffiniert deichseln. F?r den vollen Erfolg fehlte Stella die erforderliche Hemmungslosigkeit in Beziehungen mit M?nnern. Im Unterschied zu Natalja hatte sie keine Aff?ren. Vielleicht wollte sie tief im Innersten welche haben, aber die M?nner reagierten anders auf sie. Sie verwickelten Stella in l?ngere Liebesbeziehungen, die zur Familiengr?ndung f?hren sollten. Stella brauchte genau diese Art von Partnerin, keine ordin?re Stra?enschlampe. Sie erkannte in Natalja sofort jene Z?ge, die M?nner anlockten, und die sie selbst nicht hatte. Stella war von der Krim zum Studium nach Kiew gekommen, genau wie Natalja. Zuerst wohnte sie in einem Studentenwohnheim, sp?ter zog sie zusammen mit ihrer Freundin aus dem Kinderheim Olja in eine Mietwohnung. Gemeinsam betrieben sie dubiose Gesch?fte. In Stellas Umgebung waren immer viele Jungen, aber die betrachteten sie eher als Kumpel oder Kameraden. Sie war eine freche G?re. Die Jungen hatten Respekt vor ihr und h?rten auf ihre Meinung wie auf eine F?hrungsperson. Sie hielt Wort wie ein Junge und folgte harten, gerechten Lebensgrunds?tzen, sowohl in der Freundschaft als auch in der Liebe. Deshalb konnte sie nicht viele ihrer eigenen Schranken ?bertreten, die das Leben und erst recht das ?berleben eigentlich nur komplizierter machten. Natalja zum Beispiel war sich sicher, dass jeder Mann auf dem Weg durch das Bett zu kriegen ist. Stella dagegen benutzte andere Tricks, um hochwertige M?nner in die Finger zu bekommen. Sie dr?ckte sich klar und redegewandt aus, schaute den M?nnern direkt in die Augen, sagte in einfachen, gut verst?ndlichen S?tzen, was sie brauchte und wie sie sich ihr Ideal vorstellte. Die M?nner verfingen sich leicht in ihrem Netz, wie unter Hypnose. Sie sahen in ihr eine Seelenverwandte, die unkompliziert und ungezwungen war. Sie erf?llten alle ihre W?nsche, trugen sie auf H?nden. Dieses M?dchen besa? eine unglaubliche Macht ?ber M?nner. Viele von ihnen litten nach der Trennung mit ihr so schwer, dass sie jahrelang keinen Ersatz finden konnten. Bald wurde aus Freundschaft und gemeinsamem Gesch?ft ein Duell zweier heimt?ckischer Pers?nlichkeiten. Natalja beneidete Stella darum, dass die M?nner sie fast wie eine K?nigin behandelten. Sie dagegen wollten alle gleich flachlegen. Von Eifersucht und Neid erf?llt, versuchte sie, alle M?nner in Stellas Umfeld durchzuficken, als ob sie der Freundin ihre ?berlegenheit beweisen wollte. Stella ?rgerte sich nat?rlich, zeigte es aber nicht, sondern blieb kalt und beobachtete schweigend die Geschehnisse. „Ein Mann, der den Reizen dieser Schnalle nicht standhalten kann, ist bestimmt nicht mein Mann“, redete sich Stella ein. Ihre Lebenseinstellung war idealistisch und ihr Mann sollte treu und w?rdig sein. Wenn nicht, wollte sie lieber alleine bleiben. Besser allein, als mit dem n?chsten Besten zusammen sein. Es w?re unertr?glich, jeden Augenblick nur den einen Gedanken im Kopf zu haben: „Hat mein lieber Ehemann vielleicht irgendwo unterwegs eine sexgierige Nymphomanin getroffen, die mein Familienidyll zur H?lle machen wird? Einen Ehebruch k?nnte ich einfach nicht verzeihen, niemandem, niemals. Aber meinen Mann beschatten will ich auch nicht. Das ist sch?big, das machen nur Feiglinge.“ Nat?rlich verbarg Stella, dass Nataljas Verhalten sie kr?nkte, und ?u?erte keine Anspr?che an Natalja. Sie wusste, dass diese nur darauf wartete, dass sie aufgab, w?tend wurde und ihr alles ins Gesicht sagte. Stella wollte Natalja blamieren. Daf?r war sie bereit, alles zu tun, sogar zuzugeben, dass sie einem Vergleich mit Freundin nicht standhalten w?rde. Sie war der Meinung, dass nur ein starker Mensch seine Schw?che zugeben kann. Einmal versuchte sie, Kleider mit gr??erem Ausschnitt zu tragen, obwohl sie sich darin unwohl f?hlte. Doch ihr Charakter setzte sich durch. Stella wurde schnell wieder sie selbst. Sie lernte, diese f?r sie so beleidigende Situation auszunutzen. Sie brachte jeden Typen, der mit ihr ausgehen wollte, zu Natalja. Sie tat so, als ob sie bei einer Freundin kurz vorbeischauen m?sste, um etwas zu holen. Sie h?tte am Tag zuvor ihre Sachen dort liegen lassen. Sie hatte es satt, von Menschen entt?uscht zu werden und darunter leiden zu m?ssen. Stella entschloss sich, die M?nner gleich sozusagen auf Zuverl?ssigkeit zu pr?fen, bevor eine Bindung mit ihnen entstand, und brachte sie direkt zu Nata. Kaum jemand konnte ihr widerstehen, deshalb fing Stella an, Leute auszusuchen, die sie f?r sich und ihr Gesch?ft gebrauchen k?nnte. Zum Beispiel den Besitzer eines Autohauses, der sie um ein Date bat. Schnell fand er sich in den Armen der Verf?hrerin, oder besser gesagt, im Maul des Hais. Dieser Einsatz half Stella aber sehr beim Autokauf. Danach f?hlten sich die M?nner schuldig ihr gegen?ber und halfen ihr danach bei allem. Stella mit ihrem analytischen Verstand war damit zufrieden, und manchmal machte es ihr sogar Spa?. Natalja dagegen war ?berrascht, dass ihre Freundin so viele gutaussehende Verehrer hatte, die au?erdem aus guten und wohlhabenden Familien stammten. Als ein weiterer s??er Junge mit Stella vor ihrer T?r stand, l?chelte sie ?ber das ganze Gesicht und bat die beiden auf ein Glas Sekt herein. Etwas sp?ter fand Stella einen Grund, f?r eine Weile fortzugehen, und lie? den Jungen allein mit ihrer geilen Freundin. Je l?nger diese Weile dauerte, desto besser. Jedes Mal gab es eine ?berraschung f?r sie. Ein Typ zum Beispiel lag splitternackt auf Natalja, den Pimmel an Ort und Stelle, als Stella zur?ckkam. Danach besa? er noch die Frechheit, Stella nachzurennen und sie um Verzeihung zu bitten. Dabei rechtfertigte er sich damit, dass er es mit dem Alkohol ?bertrieben habe. Es war f?r Stella wie f?r jede andere Frau sehr unangenehm und kr?nkend, aber auf diese Weise konnte sie Zeit sparen und die Idioten gleich aussieben. F?r all diese Leiden wurde sie durch einen interessanten Fall entsch?digt. Stella lernte einen jungen Mann namens Sergej kennen. Sie mochte ihn so gern, dass sie sich nicht dazu durchringen konnte, ihn zu Natalja, dem ausgekochten Luder, zum Testen zu bringen. Bald sch?pfte Natalja Verdacht, dass Stella jemanden hatte. Sie ?bersch?ttete die Freundin mit Fragen: „Stella! Du verh?ltst dich irgendwie merkw?rdig! Da stimmt doch etwas nicht!“ „Wie kommst du denn darauf? Ich habe einfach gesch?ftlich viel zu tun.“ „Ja, ja! Alte M?rchentante!“ „Was willst du denn? Langweilst du dich oder was?“ „Oh nein! Mit einer Freundin wie dir langweile ich mich doch nie!“ „Dann ist doch alles bestens.“ Eines sch?nen Morgens brauchte Natalja dringend den B?roschl?ssel. Sie rief Stella an und diese nannte im Halbschlaf die Adresse, wo sie gerade war. „Was ist das denn f?r eine Adresse?“ „Von Sergej.“ „Aha! Jetzt hab ich dich! Ich wusste doch, dass du mir etwas verbirgst!“ Das Treffen mit der Freundin verhie? f?r Stella nichts Gutes. Natalja st?rmte wie eine Furie in das Haus und betrachtete den Burschen wie ein St?ck frisches Fleisch. Stella wollte ihn unwillk?rlich sch?tzend an ihren Busen dr?cken. Sergej begr??te den Gast und bot eine Tasse Kaffee an. Ohne den Blick von ihm zu wenden, leerte Natalja auf einen Zug eine Tasse Espresso, nahm die Schl?ssel und fuhr wieder weg. Stella wurde schwer ums Herz. Der letzte Rest ihrer Seelenruhe verlie? sie, als sie sich vorstellte, wie die beiden zusammen im Bett lagen und einander liebkosten. „Stella? Stella?“, h?rte sie eine Stimme. Sie klang, als ob der Sprecher sehr weit weg w?re. „Was?“ „Bist du in Ordnung? Du starrst die Wand an und bist ganz gr?n geworden!“ „Ich? Gr?n geworden? Wo?“ „Na ja, blass-gr?n. Du bist doch nicht etwa schwanger?“ Mit kindischem L?cheln und Gr?bchen in den Wangen schaute Sergej ihr aus drei Zentimetern Entfernung direkt in die Augen. „Ich hoffe nicht“, antwortete Stella kalt. „Warum nicht?“ Er r?ckte beiseite, als ob sie ihn mit kaltem Wasser begossen h?tte. Seine Frage klang still und entt?uscht. Er hat keine solche Antwort erwartet. Stella str?mten die Tr?nen aus den Augen wie ein Platzregen. „Weil ich keine alleinerziehende Mutter sein will!“, schrie sie. Ihre Wangen waren schwarz vor verschwommener Wimperntusche. „Was redest du da? Was ist los mit dir?“ „Ihr seid doch alle abgefuckte untreue Schweinehunde! Sobald ihr einen geilen Arsch seht, vergesst alles um euch herum!“ „Halt den Mund! Du bist ja hysterisch!“ Stella rannte aus dem Haus. Wie sie am helllichten Tag mitten auf der Stra?e so bitterlich weinte, wurden unweigerlich Passanten auf sie aufmerksam. Einige fragten, ob sie Hilfe br?uchte, andere zeigten ihr einen Vogel, wieder andere schlugen vor, psychiatrische Hilfe zu holen. „Die Leute wieder! Jeder wei? was zu sagen!“ Sie sch?mte sich sehr f?r ihr Verhalten, f?r diese Reaktion. Dabei brach in diesem Augenblick die ganze Bitterkeit aus ihr heraus, die sich in der Zeit angeh?uft hatte, als sie vorgab, dass alles in Ordnung w?re, und sich zwang, die entstandene Situation auszunutzen, nur um sich irgendwie zu beruhigen. Aber gerade ihn wollte sie nicht testen! Sie w?nschte, sie k?nnte sich mit ihm vor ihrer verfaulten Welt verstecken… Nach dem, was geschehen war, trafen sich Sergej und Stella nicht wieder und telefonierten nicht einmal mehr miteinander. Was hatte sie sich da wieder f?r ein Zeug vorgestellt! „Mit wem und wo? Und wie? Und warum?“ Ihr Gedankengang wurde unterbrochen. Ihr Handy meldete sich mit dem Spruch: „Was f?r eine h?ssliche Fresse“, dem Filmzitat, das sie Sergejs Nummer als Klingelton zugewiesen hatte. Sie blickte kalt auf das Handy und wartete eine Weile, bevor sie annahm: „Hallo!“ Seine kalte Stimme am Apparat machte sie nerv?s. „Kannst du jetzt zu mir kommen?“ „Ist was passiert?“ „Nicht am Telefon. Ich muss pers?nlich mit dir reden. Diese Freundin von dir ist ?brigens hier.“ Stella legte auf. „Oh Gott! Nicht das, bitte!“ Das Herz blieb ihr fast stehen. Hatte Natalja ihn doch in die Finger gekriegt? Es war ein Schlag ins Gesicht! So eine Hure! Sie rief schnell ein Taxi. Eigentlich h?tte sie vom B?ro aus zu Fu? zu seinem Haus gehen k?nnen, aber sie zitterte viel zu sehr. Sie war au?er sich vor Wut. „Ich bring die Schlampe um! Ich habe sie zu dem gemacht, was sie ist, sie von der Stra?e geholt, diese dreckige Hure, und ich bringe sie um! Dieses Mal schweige ich nicht, und ihn mache ich auch kalt!“ Das alles murmelte Stella vor sich hin und setzte sich auf den R?cksitz des Taxis. Die Adresse des Bastards nannte sie dagegen fast schreiend. Nach einer Minute bat sie den Taxifahrer anzuhalten. Sie wollte aussteigen, nicht zu Sergeij fahren, dieses erniedrigende Spektakel nicht sehen. Ganz sicher hatte Natalja ihn schon gefickt und ihn dazu gebracht, sie anzurufen, um alles zu gestehen wie ein anst?ndiger Mensch. Sie wusste sogar, wie diese Schlange ihn bearbeitet hatte: „Mein Gott! Was haben wir getan? Arme Stella! Wir m?ssen ihr gemeinsam die Wahrheit sagen. Sie wird es nicht gern h?ren, aber wir m?ssen ehrlich zu ihr sein. Ruf sie sofort an!“ Stella stellte sich das Gesicht ihrer Freundin vor, das vor Freude strahlte. Ein wahrer Triumph, neuer Sieg ?ber die hochn?sige Eisk?nigin, die niemand will. Stella dachte zehn Minuten nach und beruhigte sich etwas. Sie begann die Situation n?chtern zu analysieren. „Woran ist Natalja eigentlich schuld? Daran, dass die M?nner Schei?e sind? Und dass sie daf?r den lebenden Beweis hat? Ein Beweis aus dem realen Leben! Nicht aus dem Leben, wie es in sch?nen Romanen beschrieben wird, sondern aus dem wirklichen Leben, an das man nicht glauben will, das man idealisiert, um nicht verr?ckt zu werden.“ Stella dachte, dass sie nie einen Mann finden w?rde, der ihrer Lebenseinstellung entsprach. Sie wollte keinen M?rchenprinzen auf einem wei?en Ross. Heute waren sie sowieso alle eher auf Wei?wein. Entweder war einer ein Depp oder ein Alki. Sie brauchte einen ergebenen, guten Mann. Wie jede Frau wollte sie geliebt werden, wollte die einzige sein und ihrerseits nur einem Mann geh?ren. Sie hoffte doch, dass sie etwas Besseres war als ein Callgirl. Irgendjemand w?rde ihre guten, aber leider verborgenen Eigenschaften schon noch erkennen. Aber anscheinend interessierten sich die M?nner nur f?r weibliche Genitalien. Stella versuchte ihr Herz in den Griff zu bekommen, als sie mit verschwitzter Hand auf den Klingelknopf dr?ckte und ein kaltes Gesicht aufsetzte, um vor seiner T?r auf die Hinrichtung ihrer Seele zu warten. Sie zitterte. Der Hass auf diesen Mann erf?llte sie. Sergej ?ffnete die T?r, sie ging hinein. Erhobenen Hauptes, ohne die Schuhe auszuziehen, schritt sie ins G?stezimmer und schrie: „Hallo Natalja! Wo bist du? Keine Antwort. Dann drehte sie sich um und warf dem Mann einen so brennenden Blick zu, dass er einen Schritt zur?ck machte und fl?sterte: „Sie ist im Schlafzimmer.“ In diesem Moment verpasste ihre Hand ihm automatisch eine Ohrfeige, die so gewichtig und saftig war, dass die Handfl?che rot wurde und die Fingerspitzen prickelte. Mit kleinen Schritten ging sie ins Schlafzimmer und sah dort ihre v?llig nackte, betrunkene Freundin auf dem Boden sitzen. Sie war mit Handschellen an den Heizk?rper gefesselt. Daneben standen eine fast leere Flasche Wodka und ein Glas. Natalja hob den Kopf und zischte mit kaum beweglicher Zunge wie eine Schlange: „Stella, ich hasse dich.“ Stella begann, fieberhaft zu lachen, sei es wegen dieses Anblicks oder wegen der Erkenntnis, dass sie nach so langer Zeit und so vielen Entt?uschungen diese auf m?nnliche Genitalien versessene Kreatur endlich in die Enge getrieben hatte. Und dazu noch mit so einer Schmach! Nach diesem Zwischenfall wurde Stella selbstbewusst. Sie war sich nun sicher, dass Nata f?r sie keine Rivalin war, in keinerlei Hinsicht. Und dass sie ihr Leben sie auf ihrem eigenen Weg f?hrte. Aber Natalja kam nicht zur Ruhe. Diese Geschichte erbitterte sie gegen Stella. Sie achtete darauf, was diese trug, wie sie sich M?nnern gegen?ber verhielt. Natalja fing an, sie teilweise zu kopieren und sich Markenkleidung zu kaufen, vor allem in Pastellfarben. Stella hatte nicht so viel anzuziehen: einige Blusen, Hosen und R?cke, aber alles von Designern. Natalja trug dagegen mit Vorliebe bunte Klamotten und viele davon, dazu vor allem Slips in grellen Farben. So begann ein neuer Abschnitt in Nataljas Leben. Prostitution und Betrug unter Stellas Leitung brachten ihr gutes Geld. Natalja selbst glaubte freilich, sie w?re die Chefin in diesem Gesch?ft. Stella lernte, Natalja perfekt zu manipulieren. Dabei lie? sie ihr volle Handlungsfreiheit. Die trivialen W?nsche der Freundin nach Sex und Geld verstand Stella gut. Deshalb war es nicht schwer, sie zu lenken. Stella wollte, dass Natalja Sex nach Stundenplan im Rahmen eines Gesch?fts mit dem Titel „Besuch des Ausl?nders“ hatte und daf?r ein Honorar in entsprechender H?he erhielt. So waren beide zufrieden. Endlich hatten die M?dchen einen Mittelweg in ihrer Beziehung gefunden. Hand in Hand gingen sie einem Ziel entgegen. Dieses Ziel hie? Kohle. Natalja war von dem neuen Hobby sehr begeistert. Sie nahm gern an den Theaterauff?hrungen und dabei im Gespr?ch mit den Kunden auch noch ihre Sprachkenntnisse zu erweitern. Sie begann sogar einen Liebesbriefwechsel mit einem Franzosen, der in Genf in der franz?sischsprachigen Schweiz in Genf wohnte. Um genau zu sein war seine Mutter Franz?sin und der Vater war Iraner. Der hochgewachsene, gutaussehende, schwarzhaarige Mann besuchte Natalja oft. Sie versteckte ihn vor der aufdringlichen Stella, damit diese ihm kein am?santes Spektakel vorf?hrte, wie sie es bei ihren Kunden tat, mit Beerdigung, Hochzeit und ?hnlichem. Sie erinnerte sich noch an einen lustigen Vorfall. Bei einer der Auff?hrungen von Stellas Theatertruppe kam die Schauspielerin nicht, die die Mutter der Braut darstellen sollte. Natalja spielte die Braut, Stella deren Schwester. Die Hochzeit war gef?lscht. Die Namen waren ge?ndert worden. Die G?ste und selbst das Standesamt mitsamt der ganzen Zeremonie waren Teil der Auff?hrung, die Stella klug durchdacht hatte. F?r alles zahlte nat?rlich der Br?utigam aus der Schweiz. Es wurde angeblich als Geschenk f?r die Schwester seiner zuk?nftigen Ehefrau arrangiert. Die Hochzeit kostete 10.000 Dollar. Nat?rlich stimmte er nur widerstrebend zu, denn anfangs war nur von ein paar Tausend die Rede. Aber ihre armen Verwandten! Da blieb ihm nichts anderes ?brig. Was tut man nicht alles f?r die Liebste, wenn sie bittet. „Wo ist denn Ihre Mutter?“, fragte der Schweizer verwirrt. „Sie ist wohl aufgehalten worden, oder sie ist so aufgeregt, dass ihr schlecht geworden ist. Ich schaue mal zu Hause nach.“ „Verdammt! Wo ist die bl?de Kuh?“, sagte Stella Natalja ins Ohr. Vielleicht wollte sie, dass niemand sie h?rte. „Ich wei? nicht. Einfach abgehauen. Sie will wohl nicht unsere Mama spielen.“ „So eine Schlampe! Gerade vor der Unterschrift! Bestes Timing! Was jetzt? Wir m?ssen eine andere finden! Der Br?utigam hat sie noch nicht gesehen. Also kann es irgendjemand sein. Such! Schnell!“ Egal wo! Ich unterhalte inzwischen die Leute.“ Natalja rannte los, ihre Mutter suchen. Sie bot den ersten besten Frauen auf der Stra?e Geld an und bat sie, f?r ein paar Stunden ihre Mutter zu spielen. Aber es war gar nicht so einfach. Die Frauen wichen vor ihr zur?ck wie vor einer Wahnsinnigen. In einer Unterf?hrung sah sie eine Bettlerin. Sofort lief sie zu ihr und erz?hlte, was sie vorhatte. Die Frau ?ffnete vor ?berraschung den Mund, aus dem es nach Aas roch. Natalja trat einen Schritt zur?ck und befahl: „Mutter, mach dich bereit!“ Als sie den Betrag nannte, den die Bettlerin erwarten k?nnte, verga? diese alle Zweifel und folgte schleunigst der sch?nen Tochter. „Stella bringt mich um f?r so eine Mutter!“, sagte Nata laut ohne R?cksicht auf die Passanten. Was jetzt? Sie schaute auf die Uhr und beschloss, das M?tterchen in der n?chsten Boutique aufzupeppen. Ein Kleid musste her! Man war ja nicht jede Woche Brautmutter! Nach einer Stunde brachte sie die Pennerin mit gelben Fingern?geln und faulen Z?hnen, ausstaffiert mit einem gef?lschten Gucci-Kleid, ins Restaurant, wo die Hochzeit gefeiert wurde. Beim Anblick der Strolchin verschlug es vielen G?ste die Sprache. Der Schweizer zog blo? ratlos eine Augenbraue hoch, Stella dagegen erstarrte. Und pl?tzlich rief die Scheuche, die nur drei Z?hne, daf?r aber eine gewaltige Fahne hatte, laut in Richtung Stella: „Guten Tag, T?chterchen!“ V?llig schockiert von diesem Auftritt war der Mann, der die Rolle des Vaters der M?dchen, eines armen, intelligenten Lehrers spielte. Er wurde fast ohnm?chtig. Diese Erscheinung sollte seine Frau sein! Der Schweizer brach das Schweigen mit dem schlichten, zur?ckhaltenden Satz: „Dass so sch?ne T?chter so eine Mutter haben k?nnen!“ Stella erkl?rte mit bitterer Stimme und Tr?nen in den Augen: „Eigentlich solltest du sie gar nicht zu sehen bekommen. Sie ist Schande unserer Familie! In ihren jungen Jahren war sie die erste Sch?nheit der Hauptstadt!“ Bei diesen Worten fiel dem angeblichen Brautvater das Sektglas aus den Fingern. Das M?tterchen mit seiner Neigung zum Alkohol starrte voll Bedauern auf den Boden, wo die prickelnde Fl?ssigkeit zerrann. Den Ereignissen um sich herum schenkte sie keine Aufmerksamkeit. „So war das nicht abgemacht“, begehrte jetzt der „Papa“ auf. „Mit solchen Hauptstadtsch?nheiten habe ich nie geschlafen. Pfui!“ Da kapierte Natalja, dass es um einen Skandal nicht herumgekommen w?rde und schrie: „Das Brautpaar soll sich k?ssen! K?ssen!“ Sie gab den Musikanten ein Handzeichen, dass sie spielen sollten. Der Vater schenkte sich ein Glas Wodka ein, trank es auf einen Zug aus, beruhigte sich wieder und begann eine Unterhaltung mit dem Schweizer. Dabei kannte er nur zwei W?rter auf Englisch: „Yes, yes.“ Jedes Mal, wenn sich die Freundinnen an diesen Vorfall erinnerten, lachten sie lange und erz?hlten einander s?mtliche Details aufs Neue. Und sie hatten jede Menge solcher Geschichten. Natalja lernte andere Mitglieder ihrer lustigen Gesellschaft kennen. Bei einer guten Flasche Wein war es keine S?nde, sich ?ber Onkel Wowa, den Leiter des Friedhofs, lustig zu machen. Und wer war der Leiter des Friedhofs? Nat?rlich der W?chter. Ein witziger Typ. Er murrte st?ndig, regte sich auf. „Ich hab es satt, f?r euch Gottesl?sterinnen L?cher zu buddeln! Ihr beerdigt Leute wie am Flie?band! Sch?men solltet ihr euch!“ „Die S?rge sind doch alle leer, Onkel Wowa!“ „Gott sei Dank, dass sie leer sind!“ Aber beim Anblick eines 100-Dollar-Scheins ver?nderte er sich rasant, seine Stimme und K?rperhaltung bekamen die W?rde eines Mannes, der Geld in frei konvertierbarer W?hrung besitzt. Dann sagte er: „Ihr macht alles richtig! Sie haben es verdient! Geschieht ihnen recht, diesen alten Perverslingen! Sie kommen hierher, holen unsere jungen M?dchen weg und machen mit ihnen wei? Gott was! Dort in diesem Amerika!“ Sie lachten ?ber ihn bis zum Umfallen. In Wirklichkeit mochte er das Begr?bnistheater, das die M?dchen erfunden hatten. Dabei konnte man sich ordentlich die Kehle anfeuchten, f?rstlich essen und etwas mit nach Hause nehmen. Daf?r hatte er ein paar gro?e Tragetaschen parat. Das einzige, wor?ber sich Onkel Wowa beschwerte, waren die Klageweiber. Er sagte: „Wegen der Weiber, die f?r Geld weinen, kriege ich noch einen Herzinfarkt. Ich heule ja selber mit und beweine die leeren S?rge. Sie jammern einfach so traurig! Schlampen! Es zerrei?t einem die Seele! Ich wei? noch, wie sogar ein Kunde von euch, ein Deutscher, Drecksnazi, feuchte Augen bekam! Und ich habe auch noch ein slawisches Herz! Das wird das Gejammer nicht mehr lange ertragen! Und wenn ich sterbe, wer soll euch dann f?r die paar Groschen L?cher buddeln?“ Die Freundinnen lachten so laut, dass es auf dem ganzen Friedhof zu h?ren war. Natalja sollte bald ihr Studium beenden. Saweli war froh dar?ber und konnte es kaum erwarten, seine unbegabte Studentin in n?chster Zukunft loszuwerden. Die Situation an der Universit?t war f?r ihn ung?nstig und seine Muse hatte ihn entt?uscht. „Geistloses, billiges Mistst?ck“, dachte er. „Und ich bin ein alter Trottel!“ Manchmal kam ihm der Gedanke, dass er wegen ?berschreitung seiner Befugnisse im Gef?ngnis landen k?nnte. „Dank mir hatte sie ja immer die besten Noten. Werden ihre Kenntnisse gepr?ft, kommt sofort heraus, dass ich ein alter W?stling und ein korruptes Schwein bin. Diese blonde Studentin mit ihren rosigen Brustwarzen war offensichtlich unf?hig, einen Hochschulabschluss zu erwerben. Und drogenabh?ngig war sie au?erdem!“ Einmal hatte er sie auf der Toilette mit Amphetamin ertappt. Danach verlor er das Interesse an Natalja, begann sich sogar vor ihr zu scheuen und sie zu meiden. Sie wiederum erkl?rte ihm, sie k?nne unter dieser Droge schneller lesen. „Lesen allein reicht nicht, um sich Wissen anzueignen! Du musst den Sinn verstehen! Um dich mit einem Text auseinanderzusetzen, musst du vollkommen n?chtern sein! Aber du verstehst gar nicht, worum es sich handelt“, hatte der Dekan sie einmal angefahren. Worauf er eine Antwort bekam, die zu h?ren er mehr als alles andere im Leben f?rchtete: „Schatz, sieh es ein. Ich muss mein Studium abschlie?en, koste was es wolle! Und du hilfst mir dabei! Sonst m?sste ich doch einmal deine Frau kennenlernen und bei einer Tasse Tee ein nettes, aber ganz bestimmt langes Gespr?ch mit ihr f?hren.“ Er wusste, dass sie zu dieser Gemeinheit sehr wohl f?hig war. Und er wollte auf keinen Fall seine Familie verlieren, die f?r ihn letztendlich eine Art R?ckendeckung war. Sein Haus empfand er als eine Art Tempel der Ruhe. Vielleicht w?rde ihm seine Frau den Seitensprung verzeihen, aber wahrscheinlich w?rde sie ihn nie mehr in Ruhe lassen. Er bek?me garantiert Vorw?rfe zu h?ren und w?rde st?ndig ?berwacht. Wenn seine gescheite Frau auch nur den kleinsten Anlass zu einem Verdacht f?nde, w?rde sie sicher noch interessante Dinge entdecken. Er war nun einmal nicht der fr?mmste und treuste Ehemann. Natalja hatte wohl ein bisschen Mitleid mit ihm, aber er lie? ihr keine Wahl. Sie musste sie den Langweiler unter Druck setzen und beschenkte ihn mit den verschiedensten Sachen – mit Schweizer Schokolade, K?se, fruchtigen Lik?ren, allerlei Delikatessen, die sie von den Ausl?ndern erhielt. Au?erdem lutschte sie sein schlaffes Glied einmal in der Woche, nach Stundenplan, wie sie es auch in den vergangenen Jahren immer getan hatte. „Meiner Meinung nach ist das mehr als ein guter Preis f?r ein Diplom! Ich habe den alten Langweiler viel zu sehr verw?hnt!“ Saweli beschwerte sich im Prinzip auch nicht, er hatte nur Angst, seine Stelle zu verlieren, bevor er in den Ruhestand ging. Endlich hatten die M?dchen genug Geld zusammengespart, um sich Autos leisten zu k?nnen! Was f?r eine Freude! Und stolz waren sie ebenfalls! Die beiden parkten jetzt ganz souver?n ihre gleich aussehenden schwarzen Lexus-Offroader vor der Uni. Das Leben auf den eigenen vier R?dern war noch cooler als vorher! F?r sie schien es geradezu Geld zu regnen. Mit solchen Schlitten konnten sie ?berall und mit allen Kontakte kn?pfen. Sie schlossen Vertr?ge mit Hotels, Restaurants, Shops, machten ?berall Gewinn, waren von vielen Ausl?ndern umgeben. Sie hatten Spa? und am?sierten sich. „Das nenne ich einen Job!“, sagte Nata. „Das reinste Kinderspiel!“ Die Freundinnen kauften f?r das Geld der Kunden verschiedene Waren ein und gaben sie am n?chsten Tag zur?ck. Auf diese Weise wanderten Hunderte von Dollar in ihre Taschen. Stella war eine leidenschaftliche Person mit einer besonderen Vorliebe f?r Spielbanken. Sie spielte manchmal betrunken, setzte das ganze Geld auf Rouge und Noir und verlor st?ndig. Natalja legte jeden Groschen auf die Seite. Sie hatte gemischte Gef?hle hinsichtlich der Verluste ihrer Freundin und Rivalin. Es war ihr selbst nicht klar, ob sie ihr Freude bereiteten oder doch eher Missfallen erregten. Aber nach einem verlorenen Spiel endete Stellas Abend gew?hnlich mit einer angenehmen Bekanntschaft. Das schmeichelte ihr und ?rgerte ihre Freundin. Ihre Beziehung mit Sergej ging letzten Endes in die Br?che. Als er erfuhr, dass sie M?nner ausnahm, stellte er eine Bedingung: „Entweder ich oder dein Job.“ Damit verurteilte er sich selbst zum Leiden. Stella trauerte einige Monate, aber dann wurden ihre Gef?hle von der Vernunft besiegt. Es war noch zu fr?h, eine Familie zu gr?nden. Au?erdem war der wichtigste Grund ihrer Gef?hle f?r Sergej die Tatsache, dass er die Schlampe an den Heizk?rper gefesselt hatte. Als Mann passte er kaum zu ihr. Er war ein eifers?chtiger Typ, der davon tr?umte, sie zu Hause bei Kindern und Eintopf einzusperren. „Nein! Das lasse ich nicht zu! Ich werde ein bisschen leiden, und danach wird alles gut.“ Sie mochte M?nner von h?herem Niveau, die reich, beredt und weit gereist waren. Gew?hnlich traf sie solche M?nner im Kasino. Stella hielt sich f?r wohlhabend, aber sie wusste von ihrem Hang, mit Geld leichtsinnig umzugehen. „Geld heckt Geld“, war ihr Motto. Das war eine Tatsache des Lebens, so oder so. Natalja dagegen w?rde ohne einen Sponsor nicht einmal bei McDonalds essen gehen. Deshalb gingen sie normalerweise getrennt aus und trafen sich nur zu dem einen Zweck, mit neuer Beute zu prahlen – sei es ein Banker, ein ausl?ndischer Tycoon oder ein ?hnliches Opfer. Dabei liebten es die beiden M?dchen, ihre Eroberungen auszuschm?cken. Nicht selten war ein junger Erd?l-Tycoon in Wirklichkeit nur der betagte Inhaber von einem Dutzend St?nden auf dem Markt, die allerlei Kram verkauften, oder ein Biergartenbesitzer. Lustig war es trotzdem! Natalja ?berlegte, was sie machen w?rde, nachdem sie ihr langersehntes Diplom bekommen h?tte. Sie wollte ihrem Beruf nachgehen und die erworbenen Kenntnisse in der Praxis einsetzen. Dabei war sie sich hundertprozentig sicher, dass sie im Vergleich zu den anderen die Beste w?re. Sie behauptete, dass sie ihre Diplomarbeit ohne jede Hilfe von Saweli selbst verfasst h?tte. Als dieser das h?rte, staunte er m?chtig. Aber er wusste ja, dass alle dummen und ungebildeten Menschen sich f?r gro?artig halten. Wirklich kluge K?pfe dagegen waren bescheiden. Stella wiederum war der Meinung, dass Frechheit und Selbstvertrauen die Schl?ssel zum Erfolg seien. Wer diese Eigenschaften hatte, konnte ein schwarzes Viereck auf ein wei?es Blatt Papier malen und mit gr??ter Selbstverst?ndlichkeit f?r Millionen Rubel verkaufen, w?hrend die Bilder, an denen andere tage-, wochen-, monate-, gar jahrelang m?hevoll gearbeitet hatten, f?r ganze tausend Hrywnja an der U-Bahn-Station verscherbelt wurden. Darum bestand die Genialit?t eines genialen Menschen zweifellos in seiner listigen Natur und im Selbstvertrauen. Denn das Leben ist ungerecht. Im Unterschied zu Saweli glaubte Stella, Natalja h?tte die erforderlichen F?higkeiten, nicht nur bei einer Bank zu arbeiten, sondern eine leitende Position zu bekleiden. Zu dieser ?berzeugung kam sie aufgrund ihrer pers?nlichen Lebenseinstellung. Natalja wurde tats?chlich einmal zu einem Vorstellungsgespr?ch f?r eine Anstellung als Bankkassiererin eingeladen und seltsamerweise auch sofort eingestellt. Aber es gab eine Unannehmlichkeit. Der Lohn betrug mickrige hundert Dollar, berechnet in US-W?hrung. Natalja war geschockt. Sie erz?hlte ihrer Freundin fast unter Tr?nen, diesen Betrag h?tte sie problemlos verdienen k?nnen, auch ohne an einem Schalter neben fetten alten Kassiererinnen zu sitzen. „Hahaha!“ Stella bekam feuchte Augen vor Lachen. „Du vergeudest deine Zeit, Natalja! So eine Stelle kannst du annehmen, wenn deine pers?nliche Bank zwischen deinen Beinen keinen Gewinn mehr bringt. Wozu brauchst du das jetzt?“ „Ich will aufh?ren, Stella! Ich habe Angst!“ „Wovor?“ „Vor der Strafe Gottes.“ „Das f?llt dir ja rechtzeitig ein, M?dchen.“ „Spotte bitte nicht.“ „Also gut, Spott beiseite. Geh ruhig f?r einen Hunderter malochen, ich hab nichts dagegen.“ „Stella, versteh doch. Den Leuten geht allm?hlich auf, dass unsere Agentur reine Betr?gerei ist. Sie schreiben b?se Kommentare auf unserer Webseite. Ich f?rchte, dass die Bullen uns bald schnappen. Dann sind wir sind erledigt! Tsch?ss, Mama! Schick mir Briefe ins Gef?ngnis!“ „Jetzt erschreck mich nicht! Ich habe keine Lust auf Knast.“ „Du wei?t doch selber, vor dem Gef?ngnis ist niemand sicher.“ „Das wei? ich, aber sitzen w?rde ich nicht. Lieber sterben.“ „Jetzt erschreckst du mich.“ Stella wurde nachdenklich. Sie wog das F?r und Wider ab und sagte: „Du hast recht. Wir haben jetzt weniger Leute und der Ruf der Firma ist alles andere als erfreulich, da l?sst sich nicht leugnen. Wir nehmen alle um uns herum aus, bezahlen unser Studium, trinken, spielen in Kasino und geben Geld aus.“ „Bitte nicht verallgemeinern. Ich spare.“ „Also gut, ich gebe mein Geld aus. Aber was du dir zusammengespart hast, w?rde dir bei deinen Anspr?chen auch nicht zum Leben reichen, oder?“ „Nat?rlich nicht.“ „Das bedeutet, dass wir eine andere Einnahmequelle brauchen.“ „Ja, ja! Wir m?ssen die Firma dichtmachen, Stella! Mein Herz sagt mir, dass etwas nicht stimmt.“ „Gut, lass mich ?berlegen, was wir unternehmen k?nnten.“ Stella verlie? ihre Freundin etwas verwirrt und missgelaunt. Die Gedanken drehten sich in ihrem Kopf auf der Suche nach einer Idee. Sie wollte nicht ohne Natalja weitermachen, die beiden arbeiteten ja trotz aller Meinungsverschiedenheiten ganz gut zusammen, verstanden einander auf Anhieb. Natalja k?nnte mit einer normalen Arbeit problemlos Geld verdienen und dazu noch ihr altes Gewerbe am Wochenende betreiben. Aber Stella h?tte damit Schwierigkeiten. Sie ging nur mit M?nnern ins Bett, die sie wirklich mochte. Das einzige, womit sie gut verdienen konnte, waren Gaunereien, ihre Theaterauff?hrungen, wo sie ihre Kunst, Tr?nen zu vergie?en, wann immer sie es brauchte, geschickt einsetzte. Nicht damit, ihren K?rper zu verkaufen. Das war nicht ihr Ding. Das Bett, K?sse, intime Beziehungen endeten f?r sie nicht mit Phrasen wie: „Ihre Zeit ist abgelaufen. M?chten Sie verl?ngern?“ – „Nein, zieh dich an und hau ab, du Schlampe!“ Sie musste noch ein Jahr in Kiew arbeiten, wenn sie ihr Studium nicht abbrechen wollte. Ihr war es wichtig, die Universit?t abzuschlie?en. Natalja sollte ihr Diplom in diesem Jahr erhalten, Stella erst im n?chsten. „Was jetzt? Denk gef?lligst!“, befahl Stella, die konservative Strategin, sich selbst. Hurr! Der Erhalt ihres Diploms war ein gro?es Ereignis in Nataljas Leben. Endlich hatte sie sich aus dem Netz dieses verdammten Studiums befreit, dem sie sowieso nur fl?chtig nachgegangen war, weil eine ganz andere T?tigkeit sie voll auslastete. „Diese f?nf Jahre waren eine reine H?lle! Ein Rattenrennen!“ Selbst ein Hamster in seinem Laufrad war nicht so m?de, k?rperlich und psychisch, wie Natalja. Gott sei Dank hatte sie immerhin keine Geldprobleme! Das war die Hauptsache. Sie weinte und lachte gleichzeitig. Offenbar hatte das Amphetamin ihre Nerven endg?ltig zerst?rt. Sie wurde aggressiver und schrie unwillk?rlich Menschen an. Das fiel ihr selbst auf und sie hatte Angst davor, durchzudrehen. Um sich zu beruhigen, ging sie zu den zwei h?bschen Jungs, mit denen sie gleichzeitig und v?llig gratis schlief. F?r die Seele. Die Jungs hatten immer Ecstasy dabei. Sie pumpten Natalja damit voll und fickten sie dann in alle ihre L?cher. Danach fuhr sie weiter feiern, zog von einem Klub zum anderen, soff sich total zu und fiel von Barhockern. Das war ihre Spezialit?t. Es passierte gew?hnlich dann, wenn sie stockbetrunken am Tresen sa? und versuchte, abgest?tzt auf ihren nicht mehr kippsicheren Ellenbogen, anst?ndig auszusehen. Krabummm! Sie krabbelte zur?ck, klammerte sich an die d?nne Querstange des Barhockers und zog sich wie eine Stripperin hinauf. Ein hartes St?ck Akrobatik. Aufger?ttelt von ihrem Sturz, wurde Natalja etwas n?chterner, zog sich aus, verscheuchte die Stripperinnen von der Stange und tanzte nackt. Dann kroch sie nach Hause, mit M?nnern, die sie immer wieder bestahlen, aber sie wusste nicht einmal deren Namen. Am Morgen rief sie Stella an und beschwerte sich ?ber die zwei Jungs, bei denen sie am Abend zuvor gewesen war und die beim Rundfunk arbeiteten. Stella rief ihrerseits die Jungs an und h?rte jedes Mal neue blamable Abenteuer ihrer Freundin in respektablen Etablissements. Die Freunde hatten einfach keine andere Wahl, als sie stockbesoffen und unter Drogen zur?ckzulassen und wegzugehen. „Ach, bist du mal wieder beraubt worden? Und wei?t nicht von wem? Bist du sicher, dass du dir noch kein AIDS geholt hast? Das w?rde mich wundern!“ „Verpiss dich, Stella! Den Pips sollst du kriegen! Ich habe immer Kondome dabei. Oh! Ich habe Bier im K?hlschrank gefunden. Komm r?ber, wir trinken eins!“ „Bin schon unterwegs.“ Wenn sie an die verr?ckte Natalja dachte, kam sie zu dem Schluss, dass sie wahrscheinlich nicht von nur einem Mann beraubt worden war. Vielleicht waren es eher f?nf oder sechs im Laufe der Nacht gewesen. Diese Dame war verw?hnt und auf Drogen v?llig inad?quat. „Hallo!“ „Oh! Stella, komm rein. Schau mal, wie leer es jetzt bei mir ist. Wenigstens die M?bel haben sie stehenlassen, diese Arschl?cher! Aber die Gl?ser, die du mir geschenkt hast, haben sie geklaut.“ „Ja, ich wei? noch, diese Gl?ser habe ich dir nach dem vorigen Raub geschenkt“, sagte Stella sarkastisch, als sie die Tr?nen im Nataljas Gesicht bemerkte. „Du bist fies, Stella! Du hast nichts, was geklaut werden k?nnte, und darum machst du dich ?ber mich lustig! Meine Wohnung ist gut ausgestattet, ich habe alles.“ „Ich sehe nur jede Menge Kram. So viel k?nnte kein Dieb mitnehmen! Deine Wohnung ist der reinste Flohmarkt!“ „Und du, Stella, wenn du betrunken bist, verschenkst du alles. Du bist schon mehr als einmal in einer leeren Wohnung aufgewacht.“ „So werde ich jedenfalls nicht ausgeraubt.“ Die M?dchen lachten. „Ich habe dir doch den Rat gegeben, die Wertsachen entweder bei der Bank zu deponieren oder zu mir zu bringen. Fremde Sachen verschenke ich nicht.“ „Wer wei?!“ Natalja hatte nicht so viel Vertrauen in Stella. Und noch weniger in alle anderen auf diesem Planeten. In ihrem Leben gab es keinen Platz f?r einen solchen Menschen. Sie war kleinlich und kr?merhaft. Sie versteckte all ihre Ersparnisse in Socken und W?nden. W?hrend ihre Nachbarn bei der Arbeit waren, bohrte Natalja eigenh?ndig mit dem Schlagbohrer die L?cher in die W?nde und gab das als Renovierung aus. Bevor sie anfing, beobachtete sie genau und verfolgte mit unverwandtem Blick jeden, der aus dem Haus ging. Dann klingelte sie der Reihen nach an allen T?ren in der Nachbarschaft, um zu ?berpr?fen, ob die Nachbarn wirklich ihre Wohnungen verlassen hatten. Eine Wendung im Leben der Gaunerinnen Eines Abends chattete Stella mit Schenka Kosonoschkin, einem ihrer Klassenkameraden aus Lugansk. Zu ihrem gro?en Erstaunen stellte sich heraus, dass der unverbesserliche F?nfenschreiber und Chaot bei einem f?hrenden Lebensmittelgro?h?ndler arbeitete. Zu allem ?berfluss leitete er die Vertriebsabteilung. „Kosa, wie hast du das geschafft? Ich kann es gar nicht glauben! Wenn mir jemand gesagt h?tte, dass du im Knast sitzt, w?rde mich das weniger wundern! Und jetzt so was! Direktor Kosa! Ahahaha!“ „Sehr witzig, Stella! Du warst schon immer originell in deinen ?u?erungen!“ „Danke f?r das Kompliment. Aber jetzt mal im Ernst, wie bist du da hingekommen? Raus mit der Sprache!“ „Ein Dekan an einer Privatuniversit?t in Lugansk hat mir ein Diplom f?r zweitausend Dollar verkauft. Er hat mir versichert, das Diplom sei echt und entspreche den Standards. Ich lie? mir ein bisschen Privatunterricht geben, lernte zum Thema alles, was n?tig war, und voil? Mademoiselle! Ich bin jetzt nicht mehr der Kosa, mit dem du geschw?nzt und hinter der Schule eine geraucht hast! Ich bin jetzt Evgeni Wladimirowitsch.“ „Hahaha! Du hast mich zum Lachen gebracht! Aber das war nat?rlich ein genialer Gedanke! Sehr gut! Ich freue mich f?r dich. Aber f?r mich bleibst du Kosa wie fr?her. Ahahaha!“ „Abgemacht, Stella Flinkfinger!“ „Schreib mir, vergiss das nicht!“ „Tsch?ss.“ Stella verarbeitete diese Informationen und begann, einen genialen Plan zu schmieden. Ihre Gedanken waren auf ein einziges fernes Ziel ausgerichtet – die Welt der Zasterhasen. Au?erdem hatte sie bereits eine gewisse Erfahrung beim Kauf von Dokumenten. Ihren F?hrerschein kaufte sie bei der Staatlichen Verkehrsinspektion der Stadt Cherson durch Beziehungen. Dabei hatte sie diese Stadt nie besucht. Sie rief Natalja an und erz?hlte ihr von ihrer genialen Idee, mit der ihrer Meinung nach ein neuer Lebensabschnitt beginnen w?rde, in dem kein Platz f?r Habenichtse vorgesehen war. Der Kern der „Gesch?ftsidee“ bestand darin, zwei Hochschuldiplome in Rechtswissenschaften zu kaufen und ein Notariat zu gr?nden. Dort sollten dann Mitarbeiter mit einer echten juristischen Ausbildung angestellt werden, deren Aufgabe es w?re, sich direkt mit den Dokumenten zu befassen. „Und wir werden klug dreinschauen und den Stempel daruntersetzen. Wie findest du die Idee, Freundin?“ „Stella! Was hast du f?r einen klugen Kopf! Ich bin schockiert!“ „Ja. Daran ist nichts auszusetzen!“ „Das wird uns ein Haufen Geld bringen!“ „Aber es gibt ein Problem! Um die Berechtigung zur Benutzung eines Notarsiegels zu erhalten, muss man mindestens zwei Jahre Arbeitserfahrung in einem Notariat haben.“ „Puh, Stella, da hast du mich beinahe erschreckt! Ich dachte, es g?be ein echtes Problem! Wir brauchen doch blo? einen kleinen Notar in irgendeinem Dorf zu ficken, damit er uns die erforderliche Berufserfahrung best?tigt.“ „Hahaha! Daran habe ich gar nicht gedacht.“ „Dann legen wir los?“ „Ich bin bereit!“ Natalja war entz?ckt. Sie stellte sich vor, wie sie in einem strengen Kost?m aussehen w?rde, wohl ?hnlich wie Stella: ein eiskaltes, unnahbares Luder von unwiderstehlicher Sch?nheit. Wenn es aber einer wagte, sie zu ber?hren, wurde er um sein gesamtes Verm?gen gebracht und ihm die Schuld daf?r gegeben. Die Genialit?t ihrer Kollegin ver?rgerte sie ein wenig. „Ich bin mir sicher, dass ich ihr in diesem Gesch?ft einen Vorsprung geben k?nnte!“, dachte sie mit einem giftigen L?cheln. „Aber warum komme ich nicht auf solche Ideen?“, fragte sich Natalja ?rgerlich. Gleichzeitig gefiel ihr es, so eine Freundin zu haben. Nicht umsonst lautet das Sprichwort: Sag mir mit wem du umgehst… ?brigens hatte Natalja keine gro?e Auswahl. Alle Frauen au?er Stella hassten sie. Welches normale M?dchen w?rde die Freundschaft zu einer prinzipienlosen Nymphomanin aushalten? Die beiden verwirklichten ihren Plan mit rasendem Tempo. Stella fuhr in ihre Heimatstadt Lugansk, die sie schon lange nicht mehr besucht hatte. Dort wohnten noch ihre Mutter und ihre drogens?chtige ?ltere Schwester, die schon die H?lfte ihrer Z?hne verloren hatte. Leider konnte Stella der Schwester nicht helfen. Alle Versuche waren vergeblich. Sie fixte Heroin und hatte au?erdem anscheinend einen Dachschaden. Die ?ltere Schwester hasste die j?ngere schon seit ihrer Kindheit. Stella war gewiss ein Problemkind gewesen. Sie flog von vier Schulen. Zur letzten von ihnen musste sie einige Kilometer zu Fu? zur?cklegen. Sie lungerte mit Jungs in Kellern herum, trug immer Sportklamotten, und zwar nur drei Marken, die auf dem Stadtmarkt zu kaufen waren: Puma, Adidas und Montana. Im kurzen Haar in Stellas Nacken prangte ein Dreieck, das ihr ihre Freunde im Keller des Hauses Nummer neun im Saretschny-Viertel rasiert hatten. Stella versuchte die Vereiterung der Kopfhaut vor ihrer Mutter zu verbergen und trug darum sogar zu Hause eine M?tze. Sie war ?berraschend gut in der Schule, schw?nzte aber viel und war st?ndig in Schl?gereien und Konflikte verwickelt. Sie war Dauergast im Dienstzimmer von Anatoli Nikolajewitsch Borisow, dem Leiter der Jugendinspektion der damaligen Miliz. Jedes Mal drohte er, sie in die Jugendstrafanstalt zu schicken. Er machte seine Drohung aber nie wahr, also schaute Stella immer wieder mit einem netten L?cheln im Gesicht bei ihm vorbei und h?rte sich eine stundenlange Tirade ?ber das schwere Leben hinter Gittern an. Zwei Wochen blieb Stella in Lugansk, bis die Diplome fertig waren. Jeden Tag trank sie mit den Freunden ihrer Kindheit. Sie besuchte sie der Reihe nach und traf sie auf verschiedenen Partys. Einmal begegnete sie auch ihrem ersten Freund, genauer gesagt ihrem „ersten Kuss“. Der Mann sah schrecklich m?de aus. Er war heroinabh?ngig. Mit schwerem Herzen blickte sie auf die lebende Leiche. Sie hatte manchmal ein ungutes Gef?hl, wenn sie beobachtete, wie junge Burschen durch das ekelhafte Zeug starben, das die verfluchten Drogendealer vertrieben. Nur einer von hundert schaffte es, die Abh?ngigkeit loszuwerden. Die anderen waren so gut wie zum Tode verurteilt. Stella selbst hatte eine Neigung zum Alkohol und probierte damals einige Drogen aus, wie das in den Discos verbreitete Amphetamin und Ecstasy-Tabletten. Aber sie liebte das Leben so sehr, dass sie es nicht gegen Drogen eintauschen w?rde. Als Stella zur?ckkehrte, war ihre Freundin auf dem H?hepunkt des Gl?cks. Sie war erf?llt mit Begeisterung und Stolz. Nun war sie Volkswirtin und Juristin! Wovon konnte sie jetzt noch tr?umen? Die Heiratsvermittlungsagentur meldete sofort Insolvenz an und wurde geschlossen. Die Sache mit der Berufserfahrungsbest?tigung dauerte auch nicht lange, wie Natalja vorhergesagt hatte. Der passende Mann wurde gefunden und ausgenommen. Die beiden M?dchen bekamen offiziell je zweieinhalb Jahre Berufserfahrung bei einer Rechtsberatungsstelle best?tigt. Sie mieteten einen neuen Raum direkt in der Stadtmitte und begannen mit der Renovierung. Sie wussten noch nicht, dass bald eine neue Reihe von Skandalen und Zwistigkeiten ?ber sie hereinbrechen w?rde. Stella, die hinterlistige Schlange, ?rgerte ihre Freundin mit ihrem Geschmack, insbesondere mit ihrer Vorliebe f?r W?nde in hell- und dunkelbraunen Farbt?nen. Natalja dagegen wollte lieber rot und schwarz. Oder vielleicht grellgelb und dazu ein einzigartiges Gr?n. Das w?re eine Herausforderung an die Gesellschaft ganz eigener Art. Diese Farben hielt sie f?r wesentlich vorteilhafter im Vergleich zur braun- und pastellfarbener „Kinderkacke“. Sie fand grelle Farben origineller. Au?erdem w?rden sie von Nataljas tadellosen Geschmack zeugen. Stellas Bemerkung, sie h?tte gar keinen Geschmack, traf Natalja mitten ins Herz. Den arroganten Ton, in dem das gesagt wurde, konnte Natalja nicht vergessen. Die Idee geh?rte Stella, deswegen war sie berechtigt, das Design auszuw?hlen, in dem die R?umlichkeiten gestaltet werden sollten. Diese Nachricht machte Natalja traurig, es schien, als h?tte sie aufgegeben. Sie f?hlte sich zweitklassig und hasste das langnasige Luder. „Ich werde beweisen, dass ich erstklassig bin! Und kl?ger au?erdem! Wart's nur ab!“ Ein paar Tage nach diesem Skandal vibrierte Nataljas Handy Natalja. Auf dem Display erschien eine Meldung: „Sie werden von 'Luder' angerufen.“ „Ja, Stella! Brauchst du was? Sind die d?nnschissfarbenen Tapeten abgefallen? Soll ich kommen, um sie zu halten?“, zischte Natalja. „Hallo, liebe Freundin! Hasst du mich immer noch? Ich habe einen Vorschlag f?r dich. Kannst du ruhig zuh?ren?“ „Verdirb mir die Laune nicht, du Luder! In der letzten Zeit waren deine Vorschl?ge f?r mich unertr?glich!“ „Beruhige dich und h?r mir zu.“ „Okay, schie? los!“ „Erstens, ich will mich nicht mit dir zanken. Mir ist klar, dass wir v?llig verschieden sind, wie rot und schwarz.“ „Nein, wie gr?n und die braune Schei?e!“, schrie Natalja ins Handy. „Ich bin bereit, mein Auto zu verkaufen und f?r dich einen anderen Raum zu mieten, mit jeder beliebigen Farbe an den W?nden. Du wirst dort die Chefin sein. ?berhaupt sollten wir nach dem Plan nicht nur ein B?ro, sondern ein ganzes Netz er?ffnen. Unter der Bedingung, dass das zentrale B?ro ausschlie?lich mir geh?rt. Bist du einverstanden?“ „Du bist aber schlau, Stella! Du willst also im Stadtzentrum sitzen? Und ich mitten im Nirgendwo?“ „Manchmal gibt es viel mehr Kunden am Stadtrand.“ „Ja klar! Erz?hl nur!“ Alle reichen Leute lassen sich im Stadtzentrum bedienen! Am Stadtrand gibt es nur Lumpens?cke! Und Junkies! Danke f?r den Vorschlag! Den kannst du dir dahin schieben, wo du es gern magst.“ „Gar nicht wahr! Nicht alle kommen auf den Chreschtschatyk, um sich Dokumente beurkunden zu lassen!“ „Gut, ich ?berlege es mir. Hei?t das, du schenkst mir dein Auto? Und hilfst mir bei der Renovierung?“ „Genau. Die Renovierung in deinem Stil wird ja nicht so teuer.“ „Grrrrr! Ich bring dich um!“ „Haha!“, lachte Stella. „Tsch?ss dann! Ich ruf dich an, wenn ich mich entschieden habe.“ „Danke, dass du mich hast ausreden lassen.“ „Ciao.“ Nach dem Gespr?ch setzte sich Natalja in einen Sessel, goss sich einen Martini ein und dachte nach. „Ist sie wirklich so dumm? Schenkt mir ihr Auto? Da stimmt was nicht! Aber von mir aus soll es so sein. Ich werde sie los. Ich w?rde es sowieso nicht schaffen, mit ihr in diesem braun gestrichenen B?ro zusammenzuarbeiten. Stella h?lt ihr Wort. Das hei?t, es wird keine Tricks geben.“ Die M?dchen hatten nicht damit gerechnet, dass sie sich bis zur Er?ffnung ihres Hauptb?ros mit so viel schrecklichen Papierkram auseinandersetzen mussten. Es zeigte sich, dass es gar nicht leicht war, alle Genehmigungen f?r die Beglaubigung ernsthafter Unterlagen zu erhalten. Sie mussten viel Zeit daf?r aufwenden, die verschiedenen Bescheinigungen und Dokumente zu beschaffen. Stella bat Slawik aus der Pr?sidialverwaltung um Hilfe. Damals war Juschtschenko Pr?sident der Ukraine. Nachdem sich einflussreiche Beamte einmischten, lief die Sache schneller. Natalja ?rgerte sich wiederum, dass ihre Bekannten keine Bereitwilligkeit zeigten, ihr zu helfen. Manche von ihnen lachten sie sogar aus: „Eine Hure als Notarin. Das ist nur in unserem Land m?glich.“ „Dreckige Arschl?cher! Warum habe ich die nur so meisterhaft gefickt? Sie sind doch absolut keine Hilfe“, br?llte die sch?ne Natalja. Merkw?rdigerweise half ihr ausgerechnet Saweli. Er war wohl der edelste Mann in ihrer Umgebung. Er hatte nat?rlich Bekannte in diesem Bereich. Das M?dchen war sehr stolz darauf und prahlte damit. Nach dem Erhalt der Genehmigung vergingen mehrere Monate, bis die M?dchen endlich das rote Band vor dem Eingang zum neuen B?ro durchschneiden konnten. Die Zeremonie wurde mit Musik und Krimsekt begleitet. Die Freundinnen strahlten vor Gl?ck. Sie umarmten sich und Natalja dachte irgendwann, dass das Design des B?ros doch gar nicht so schlecht w?re. Stella dagegen war ein bisschen deprimiert, weil sie w?hrend des Kampfes f?r ihre bevorzugten Pastell-Farbt?ne die Freundin beleidigt hatte. Der erste Jurist wurde von Stella angestellt. Er war ein attraktiver junger Mann. Er hatte schon zwei Jahre Berufserfahrung bei einem hauptst?dtischen Notariat, das ?ber einen guten Ruf verf?gte. Denis war sch?n und hochgewachsen und hatte dichtes dunkles Haar. Er war ruhig wie eine Python. Seine lang bewimperten Augenlider hielt er etwas gesenkt. Er gefiel Stella sehr. Seine feinen, langen Finger und Handgelenke bezeugten seine intelligente Herkunft. Er sprach nicht laut, weich und eing?ngig, ideal f?r die Arbeit mit Kunden. Natalja triumphierte. „Was hast du denn da f?r einen Spasti angeheuert? Er macht uns alles kaputt! Er bewegt sich kaum! H?chstens im Zeitlupentempo. Total zur?ckgeblieben!“ „Er ist genau richtig! Die Angestellten in einer Notarkanzlei m?ssen bed?chtig und ruhig sein. Die Arbeit mit Kunden erfordert eine besondere Vorgehensweise und dabei weder Emotionalit?t noch fieberhaftes Rattenrennen!“ „Er ist voll die Bremse! Ich will diese Frau da einstellen! Die mit dem Zopf! Eine Sch?nheit! Schau dir nur mal ihre Augen an.“ Sie warf eine Bewerbungsmappe auf den Tisch direkt vor die Nase ihrer Freundin. „Wozu brauchen wir diese Schwuchtel im B?ro? Kannst du mir das sagen? Wenn wir jemanden wie die Frau da einstellen, kriegen wir coole M?nner als Kunden! Aber mit dieser Missgeburt machen wir aus unserem Notariat ein Schwulennest!“ „Wir sind eine Notarkanzlei, kein Puff! Wozu brauchst du M?nner?“ „Ohne M?nner geht gar nichts! Bist du v?llig verr?ckt geworden? Die Direktoren aller gro?en Firmen sind M?nner! Sie wollen ihre Unterlagen von einer sch?nen Frau beglaubigen lassen und nicht von einem Schwulen!“ Vielleicht hatte sie recht, aber Stella tat unnachgiebig genau das Gegenteil, als ob sie es darauf anlegte. Allem Anschein nach war es genau so, weil Stellas innere Haltung gegen?ber ihrer Freundin nicht zu hundert Prozent von W?rme und G?te gekennzeichnet war. Sie war das endlose Streiten und die Skandale m?de. Sie erinnerte sich mit Sehnsucht an ihr vergangenes „Theaterleben“, das so lustig und abwechslungsreich gewesen war. „Was hatten wir doch f?r einen Spa?! In diesem M?rchen gab es f?r jede eine eigene Rolle: Schwester, Tante, Nichte oder Braut. Jede hat ihre Rolle zu hundert Prozent gespielt. Und gelacht haben wir vom ganzen Herzen. Jetzt haben wir eine Hauptrolle f?r jede von uns. Wie sollen wir damit umgehen?“ Ihrem Wesen nach konnten die M?dchen nichts miteinander teilen. W?rden Theaterrollen verteilt, k?nnte ein Regisseur zweifellos Natalja die Hauptrolle geben, zum Beispiel die der unnachahmlichen Edith Piaf. Auch Stella k?nnte sich bei weitem nicht nur in Massenszenen pr?sentieren. Es w?re interessant, sie auf der B?hne als F?rstin Olga zu sehen, jene eiskalte Frau mit w?tendem Blick, die eine ganze gegnerische Armee verbrannte, indem sie befahl, glimmende Lunten an die F??e von Tauben zu binden und diese dann in die feindliche Stadt fliegen zu lassen. Oder als Katharina die Gro?e, die sich von der Neugierde der Zeitgenossen zur?ckzog, um die lasterhafte Liebe mit Pferden zu genie?en. Endlich begann der Arbeitsalltag. Stella versuchte, jede freie Minute zu benutzen, um die Verfassung und andere Gesetze zu studieren. Auf Ukrainisch fiel es ihr besonders schwer. Stella war Russin, anders als Natalja. Ihre Eltern stammten aus Russland. Sie wurde in Lugansk geboren, unweit der Grenze, in einem Gebiet, wo die russische Sprache dominierte. Wegen ihrer unzureichenden Ukrainischkenntnisse beschloss das M?dchen, sich an der sprachwissenschaftlichen Fakult?t einzuschreiben. Damals konnte man nur an der sprachwissenschaftlichen Fakult?t die Pr?fungen in russischer Sprache ablegen. Bei der Arbeit f?hlte sich Natalja wie ein Fisch im Wasser. Als echte Ukrainerin war sie seit ihrer Kindheit an die Landessprache gew?hnt. Auf Ukrainisch verfasste Dokumente konnte sie schnell lesen. Dadurch f?hlte sie sich ihrer hochn?sigen Freundin ?berlegen. Diese empfand das nat?rlich als Beleidigung, aber wie immer fand das rechnerische Gehirn Stellas viel Positives an ihrem gemeinsamen Unterfangen. Nataljas Bem?hungen, der Freundin ihre Schw?chen unter die Nase zu reiben und den Wettbewerb um den Titel „Die Coolste“ zu gewinnen, f?hrten dazu, dass das Gesch?ft ausgezeichnet und flott lief. Stella bemerkte, dass Natalja und Denis recht gut zusammenarbeiteten. Unter Nataljas strenger Leitung bewegte er sich schneller und sprach lauter. Entweder wurden die Nerven des Burschen h?rter oder er erwachte aus seinem langen Intelligenzlerschlaf – die Ergebnisse waren jedenfalls ausgezeichnet. Bei einer solchen Belegschaft konnte sie ruhig schlafen. Nur eins machte ihr Sorgen: die Tatsache, dass alles auf Betrug und Gaunerei aufbaute. Ihre Diplome hatten sie gut versteckt, aber das Risiko war gro?. Schlie?lich kannten viele Menschen die M?dchen pers?nlich. Stella hatte Angst, entlarvt zu werden, deswegen bem?hte sie sich, sich nicht an Orten zu zeigen, wo sie Bekannte treffen k?nnte. Aber sie untersch?tzte die Gefahr, die von Natalja oder genauer gesagt von deren Umfeld ausging. Stella projizierte irgendwie jungenhaft ihre eigene Lebenseinstellung auf andere Menschen. Sie hatte gute Freunde, die sie sehr sch?tzten. Sie war ein gro?z?giger Mensch und beschenkte ihre Freunde reichlich und von ganzem Herzen. Oft half sie den Menschen, die sie ausnutzten. Es kr?nkte Stella sehr, aber sie machte den gleichen Fehler immer und immer wieder. Dabei sagte sie: „Ich kann mich nicht ?ndern. Ich komme immer jedem zu Hilfe, der mich braucht. Ich tue das f?r mich selbst.“ Die falschen Menschen verschwanden schnell aus ihrem Leben. Jeder hatte seinen Preis. Sie nutzten Stella einmalig aus, liehen sich Geld oder Sachen von ihr und gaben nat?rlich nichts zur?ck. Der Hauptvorteil bestand f?r Stella genau darin, dass sie diese Personen in ihrem Leben nie wieder sah. Es blieben gute und kluge Menschen, die verstanden, dass es keinen Sinn hatte, eine Frau wie sie ein- oder zweimal auszunutzen, wenn es doch m?glich war, mit ihr einfach befreundet zu sein und sich immer auf sie verlassen zu k?nnen. Jedes Gesch?ft ging ihr flott von der Hand, sie besa? immer Geld und der Spa? in ihrer Gesellschaft h?rte nie auf. Ihr Lachen und ihre strahlenden Augen sorgten immer f?r die beste Laune. F?r einen Freund konnte sie ihr Letztes hingeben. Das wusste bei weitem nicht jeder zu sch?tzen. Manche Leute fingen an, das als selbstverst?ndlich anzusehen, und bestahlen oder verrieten sie dann. Stella sagte: „Jeder und alles hat seinen Preis. Das zeigt mir, dass dieser Mensch meiner Freundschaft genau diesen Wert beimisst. Ich bin bereit, das zu bezahlen und ihm daf?r zu danken, dass er f?r so kleines Geld aus meinem Leben verschwunden ist. Gott sei Dank, dass sich die Menschen gerade in Kleinigkeiten outen. Die Lumpen zeigen ihr Wesen sofort. Die Gier kann in Menschen die Oberhand gewinnen. Dann verraten sie heilige Gesetze der Freundschaft und der Ehre. Aber das Schlimmste ist, wenn ein Mensch seine gemeine Natur jahrelang verbirgt.“ Sie wurde nicht gern von Menschen entt?uscht. Zum Beispiel war die Freundschaft mit Natalja f?r sie eine klare Sache. Sie wusste, was sie davon zu erwarten hatte und was nicht, und im Innersten liebte sie ihre Freundin wirklich. Natalja verstand Stella und ihre Prinzipien ?berhaupt nicht und dachte, diese sei in jeder Hinsicht neidisch auf sie. Die kantige, arrogante Stella ?rgerte sie mit ihrer Pingeligkeit und Hochn?sigkeit. Sie glaubte nicht an gute Eigenschaften bei dieser Schlange und war sicher, dass alles, was Stella tat, nur ihrem Eigennutz diente. Sie selbst empfand im Innersten eine starke Bindung an Stella. Wenn Natalja sich schlecht f?hlte oder krank war, kam diese Schlange und pflegte sie, als ob Natalja ihre Schwester w?re. Sie brachte alle m?glichen Arzneimittel und Tinkturen mit. Sie kochte f?r sie Gl?hwein mit Orangenschale und Zimt nach dem Rezept eines Schweizers. Sie sa? so lange bei ihr, bis ihr besser ging. Dann erinnerten sich die beiden an lustige Momente ihres Lebens und lachten. Natalja hatte immer einen Vorrat an witzige Geschichten. Bei einem Auftrag hatte Natalja einem Bankdirektor, nat?rlich auf seinen eigenen Wunsch, dessen Hoden so fest eingeschn?rt, dass sie selbst den Knoten nicht mehr ?ffnen konnte. Die Eier des Direktors schwollen so an, dass sie sich in eine dunkelrote Kugel verwandelten. Er br?llte wie am Spie?, w?hrend Natalja ihn von hinten mit ihrem Handy fotografierte. Stella fiel vom Stuhl vor Lachen. Es gab noch eine interessante Story. Einmal wurde Natalja von zwei Schwulen eingeladen. Sie baten das M?dchen zu versuchen, ihnen beiden gleichzeitig durch ein Rohr, das in den Anus gesteckt wurde – sie nannten es „Tunnel“, – lebende Hamster in den Arsch laufen zu lassen und sie dann aufzufangen, w?hrend sie sich liebkosten und die Schw?nze lutschten. „Warum ich?“, fragte Natalja. „Ihr braucht einen dritten Homo und kein M?dchen.“ „Wir sind eifers?chtig aufeinander“, erkl?rte einen von ihnen. „Wir sind am Anfang unserer Beziehung, noch nicht so lange zusammen. Deshalb brauchen wir f?r dieses Experiment doch ein M?dchen.“ Natalja h?tte nie gedacht, dass ein Arsch als Tunnel f?r kleine Nagetiere benutzt werden k?nnte. Am Ende kehrte ein Hamster aus dem dunklen, stinkenden Loch nicht zur?ck und begann, den Schwulen von innen zu beknabbern. „Oh je, wie hat dieser Arschficker geheult und gewinselt!“ Er h?pfte wild herum und versuchte, das Nagetier herauszusch?tteln. Der andere rief eilig den Rettungswagen. Dabei machte er Natalja Vorw?rfe, weil sie die Tiere falsch in den Arsch h?tte laufen lassen. Sie h?tte sie angeblich nicht mit den Z?hnen, sondern mit Hinterteil nach vorn hineinschieben sollen. Dann w?rde das Fell von innen kitzeln und so f?r den Orgasmus sorgen. Natalja empfahl dem Arschficker, dorthin zu gehen, wo der arme Hamster gerade stecken geblieben war, nahm ihr Geld und ging, den n?chsten Auftrag zu erf?llen. Als sie im Taxi sa?, beschnupperte sie sich selbst. Sie hatte das Gef?hl, nach Schei?e und wei?en Ratten zu stinken, die sich vor ihren Augen braun f?rbten. Stella platzte vor Lachen. „Puh! Natalja, lass mich zu Atem kommen! Ich habe Schluckauf wegen deiner wilden Geschichten.“ Das alles interessierte sie. Es war eine andere Welt voll unglaublicher Geschichten, die sie aus erster Hand zu h?ren bekam. Die Monate vergingen. Es gab viel zu tun, sie stritten immer weniger. Das Leben bekam einen Arbeitsrhythmus, der sowohl lehrreich, als auch interessant war. Die Kunden waren unterschiedlich, teils kompliziert und anspruchsvoll, teils unproblematisch und witzig. Unter ihnen gab es ungew?hnliche Pers?nlichkeiten: Verk?ufer und K?ufer, Immobilienmakler, Banker und andere Gesch?ftsleute. Omas, die ihre H?user und Wohnungen den Enkelkindern oder den Zeugen Jehovas vermachten. Stella bemerkte, dass Natalja morgens etwas ramponiert ins B?ro kam. Ihr war klar, dass die Freundin nachts ihrem alten Gewerbe nachging. Leider war diese echte Nymphomanin nicht einmal durch einen anst?ndigen B?rojob zu bessern. Sie f?hrte mit Natalja ein heftiges Gespr?ch und verbot ihr strengstens, auf den Strich zu gehen. Es bestand ernsthaft die M?glichkeit, unter den Freiern auf Kunden ihres B?ros zu treffen. Natalja wollte nat?rlich keine Belehrungen h?ren. Sie versuchte, die Freundin in ihr so genanntes Privatleben nicht einzuweihen. Der Niedergang des Imperiums durch Fickgeschichten So kam der schreckliche Tag, an dem das Imperium der zwei Freundinnen unterging. Artschik wurde von der Polizei wegen Menschenhandels verhaftet. Er fand sich schnell zurecht und lieferte Natalja und Stella mit ihren ganzen schmutzigen Gesch?ften ans Messer. Er erz?hlte von ihren gef?lschten Diplomen, um selbst einer Freiheitsstrafe zu entgehen. Der Fall wurde unverz?glich an die Staatsanwaltschaft abgegeben, geriet aber, Gott sei Dank, auf den Tisch eines Bekannten von Stella, der selbst in Machenschaften verwickelt war, die mit der Er?ffnung ihres B?ros zusammenhingen. Leider war er gezwungen, diesen gro?en Fall an die ?ffentlichkeit zu bringen. An diesem Tag ging alles den Bach hinunter. Ewgeni Pawlowitsch fuhr zum Notariat der Gaunerinnen. Hastig schaute er sich nach allen Seiten um und ging schnell herein. Stella sah den Leiter der Staatsanwaltschaft vom Fenster aus. Ihr Herz raste, als ob sie einen Marathon gelaufen w?re. Sie hatte ein schlechtes Gef?hl. Er kam ins B?ro und sah ihr schweigend in die Augen. Als ob sie seine Gedanken gelesen h?tte, fragte Stella mit heiserer, verlorener Stimme: „Wieviel Zeit haben wir?“ „Ein paar Minuten. Ins Auto, schnell!“ „Gibst du uns zehn Minuten? Ich muss etwas von unten aus dem Safe holen.“ „Im Gef?ngnis hast du zehn Jahre Zeit! Wenn dein Anwalt gut genug ist“, giftete er zur?ck. „Wof?r?“, schrie Natalja, die wie versteinert dastand und dem Gespr?ch zuh?rte. „F?r Urkundenf?lschung, illegale Benutzung eines staatlichen Notarsiegels und f?r Prostitution!“ Der Mann blickte in Richtung der T?r, neben der diejenige stand, die wegen des letzteren Delikts angeklagt werden k?nnte. Stella err?tete bei diesem Vorwurf, als ob sie selbst dieses Verbrechens beschuldigt w?rde. Die tats?chliche Hure dagegen l?chelte ruhig ?ber das ganze Gesicht. Sie sah aus wie eine Frau, die ein Kompliment bekommen hatte. Die Freundinnen gingen schweigend den Korridor entlang, wo Kunden mit ihren Dokumenten sa?en und auf deren Beglaubigung durch einen falschen Notar warteten. Mit gro?em Bedauern schaute Stella auf Nataljas R?cken, die vor ihr schritt und die H?ften wiege, als ob sie aus Gummi w?ren. Wegen des losen Plappermauls dieser schmutzigen Nutte drohte ihr grandioser Lebensplan zu zerfallen. „Ihr m?sst umgehend euer Geld von allen Konten abheben, bevor euer Verm?gen samt den Bankkonten beschlagnahmt wird“, sagte Ewgeni. „Schnell zur Bank!“ Bei der Bank war nicht so viel Bargeld vorr?tig, wie sie angefordert hatten. Ewgeni musste einige Leute anrufen, die ?ber die n?tigen Beziehungen in der Bankwelt verf?gten. F?r diesen Rettungsdienst forderte er von jedem M?dchen je 5.000 Dollar. Die beiden Freundinnen brauchten nicht zu antworten, denn die Frage selbst klang schon bejahend. Dabei erkl?rte er, dass die Fahndung nach ihnen eingeleitet w?rde, sobald man die F?lschung der Diplome bewiesen habe, was sehr bald passieren k?nnte. „Wie bald? In einer Woche? Einem Monat?“ „Alles h?ngt von der Antwort aus Lugansk ab. Wer ist in die Sache verwickelt, den Verkauf der Diplome und so weiter?“ „Dahinter stecken ernstzunehmende Leute! Die Diplome sind mit den Original-Siegeln versehen.“ „Wenn es so ist, Stella, dann wird die ?berpr?fung sicher mehrere Monate dauern. Aber f?r euch ist es das Beste, wegzufahren, damit ihr nicht im Untersuchungsgef?ngnis landet. Lasst die anderen damit klarkommen.“ „Verstanden. Hab vielen Dank!“ „Sagt Bescheid, falls ihr nochmal Hilfe braucht, ihr kleinen Schwindlerinnen!“, scherzte der Staatsanwalt. „Auf Wiedersehen, Ewgeni!“ Stella umarmte den Freund. Ihre Augen wurden feucht. „Danke dir f?r alles…“ Die M?dchen verlie?en die Stadt. Unterwegs mieteten sie ein schickes Haus, kauften sich Lebensmittel und jede Menge Alkohol. Sie sa?en am Kamin, tranken und wechselten kein Wort miteinander. Stella brach das Schweigen. Nach der ersten geleerten Flasche war sie praktisch noch n?chtern. „Am besten w?re es, das Land zu verlassen.“ Natalja war den Tr?nen nahe. „So ein Arschloch, dieser Artschik! Ein Schweinehund! Das Land verlassen?“ Das M?dchen schluchzte. „Und meine Mutter? Meine Familie?“ „An die Familie h?ttest du fr?her denken m?ssen! Du hast in einer Notarkanzlei mit gef?lschten Papieren gearbeitet, bist auf den Strich gegangen und hast dabei noch deinen Zuh?lter gev?gelt! Was hast du eigentlich erwartet? So naiv kann man doch gar nicht sein!“ Natalja kam schweigend auf Stella zu. Es sah aus, als ob sie Angst h?tte, Stella w?rde sie bei?en. Sie umarmte ihre Freundin und seufzte wie ein Kind. „Verzeih mir! Das wollte ich nicht!“ Lass uns irgendwo hingehen, nur, bitte, verlass mich nicht!“ Aber Stella konnte nicht ihr alles einfach so verzeihen. Sie schrie ihr ins verweinte Gesicht: „Wegen dir, du Schlampe, sind alle meine Tr?ume kaputtgegangen! In einem Augenblick! Das ganze Geld! Endlich hatte ich ein anst?ndiges Auskommen! Und alles ist zusammengebrochen! Alles! Ich hasse dich! Warum hast du mit deinem verdammten Gewerbe nicht aufgeh?rt? F?r eine sch?ne Zukunft? Was hat dir gefehlt? Hattest du nicht genug Geld? Warum musstest du dich mit irgendwelchem Lumpenpack als Nutte herumtreiben? Eine sch?ne Notarin bist du! Hol dich der Teufel! Dreckige Schlampe! Man sieht es dir gleich an, was du f?r eine billige Schnalle bist! Du hast allen erz?hlt, dass du Notarin bist. Dabei warst du besoffen und auf Eñstasy. Hast die Bar vollgesabbert und bist vom Hocker gefallen.“ „Aber du, Stella! Du bist so ein braves M?dchen, das noch nie Tabletten genommen hat! S?uferin! Du trinkst Bier und Whiskey literweise wie ein Mann! Und erz?hlst mir irgendeinen Stuss! Spielst hier die Zimperliese! Dabei schl?fst du mit M?nnern, genau wie ich! Blo? umsonst! Also wer ist hier billig? Nat?rlich! Daf?r m?gen dich alle! Weil du's gratis mit ihnen treibst!“ Stella h?rte den Schwall von Vorw?rfen schweigend an. Vielleicht war sogar etwas dran. Wenigstens zum Teil k?nnte Natalja recht haben. Aber Stella war schlicht und einfach nicht f?hig, f?r Sex Geld zu nehmen. Die Leidenschaften legten sich und die Freundinnen konnten etwas schlafen. Am Morgen rief Stella alle Agenturen an, die M?dchen ins Ausland vermittelten. Am Abend kam die Leiterin einer solchen Agentur zu ihnen. Sie brachte alle Unterlagen mit, die erforderlich waren, um Arbeitsvertr?ge f?r Eins?tze von drei, sechs oder acht Monaten im Jahr in verschiedenen L?ndern abzuschlie?en. Die M?dchen sa?en am Tisch und sahen sich verschiedene Varianten f?r die n?chste Zeit an. Stella interessierte sich f?r die USA und die Schweiz, Natalja dagegen nur f?r die Schweiz, weil sie dort Bekannte hatte. Bei dem Job ging um Stangentanz und Alkoholkonsum. Laut Vertrag w?ren sie verpflichtet, mindestens sechs Mal pro Nacht an der Stange zu tanzen und dazwischen mit Kunden alkoholische Getr?nke aller Art zu trinken. Wenn ein Gast ein Glas Champagner f?r ein M?dchen bestellte, das im Klub als T?nzerin t?tig war, kostete ihn das sechzig Schweizer Franken, also circa f?nfundf?nfzig Dollar. Davon erhielt das M?dchen zehn Prozent. Wurde eine ganze Flasche Champagner bestellt, sei es Dom Perignon, Belle Epoque, Krug, Veuve Clicquot oder gew?hnlicher Moet & Chandon, stand dem M?dchen nat?rlich eine h?here Kommission zu, weil eine einzige Flasche Krug locker zweitausend Franken kosten konnte. Der Champagner floss in Str?men in den Klubs der Million?re. War das M?dchen nicht im Stande, so viel zu trinken, war es erlaubt, Getr?nke auf den Boden oder an die Wand zu sch?tten; diese waren mit einem Teppich bedeckt, der die Fl?ssigkeit sofort aufnahm. Die Kunden sollten das nicht bemerken, alles musste heimlich vor sich gehen. Jeden Morgen kam der Reinigungsdienst mit spezieller Ausr?stung und sp?lte Tausende von Dollar von den W?nden des Lokals. Es war m?glich, mit Kunden gegen Geld zu schlafen, aber keine Pflicht. Die M?dchen konnten das tun, wenn sie den Wunsch hatten. Im Klub gab es speziell ausgestattete Zimmer, so genannte Separees, wo man mit dem Kunden zu einem privaten Tanz oder einfach zum Trinken allein sein konnte. Daf?r musste er eine Flasche Champagner im Wert von mindestens dreihundert Franken, circa zweihundertsiebzig Dollar, bezahlen. Wer das M?dchen ins Hotel mitnehmen wollte, musste daf?r dem Klub tausend Franken zahlen, also etwa neunhundertf?nfzig Dollar, dazu das Honorar f?r die Sch?ne nach Absprache. Die M?dchen verlangten normalerweise auch einen Tausender f?r sich selbst. Feilschen war nat?rlich m?glich. Der Lohn betrug zweitausendzweihundert Franken im Monat plus Kommission von Alkoholkonsum und Ausg?ngen mit Kunden. Der Gesamtverdienst konnte, je nach Arbeitseifer und nat?rlich Gesundheitszustand, zehntausend Franken im Monat erreichen. Die Arbeit ging nachts vor sich, immer von 10 Uhr abends bis zum fr?hen Morgen. F?r die Wohnung wurden vierhundert Franken im Monat f?llig. Sie befand sich gew?hnlich im selben Geb?ude, im oberen Stock. Das Verlassen des Klubs war nur mit Erlaubnis des Besitzers m?glich. Treffen mit Kunden au?erhalb des Lokals waren verboten. Stella warf einen Blick auf Natalja, die an die Decke starrte, als ob die letzte Bedingung des Klubs nicht in ihrer Gegenwart vorgelesen w?rde. „Wenn sie aus diesem Job auch noch gefeuert wird…“, dachte das M?dchen, beschloss aber, das ohnehin komplizierte Verh?ltnis zu ihrer Freundin nicht weiter anzuheizen. Natalja senkte den Kopf und rief: „Ist mir alles recht! Ich fahre in die Schweiz! Juh!“ Sie hob ihr Weinglas und hielt inne. Sie schaute Stella an. „Oh, sorry! Wir fahren in die Schweiz! Nicht wahr, Liebes? Ich zittere schon vor Aufregung! Million?re! Champagner! Geld! Was w?nscht man sich mehr? Tanzen kann ich! Und tausend Dollar pro Nacht? Das ist ja elit?r! Erste Klasse! Ich zeige allen, wie man das macht! Das ist keine Arbeit wie bei euch im Notariat, wo es so langweilig war! Auf diesem Gebiet bin ich wie ein Fisch im Wasser! Das ist mein Milieu!“ Stella sah d?ster und blass aus. Das Tanzen lag ihr nicht, daf?r aber das Trinken! Das konnte sie gut! Oh! Dauersuff! „Haben Sie zuf?llig einen Vertrag ohne Tanzen? Nur mit Trinken?“, fragte Stella mit einem aufgesetzten L?cheln. „F?r die Schweiz leider nicht. Das Visum bekommen Sie als K?nstlerin, und zwar als T?nzerin. Das wissen Sie doch, Kollegin.“ „Ja. Ich habe schon M?dchen dorthin geschickt, aber ich habe sie zum Preis von hundert Dollar pro Kopf angeboten und sie direkt mit dem Unternehmer in Kontakt gebracht. Auf die Einzelheiten, wie das System funktioniert, bin ich nicht eingegangen. Leider“, sagte Stella und warf einen brennenden Blick auf die zufriedene Natalja. Dieser waren die Sticheleien schon egal, f?r sie ihr war alles in Butter, genau, wie sie es haben wollte. „Die Schweiz ist ein interessantes Land, das aus drei Teilen besteht. In allen drei werden unterschiedliche Sprachen gesprochen. In Z?rich zum Beispiel spricht man Deutsch. Sie haben dort ein kompliziertes System. Die M?dchen sollen splitternackt sein, sogar ohne Slips, praktisch w?hrend der ganzen Show. In Genf, das im franz?sischen Teil liegt, werden am Ende des Liedes die Bikinis ausgezogen. In Lugano, wo die italienische Sprache vorherrscht, soll der Slip gar nicht ausgezogen werden. Man zeigt sich nur oben ohne. Aber auch das nicht unbedingt.“ „Wie werden denn dann in Lugano die Kunden ins Lokal gelockt?“ „Dort arbeiten im Klub Balletts aus Charkow, je drei?ig T?nzerinnen in einer Truppe. Mit ihren schicken Shows bezaubern sie die Italiener, die einen Flirt und ausgiebiges Vorspiel m?gen. Sie haben keine Lust, mit kalter Miene auf nackte Weiber zu starren und dabei keine Emotionen zu zeigen, wie es im deutschen Teil der Fall ist.“ Nataljas Interesse wurde sofort von Genf, dem goldenen Mittelweg, geweckt. „Den Slip am Ende des Tanzes, und davor die Brustwarzen an der kalten Stange reiben! Schnell her mit den Unterlagen!“, schrie die Nymphomanin fast. „Mademoiselle will nach Genf! Voil?!“ Ein gl?ckseliges L?cheln erstrahlte in ihrem Engelsgesicht. „Grundkenntnisse in Franz?sisch habe ich. Das ist Schicksal! W?re ich da nur gleich hingefahren, dieses Paradies auf Erden zu erobern, statt mich auf kriminelle Sachen einzulassen.“ Stella h?rte nicht, was Natalja da redete. Mit einem traurigen Gef?hl studierte sie die Vertragsbedingungen f?r den Einsatz in anderen L?ndern. Darunter waren England, Australien, Schweden, Japan, Deutschland, die T?rkei und Italien. Sie las alle nacheinander durch. Ihr fiel ein merkw?rdiger Name auf: Liechtenstein. „Was ist das?“ „Das ist ein kleines Land in den Alpen. Genau genommen ein Zwergf?rstentum. Dort herrscht ein F?rst.“ „Noch kleiner als die Schweiz? Dort wohnen doch schon weniger Menschen als in Moskau!“ „Ja, genau, absolut winzig. Ein kleines Wunder, wo alle reichen Leute ihr Geld verstecken. Unsere Million?re haben sich dort ganz sch?n eingenistet. Sie lagern riesige Guthaben bei verschiedenen Banken, Stiftungen und Gesellschaften. Viele Restaurants geben auf den Speisekarten keine Preise an, weil den G?sten v?llig egal ist, was die bestellten Gerichte kosten k?nnten. Sie sind so wohlhabend, dass sie essen gehen k?nnen, ohne sich um Preise zu k?mmern.“ „Klingt nicht schlecht. Das klingt sogar verlockend!“, sagte Stella. „Welche Bedingungen gelten dort?“ „Ein sehr grausames System. Nichts als die reine Prostitution. Die M?nner kommen dorthin ausschlie?lich zu gesch?ftlichen Verhandlungen und f?r Business. Sie haben keine Zeit f?r lange Aff?ren. Au?erdem ist Prostitution dort legal. Die M?dchen erhalten daf?r ein Prostituiertenvisum. Das kann auch einen Einfluss auf das sp?tere Leben des M?dchens in Europa haben. Wenn ein M?dchen heiraten und ein normales Leben f?hren will, ist ihr Ruf in den Augen des Staats leider besch?digt.“ „Oh nein! Dann ist das nichts f?r mich!“, erkl?rte Stella. „Und auch nicht f?r mich! Mein Bruder ist bei der Polizei und mein Vater ist Priester!“ Die Freundinnen brachen in Gel?chter aus. Die Stimmung wurde mehr oder weniger freundschaftlich. Die M?dchen tranken guten Wein und plauderten ?ber die Details. „Stella! Du kannst aufh?ren, so ein b?ses Gesicht zu machen! Lass uns nach Genf gehen!“ „Nein! Ich kann doch gar nicht tanzen! Schon gar nicht nackt! Wenn ich mir blo? vorstelle, wie ich mit runtergelassenem Slip auf einer B?hne stehe und alle M?nner starren mich an! Ich m?sste ihn wohl gleich ausziehen, weil ich sonst nichts habe, was einen Blick wert w?re! Mein Zinnsoldatentanz w?rde bei den M?nnern wohl kaum auf Interesse sto?en. Vor allem, wenn der Zinnsoldat auch noch sturzbetrunken ist, weil er sich mit eine Liter Wodka Mut angetrunken hat. Das Publikum m?sste vor Angst erstarren, weil es f?rchtet, dass die besoffene Gestalt jemandem wie ein Klotz auf den Kopf fallen k?nnte.“ „Haha! Stella! Du kannst einen echt zum Lachen bringen! Ich habe noch nie so einen selbstkritischen Menschen wie dich getroffen!“ „Ich bin eben leider Realistin.“ Stella kratzte sich im Nacken und brach in Gel?chter aus. Darja beobachtete verwirrt die beiden Freundinnen, die vor Lachen beinahe erstickten, und ?berlegte, wie sie am schnellsten diese Irrenanstalt mit zwei Verr?ckten verlassen k?nnte. „Ich wei? selber schon nicht mehr, wohin ich gehen soll! Einen F?rsten w?rde ich auch gerne ficken!“, rief Natalja. Darauf folgte wieder eine Gel?chterexplosion! Diesmal lachten alle drei. „Fahr nach Genf! Deine Entscheidung ist gefallen. Stella? Hast du dich entschieden?“ „Ah ja, entschuldige bitte. Wir vergeuden deine Zeit mit unseren dummen Witzen.“ „Macht nichts. So was erlebe ich auch nicht jeden Tag. Ich habe Spa? mit euch, M?dchen.“ „Also, Stella!“, rief Natalja. „Das Tanzen bringe ich dir schon bei! Wenn es m?glich ist, hei?t das! Deine Titten sind gar nicht schlecht. Im Dunkeln w?rden sie super aussehen.“ Da beschloss Stella endg?ltig, mit diesem sexbesessenen Ungeheuer nirgendwohin zu gehen. „Ich gehe nach Japan“, sagte Stella eiskalt, als sie den Vertrag zu Ende gelesen hatte. Sie fand sich sch?n. Auch ihre Br?ste. Aber sie wollte ihre Reize ganz sicher nicht jedem zeigen. „Ich finde, das ist die richtige Entscheidung! In diesem wunderbaren, m?rchenhaften Land wirst du, Stella, alles finden, was du dir w?nschst. Tanzen ist gar nicht n?tig. Und Sex haben die Japaner nur in ihrer Fantasie. Dann hast du dich also entschieden?“ „Ja.“ Erz?hl mir bitte von den Vertragsbedingungen und den Anforderungen des Klubs. Was habe ich von Schlitzaugen zu erwarten?“ „Auf einen japanischen Vertrag muss man normalerweise ein halbes Jahr warten. In St?dten wie Tokio noch l?nger. Aber ich habe eine Last-Minute-Anfrage aus Nagasaki. Ein M?dchen hat den Vertrag aus gesundheitlichen Gr?nden abgelehnt. Deshalb kannst du in zweieinhalb Monaten fliegen, wenn wir sofort ein Visum beantragen w?rden. Der Klub hei?t Chorus Line. Der Chef dort ist ein sch?ner, hochgewachsener junger Mann. Tanzen ist nicht n?tig, weil alle M?dchen dort tanzen. Die Nacht ist gar nicht lang genug, dass alle an die Reihe kommen.“ „Sind die T?nze so beliebt? Hat das einen Grund?“ „Ich erkl?re es euch. W?hrend der Show d?rfen die M?dchen den G?sten Blumen verkaufen. Jede Blume kostet ungef?hr zehn Dollar. Das Trinkgeld des M?dchens h?ngt davon ab, wieviel Blumen sie verkauft. Die Blumen sind aus Kunststoff. Viele T?nzerinnen verdienen auf diese Weise genug f?r ihr Essen und die Kleidung w?hrend der ganzen Vertragsdauer. Den Lohn legen sie auf die Seite.“ „So! Hast du geh?rt, wie der Job zu machen ist, Stella? Du h?ttest nat?rlich die ganze Vertragszeit mit stolzer Miene rumgesessen und deinen ganzen Lohn ausgegeben oder im Suff verschleudert. Du gro?z?gige Seele! Und wahrscheinlich w?rdest du auch noch einen Japaner mit Babypimmel finden und dich in ihn verlieben! Ha! Ha! Ha! „Lass mich in Ruhe, Natalja! Du bist betrunken! Erz?hl weiter, Darja.“ „Wo waren wir?“ „Bei T?nzen und Blumen.“ „Ah ja. Das mit den T?nzen haben wir gekl?rt. Das war in Ordnung f?r dich. Aber der Verdienst dort ist sehr gering, kein Vergleich mit der Schweiz. Rechnet man den japanischen Yen in Dollar um, macht das ungef?hr f?nfhundert Dollar im Monat.“ „Aha! Das ist l?cherlich! Stella wird niemals drauf eingehen!“ „Halt den Mund oder geh ins Bett!“ „Ich bin schon still. Excuse moi, Mademoiselle.“ „Womit wir dort ?berhaupt Geld verdient?“ „Mit den Getr?nken, wie in der Schweiz. Aber dort kann man einen gew?hnlichen Saft oder Tee trinken.“ „Och, helft mir! Ich ersticke vor Lachen! Stella trinkt Tee! Und den Whiskey trinkt sie hinterher!“ „Erz?hl weiter, Darja“, zischte Stella streng. Sie wurde nerv?s. Sie wollte sich m?glichst schnell von Darja verabschieden, ein Glas Whiskey kippen und niemanden mehr um sich herum h?ren. „Also. Den Flug, die Versicherung und die Wohnung bezahlt ihr selbst. Die Miete ist nicht hoch, weil ihr zu sechst in einer Einzimmerwohnung untergebracht werdet. In Doppelstockbetten wie in einem Kinderferienlager.“ „Oh Gott.“ Natalja versuchte, das Lachen niederzuk?mpfen. Sie wurde rot wie eine Tomate. „Der Vertrag l?uft sechs Monate.“ „Wieviel Geld verdienen die M?dchen normalerweise w?hrend der gesamten Vertragsdauer?“ „Wer es nicht schafft, ein paar Kunden auszunehmen, bekommen ab f?nftausend Dollar. Diejenigen, die mehr Gl?ck haben, bringen viel Geld mit nach Hause. Sie kaufen sich Wohnungen und Autos, Villen und Landh?user. Sie bekommen riesige Betr?ge ?berwiesen, auch nachdem sie Japan schon verlassen haben. Die Japaner m?gen blonde Sch?nheiten. Viele von ihnen sind bereit, ein paar hunderttausend Dollar hinzubl?ttern, um so eine Spezialit?t zu kosten.“ „Ooooo! Jetzt habe ich Lust, mitzufliegen, Stella! Ich w?rde die Schlitzaugen mein wildes Fleisch genie?en lassen. Was meinst du, wieviel gelbe Typen k?nnte ich pro Nacht ficken? Drei Minuten f?r jeden und mit einer Zigarettenpause? Ha! Ha! „An dir habe ich keine Zweifel. Du Naturtalent! Du hast schon mehrmals gl?nzend bewiesen, was du kannst!“ „So. Ich muss dir noch alles ?ber den Flug erz?hlen. Wir bestellen Tickets mit Umsteigen in M?nchen und in Fukuoka. Das richtige Gate w?rdest du doch finden, oder? Sprichst du Englisch?“ „Ja.“ Damit habe ich kein Problem.“ „Hier hast du das ganze Unterlagenpaket. Oh, h?tte ich fast vergessen! Um dein Visum zu bekommen, musst du nach Moskau. Und der Flug nach Japan startet von dort aus.“ „Ok. Ich bin einverstanden.“ „Womit bist du einverstanden, Stella? Mit Moskau? Wir d?rfen doch nicht ?ber die Grenze und zur?ck!“ „Zur?ck will ich nicht. M?chtest du nicht ein paar Monate in Moskau verbringen, Natalja? Und dann von dort aus fliegen?“ „Geht das denn? Nat?rlich will ich das! Keine Frage! Moskau, ich komme! Freu dich auf deinen Star!“ „Abgemacht“, antwortete Stella mit einem L?cheln. Sie war zufrieden, dass Natalja ihre Idee ohne besondere Erkl?rungen und Fragen aufgegriffen hatte. Erst jetzt begriff Stella, dass die Beziehung zwischen ihnen beiden w?hrend dieser ganzen Zeit fast verwandtschaftlich geworden war. „Wo auf der Welt findet man den Menschen, der einen auf Anhieb versteht? Natalja wei?, in was f?r einer Situation wir stecken. Uns droht Gef?ngnis. Moskau ist keine schlechte Option f?r Leute, die untertauchen wollen. Dort wird uns ganz sicher niemand suchen. Vielleicht w?re es besser, mit ihr zusammen nach Genf zu gehen?“, fiel ihr ein. Aber schon im n?chsten Augenblick gewann die Vernunft wieder die Oberhand ?ber Stellas Schw?che. „Oh nein! Du solltest eine Pause von dieser Beziehung nehmen!“ Da sprach pl?tzlich ihr zweites, n?chternes Wesen. „Wieso bewegst du die Lippen, Stella? Du siehst aus wie ein Fisch.“ „Ich rede mit meinem Schatten.“ „Frag ihn doch, ob er tanzen kann. Und ob er mit mir nach Genf f?hrt. Oder ist er genau so bl?d wie du?“ „Lass mich in Ruhe!“ Die Arbeit mit Natalja im Notariat war ein st?ndiger Stress gewesen. H?tte Stella allein ihre Gaunereien betrieben, h?tte niemand sie je entlarvt. Aber wer wei?, was und wie noch alles passieren k?nnte. Natalja hatte sie immer unterst?tzt und ihr auch mit ihrem Wissen weitergeholfen. Darja unterbrach Stellas Gedankengang. „Also, M?dels, ich muss gehen. Unterschreibt bitte die Papiere und bleibt in Kontakt. Danke. „Danke dir f?r alles, Darja! Bitte entschuldige, wenn wir zu viel geredet haben.“ „Ach was! Es war doch ein angenehmer Abend. Ihr seid echt cool!“ „Und Kohle hast du auch gemacht! Hick, hick!“ Es war Nataljas Stimme. Ihre Worte wurden von Schluckauf unterbrochen. Stella err?tete. Wie immer sch?mte sie sich f?r ihre Freundin. Es entstand der Eindruck, dass sie sich f?r Nataljas Verhalten sch?men musste, weil dieser das entsprechende Gef?hl g?nzlich fehlte. Man sagt doch, die Menschen m?ssen einander erg?nzen. Lange sa?en die Freundinnen schweigend beisammen, als ob sie Abschied voneinander genommen h?tten. Merkw?rdigerweise dr?ngten sich ?hnliche Gedanken in den K?pfen beider M?dchen. „Wie wird es sein, allein in ein fremdes Land zu fliegen? Was erwartet uns? Werden die Ver?nderungen positiv oder negativ ausfallen? Werden wir am Flughafen verhaftet, bevor wir ins Ausland fliegen?“ Leider blieben diese Fragen ohne Antwort. So viel war in dieser Zeit passiert: H?hen und Tiefen, Lustiges und Trauriges, Liebe, Gl?ck und Leid. Nun lagen vor ihnen andere L?nder und St?dte! Japan und die Schweiz oder schwedische Gardinen und H?ftlingssuppe. Pl?tzlich erinnerte sich Natalja an Zeilen aus einem Lied von Iwan Kutschin, das einer ihrer Kunden gesungen hatte. Der kahlk?pfige Knastbruder hatte eine Strafe f?r Betrug, und zwar besonders schweren Betrug, abgesessen. Natalja stand aus dem Schaukelstuhl am Kamin auf, ging ins Haus, nahm aus dem K?hlschrank eine Flasche Wei?wein, schenkte zwei Gl?ser ein, reichte eines der Freundin und fing an zu singen: „Oh du b?ses Schicksal, Schau dich nur um! Mein Leben ist keinen Groschen wert, Es geht bergab. Ich zerbreche mir den Kopf, Aber ich werde kl?ger! Ich erfahre, was schrecklicher ist, Tod oder Knast…“ „Mein Gott! Was singst du da? Soll ich einen Herzinfarkt kriegen?“ „Ich will, das du l?chelst.“ Stella nippte an ihrem Wein und sagte mit einem L?cheln: „Danke, Liebes. Du hast mich von tr?ben Gedanken abgelenkt.“ „Vorsicht! Tr?bsal f?hrt zu Alkoholismus.“ „Dann muss ich wohl oft betr?bt sein.“ „Am kr?nksten wird ein Russe durch eine gesunde Lebensweise.“ „Fall nicht ins Koma bei dem Gedanken, dass du ein halbes Jahr von Zwergen statt von Schweizer Million?ren gev?gelt wirst! Hahaha!“ „Dabei braucht man nicht ins Koma zu fallen!“ In der Dunkelheit erschallte ein so lautes Lachen, dass in manchen H?usern das Licht eingeschaltet wurde und Hunde zu bellen begannen. „Jag deine philosophischen Gedanken weg, Stella! Die sind so unlogisch. Dabei dachte ich fr?her, dass gerade du eine gro?e Strategin w?rst.“ „Bring mich nicht zum Lachen. Lass mich ein bisschen traurig sein!“ „Wollen wir zusammen traurig sein? Sag, was du gerade denkst!“ „Ich denke dar?ber nach, wie ich mit den Schlitzaugen reden soll. Ich muss mir wohl ein W?rterbuch kaufen und diese verdammte Schrift lernen.“ „Du bist dumm, Stella! Hast du das alles etwa n?tig? Du willst ans andere Ende der Welt fliegen und ein halbes Jahr lang weder Geld noch normale M?nner haben. Schau mal, wo ich hinfahre! Nach Genf! Liebe mich auf Franz?sisch, Junge! Es kostet dich nur tausend M?use! Das ist der Preis! Sie bekommen kein Rabatt, Monsieur! O l? l?! „Haha! Du bist auch nicht schlauer, Natalja!“ „Wollen wir unsere Abreise nach Moskau planen? Weg mit den tr?ben Gedanken!“ „Das ist eine prima Idee.“ Am n?chsten Morgen fingen die M?dchen an, auf der Suche nach einer Wohnung systematisch die Moskauer Immobilienmakler anzurufen. Nachdem sie die Mietpreise in der russischen Hauptstadt kennen gelernt hatten, waren die beiden Freundinnen bald gar nicht mehr abgeneigt, zusammen zu wohnen. Trotzdem bereitete sich jede von ihnen auf den herankommenden Tsunami vor, auch wenn keine dar?ber sprach. „Dies darfst du nicht, lass das sein! Diese langweilige Stella macht mich noch verr?ckt!“ Selbst Saweli mit seinen endlosen Geschichten und das Studentenwohnheim erschienen ihr zu diesem Zeitpunkt als bessere Alternativen zu einem Leben unter der Aufsicht von Gestapo-Stella. Stella erlebte eine Art Explosion der Emotionen. Dabei wollte sie eigentlich dasselbe: M?nner, Sex, Drogen, Rock 'n' Roll. Sie war nervlich am Ende und dachte, dass ihre Reise ins Land der Zwerge ihre letzte sein w?rde. Man w?rde sie zwingen, Dinge zu tun, die sie nicht wollte. Sie sollte jede Nacht arbeiten und saufen – das hielt sie f?r eine v?llig unsinnige Zeitverschwendung ohne jede Hoffnung auf Entwicklung, etwas f?r Schwachsinnige. Sie geh?rte nicht zu denen, die sich dem Willen ihres Chefs beugen oder brav und p?nktlich zur Arbeit kommen. Es schien, dass dieser Weg zum vollst?ndigen Zerfall ihrer Pers?nlichkeit, zur Aufl?sung all ihrer Ideale und Prinzipien f?hren w?rde. Stella beschloss, es sich bis zur Abreise noch einmal gut gehen zu lassen und das Leben in vollen Z?gen zu genie?en. Dabei goss Natalja ?l ins Feuer und sparte nicht mit komischen Spr?chen: „Du wirst einen Japaner heiraten und einen engstirnigen kleinen Jungen mit dem winzigsten Pimmel der Welt geb?ren. Hahaha!“ „Und deine Tochter wird Fr?sche fressen! Hahaha!“ „Daf?r werde ich eine Madame und du blo? eine Geisha!“ „Sehr witzig.“ Es war ein herrlicher Tag. Scherzhaft planten die beiden M?dchen ihre Zukunft. Stella hatte nicht die Absicht, l?nger in Japan zu bleiben. In ihrem Fall war die Auswahl an Vertr?gen nicht gro?. Ihre Witze ?ber Sohn und Tochter der anderen dagegen erreichten anscheinend Gottes Ohr. Aber darauf werden wir sp?ter zur?ckkommen. Eine ganze Woche verbrachten die M?dchen im Vollrausch. Sie stritten und vers?hnten sich wieder, w?hrend sie auf die Reiseunterlagen warteten. Als alles fertig war, fuhr Natalja in Darjas B?ro, um die rettenden Papiere pers?nlich abzuholen. Das B?ro der Vermittlerin befand sich im gleichen H?userblock wie Nataljas Wohnung. Sie konnte der Neugier nicht widerstehen und beschloss, bei sich vorbeizuschauen. Das war ?u?erst gef?hrlich. Aber es war ihr egal. Sie stieg zu ihrem Stockwerk hinauf und sah, dass die Wohnungst?r verplombt war. Schreckliche Angst ?berkam sie. Erst in diesem Moment begriff sie den ganzen Ernst ihrer Lage. Natalja lief aus dem Geb?ude wie ein Hase und zu dem Haus, wo ihre Freundin auf sie wartete. Schreiend rannte sie zu ihr hinein. „Wir m?ssen schnell packen! Sie suchen schon nach uns!“ „Wir werden l?ngst gesucht. Wei?t du das denn nicht? Hast du die Unterlagen abgeholt?“ „Ja!“ Ich habe alles dabei! Lass uns sofort aus diesem verfluchten Haus verschwinden!“ „Ich bin so weit. Ruf ein Taxi. Ich glaube, wir m?ssen nach Charkow fahren und von dort aus fliegen.“ „Einverstanden.“ „Wer hat dir gesagt, dass wir gesucht werden? Hast du bei Artschik auf einen Abschiedsfick vorbeigeschaut? Wolltest du ihm erz?hlen, wo du hinf?hrst? Hahaha!“ „Stella, du bist nat?rlich sehr witzig, aber mir ist gerade nicht zum Lachen. Ich war bei meiner Wohnung!“ Natalja kniff die Augen zusammen und wartete auf die Schelte der Freundin. Aber diesmal reagierte Stella gar nicht so heftig: „Das war dumm.“ Bald kamen die M?dchen in Charkow an. Die Stadt gefiel ihnen. Sie sah ziemlich gepflegt, man k?nnte sogar sagen, trendy aus. Es gab viele junge Leute, allerlei Unterhaltungsm?glichkeiten und Partys. Natalja wollte nat?rlich zum Barabaschowo-Markt. Er zog sie an wie ein Magnet, denn dort konnte man eine ganze Garderobe f?r wenig Geld ergattern. Auf diesem gigantischen Markt, der rund um die Uhr ge?ffnet zu sein schien, gab alles zu kaufen, selbst die n?tigen Teile, um eine Bombe zu basteln. Die resolute Blonde mit den brennenden Augen tauchte sofort in die Menschenmenge ein, die aus verschiedensten Nationalit?ten bestand. Sie verschwand so schnell, als ob das schwarze Marktgew?hl sie einfach eingesaugt h?tte, ohne die kleinste Spur von Wei? zu hinterlassen. Stella schaute ihr nach. Wie unpassend sah der wei?e Fleck vor dem schwarzen Hintergrund aus. So kann ein gerade gewachsener Mensch unter Buckligen wie eine Missgestalt erscheinen. Stella ging durch die Menge auf der Suche nach einer Wohnung oder einem Zimmer. Sie hatte einen Wunsch, ein paar Tage in dieser tollen Stadt zu verbringen. Sie wollte sich abends in einem Klub ein bisschen entspannen. Aber zuvor musste sie eine Wohnung mieten und am n?chsten Schalter ein Flugticket nach Moskau kaufen. Sie traf eine Frau mit einem Schild, auf dem geschrieben stand: „Wohnung zu vermieten“, und fragte nach. „Es ist ein abschlie?bares Zimmer in einer Zweizimmerwohnung. Im anderen Zimmer wohnt ein Mann aus Moldawien, der hier auf dem Markt als Lasttr?ger arbeitet. Er hat einen engen Zeitplan, geht um 4 Uhr morgens aus dem Haus und kommt sp?t am Abend wieder. Die K?che wird geteilt. Die Miete ist niedrig.“ „Okay. Ich nehme das Zimmer. K?nnten Sie noch einen Augenblick warten, bitte? Meine Freundin kommt in einer Stunde zu dem Cafå da dr?ben.“ „Gut. Dann bin ich in einer Stunde wieder da.“ „Abgemacht.“ Natalja wurde w?tend, als sie von Mietbedingungen erfuhr. „In einem Zimmer? Bist du verr?ckt geworden? So kann ich doch niemanden f?r die Nacht mitbringen!“ „Wir haben einen Haufen Geld bei uns! Und Wertsachen! Du darfst niemanden mit in die Wohnung bringen! Geh ins Hotel oder zu deinem Freier nach Hause!“ „Die meisten wohnen bei ihren M?ttern! Du kennst doch unsere Kundschaft. Penner und Versager sind gut im Bett. M?nner, deren Gehirn wenigstens ein bisschen funktioniert, k?nnen nicht l?nger als drei?ig Minuten.“ „Hahaha! Danke f?r die Info. Ich werde mir d?mmere Typen aussuchen.“ „Ich sterbe vor Lachen.“ Das Zimmer gefiel den M?dchen. Es war ger?umig, mit einem gro?en Bett und Balkon. „Wow! Der Fickplatz ist ja riesig!“ „Ein altert?mliches Gro?mutterbett f?r witzige Leute mit Fantasie…“ Die T?r zum zweiten Zimmer stand halb offen. Stella schaute hinein, um den Nachbar zu begr??en, aber er war nicht da. „Seltsam. Wo ist unser Nachbar?“ „Ich glaube nicht, dass er schon zu Hause ist. Gew?hnlich f?hrt er bis zum sp?ten Abend Waren in die Lager.“ „Schlie?t er sein Zimmer nicht ab?“ „Wahrscheinlich hat er gedacht, dass er hier allein wohnen k?nnte, bei der winzigen Miete, die von ihm kassiere“, sagte die Vermieterin sarkastisch. „Moldawier sind eben doof.“ Die Frau schrieb mit kluger Miene die Daten aus den gef?lschten P?ssen ab, nahm das Geld mit der Geschicklichkeit einer erfahrenen Taschendiebin und verlie? die Wohnung. Ohne zu z?gern untersuchten die M?dchen das Zimmer des Moldawiers und fanden einen Safe. Er war nat?rlich nicht in die Wand eingebaut. Er stand einfach in einem Schr?nkchen und war so gro?, dass die T?r des Schr?nkchens nicht mehr zuging. „Hahaha! Er ist wirklich doof!“ „Ja, das kann man nicht anders sagen“, schmunzelte Stella. „Sch?nes Bild.“ „Wollen wir ihn zers?gen? Oder gucken wir den Code mit einem Spiegel um die Ecke ab, wenn er kommt?“ „Abgucken w?re wohl am besten. Wenn es nicht klappt, lassen wir den Safe auf dem Markt zers?gen. Das d?rfte eine halbe Stunde dauern.“ „Dort, wo er arbeitet. Hahaha! Trinken wir inzwischen einen Kaffee?“ „Schenk ein. Den haben wir von unserem Moldawier.“ Die M?dchen h?rten, wie sich das T?rschloss ?ffnete. Sie hatten die Spiegel parat, als ob sie vorausgeahnt h?tten, was ihr Nachbar tun w?rde. Ohne die fremden Menschen in der Wohnung zu bemerken, ging er gleich zum Safe, um das an diesem Tag verdiente Geld hineinzulegen. Laut sagte er die Zahl: „7326.“ Die M?dchen standen versteckt in den Ecken, hielten die Spiegel bereit und versuchten, das Lachen zu unterdr?cken. Stella hielt es nicht mehr aus und wieherte los. Der arme Moldawier erschrak fast zu Tode. Er sprang beiseite, die Adern an seinem Hals traten hervor. Erst schrie er wie am Spie?, dann wurden seine Worte klarer: „Was machen Sie in meiner Wohnung?“ „Ist das Ihre Wohnung? Oh, entschuldigen Sie bitte! Wir brauchen Mehl. Haben Sie eine Prise?“ „Hahahaha!“ „Das ist nicht lustig! Ich w?re fast vor Schreck gestorben!“ „Wir auch.“ „D?rfen wir uns vorstellen? Ich hei?e Wassilissa.“ „Die Sch?ne?“ „Sehe ich etwa nicht so aus?“ „Entschuldigung, aber in der Dunkelheit kommen Sie mir eher wie eine Hexe vor.“ „Ich bin Warwara“, stellte sich Stella mit einem unterdr?ckten L?cheln vor. „Sie haben merkw?rdige Vornamen. Ich hei?e Wadim. Oder einfach Wadik.“ „Das ist uns schon klar, dass es bei Ihnen einfach zugeht. Vielleicht w?rde Wadja auch passen? Hahaha!“ „Machen Sie sich lustig ?ber mich, junge Frau?“ „Oh nein, gar nicht! Wir sind ernsthafte, gute Studentinnen.“ „Dann bin ich froh, Sie kennenzulernen. Kommen Sie in die K?che? Trinken wir einen Kaffee zusammen? Aber zuerst muss ich in die Dusche und mich umziehen.“ „Hast du gesehen, Stella?“ sagte Natalja in der K?che. „Er ist vielleicht doof, aber er hat einen gescheiten Code f?r seinen Safe.“ „Hahaha! Ich mache mir in die Hose vor Lachen. So ein Held!“ Eine Stunde lang sa?en sie mit Wadim in der K?che bei einer Flasche Wodka. Zu essen gab es von ?l triefende, kalte und zerdr?ckte tatarische Teigtaschen, die Wadim vom Markt mitgebracht hatte. Dazu servierte er allerlei Geschichten. Er kaute mit so viel Enthusiasmus, dass ihm die Br?ckchen aus dem Mund flogen. In diesem Moment schworen sich die M?dchen im Stillen, nie mehr tatarische Teigtaschen zu essen. Ein uns?glicher Gestank begleitete jeden Witz, ?ber den meist nur Wadim lachen musste. „Bring ihn nicht zum Lachen, Natalja! Sonst ersticke ich.“ Stella unterbrach das Gespr?ch, als der Nachbar zu erz?hlen begann, wie er auf dem Markt das M?dchen vom Jeans-Stand gek?sst hatte, dem das angeblich sehr gefiel. Sie blickte auf den mit ?l geschmierten Mund des M?chtegern-Verf?hrers und versp?rte Brechreiz. „Ich gehe ins Bett.“ „Warum, Stella? Es ist doch so lustig! Oder wollen wir lieber ausgehen?“ „Wir haben morgen ein Ding zu drehen. Oder beklauen wir ihn doch nicht? Entscheide du.“ „Doch, nat?rlich tun wir das!“ „Dann gehen wir schlafen.“ „Okay.“ Am Morgen, als das Stinktier zur Arbeit gegangen war, ?ffneten die M?dchen den Safe. „Oh! Er hat ganz sch?n viel zusammengespart. Das d?rften f?nf volle Monatsl?hne f?r ihn sein. Jetzt lass uns sehen, dass wir die Wohnung weitervermieten.“ „Du packst unsere Sachen und wartest hier auf mich, als ob du die Vermieterin w?rst. Ich gehe auf den Markt und suche einen neuen Mieter f?r die ganze Zweizimmerwohnung. Versteck bitte seine Sachen so, dass es nicht so aussieht, als ob hier jemand wohnt.“ „Okay.“ Warte mal, Stella! Lass uns ein Schild schreiben: „Wohnung f?r l?ngere Zeit zu vermieten“. Versuch, jemanden gleich f?r ein Jahr zu finden. Mit ein paar Monatsmieten als Kaution. Und ich mache inzwischen schnell einen Langzeitmietvertrag beim Notar unten. Ich nehme ein leeres Formular, damit es glaubw?rdig aussieht.“ „Finde ich toll!“ Dann sehen wir uns in ein paar Stunden.“ „Bitte bring das alles so schnell wie m?glich hinter dich. Sonst kommt am Ende unser Nachbar vor dir zur?ck.“ „Mach dir keine Sorgen, das schaffen wir.“ Auf dem Markt wurde das M?dchen mit dem Schild gleich von einem hochgewachsenen, stattlichen Mann angesprochen. „Vermieten Sie eine Wohnung?“ „Ja, eine Zweizimmerwohnung.“ „Wie hoch ist die Monatsmiete? Geh?rt die Wohnung Ihnen?“ „Ich bin eine Freundin der Eigent?merin. Sie muss dringend abreisen und hat mich gebeten, ihr zu helfen.“ „Sie sind also keine Maklerin?“ „Nein.“ „Was f?r ein Gl?cksfall!“ „Da haben Sie allerdings Gl?ck. Ich bin wirklich keine Maklerin.“ „Wissen Sie, ich bin heute Morgen in ausgezeichneter Stimmung und mit einem guten Gef?hl aufgewacht.“ „Dann wollen wir keine Zeit verlieren und schauen uns die Wohnung an. Die Vermieterin wartet schon auf uns.“ „Seien Sie bitte ehrlich: Verlangen Sie wirklich keine Geb?hr f?r Ihre Dienstleistung?“ „Nein. Wir sind Freundinnen seit Kindertagen. Sie muss heute fort und braucht deswegen meine Hilfe. Es f?llt mir nicht schwer, diesen Freundschaftsdienst gratis zu leisten.“ „Das ist sehr selten heutzutage! Ihre Freundin hat Gl?ck mit Ihnen. Sie sind ein guter Mensch.“ „Oh, und was f?r ein guter Mensch“, dachte Stella. Laut sagte sie zu dem Mann: „Freundschaft ist auch eine Art Arbeit. Das Prinzip „Wie du mir, so ich dir“ funktioniert hier nicht. Man muss geben k?nnen, ohne von den Menschen eine Gegenleistung zu erwarten. Dann kommt auch ein gutes Resultat. Nicht alles ist k?uflich. Am wenigsten die Freundschaft!“ „Sie sind eine wahre Philosophin!“ „Nein, ich bin Linguistin.“ „Wie interessant! Welche Sprachen k?nnen Sie?“ „Englisch, Deutsch, Russisch, etwas Ukrainisch.“ „Bei uns in Lugansk kann auch fast keiner Ukrainisch, obwohl die Stadt zur Ukraine geh?rt.“ „Oh! Lugansk? Das ist eine tolle Stadt! Dort war ich auch schon mal.“ „Ich bin ein einfacher Polizist und suche hier einen Job.“ „Merkw?rdig, dass Sie auf der Jobsuche gerade nach Charkow gekommen sind. Ich glaube nicht, dass die L?hne hier so hoch sind. Die Gastarbeiter gehen lieber nach Russland.“ Ihr war das Herz in die Hose gerutscht. „Sie haben recht. Aber ein Freund von mir ist hierher versetzt worden und hat mich und meine Familie hergerufen. Er sagt, hier g?be es mehr Chancen, bef?rdert zu werden.“ Verdammt! So eine Schei?e! Ein Bulle! Und noch dazu aus meiner Heimatstadt!“ „Ich glaube, die Vermieterin w?re mit so einem zuverl?ssigen Mieter sehr zufrieden. Ich dachte sogar schon, Ihnen allein w?rde sie die Wohnung vielleicht gar nicht vermieten. Sie h?tte lieber ein Paar oder eine Familie als einen alleinstehenden Mann, weil ledige M?nner zu Ausschweifungen neigen, und das kann allerlei ?rger geben.“ „Ach was! Ich bin Ehemann und Vater! Und ein anst?ndiger B?rger! Meine Ehefrau kommt bestimmt mindestens zweimal im Monat zu Besuch.“ „Das ist doch sch?n. So, wir sind da.“ Natalja stand in der K?che und briet Kartoffeln, als ob ihr die Wohnung wirklich geh?rte. Es war ein ausgezeichneter Trick zur Ablenkung. Sie trug eine Sch?rze und hielt eine gesch?lte Zwiebel in der Hand. „Genial“, dachte Stella. Nataljas spontane Schlauheit und ihr Improvisationstalent beeindruckten Stella immer wieder. „Guten Tag!“ Nata l?chelte ?ber das ganze Gesicht. Ihr Brustansatz war wie zuf?llig im Ausschnitt der Sch?rze zu sehen. Der Mann lie? diese Tatsache nicht unbeachtet. Seine Haltung wurde aufrecht, als ob er seine Ernsthaftigkeit zeigen wollte. „Jetzt haben wir dich, T?ubchen!“, dachte Stella. Sie atmete endlich ihre ganze Anspannung mit einer Wolke Zigarettenrauch aus. „Da ist er wieder! Der schreckliche Charakter der M?nner! Sie bleiben anst?ndige Familienv?ter bis zu dem Augenblick, in dem sie sch?ne Titten zu sehen bekommen. In Wirklichkeit leben alle guten Frauen allein. Ich glaube, es dauert nicht mehr lange, bis die Frauen einfach allein leben wollen. Sie gehen abends aus dem Haus, um ihre Triebe zu befriedigen, kommen dann entspannt zur?ck und verbringen den Abend in Ruhe vor dem Fernseher oder bei irgendeinem anderen Hobby. Das Leben mit Mann bringt nur jede Menge zus?tzliche Pflichten und raubt einen Haufen wertvolle Zeit und Ruhe. Und zum Dank bekommen wir Frauen nur Vorw?rfe und Untreue.“ „Stella! Komm rein! Was stehst du da wie versteinert?“ „Entschuldige, Natalja. Ich habe gerade ?ber Feminismus nachgedacht. Ich rauche noch fertig und komme rein.“ In der K?che herrschte eine lebhafte Unterhaltung. Natalja hatte die Sch?rze schon ausgezogen und trug nur noch ein kurzes Kleid. Sie beugte sich ?ber den Bullen und zeigte ihm, wo er seine Passdaten eintragen sollte. „Bitte nicht so schnell“, sagte er h?flich. „Entschuldigen Sie bitte, aber Sie schreiben so langsam, dass ich schon Angst habe, meinen Flug nach Tschita zu verpassen. K?nnen Sie sich bitte beeilen?“ „Ja, nat?rlich. Sagen Sie, was ist das f?r ein Formular? Es sieht anders aus als bei uns in Lugansk.“ „Sie sind in jeder Stadt anders. Sie sehen wie ein gebildeter Mensch aus und wussten das nicht? „Leider nicht. Aber jetzt wei? ich's.“ Er unterzeichnete den Mietvertrag mit einer Kaution f?r drei Monate. Natalja legte schnell die Bratkartoffeln auf den Teller, schob ihn zu ihm zu und sagte l?chelnd: „Essen Sie bitte. Ich muss noch einige Sachen packen.“ Sie verschwand hinter der T?r des Nebenzimmers. Stella stand an der T?r gerade wie ein Soldat und beobachtete, wie der Mann mit dem L?cheln eines unschuldigen J?nglings die Kartoffeln verputzte. „Guten Appetit“, sagte Stella laut und st?rte seine Euphorie. Er wandte ihr schnell das Gesicht zu, aber sein Interesse an ihr schien weniger ausgepr?gt zu sein. „Eine nette Frau, nicht wahr?“ „Ja, sie ist sehr nett. Alle m?gen sie, durch die Bank“, erwiderte Stella. In seinen Augen blitzte ein Hoffnungsschimmer auf. „Sie haben gro?es Gl?ck, so eine Wohnung und so eine Vermieterin zu finden“, sagte Stella mit einem schelmischen Augenzwinkern zu ihrem Landsmann. Endlich stand Natalja abreisebereit vor der T?r. „Verzeihen Sie, ich habe es sehr eilig. Hier haben Sie die Schl?ssel. In ein paar Monaten komme ich Sie besuchen. Machen Sie sich bequem.“ „Danke sch?n.“ Es war mir ein Vergn?gen, Sie kennenzulernen. Bringen Sie den Duft n?rdlicher N?chte mit“, erwiderte der Mann mit einem L?cheln. „Sie sind ja auch noch ein Romantiker!“ „Oh ja, das bin ich!“ Die M?dchen verlie?en die Wohnung. Langsam und laut lachend gingen sie aus dem Haus und bogen um die Ecke. „Und jetzt… weg hier!“ Sie lie?en mehrere Gassen hinter sich und gingen im Passantenstrom auf. „Danke! Wie bist du nur darauf gekommen, einen Bullen mitzubringen?“ „Er kommt aus meiner Stadt!“ „Hast du ihn etwa absichtlich ausgew?hlt? Um einen Landsmann auszunehmen? Oder aus Mitleid? Mit einem Obdachlosen?“ „Ahahaha! Ich platze vor Lachen, Natalja! Ich stelle mir das Gesicht des Moldawiers vor, als er einen Bullen in der Wohnung vorfindet.“ „Das w?rde ich gerne sehen. Eine Kamera installieren und sich die Reality-Show anschauen. „Bringen Sie den Duft n?rdlicher N?chte mit!“ Pardon, aber davor m?sstest du an vergammelten tatarischen Teigtaschen riechen und ein Gespr?ch mit dem Moldawier ?berstehen, was gar nicht so einfach w?re.“ Am Flughafen wimmelte es von Menschen. Etwas sagte Stella, sie sollten nicht nach Moskau fliegen. Wenn der Moldawier nach Hause k?me und den Fall der Polizei meldete, w?rden wohl alle Flugh?fen sofort durchsucht werden. Andererseits wussten sie, dass er ein Date hatte und schon angek?ndigt hatte, dass er sp?t zur?ckkommen w?rde. Umziehen w?rde er sich eher nicht, er war ja ein begehrter Br?utigam auf seinem Markt. Das war gewiss komisch, trotzdem war in ihrer Situation besondere Vorsicht geboten. „Wollen wir lieber mit dem Bus fahren? Vorsichtshalber“, schlug Stella vor. „Wir einigen uns direkt mit dem Busfahrer, dann brauchen wir unsere P?sse nicht an der Kasse zu zeigen. Das w?re sicherer.“ „Ja, du hast recht.“ Zum ersten Mal h?rte Stella dem?tige Worte von ihrer Freundin. Unterwegs zum Busbahnhof wechselten sie bange Blicke und wurden erst ruhiger, als sie im Bus sa?en. „Uh! Moskau glaubt den Tr?nen nicht. Und uns auch nicht.“ „Nein, Stella. Uns glauben alle.“ „Tja, das sollten sie lieber nicht tun.“ Die Reise war m?hsam und schien kein Ende zu nehmen. Im Bus stank es nach Essen. Eine Gruppe M?nner trank die ganze Zeit Bier, a? dazu getrockneten Fisch und lie? den anderen Fahrg?sten keine Ruhe. Auf ihren Handys lief Musik wie die der Band Leningrad. Der Fahrgastraum war widerlich muffig und dumpf. In Moskau angekommen gingen die M?dchen gleich, sich die Wohnung anzuschauen, die sie im Voraus reserviert hatten. Die Bude sah anst?ndig aus. Sie lag in der N?he der U-Bahnstation Otradnaja. Es gab zwei Zimmer mit Balkon und eine separate K?che. Die Fu?bodenheizung stellte in einer so kalten Stadt wie Moskau einen besonderen Vorteil dar. „Wie lange wollen Sie hier wohnen?“, fragte die Maklerin. „Mindestens zwei Monate. Das hatte ich Ihnen doch am Telefon gesagt.“ „Gut. Aber ich muss das Datum Ihres Auszugs zehn Tage im Voraus wissen.“ „Wir melden uns, wenn es so weit ist. Danke.“ Als sich die T?r hinter der Maklerin schloss, umarmten sich die M?dchen und h?pften vor Gl?ck herum. Sie redeten ?berschw?nglich von der Zollkontrolle an der Grenze zwischen der Ukraine und Russland. Unterwegs hatten sie keine M?glichkeit gehabt, dieses empfindliche Thema unter vier Augen zu besprechen. „Ich war kurz vorm Herzinfarkt, als der Zollbeamte meinen Pass anstarrte wie die Mona Lisa.“ „Mein Herz hat eine Minute ausgesetzt! Ich habe mich schon auf einer kalten Knastpritsche gesehen.“ „Es gab wenig Licht an der Grenze und der Zollbeamte war schl?frig oder ganz bet?ubt von dem Gestank im Bus.“ „Tja, dieser Gestank hat uns geholfen, ohne b?se ?berraschung ?ber die Grenze zu kommen.“ „Ich habe echt Angst gehabt. Wir sind ja Verbrecherinnen. Fr?her oder sp?ter finden sie uns auch in Russland.“ „Das wird sie aber schon etwas M?he kosten“, erwiderte Natalja. „Wei?t du, ich w?rde inzwischen auch einen Japaner heiraten, wenn ich nur nicht ins Gef?ngnis muss.“ „Erz?hl mir keine Horrorstorys. Ich w?rde lieber in den Knast gehen, als einen Japaner zu heiraten.“ „Nur gut, dass ich nach Genf gehe. Dort leben wenigstens normal gro?e, wei?e Menschen mit richtigen Augen. Schade, dass du nicht mitkommst. Das wirst du eines Tages bereuen.“ „Ich kann nicht so schnell und pl?tzlich nach Genf. Das w?re f?r mich der Horror gewesen.“ Bis die Dokumente fertig waren, fickte Natalja die H?lfte der m?nnlichen Bev?lkerung Moskaus durch. Stella kam mit ihr mit, lernte einen sympathischen Jungen kennen und zog mit ihm durch die Klubs oder von einer Party zur anderen. Natalja konnte zuerst kaum glauben, dass Stella nicht mehr so langweilig war und das Klugschei?en aufgegeben hatte. Im Gegenteil, sie gab mit einem Mal ordentlich Gas. Au?erdem lernte Stella Japanisch. Sie begann mit ein paar S?tzen, die eine Frau braucht. Ihre Schuhgr??e zum Beispiel, siebenunddrei?ig, hie? auf Japanisch „san ju nana“. Dazu kamen viele andere W?rter, bei denen es meistens um die Bestellung von Speisen und Getr?nken im Restaurants ging. Sie fand diese Sprache cool, wenn auch ein bisschen ulkig. Natalja lernte Franz?sisch. Sie plauderte per Skype mit allen m?glichen Franzosen rund um den Globus in der Hoffnung, eine der schwierigsten Sprachen der Welt zu erlernen. Das wollte sie so schnell wie m?glich erledigen und kam dabei sehr gut voran. Natalja versprach jedem im Chat, gerade ihn bald in Frankreich zu besuchen. Nat?rlich freuten sich die M?nner auf diese Aussichten und ?bten mit der sch?nen Gaunerin stundenlang ihre Sprache. Wie immer lief alles unter ihrem Motto: Alle sind Schei?e, und ich bin K?nigin! Die M?dchen nutzten ihre Zeit in der russischen Hauptstadt gut. Mehr als f?nfzehn Gesch?fte nach fast dem gleichen Schema f?delten sie ein. Aber die Ma?st?be in Moskau waren schon um einiges gr??er. Statt Wohnungen vermieteten sie ganze Arbeiterhostels. Kaum waren die Bewohner zur Arbeit gegangen, brachten sie neue Brigaden auf deren Pl?tze. Die Unterk?nfte wurden schnell bezogen, den Mietern legten sie gef?lschte Eigentumsdokumente vor. Gew?hnlich achteten die Leute nicht besonders auf die Echtheit des Notarsiegels oder Stempels. Es w?re aber hilfreich, den Menschen beizubringen, wie man solche Situationen vermeidet, in die sie meist durch ihren eigenen Leichtsinn geraten. Seit damals sind mehr als zw?lf Jahre vergangen. Inzwischen sind die Menschen vorsichtiger geworden. Es gibt nun ?berwachungssysteme, Kameras, kurzum, Fortschritt. Der Tag des Abschieds r?ckte n?her. Stella sollte die Reise als erste antreten, weil ihr Platz fr?her reserviert war. Ihre Nerven wurden allm?hlich schw?cher. Sie war gereizt. Stella hatte den Eindruck, dass alles was sie tat, v?lliger Unsinn oder jedenfalls ein Fehler war. Au?erdem ihre Beziehung zu Nikita sie nicht zur Ruhe kommen. Den Mann, mit dem sie letzte Monate verbracht hatte, konnte sie nicht vergessen. Er war ein geb?rtiger Moskauer, h?flich, angenehm, still und ruhig. Er beeilte sich nie wirklich, erledigte aber trotzdem alles rechtzeitig. Zu Stella war er z?rtlich, umarmte sie, streichelte und k?sste ihre H?nde. Das M?dchen dachte, sie h?tte ihr Gl?ck und ihre Ruhe gefunden. Er war gro?, sogar sehr gro?, hatte dunkles Haar und braune Augen. Sie hatte sich ihr Gl?ck immer mit solchen braunen Augen vorgestellt. Einen leidenschaftlichen Liebhaber konnte man ihn kaum nennen, aber er war von z?rtlicher Ausdauer. In seinen Armen bekam sie am ganzen K?rper G?nsehaut vor Lust. Genau so nannte sie ihn in Gedanken: „meine G?nsehautliebe“. Die Emotionen in dieser Beziehung konnte man nat?rlich nicht mit elektrischen Ladungen vergleichen, aber Nikita war doch keine schlechte Wahl. Stella hatte ihn nicht ernst genommen. Sie liebte bewegliche Menschen und Sport. In ihrer Schulzeit hatte sie an verschiedenen Wettbewerben teilgenommen. und meistens gewonnen. Daf?r gab sie hundert Prozent, koste es, was es wolle. Sie hatte sich mit kr?ftigen, sportlichen Jungen getroffen, die einen starken Charakter hatten und Wort halten konnten. Stella sagte, sie m?ge echte M?nner, keine Schwuchteln. Nikita sah dagegen eher wie ein warmer Bruder als wie ein harter Mann aus. Ein Weichling mit d?nnen ?rmchen. Beim Sex mit ihm spielte Stella immer die erste Geige. Stella verabschiedete sich von ihrem guten Nikita, der mit dem gekr?nkten Gesicht eines ungl?cklichen, verlorenen Kindes dastand. Sein Aussehen weckte Stellas m?tterliche Gef?hle. Sie brach in Tr?nen aus. Im Gegensatz zu ihm wusste sie sehr gut, dass es ihr letztes Treffen war. Natalja sa? w?tend zu Hause und wartete auf Stella. Sie war sauer auf ihre Freundin, weil diese ins Land der Zwerge reiste und sie im Stich lie?. Daf?r fand sie einfach keine Erkl?rung. Vieles ver?nderte sich in der Beziehung der M?dchen w?hrend dieser letzten Zeit. Natalja hatte sich an ihre „Schlange“ gew?hnt, und vielleicht liebte sie sie sogar ein wenig. Oder war es nur die gew?hnliche Angst, allein zur?ckzubleiben, die die arme Blonde qu?lte? Als Stella in die Wohnung kam, sah sie das besorgte Gesicht der Weggef?hrtin und konnte die Tr?nen nicht mehr zur?ckhalten. In dieser Minute tat es ihr leid, dass sie diese ?berst?rzte, unbesonnene, auf Emotionen und Ressentiments beruhende Entscheidung getroffen hatte. Der verdammte Job als Notarin und der gemeinsame Arbeitsalltag hatten sie beide restlos aufgefressen. Skandale und andere Probleme brachten sie dazu, den Schritt zu gehen, den sie vor drei Monaten gewagt hatten. Aber heute! Heute ist alles anders! Ganz anders! Ich bin selber schuld! Mein verdammter Charakter! Ich konnte nicht nachgeben! Ich dachte, so w?re es besser! Sie hat mich verr?ckt gemacht mit ihren Zicken! Aber warum ist das nicht mehr wichtig? Alles ist vor meinen Augen anders geworden! In kurzer Zeit! Ich will in dieses verfluchte Genf! Schei? auf das Tanzen! Das kann ich lernen! Aber nein, jetzt ist nichts mehr daran zu ?ndern… „Ich komme! Du wirst sehen!“ „Ich warte auf dich! Jetzt schon! Du bist noch gar nicht weg, du Schlange! Aber ich warte schon auf dich!“, rief das M?dchen durch ihre Tr?nen. Sie gingen hinaus auf die Stra?e. Das Taxi war bereits da. Natalja knallte die T?r zu, als Stella im Wagen sa?. Sie versuchte die Lage zu entspannen, indem sie vor dem Autofenster eine ?ffin darstellte, die sich mit einem Finger stie?. Das sollte Sex mit Japanern bedeuten. Stella brach in ein heiseres Gel?chter aus, das durch die Tr?nen aus ihrer Seele brach. Diesen Moment behielten die beiden M?dchen f?r immer in Erinnerung. Allm?hlich kam auch f?r Natalja die Zeit, sich auf die Abreise vorzubereiten. Sie lief im Galopp durch ganz Moskau, um sich so viele rosa und hellgr?ne Striptease-Kleider wie m?glich schneidern zu lassen. Sie kaufte Highheels, die so hoch waren, dass sie ihr mindestens zwanzig Zentimeter zus?tzliche K?rpergr??e einbrachten. Sie lie? ihre Haare verl?ngern, freilich ohne jeden Grund, besorgte sich verschiedene K?rpercremes mit Glitzer, weil sie meinte, sie h?tte Zellulitis an den Oberschenkeln, die aber nur f?r sie selbst sichtbar war. Sie nahm noch ein paar Stunden Pole-Dance-Unterricht, um ihre Professionalit?t zu ?berpr?fen. Sie lie? Begleitmusik f?r ihre Show aufnehmen. Sie erledigte alles, was sie vor der Abreise noch hatte tun wollen. Sie vermisste Stella sehr. Die spitzz?ngigen Ratschl?ge und die Kritik der Freundin fehlten ihr. Sie telefonierten meistens nachts. Wenn Stella aufwachte, war in Japan schon heller Tag, aber in Moskau, wo sich Natalja befand, herrschte noch tiefe Nacht, etwa um drei Uhr morgens. Natalja schrie Stella an, weil sie sie immer aufweckte. Aber meistens hielt sich Natalja um diese Zeit in einem der Klubs der Stadt auf, wie immer, mit wei? Gott wem. Mit Vergn?gen plauderte sie mit ihrer Freundin ?ber alles. Die Gespr?che in angeheiterter Stimmung hatten den Effekt, dass ihre Freundschaft zu einer festen, unzerbrechlichen Verbindung wurde. Beide waren der Meinung, dass sie sich noch nie so pr?chtig verstanden h?tten wie jetzt. Stella erz?hlte, sie habe sich durch ihre neuen, unglaublichen Erlebnisse v?llig ver?ndert und die Angst vor der Tanzstange ?berwunden. Jetzt tanze sie im Klub in einer Show. Das sehe zwar noch eher wie ein Samurai-Tanz aus, als wie der weibliche Auftritt einer Geisha, aber sie gebe sich gro?e M?he. Und sie habe sogar gelernt, kopf?ber an der Tanzstange zu h?ngen. Innerhalb eines Monats habe sie ziemlich zugenommen. Alkohol und leckeres Essen h?tten noch niemanden zu einer vollkommenen K?rperform gebracht. Die Japaner l?den sie jeden Tag in verschiedene Lokale ein, wo vier Meter lange Tische voll mit Leckereien aus Fisch und Meeresfr?chten beladen seien. Gew?hnlich nehme ein Japaner eine ganze Gruppe von M?dchen mit. Anscheinend solle das seine Solidit?t unterstreichen. Im Klub arbeiteten ungef?hr zwanzig Personen. Acht von ihnen seien Rum?ninnen. Sie seien heruntergekommen und h?misch wie Zigeunerinnen. Sie hassten Russinnen und Ukrainerinnen, stritten und k?mpften um jeden Kunden. Seltsamerweise h?re der Besitzer auf sie und glaube ihnen aufs Wort, als ob er von Voodoo-Puppen verhext w?re. Aber Stella m?sse zugeben, dass sie sehr sch?n und arbeitsam seien und gut tanzten. Sex mit Kunden sei verboten. Viele M?dchen h?tten Verehrer au?erhalb des Klubs und lie?en sich von ihnen aushalten. Aber im Klub selbst d?rften sie nur trinken und tanzen, sonst nichts. Gleich nach ihrer Ankunft habe sie es, wenig ?berraschend, geschafft, sich mit dem reichsten Klubgast zu zerstreiten. Sie h?tte angeblich zu laut geredet. Seitdem lasse man sie nicht mehr mit ihm trinken, was zur Minderung ihres Lohns gef?hrt habe. Aber Stella saufe sich allein in der Klubk?che den Mut zum Pole Dance an. „Braves M?dchen! Schei?e!“, dachte Natalja. „Stille Wasser sind tief…“ Die Schicht dauere von abends um acht bis vier Uhr morgens. Danach gehe sie schleunigst in die Bar und schie?e sich dort total ab. Entweder aus Langeweile und Kummer oder aus Freude, der Grund sei ihr selbst unklar. An den Wochenenden gehe sie in eine Disco, wo Schwarze Breackdance tanzten. Ein Japaner beginne sie anzumachen. Der sch?ne, hochgewachsene Mann habe sie eingeladen, am Wochenende mit ihm Disneyland zu besuchen. Er hei?e Jamoguchi. Natalja fiel fast um, als sie diesen Namen h?rte. „'Ich bin m?chtig'? Ernsthaft? Ahahahaha!“ Stella wusste, wie man die Leute zum Lachen bringt. Es war auch interessant, etwas ?ber die M?nnerprostitution und den Alkoholkonsum zu erfahren. Stella erz?hlte, wie M?nner bei Frauen an der Bar um einen Drink bettelten und versuchten, sie auf verschiedene Art und Weise zu belustigen. Sie tanzten, sangen, machten akrobatische Kunstst?cke, zog die Aufmerksamkeit der Frauen auf sich, so gut sie konnten, um auf deren Kosten zu trinken. Dabei lie?e sich seltsamerweise nicht gleich erkennen, ob es Japaner waren oder Philippiner. Die Geschichten ?ber die kleinen Japaner machten Natalja derart Spa?, dass sie mit Ungeduld auf jeden Anruf ihrer Freundin wartete. Alles Neue und Unbekannte lockte sie. Als sie nach langen Gespr?chen in die Disco zur?ckkam, konnte sie sich oft nicht mehr daran erinnern, mit wem zusammen sie gekommen war. Einmal ging Natalja noch fast n?chtern auf einen Mann im blauen Hemd zu, mit dem sie glaubte, den Abend angenehm verbringen zu k?nnen, und begann ihn zu umarmen, ohne sein ?berraschtes Gesicht zu bemerken. Da tauchte vor ihr ein anderer Typ mit einem ebenso blauen Hemd, fragendem Blick und geballten F?usten auf und fragte: „Mit wem bist du denn hierhergekommen?“ Die kuriose Situation endete damit, dass sie, auch als der zweite Mann im blauen Hemd vor ihr stand, diese Frage nicht klar und ad?quat beantworten konnte. Frech betrachtete sie die Gesichter der beiden und versuchte, darin bekannte Z?ge zu erkennen. Das Warten auf den Vertrag war eine Qual f?r Natalja. Sie wurde des Herumsitzens in den Bars bald ?berdr?ssig. Die bl?den Arschl?cher, die sie dort traf, waren nach ein paar Flaschen sowieso alle gleich. Deshalb beschloss Natalja, in Erwartung eines Wunders, selbst Stella anzurufen und sie nach den neuesten Ereignissen in ihrem Leben zu fragen. „Moschi, Moschi!“ So meldet man sich in Japan am Telefon. „Hall?chen, meine S??e! Was machst du gerade?“ „Ich saufe, vor lauter Sehnsucht nach dir.“ „Klasse, ich auch.“ „Na, erz?hl mir von deiner Arbeit. Was machst du da alles? Ich brauche schmutzige Details!“ „Es gibt leider keine!“ „Ah so! Also, leider sagst du, trotz allem?“ „Ich w?rde gerne mal die Sau rauslassen, wenn du das meinst! Aber hier ist tote Hose!“ „Ich bin so traurig ohne dich! Alle kommen mir so einerlei und uninteressant vor.“ „Glaub mir, in der Ukraine sind die Typen top! Hier in Japan sind sie alle gleich. Ich komme auf die Arbeit, gehe in die Umkleide, schminke mich und mache Frisur. Das Haar muss sch?n frisiert sein, so steht es im Vertrag. Um punkt zwanzig Uhr muss ich mit allen anderen an einem gro?en Tisch in der Mitte des Klubs sitzen und auf Kunden warten. Wenn der erste Kunde erscheint, stehen alle M?dchen auf und gr??en: „Konbanwa.“ – Guten Abend auf Japanisch. Der Japaner geht langsam weiter, schaut sich die M?dchen an und nimmt im Saal Platz. In diesem Moment beginnt das Showprogramm mit dem Blumenverkauf. Erinnerst du dich, wie Darja uns davon erz?hlt hat?“ „Ja, vage. Und was weiter?“ „Nachdem der Gast sich hingesetzt hat, f?hrt eine Mitarbeiterin des Klubs, sie werden Hostess genannt, die M?dchen zu seinem Tisch. Der w?hlt aus, oder l?dt sie alle ein, sich zu ihm zu setzen. Bei einem Japaner k?nnen mehrere M?dchen sitzen, wenn er bereit ist, f?r sie alle Getr?nke zu bestellen, die gerade nicht billig sind. Die Auswahl an Drinks ist nicht gro?. Saft, Pflaumenwein oder Rum mit Cola. Alle Getr?nke werden dem Kunden zum gleichen Preis angeboten. Aber nach meiner Ankunft wurde der Rum von der Karte gestrichen. Sie haben dort noch nie gesehen, dass ein M?dchen so viel trinkt.“ „Ahahaha, bald machen sie das auch mit dem Wein! Dann bleibt dir nur noch der Saft.“ „Ich? Saft? Dann m?sste ich mir eine Flasche mitbringen, unter meiner Kleidung versteckt.“ „Erz?hl weiter! Es ist so interessant!“ „Dann sitzt er so stolz da, als ob sein Schwanz l?nger w?re als f?nf Zentimeter, umgeben von M?dchen, und schaut sich die Show an. Die M?dchen wechseln sich immer wieder ab, je nach dem, wer gerade mit dem Tanzen an der Reihe ist. Das wird dann alles am Tisch besprochen, begleitet von Witzen, wer welche Titten hat oder welcher Tanz besser war. Komisch sind sie schon, offen gesagt. Unsere Kerle oder die Russen h?tten gleich alle begrabscht. Aber die Japaner sitzen blo? rum, bewegen sich kaum und rei?en Witze ?ber Sex, den sie wohl nur aus B?chern kennen.“ „Unsere M?nner sind die besten! Auch wenn sie gerissene Mistkerle sind! Aber unsere Mistkerle! Apropos, ich habe einen neuen Freund!“ „Erschreck mich nicht, Natalja! Wer ist er?“ „Er hei?t Ljonja. Und nach Genf will ich nicht mehr.“ „Bist du dir sicher, dass er wirklich so hei?t? Woher kennst du ihn? Gestern gab es ihn noch nicht!“ „H?r auf zu l?stern. Das ist Liebe auf den ersten Blick!“ „Bring mich nicht zum Lachen! Willst du nicht mehr nach Genf? Wird Ljonja dich im Zuchthaus besuchen?“ „Stella, mit dir kann man einfach nicht ?ber Romantik reden!“ „Warum denn nicht? Ist die Geschichte von Natalja und Ljonja, der seine Geliebte im Knast besucht, etwa nicht romantisch?“ „Verdirb mich nicht die Laune! Erz?hl mir lieber von den kleinen japanischen Pimmeln. Was macht dein Jamoguchi?“ „Na, was soll ich denn noch erz?hlen? Man sitzt ein wenig herumgesessen, dann tauscht das Personal die M?dchen aus. Diejenigen, die dem Gast nicht gefallen haben, werden weggebracht. Es bleiben meistens die Rum?ninnen. Die k?nnen Fremdsprachen und labern wie ein Wasserfall. Ich kann das leider nicht. Daf?r habe ich ihnen ein M?nzenspiel um Geld beigebracht. Jedes Spiel zehn Dollar. An einem Abend kann man damit hundert Dollar verdienen.“ „Wie geht das Spiel? Ich w?rde gerne die Schweizer in Genf ausnehmen.“ „Du wirst das kaum brauchen. Du wirst sie mit anderen Spielen um mehrere hundert Dollar bringen. Hahahaha!” „Ich will so sehr zu dir! Sogar nach Japan! Ich langweile mich. Ohne dich passiert nichts in Moskau. Aber ich will Abenteuer erleben.“ „Es geht doch morgen schon los! Hurra! Dich erwartet viel Neues, Unbekanntes und Sch?nes. Ich stelle mir vor, wie du aus einem Flugzeug steigst, mit einer sauteueren Schweizer Uhr am Handgelenk und mit einem Million?r am Arm. Ich treffe euch am Flughafen und freue mich im Inneren ?ber deine Siege.“ „Oh ja! Stella! Genau so wird es sein. Ich habe schon meine Sachen gepackt. Ich bin gleichzeitig froh und traurig und ?ngstlich. Gemischte Gef?hle vor der Ungewissheit. Ich will nicht ?ber traurige Sachen reden. Erz?hl weiter, was du noch erlebt hast. Du bist meine Spielm?nze.“ „Das Spiel ist ganz lustig. Es passt gut f?r eine gro?e Gesellschaft, besonders f?r Raucher oder Betrunkene, denen man w?hrend des Spiels eine Zigarette stecken kann. Man legt eine Serviette auf ein normales Glas. Damit sie nicht rutscht, kann man den Glasrand mit einem St?ck Eis einreiben. Ein Eisk?bel steht w?hrend des ganzen Abends auf jedem Tisch. Auf die Mitte der Serviette wird eine M?nze gelegt. Danach brennen alle Spieler, die am Tisch sitzen, mit ihren Zigaretten je ein Loch um die M?nze herum hinein. Derjenige, bei dem dabei die M?nze ins Glas f?llt, hat verloren. Die Japaner haben meistens schlechte Augen und mit ihren Zigaretten wild in die Gegend. Die treffen nicht einmal das Glas. So gehe ich durch den Klub wie ein Sparschwein, mit einer M?nze im Glas.“ Am anderen Ende war das feine Lachen der Freundin zu h?ren. „Sag mal, arbeiten viele Russinnen bei euch?“ „Nein, es gibt wenig Russinnen. Wenn man Wei?russinnen nicht dazurechnet. Daf?r gibt es eine Menge Ukrainerinnen, aus Donezk, Charkow, Sumy und Kiew. Ein M?dchen aus Litauen. Nach der Arbeit laden die Japaner alle M?dchen zu einem sp?ten Abendessen ein, oder besser gesagt, zu einem fr?hen Fr?hst?ck. Es gilt als cool, einen Haufen sch?ner M?dels ins Restaurant einzuladen. Da sitzt dann ein Typ mit zwanzig Weibern da, stolz wie ein Adler, und zeigt allen, wie steinreich er ist. Die Japaner geben gern an. Das ist ein Teil ihres Lebens, es bringt Status und Prestige. Er zahlt f?r alle ohne zu ?berlegen, was ihn die ausgesuchtesten Speisen Japans kosten w?rden. Die M?dchen ihrerseits genieren sich nicht und bestellen Fugu oder verschiede Seeigel, und das kann am Ende des Abends ganz sch?n ins Geld gehen. Ich werde zusehends dicker! Schrecklich! Ich kann der Versuchung nicht widerstehen, wenn es so leckeres Essen gibt. Ich verputze alles. Stell dir vor, gestern zum Aperitif habe ich kleine lebende Fische gegessen. Die werden in einem hohen Glas serviert, damit sie nicht herausspringen k?nnen. Man greift mit den St?bchen ins Glas, schnappt einen Fisch, f?hrt ihn zum Mund und schluckt ihn ganz.“ „Einen lebenden Fisch?“ „Ja klar! Du kannst sp?ren, wie er irgendwo in deinem Bauch stirbt.“ „Pfui, wie ekelhaft! Wie konntest du sowas aufessen? Du bist pervers!“ „Das h?re ich doch gerade von dir sehr gern“, sagte Stella schmunzelnd. Gel?chter erklang von beiden Enden der Welt und verschmolz zu einer Sinfonie zweier verwandter Seelen. „Geh schlafen, Liebes. Morgen hast du einen schweren Tag.“ „Ich kann bestimmt nicht einschlafen.“ „Schlaf bitte! Du musst doch unwiderstehlich sein an deinem ersten Arbeitstag im sch?nen Genf!“ „Gut. Ich rufe dich vor dem Abflug an. Ich versuche auch, zu schlafen. K?sschen…“ „K?sschen zur?ck…“ „Oh Gott. Es macht so einen Spa?, mit dieser Schlange zu telefonieren! Ich sollte vielleicht doch das Land der Schlitzaugen besuchen! Sushi, Fugu… mmmmm.“ Sie konnte nicht einschlafen. Die ganze Nacht drehten sich in ihrem Kopf schreckliche Gedanken: Sie k?nnte am Flughafen verhaftet werden oder eine internationale Fahndung nach ihr k?nnte eingeleitet werden. Sie war sauer, weil Stella es geschafft hatte, davonzukommen. Natalja war der Meinung, dass gerade ihre Freundin im Gef?ngnis enden sollte. Die zweite Frage, die ihr keine Ruhe lie?, lautete: Was erwartete sie wirklich in Genf? Sehr viele M?dchen kamen nicht mehr zur?ck, wenn sie einmal im Ausland waren. „Dieser Stella werd ich's noch zeigen! Ich werde es alles viel besser machen als sie! Sonst w?re ich ja nicht ich. Ich lasse mich von dieser hochn?sigen Schlampe nicht ?bertrumpfen! Nie im Leben!“ Ihre Gedanken drehten sich wie das Karussell, das sie einmal in einem amerikanischen Kinderfilm gesehen hatte: Vorn fuhr ein Auto und dahinter flog ein Hubschrauber. Wie ein Pr?sidentenkonvoi. Genau so und nicht anders stellte sich Natalja ihr Leben in der Fremde vor. Befriedigt von diesen positiven Gedanken sank sie in den Schlaf. Sie tr?umte, dass sie mit einem H?ndchen mit rosarotem Schleifchen im Arm in einen hellblauen Bentley stieg und durch die Stadt fuhr. Ihr Seidenschal wehte. Sie zahlte ?berall mit einer schwarzen American- Express-Karte, deren Limit mindestens f?nftausend Dollar sein sollte. F?r kleinere Ausgaben w?rde das reichen. Am Morgen, noch nicht ganz aus dem wunderbaren Traum erwacht, dachte sie weder an Stellas Br?utigam noch an ihren Ljonja. Dennoch ertappte sie sich bei dem Gedanken: „Hei?t er wirklich Ljonja? Stella, dieses Mistst?ck, kann einen ganz um den Verstand bringen. Ach was, nat?rlich hei?t er Ljonja! Ich bin doch nicht bl?d!“ Sie schritt fest durch das Zimmer, murmelte vor sich hin, packte den Rest ihrer Sachen und dachte dabei nur an Geld und Unabh?ngigkeit. Natalja war sich sicher, dass das Gl?ck aus Kohle best?nde. Je mehr, desto besser. Wenn jemand sie von dieser Meinung abbringen wollte oder diese unmoralische Einstellung zu widerlegen versuchte, fragte sie ihn einfach, ob er reich w?re. Immer stellte sich dann heraus, dass dieser Mensch arm war. Von einem reichen Mann bekam sie so etwas nie zu h?ren. Zum ersten Mal, seit sie in Moskau war, hatte sie die Nachrichten auf ihrem Handy nicht ?berpr?ft. Au?erdem l?schte sie alle Kontakte darauf. Natalja trat vor den Spiegel, um sich von der Seite zu betrachten. Sie wollte ihr Gesicht sehen, um zu erkennen, ob sie litt oder nicht. Sie l?chelte so eiskalt und gef?hllos, dass selbst der Satan erschaudert w?re. Sie begann das Lied „Non, je ne regrette rien“ von der ber?hmten franz?sischen Prostituierten Edith Piaf zu summen. Sie war aufgeregt, gestikulierte theatralisch, wand sich wie eine Brillenschlange und genoss die Biegsamkeit ihres schlanken K?rpers. Ihre Augen blitzten teuflisch. Es schien fast schrecklicher, in diese kindlich anmutenden, aber hasserf?llten Augen zu blicken als in die Tiefen der H?lle. „Ihr findet es lustig, aber ich leide“, sagte sich das M?dchen leise und kalt und erstickte fast vor fieberhaftem Gel?chter. Bravo!“ Ein tolles Bild! Sie hatte eine gute Rolle am Bolschoi-Theater verdient. Das M?dchen war zweifellos eine wahre Bestie! Eine Strafe f?r M?nner, ein Blutegel f?r Frauen, M?tter und unschuldige Kinder. Nicht umsonst hatte man die Huren in alten Zeiten verbrannt. Sie stellten eine t?dliche Bedrohung f?r das Familiengl?ck und Ruhe der Menschen dar. Aber auch heutzutage waren Frauen bereit, wegen eines geliebten Mannes oder vielleicht wegen eines reichen Politikers. Da gab es keinen wesentlichen Unterschied. Die Jagd auf M?nner lief rund um die Uhr, wie der Grill bei McDonalds. Selbst in klirrend kalten N?chten marschierten kampfbereite, mit Silikon optimierte Weiber zu Hunderten durch die Stra?en, gaben vor, dass sie sich verlaufen hatten, und fragten bei jedem Mercedes oder BMV aufs Geratewohl, wie sie zur n?chsten U-Bahn-Station gelangen k?nnten – in der Hoffnung auf die R?ckfrage: „Junge Dame, kann ich Sie mitnehmen?“ Ganz abgesehen von den professionelleren Huren, die ihr Startkapital f?r eine produktivere M?nnerjagd bereits angeh?uft hatten, die in warmen Restaurants, auf Skipisten, an Str?nden und allerlei anderen Orten ihre Fallen stellten und das Leben von anst?ndigen Hausfrauen und M?tter verdarben, die ihrer weiblichen Reize nicht mehr sicher waren. Ein Paradoxon der verfluchten Realit?t! Die Fahrt zum Flughafen war nervig. Es gab f?rchterliche Staus. Die Wartezeit h?tte ausgereicht, um das Auto zu verkaufen und ein neues zu erwerben, das n?her an der Ampel hielt. Natalja war jetzt schon ein Nervenb?ndel, alles rutschte ihr aus der Hand, als ob sie Fieber h?tte. Der stinkende Taxifahrer hatte ihr verboten, in seinem verdammten Daewoo Lanos zu rauchen, weil sie sein Gef?hrt „Anus“ genannt hatte. Das konnte er ihr nicht verzeihen, denn auf dieses Traumauto hatte er ein halbes Leben lang gespart. Natalja bemerkte eine blinkende Lampe am Armaturenbrett, die einen leeren Tank meldete. Zwischen zusammengebissenen Z?hnen stie? sie drohend hervor: „Ich fliege nach Genf, verdammt noch mal. Und ich warne Sie. Wenn Ihnen der Sprit ausgeht, bevor am Flughafen sind, rauche ich nicht nur in Ihrem Wagen, Sie m?ssen ihn mir au?erdem schenken! Die Unterlagen und das Ticket haben mich doppelt so viel gekostet wie Ihr Schei?schlitten!“ „Aha. Meine Teuerste, ich bitte Sie, h?flicher zu sein. Sonst gehen Sie zu Fu? nach Ihren Genf. Haben Sie mich verstanden?“ „Nein, hab ich nicht!“, zischte Natalja und rauchte an. Nach zahlreichen Vorw?rfen gegen den Taxifahrer erreichte sie endlich den Flughafen. Sie rannte zum Schalter und legte eilig ihren monstr?sen Koffer auf die Waage. Als sie sah, dass er zweiundvierzig Kilo statt der erlaubten f?nfundzwanzig wog, wurden ihre Augen rund wie M?nzen. „Sie k?nnen entweder draufzahlen oder das ?bergep?ck wegnehmen. Gehen Sie bitte beiseite.“ Natalja blieb das Herz stehen. Sie verga? sogar, dass die Bullen nach ihr fahndeten. In diesem Koffer steckte alles, was sie in den n?chsten acht Monaten brauchen w?rde. Nur das Allern?tigste. Es gab ganz bestimmt nichts, worauf sie verzichten k?nnte. „Wie viel muss ich draufzahlen? Entschuldigung!“ „Glauben Sie mir, ziemlich viel. Besser w?re es, so viel wie m?glich vom ?bergep?ck wegzunehmen. Und bitte schneller. Wir haben noch zwanzig Minuten, bis der Check-in schlie?t.“ „Ich habe sie h?flich gefragt, wie viel ich zu bezahlen habe. Aber statt zu antworten, z?hlen Sie mein Geld!“ „Ich helfe Ihnen zu sparen!“ „Noch besser!“ „Sie k?nnen sich ans B?ro wenden und dort Ihr ?bergep?ck abrechnen. Es liegt am Ende des Korridors rechts. Bezahlen Sie und bringen bitte den Kassenzettel mit. Und verpassen Sie Ihren Flug nicht.“ „Wollen Sie sich ?ber mich lustig machen? Sagen Sie mir wenigstens, was das ?bergep?ck kostet.“ „Ich sage Ihnen doch, dass ich es nicht wei?. Aber es wird schon ziemlich teuer. Mindestens f?nfhundert Dollar!“ „Sind Sie wahnsinnig? Der Durchschnittslohn im Land liegt bei hundert Dollar!“ „H?ren Sie bitte auf, ?rger zu machen und holen Sie das ?berfl?ssige Gep?ck aus Ihrem Koffer. Sonst fliegen Sie heute nirgendwohin.“ „Wenn ich nicht abfliege, schmei?e ich Ihnen eine Bombe vor die F??e! Oder eine Rauchdose, verlassen Sie sich drauf!“ Sie ?ffnete ihren Koffer, der zu platzen drohte, und begann, allerlei Zeug herauszunehmen. Darunter waren Buchweizengr?tze, Zucker und sogar Konserven. Sie warf es in eine M?lltonne mit einem so traurigen Gesicht, als ob sie nicht in die Schweiz, sondern nach Afrika auswandern wollte. Die Menschen beobachteten sie ?berrascht und sp?ttisch. Sie murrte gekr?nkt vor sich hin: „Was schaut ihr mich so an? Ich fliege in ein Land, wo alles sehr teuer ist! Warum soll ich dort etwas kaufen, was ich von zu Hause mitnehmen kann? Ich wei? gar nicht, ob sie mir dort Geld f?r Verpflegung geben. Und essen muss ich ja wohl!“ F?nf Packungen Billigshampoos, allerlei Cremes und Duschgels flogen in die M?lltonne, der Gr?tze hinterher. „Wahnsinn! Wie kann ich das alles wegschmei?en? Unversch?mt sind sie, diese Schweinehunde! Sie nehmen so viel Geld f?r die Tickets und dann darf man nichts mit an Bord nehmen! Arschgesichter!“ Trotzdem musste sie das ?bergep?ck loswerden. Stinksauer durchlief sie im Nu die Kontrolle und verga? dabei das Wichtigste, was sie so viele schlaflose N?chte gekostet hatte. Das Flugzeug Moskau-Genf war startbereit. „Hurra!“, jubelte Natalja. Erst jetzt fiel ihr die Polizeifahndung wieder ein und sie schmunzelte. „Die Buchweizengr?tze hat mich vor Kummer bewahrt! Stella w?re vor Lachen an Ort und Stelle krepiert. Diese Schlange! Sie hat mich nicht einmal angerufen!“ Der Flughafen von Genf war so sauber, dass sie ihre Schuhe ausziehen wollte, als ob sie in eine Wohnung hineink?me. Sie ging zur Gep?ckabholung und stellte sich schweren Herzens ihren riesigen, halb leeren Koffer vor. „Wie schade! So viel Geld habe ich zum Fenster rausgeworfen!“ Natalja tat die traurigen Gedanken ab. Sie ging in die Damentoilette, k?mmte ihr Haar, frischte mit einem Stift ihre Augenbrauen auf. Gestern Abend hatte sie sie zupfen lassen, obwohl ihr das gar nicht passte, weil sie von Natur aus sch?ne, dichte Augenbrauen hatte. Aber sie war fest davon ?berzeugt, dass d?nne Augenbrauen sexy aussahen. „Mein neuer Look – voil?!“ Sie bekam ihren nun sehr leicht gewordenen Koffer zur?ck und begab sich mit stolzer Miene zum Ausgang. Dort erwartete sie ein Mann mit einem Schild, auf dem ihr Name stand. Anscheinend war es ein Klubmitarbeiter. Er gr??te Natalja h?flich und f?hrte sie zum Auto. Eine f?r sie v?llig neue, unbekannte Landschaft erstreckte sich vor dem Autofenster. Sie staunte ?ber alte H?user und winzige Stra?en. Es gab weder Wolkenkratzer noch Menschenmengen zu sehen. Kaum ein Haus war h?her als f?nf Stockwerke. Das Auto fuhr durch die Stadtmitte. Dort lagen auch Stra?enbahnschienen, auf denen ein sehr modern aussehender Wagen entlangglitt. Er hatte etwas roboterhaftes an sich, wie aus einem fantastischen Film. Die Passanten flanierten mit vielen bunten Einkaufst?ten in den H?nden die Hauptstra?e entlang und l?chelten einander zu. In der Luft hing der Duft von Baguette, frischgemahlenen Kaffee und Croissants. Sie bemerkte, dass die Menschen eher langweilig und unauff?llig angezogen waren, so wie Stella. Sie schmunzelte unwillk?rlich ?ber die hiesige Mode, in der, wie sie meinte, strenge graue, braune und dunkelblaue Farbt?ne vorherrschten. „Das wird mein Erfolg! Mit meinen bunten Klamotten erobere ich die ganze Schweizer M?nnerwelt!“ Seltsamerweise hatte sie recht. In der Schweiz herrschte ein ziemlicher Mangel an grellen, wasserstoffblonden Weibern, vor allem an solchen, die man auf Wunsch gegen Zahlung eines bestimmten Betrags knutschen konnte. Frauen dieser Art wurden nat?rlich nicht geheiratet, aber als Liebespriesterinnen betete man sie an. Natalja tr?umte eigentlich davon, zu heiraten, aber zuerst wollte sie in diesem reichen Land gen?gend Geld verdienen. Êîíåö îçíàêîìèòåëüíîãî ôðàãìåíòà. Òåêñò ïðåäîñòàâëåí ÎÎÎ «ËèòÐåñ». Ïðî÷èòàéòå ýòó êíèãó öåëèêîì, êóïèâ ïîëíóþ ëåãàëüíóþ âåðñèþ (https://www.litres.ru/pages/biblio_book/?art=51385447) íà ËèòÐåñ. Áåçîïàñíî îïëàòèòü êíèãó ìîæíî áàíêîâñêîé êàðòîé Visa, MasterCard, Maestro, ñî ñ÷åòà ìîáèëüíîãî òåëåôîíà, ñ ïëàòåæíîãî òåðìèíàëà, â ñàëîíå ÌÒÑ èëè Ñâÿçíîé, ÷åðåç PayPal, WebMoney, ßíäåêñ.Äåíüãè, QIWI Êîøåëåê, áîíóñíûìè êàðòàìè èëè äðóãèì óäîáíûì Âàì ñïîñîáîì.